Weinglossar

Trollinger

Bedeutung erlangte die Rebsorte als „Trollinger“ – vor allem in Württemberg -, eigentlich aber stammt sie aus Südtirol, wo sie „Schiava“ heißt und die aus ihr erzeugten Weine „Vernatsch“. Zwar erhält die Rebsorte dort ihren Namen erst im 18. Jahrhundert, als sie zur meistangebauten Rebsorte avancierte, gleichwohl dürfte sie in Südtirol ihren Ursprung haben – zumindest verweist die Bezeichnung Trollinger darauf, handelt es sich dabei doch wahrscheinlich um eine Abwandlung von „Tirolinger“. In Südtirol jedenfalls hat die Rebsorte ihr zweites wichtiges Anbaugebiet neben Württemberg.

In Oberitalien tritt die Rebsorte etwa ab dem 12. Jahrhundert in Erscheinung, in Württemberg ist sie dann ab dem 14. Jahrhundert nachgewiesen und wird dort, ebenfalls im 18. Jahrhundert, zur „Trollinger“. Eine weitere Verbreitung in Deutschland findet dann aber praktisch nicht mehr statt, das heißt, von vernachläßigbaren dreißig Hektar abgesehen, befinden sich alle Rebflächen von Trollinger in Württemberg. Sie ist dort die meistangebaute Rebsorte – obwohl sich ihre Rebflächen in den letzten zwanzig Jahres etwas zurück entwickelt haben: Wuchs die Anbaufläche für Trollinger zwischen 1960 und 1995 um etwa 1.000 Hektar und erreichte damit ihren Höchststand mit etwa 2.500 Hektar – zu der Zeit stellte sie etwa jede dritte Rebe in Württemberg -, verringerte sich die Fläche seither auf etwa 2.000 Hektar im Jahr 2021.

Die Konzentration auf das südlich gelegene Württemberg hat klimatische Gründe, handelt es sich dabei doch um eines der wärmeren deutschen Anbaugebiete. Denn Trollinger hat eine lange Vegetationsperiode um auszureifen – sie reift sogar noch nach dem Riesling. Damit das gelingt, sind im Frühherbst frostfreie Lagen notwendig, das heißt, die Rebstöcke der Trollinger fühlen sich am wohlsten auf warmen Böden wie etwa Keuper oder Muschelkalk.

Trollinger reagiert also empfindlich auf Spätfroste, allerdings verträgt sie auch direkte Sonneneinstrahlung nicht so gut – und braucht insofern Schatten. Deshalb wird sie in Südtirol im Pergolasystem erzogen. Unter ihr bleiben Feuchtigkeit, Temperatur und Luftverhältnisse weitgehend konstant, und auch der Boden trocknet nicht so schnell aus. Ist es insgesamt aber zu kühl und feucht, ist Trollinger relativ anfällig für Fäulnis, aber auch für andere Pilzkrankheiten wie Mehltau.

Dafür ist die Rebsorte dann aber relativ anspruchslos im Anbau, das heißt Trollinger ist eine ertragreiche Sorte, die etwa 100 Hektoliter pro Hektar erbringt, auch auf nährstoffarmen Böden, wobei sich das Mostgewicht mit durchschnittlich etwa siebzig Oechslegraden für die Produktion von Qualitätswein eignet. Die Säure allerdings fällt für einen Rotwein eher hoch aus.

Insgesamt erbringt Trollinger leichte, fruchtige Weine mit geringem Tannin – süffige Weine, mit einer hellroten Farbe, die aber fast nur in Württemberg selbst getrunken werden und dort auch als eine Art schwäbisches Nationalgetränk gelten. Manchmal wird Trollinger auch mit Lemberger verschnitten, ansonsten eignet sie sich aufgrund ihrer geringen Tannine nicht für eine längere Lagerung, sondern sollte am besten noch innerhalb eines Jahres getrunken werden.

Anders als in Württemberg, ist Trollinger in den anderen deutschen Anbaugebieten wegen seiner späten Reife unbeliebt – nicht aber in Südtirol, wo sie als Schiava schon einmal siebzig Prozent der Rebflächen ausmachte, inzwischen aber mit etwa 1.000 Hektar „nur noch“ 18 Prozent. Fast alle firmieren als DOC Alto Adige, wobei die klassischen Anbaugebiete für Schiava in Südtirol um Bozen, Meran und Kaltern liegern. Hier entstehen auch so bekannte Weine aus ihr wie zum Beispiel der St. Magdalener, der als kraftvollster Vernatsch gilt, oder auch der Kalterersee.

So wenig verbreitet Trollinger auch ist – er ist dafür doch an einigen Neuzüchtungen beteiligt, von denen man kaum weiss. Die bekannteste dürfte vielleicht der Kerner sein …

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