Weinglossar

Rebkrankheiten

Eine Vielzahl von Schädlingen und Krankheiten kann die Reifung beeinträchtigen. Die verschiedenen Weinbaupraktiken unterscheiden sich hier insbesondere hinsichtlich der Verwendung von Schädlings- und Krankheitsbekämpfungsmitteln (Herbizide und Funghizide). Insbesondere mit folgenden Problemen ist der Winzer konfrontiert:

Echter Mehltau (Oidium)

Der Echte Mehltau war 1845 die erste Plage, die aus Amerika in die europäischen Weinberge eingeschleppt wurde. Einmal befallen, bildet sich auf den Blättern des Rebstocks ein Pilzrasen, der sich in der Folge auf die ganze Pflanze ausbreitet. Erreicht der Pilz die Trauben, läßt er die Beerenhaut platzen und sorgt für einen ungenießbaren Geschmack. Für anfällige Rebsorten wie zum Beispiel Pinot Noir sind feuchte Jahre (wie zuletzt 2014 und 2016) mit hohem Pilzdruck verbunden. Gegen Oidium helfen dann nur Schwefelpräparate oder Backpulver.

Falscher Mehltau (Peronospora)

Während man gerade damit beschäftigt war, die Weinberge nach der verheerenden Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts neu zu bestocken, brach das nächste Unheil über die europäischen Weinbauern herein: mit den amerikanischen Unterlagsreben gelangte nämlich auch der Falsche Mehltau aus Nordamerika in die hiesigen Weinberge. Nach dem Echten Mehltau 1845 und der Reblaus etwas später war das also die dritte aus Amerika eingeschleppte Plage, der dann in den 1880er Jahren noch die Schwarzfäule folgen sollte.

Peronospora mach sich durch Ölflecken auf den Blättern und Gescheinsbefall bemerkbar, das heißt bei Befall mit der Pilzkrankheit entstehen ledrige, unbrauchbare Beeren („Lederbeeren“). Der Falsche Mehltau tritt zeitlich vor dem Echten Mehltau auf – er ist gewissermaßen die erste Krankheit im Jahr: Der Pilz zerstört Blatt-Zellen (Sporangien), wodurch die Photosynthese nicht mehr funktioniert. Um die Rebe zu schützen kann man Mineral- und pflanzliche Öle benutzen: damit kann man die Blätter beschichten, dann haften die Pilzsporen nicht mehr auf ihnen (das funktioniert insbesondere in trockeneren Regionen). Häufiger verwendet werden Kupferpräparate oder Pflanzenstärkungsmittel (phosphorige Säure).

Botrytis cinerea (Graufäule)

Wenn die Graufäule das Geschein vor oder während der Blüte befällt beziehungsweise die physiologische Reife noch nicht erreicht ist, ist Botrytis cinerea ein Problem, denn Botrytis beziehungsweise Graufäule (Essigbakterien) verhindert, dass die Trauben reifen können und verursacht Essigfäule. Wenn die Reifung aber abgeschlossen ist und die Traube ein Mostgewicht von etwa 80 Oechslegraden erreicht hat, kann eine „saubere Botrytis“ oder Edelfäule jedoch auch erwünscht sein, etwa für Süssweine: Der Pilz perforiert die Beerenhaut, weshalb das in der Beere enthaltene Wasser verdunsten kann und sich der bereits aufgebaute Zucker sowie Geschmacks- und Aromastoffe in der Beere konzentrieren. Die ausgereiften Trauben werden bei Befall mit der Edelfäule wesentlich süsser.

Ist der dafür notwendige Reifegrad noch nicht erreicht, spricht man von Graufäule. Sind nur wenige Trauben davon betroffen, kann der damit verbundenen Ausbildung einer unerwünschten Aromatik (modrige Pilznoten) im Wein während der Vermaischung durch das Einrühren von Aktivkohle begegnet werden. Grundsätzlich kann Pilzbefall durch das Spritzen von Funghiziden oder Kupfer in Verbindung mit Schwefel in Form einer Kupfersulfatlösung (der sogenannten „Bordelaiser Brühe“ aus drei Teilen Kupfersulfat auf einen Teil ungelöschten Kalk, auch als Mittel gegen echten und falschen Mehltau) präventiv begegnet werden (wenn die Probleme da sind, ist aus ökologischer Perspektive kaum mehr was zu machen). Die Europäische Union erlaubt sechs Kilogramm reines Kupfer pro Hektar und Jahr, bei den Bioweinen von Demeter sind immerhin noch drei Kilogramm erlaubt.

Ansonsten setzen manche Winzer – auch aufgrund der Sorge, dass Kupfer im Weinbau verboten werden könnte – vermehrt auf pilzwiderständige Sorten wie zum Beispiel Johanniter oder die Huxelrebe. Auch in Skandinavien beziehungsweise kälteren und feuchteren Regionen, wo die Pilzgefahr tendenziell hoch ist, sind diese Sorten verbreitet.

Reblaus (Phylloxera)

Ernährt sich von den Wurzeln der Rebstöcke, in deren Wunden sich Infektionen ausbreiten. Amerikanerreben sind gegen die ursprünglich in Nordamerika heimische Reblaus resistent beziehungsweise können die Plage abwehren, indem sie einen klebrigen Saft ausscheiden, der die Mundwerkzeuge der Laus verstopft. Deshalb verwendet man sie heutzutage als Unterlagsrebe für Edelreben von Vitis vinifera.

Praktisch alle Rebstöcke in Europa waren ursprünglich von Vitis vinifera und wurden während der verheerenden Reblauskrise Ende des 19. Jahrhunderts nahezu ausnahmslos zerstört (praktisch alle Weinberge waren befallen). Anbauflächen mußten neu bestockt werden, um aber dem erneute Befall durch die Reblaus zu entgehen, propfte man die Vitis-vinifera-Sorten nun auf resistente amerikanische Unterlagsreben. Amerikanerreben selbst sind wegen ihrer „fuchsigen“ Note nicht wirklich zur Produktion reintöniger Weine geeignet, sieht man von wenigen Ausnahmen ab. In Europa beziehungsweise Deutschland aber sind seither nur gepfropfte Rebstöcke erlaubt, keine Edelraiser mehr.

Nematoden

Würmer, die die Wurzeln befallen und Viren verbreiten. Hier hilft nur eine gründliche Entseuchung beziehungsweise Entkeimung des Bodens und Rodung vor einer Neuanpflanzung.

Einbindiger Traubenwickler

Legt Eier in der Beere ab.

Kirschessigfliege

Dieses Problem wurde 2014 aus Asien eingeschleppt beziehungsweise gibt es erst seit fünf bis sechs Jahren in Deutschland (und war 2015/16 ein Riesenproblem). Insektenbefall kann man verhindern mit Klebe- und Pheromonfallen (das sind kleine Behälter mit Sexualduftstoffen, die in den Weinberg gehängt werden und die Insekten bei der Partnersuche irritieren sollen).

Frassfeinde

Gegen Vögel kann man sich mit akkustischen Mitteln wehren, ansonsten Helfen – auch gegen andere Tiere – Netze.

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