Weinglossar

Argentinien

Die Zentren des argentinischen und chilenischen Weins sind Nachbarn – und doch, klimatisch gesehen, Welten voneinander entfernt. Beide liegen in für Weinbau niedrigen Breiten. Während der Wein in Chile aber von der isolierten Lage zwischen Anden und Pazifik profitiert, verdanken Argentiniens grüne Weingärten in trockenen Halbwüsten ihre Existenz der Höhenlage. Wo Chile in Sachen Breitengrad bis an die Grenzen geht, reizt Argentinien die Höhenlagen aus: Je höher der Weinberg, desto niedriger die Durchschnittstemperatur und desto Größer der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur. Das schlägt sich in einer wesentlich langsameren Reifung nieder, die angeblich intensivere Aromen hervorbringen, mehr Polyphenole und anderes mehr.

Argentinien_Weinanbaugebiete

Weinbau

Etwa 15 Millionen Hektoliter Wein werden auf insgesamt etwa 220.000 Hektar Rebfläche pro Jahr erzeugt – damit gehört Argentinien flächenmäßig zu den zehn größten Weinbauländern der Welt. Das Gros der Anbaufläche befindet sich dabei an den Ausläufern der Anden und verläuft über mehr als 1.500 Kilometer von der Provinz Salta im Norden bis Patagonien auf dem 39. Breitengrad im Süden (etwa auf der gleichen Höhe wie Hawke`s Bay in Neuseeland).

Die grösste Rebfläche steht im Nordwesten des Landes, in Mendoza, und hier mindestens in 600 Meter Höhe. In der Region Salta ziehen sich die Anbauflächen nahe der Stadt Cafayate sogar bis in eine Höhe von 2.000 Meter – der Weinberg Colomé im nördlichsten Zipfel Argentiniens, wo 2001 der Schweizer Donald M. Hess sein Projekt der „Bodega Colomé“ startete, ist mit 3.100 Meter sogar noch höher. So finden sich auch in Äquatornähe ausreichend kühle Höhenlagen.

Da die Anden die Wolken abhalten, fallen in Argentinien nur sehr geringe Niederschläge – nur knapp mehr als 200 Millimeter pro Jahr, Reben brauchen aber 600 Millimeter: Chile bekommt den ganzen Regen ab, Argentinien praktisch gar keinen. So verringert sich durch die trockene Luft zwar die Gefahr von Mehltau und anderen Pilzerkrankungen – allerdings herrscht in den wüstenartigen Regionen Argentiniens fast überall ein enormer Wassermangel.

Die größte Herausforderung für Argentiniens Weinbau ist derzeit eine optimale Bewässerungsstrategie zu finden. Traditionell wurden Weinberge in Mendoza durch Überflutung aus ausgedehnten Kanalsystemen bewässert, die sich auf über 4.000 Kilometer Länge erstrecken und schon vor Jahrhunderten von indigenen Völkern angelegt wurden. Dazu wurde Schmelzwasser aus den Anden in Stauseen gesammelt (zum Beispiel Cipoletto- oder Potrerios-Stausee). Da aber immer weniger Schnee fällt und gleichzeitig immer mehr neue Rebflächen entstehen, wird die Wasserversorgung immer problematischer – der Grundwasserspiegel sinkt. Viele Weinerzeuger installieren deshalb inzwischen Tropfbewässerungssysteme, die das Wasser effizienter dosieren, während im traditionellen Kanalsystem bis zu 60 Prozent des gesammelten Wassers verdunstet oder versickert. Entsprechend können nur etwa 40 Prozent genutzt werden, die der sogenannte „Tomero“ den einzelnen Weingärten zuteilt (jedes Weingut hat Anspruch auf eine bestimmte Menge Wasser und Bewässerungszeit).

Insgesamt ist die Situation noch nicht kritisch, aber die Weinbauern zapfen bereits die Grundwasserreserven an – und im Hauptanbaugebiet Mendoza haben sich die Anbauflächen innerhalb von zehn Jahren verdreifacht: Hier wird Weinbau inzwischen als eine Intensivkultur – fast schon eine Malbec-Monokultur – im industriellen Stil betrieben. Doch schon heute herrschen Bedingungen, wie sie für das Jahr 2050 erwartet wurden. Probleme werden mit Sicherheit auftauchen!

So führen der Wassermangel und steigende Temperaturen im Sommer die Reife der Trauben und das beeinflußt die Qualität beträchtlich: die in Mendoza überwiegend angebaute Malbec-Traube beispielsweise wird überreif.

Mit der Tropfbewässerung könnte jedoch ein anderes Problem auftauchen, von dem Argentinien zuletzt verschont blieb: Durch die sandigen Böden und die lange praktizierte Flutbewässerung kam die Reblaus nie in jenes gefährliche Stadium, wo sie Flügel bekommt und schadhaft wird. Das könnte sich mit der Umstellung auf Tröpfchenbewässerung durchaus ändern. Bislang jedoch stellen andere Schädlinge wie Nematoden im Boden eine größere Bedrohung dar – wie auch in Chile. Dank des beständigen Windes aus den Anden sind Argentiniens Rebstöcke ansonsten äußerst gesund.

Das Wetter jedoch ist alles andere als berechenbar, und die Bedingungen für Weinbau sind mitunter nicht gerade ideal: In den Höhenlagen sind die Winter zwar so kalt, daß die Reben in Winterruhe gehen, im Frühjahr und Herbst drohen aber kräftige Fröste. Umgekehrt sind die Sommer in den tiefergelegenen Anbauregionen im Süden schlicht zu heiß für den Weinbau. Traditionell wurde deshalb in den meisten Weinbergen das Pergolasystem für die Reberziehung angewandt – vor Ort „parral“ genannt -, das bei gewissenhafter Pflege gute Ergebnisse zeitigt (zum Beispiel bei „Zuccardi“ in Mendoza). Damit hielt man die Trauben vom sengend heißen oder frostig kalten Boden fern, und da sie zudem unter dem Laubdach hingen, waren sie auch etwas gegen die starke Sonneneinstrahlung geschützt.

Während das Parral-System bis heute bei Torrontés-Kulturen (in Salta) gang und gäbe ist, sieht man in vielen neu angelegten Pflanzungen dunkler Traubensorten heutzutage vertikale Unterstützungssysteme aus Draht. Auch hier muß durch entsprechende Laubpflege allerdings dafür gesorgt werden, daß die Trauben ausreichend Sonnenschutz erhalten.

Die wenigen Niederschläge in Argentinien konzentrieren sich zumindest auf die Anbausaison, gehen im Hauptanaugebiet Mendoza jedoch im Sommer regelmäßig als Hagel nieder, der die gesamte Jahreserträge zerstören kann. Einige Erzeuger haben deshalb ungeachtet der Kosten in Hagelnetze investiert, die auch Sonnenbrand verhindern. Eine weitere Gefahr ist der gefürchtete Zonda, ein heißer, trockener Nordostwind, der die Reben vor allem in den höheren Lagen während der Blütezeit bedroht.

Die großteils recht jungen Schwemmlandböden sind in vielen Gebieten durch hohe Sandanteile geprägt. Weniger aber das Terroir als die intensive Sonneneinstrahlung und die großen Temperaturschwankungen von bis zu zwanzig Grad Celsius zwischen Tag und Nacht – höher als in jedem anderen Weinbaugebiet der Welt – sorgen für eine volle Beerenreife, die mit Ausnahme Patagoniens überall in Argentinien leicht erreicht wird. Argentiniens hohe Temperaturen schlagen sich bei Rotwein in sehr weichen Tanninen und teils hohem Alkoholgehalt nieder.

Geschichte des Weinbaus

Die Geschichte des Weinbaus in Argentinien beginnt im 16. Jahrhundert in Córdoba mit Jesuitenmönchen, die dort erste Rebanfpflanzungen zur Prdouktion ihres für die Liturgie erforderlichen Messweins vornahmen. Sie kamen im Zuge der Conquista und beteiligten sich auch an der Stadtgründung. Mit dem Ziel die indianische Bevölkerung zu missionieren, gründen sie in Córdoba die ersten Kirchen im Kolonialstil. Aber die markantesten Spuren hinterlassen die Jesuiten in der Landschaft – wo etwa dreißig Missionsstationen entstehen, wo sie autark leben. (Manche dieser Klöster gehören heute zum UNESCO-Kulturerbe.) Bis dahin wurden Trauben in Argentinien vornehmlich zur Herstellung von Branntwein verwendet – die aus Europa eingewanderten Jesuiten waren, es die mit ihren Weinbaukenntnissen eine bis heute lebendige Weinkultur in Argentinien initiierten.

Der Legende nach stellten die Jesuiten anfangs einen Wein namens „Lagremia de Oro“ („Kleine Goldträne“) her – ein süßer, vollmundiger Wein – einem Portwein sehr ähnlich -, der aber auch sehr kräftig und adstringierend war und einem angeblich die Tränen in die Augen trieb. Jedenfalls produzierten die Jesuiten etwa 15.000 Liter Wein pro Jahr, die von der örtlichen Bevölkerung konsumiert wurden. Um damit auch die Missionsstationen in den Provinzen versorgen zu können, versetzten die Jesuiten den Wein mit Weinbrand, wodurch sie ihn haltbarer machten und ihn transportieren konnten.

In Argentinien bezahlt der Jesuitenorden keine Steuern und ist politisch und wirtschaftlich unabhängig. 1767 jedoch wird er aufgelöst und die Jesuiten vertrieben. Die Geschichte des argentinischen Weins wird fortan in der Provinz Mendoza weitergeschrieben. Dort stellt der Gouverneur José de San Martin (1778-1850) im Jahr 1816 während des Unabhängigkeitskriegs der spanischen Kolonien in Südamerika seine „Andenarmee“ zusammen. Der Wein spielt in diesem Zusammenhang insofern eine bedeutende Rolle, als es durch ihn gelang, diesen Kampf durch Steuern zu finanzieren. Außerdem stärkt er die Moral der Truppen, die mit Weinfässern ausgerüstet die Anden zur Befreiung Chiles überwinden.

Mendoza entwickelte sich zum Zentrum des Weinbaus in Argentinien. Mit dem Ausbau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert wurde die Region zudem besser erschlossen. Mitte des 19. Jahrhunderts holte dann die Regierung Winzer aus Europa ins Land, um Wüste in urbares Land zu verwandeln. In der Folge lassen sich viele Italiener und Spanier, aber auch Franzosen dort nieder und gründen Weingüter – die berühmten Bodegas. Argentinien wird so zu einer Art „Schmelztiegel“ mediterraner Weinanbaumethoden, wobei anzunehmen ist, dass der moderne Weinbau hier insbesondere italienische Wurzeln hat. Ansonsten aber ist Argentinien eines der wenigen Länder außerhalb Europas mit einer eigenen Weinkultur.

1861 allerdings werden viele der neu gegründeten Bodegas durch ein Erdeben zerstört, sodass sich viele Winzerfamilien etwas weiter westlich niederlassen, in der Gegend um Maipu. Nach und nach verschwinden nun die regionalen Rebsorten zugunsten italienischer oder französischer Trauben. 1868 fühht dann ein französischer Önologe die Malbec-Traube in Argentinien ein …

Rebsorten

Malbec hat seinen Ursprung zwar in Bordeaux, stützt heute aber vor allem Argentiniens Ruf als Weinland. Dort ist Malbec die meistkultivierte Rotweintraube und wird auf 41.000 Hektar angebaut, 86 Prozent davon in Mendoza. Um 1850 wurde Malbec – neben den bekannten Bordeaux-Sorten – zunächst nach Santiago de Chile exportiert, erst von dort gelangte die Traube 1868 durch den französischen Agrarwissenschaftler Michel Aimé Pouget über die Anden nach Mendoza, wo sie insbesondere unter den französischen Einwanderern eine neue Heimat gefunden hat und nach und nach autochthone Rebsorten ersetzte. Mit ihr wollte man einen hochwertigeren Wein produzieren, was bald auch gelang.

Warum Malbec ausgerechnet in Argentinien so gut gedeiht, ist nicht bekannt – könnte aber am Rebmaterial liegen, das noch vor der Reblausplage aus Frankreich eingeführt wurde. Offensichtlich haben die ersten südamerikanischen Weinbauern bestimmte, besonders gut gedeihende Exemplare selektiert, die auch in größerer Höhe als etwa Cabernet Sauvignon angebaut werden, damit sie sich ihre Säure und Intensität bewahren. Malbec schmeckt hier nicht nur völlig anders als seine französische Urahnen, sondern hat auch kleinere, dichtere Trauben und Beeren. Dennoch sind die Weine auch in Argentinien meist dunkelfarbig, körperreich und haben Aromen dunkler Früchte sowie eine Fülle weicher Tannine. Sortenreiner argentinischer Malbec schmeckt insofern ähnlich wie ein Bordeaux.

Malbec wurde zum Symbol des argentinischen Weins – jedenfalls begann mit ihm der argentinische Weinanbau im großen Stil. Die nach Mendoza eingewanderten französischen Winzer brachten nicht nur ihr modernes Wissen mit, sondern bald auch setzte sich das Barrique durch. Nach und nach jedenfalls gaben die einheimischen Winzer ihre traditionelle Anbauweise auf. Der Weinanbau in Argentinien wandelte sich im 20. Jahrhundert und die Bodegas wurden größer. Etwa 1.200 von ihnen gab es im Jahr 2000, inzwischen sind es wieder über 25.000 Weinbaubetriebe in Argentinien, die seit Mitte der 1990er Jahren auch erhöhte Exportambitionen entwickelten. Insbesondere in den letzten zwanzig Jahren war durch die Verringerung der Produktionsmengen und technische Verbesserung der Herstellung noch einmal ein hoher Qualitätsanstieg zu verzeichnen.

Neben Malbec verfügt Argentinien über große Bestände an italienischen Trauben, die die Einwanderer mitgebracht haben. Entsprechend auch ist beispielsweise noch vor Barbera, Sangiovese und etwas Nebbiolo die Rebsorte Bonarda (Dolcetto) aus dem Piemont die zweithäufigste Rebsorte Argentiniens. Ihre Früchte gelangen spät zur Reife, sind dunkel mit hoher Säure und hohen Tanninen, mit Himbeer- und Brombeeraromen (Bonarda ist durchaus mit Gamay zu vergleichen). Bekannter sind jedoch die internationalen Sorten Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot, die bisweilen alle Holznoten vom Ausbau im Barrique aufweisen.

Die charakteristischste Weißweinsorte Argentiniens ist die Torrontés – eine Kreuzung aus País und Muskateller -, eine äußerst aromatische Rebsorte, die in der Regel trocken vinifiziert wird und bestens als Aperitifwein geeignet ist. Die Hochtäler von Salta scheinen ihr als Lebensraum am Besten zu behagen. Sie wird gewöhnlich in reaktionsneutralen Behältern kühl vergoren und noch im Jahr der Lese vermarktet.

Daneben nimmt die traditionsreiche, aber weniger renommierte Sorte Pedro Gimenez (nicht zu verwechseln mit der Sherry-Rebsorte Pedro Ximenéz) aber unter allen Weißwein-Sorten noch immer die meiste Fläche ein. Sie ergibt preiswerte Massenweine, mit denen der überproportional große einheimische Inlandsmarkt versorgt wird: Bis in die Mitte der 1990er Jahre wurde von der argentinischen Bevölkerung bis zu neunzig Liter pro Kopf und Jahr (so viel wie nirgends sonst in Südamerika) konsumiert, inzwischen beträgt dieser Wert jedoch nur noch etwa ein Drittel. Parallel stiegen die Exportzahlen – und als 2001 die Wirtschaft zusammenbrach, ließen sich ausländischen Investoren nicht abschrecken, in Kellereien und neue Rebflächen in immer größeren Höhen zu investieren, wie beispielsweise Donald M. Hess oder Michel Rolland aus Pomerol.

Anbaugebiete

Argentinien verfügt, wie die meisten Länder der Neuen Welt, über ein System der geografischen Herkunftsangaben. Die Weinbaugebiete sind folgendermaßen gegliedert:

  • Regionen
  • Provinzen
  • Departementos (D.O.s)
  • Distrikte

Von den Großregionen, von denen einzig Patagonien öfter auf den Flaschenetiketten in Erscheinung tritt, ist die Region Cuyo mit Abstand die Wichtigste: hier stehen 214.000 Hektar von insgesamt 220.000, während in Patagonien noch 4.500 Hektar stehen und in der Region Norte der kleine Rest. Von den Provinzen wiederum ist Mendoza mit Abstand die größte und nur zwei Departements sind als D.O. klassifiziert: San Rafael und Lujan de Cuyo, beide in Mendoza.

Folgende wichtigen Anbaugebiete gibt es in Argentinien:

  • Region Norte
    • Provinz Salta
      • Cafayate
      • Valle Calchaquiés
    • Provinz Catamarca
  • Region Cuyo
    • Provinz La Rioja
      • Valle de Famatina
    • Provinz San Juan
      • Valle de Zona
      • Valle de Calingasta
      • Valle de Pedernal
    • Provinz Mendoza
      • Departemento Luján de Cuyo (D.O.)
        • Distrikt Vistalba
        • Distrikt Perdriel
        • Distrikt Agrelo
        • Las Compuertas
      • Departemento Maípú
      • Departemento San Rafael (D.O.)
      • Departemento Valle de Uco
        • Distrikt San Carlos
        • Tupungato
  • Region Patagonien
    • Provinz Nenquén
    • Provinz Rio Negro

Norte

Salta

Die Provinz Salta nahe der Grenze zu Bolivien (knapp südlich des Wendekreis des Steinbock am 25. Breitengrad) und mithin das nördlichste Anbaugebiet Argentiniens beherbergt einige der höchstgelegenen Weinberge der Welt, mitunter auf über 3.000 Meter Höhe, wie auf dem Altura Maxima, dem höchsten Rebberg der Welt, der eine maximale Höhe von 3.111 Meter erreicht. Hier in dieser abgeschiedenen Gegend reanimierte der Schweizer Donald M. Hess ab den späten 1990er Jahren mit der historischen „Bodega Colomé“ nicht nur die zweitälteste in Argentinien, sondern darüber hinaus gleich ein ganzes Tal mit insgesamt über 66.000 Hektar. Und trotzdem sind hier nur gerade 260 Hektar mit Reben bestockt, denn für mehr reicht das verfügbare Wasser nicht aus, das Hess erst nach mehreren Bohrungen in sechzig Meter Tiefe fand.

2001 kaufte Hess das dahin darbende Weingut, das inzwischen wieder Trauben aus drei Lagen verarbeitet: nämlich die teilweise mit bis zu 110-jährigen Reben bestockten Parzellen in Colomé (2.300 Meter über dem Meer), den El-Arenal-Rebberg (in 2.600 Meter Höhe) und schließlich eben den Altura Maxima – alle in den Valles Calchaquiés. In den extremen Höhenlagen in den Valles Calchaquiés – wo Weinbau teilweise in den Wolken stattfindet – reifen allerdings keine „Cool-climate“-Weine. Stattdessen sorgen hohe UV-Strahlung und das extreme Klima für konzentrierte, reife und vollfruchtige Malbec und Cabernet Sauvignon.

Um einiges niedriger als Calchaquiés in den östlichen Ausläufern der Anden liegt der bedeutenste Bereich innerhalb von Salta: das Cafayate-Tal, wo insbesondere aromatische Torrontés-Weine entstehen. Viele der großen Kellereien in Mendoza – auch Hess mit seinem Zweitbetrieb „Amalya“ direkt in der Stadt Cafayate – haben hier angesichts der herausragenden Qualität der Torrontés-Weine investiert. Die Bedingungen für Weinbau sind etwas einfacher – und man ist nicht wie zum Beispiel Hess in Colomé gezwungen auf biodynamischen Anbau zu verzichten, weil es Schädlinge gibt, etwa aggressive Ameisen, denen mit natürlichen Präparaten nicht beizukommen ist. Dennoch, eben weil man auch zur Schadensbegrenzung verbreitet auf die Strategie zurückgreift, Rebflächen in verschiedenen Gebieten zu bewirtschaften, und wegen des insgesamt extrem trockenen Klimas, gibt es kaum Probleme mit Schädlingen, und so tut sich Argentinien auch als bedeutender Bioweinproduzent hervor.

Catamarca

Südlich an Cafayate grenzt noch die Provinz Catamarca an, die aber eher für Tafeltrauben bekannt ist, auch wenn zum Beispiel die „Bodega Santa Maria“ guten Wein erzeugt.

Cuyo

La Rioja

In der Region Cuyo liegen die bedeutensten Weinbau-Provinzen Argentiniens. Hier liegt auch das nach Mendoza und San Juan drittgrößte Produktionsgebiet des Landes: Die Anbauflächen von La Rioja, die sich insbesondere auf das trockene und windige Famatina-Tal konzentrieren. In den bewässerten Talsohlen wachsen Unmengen von Trauben, traditionell zu Pergolen erzogen. Eine Spezialität ist auch hier Torrontés riojano (sowie etwa Bonarda und andere). Um Verwechslungen mit der spanischen Region Rioja zu vermeiden, tragen die hiesigen Exporterzeugnisse in der Regel die Etikettangabe Famatina

San Juan

Die einzige Provinz mit einem ähnlich hohen Weinausstoß wie Mendoza ist San Juan. Die Reben gedeihen hier in Höhen zwischen etwa 450 bis 1.400 Meter über dem Meer, ganz ähnlich also wie im südlich angrenzenden Mendoza. Allerdings ist es in San Juan noch heißer und mit nur neunzig Millimeter Niederschlag pro Jahr noch trockener. Fast ein Viertel aller argentinischen Weine wird hier erzeugt, die bekanntesten aus Syrah (obwohl sie in der Hitze nur selten mit Sortencharakter gelingen), zudem finden sich aussichtsreiche Anpflanzungen von Chardonnay und Viognier, sowie Malbec, Cabernet Sauvignon, Bonarda und Tannat. Wie in Mendoza zieht es qualitätsbewusste Erzeuger in noch größere Höhen in die Täler von Zona Calingasta und Pedernal.

Mendoza

Die Provinz Mendoza mit der gleichnamigen Stadt ist Argentiniens wichtigste Weinregion. Von hier kommt der überwiegende Großteil der Weine: Über neunzig Prozent der Gesamtproduktion stammen von hier. Dabei wachsen die Reben unter wüstenähnlichen Bedingungen, denn im Westen schirmen die hochaufragenden Anden und in östlicher Richtung die argentinische Pampa die Region gegen Regen ab. Alles Wasser für die Region stammt aus einer einzigen Quelle: dem Fluß Mendoza aus den Anden.

Mendoza_Weinanbaugebiete

Mendoza liegt etwa 1.000 Kilometer westlich von Buenos Aires am Fuße der Anden auf etwa 1.000 Meter Höhe und läßt sich grob in fünf Anbaugebiete unterteilen:

  • Norden
  • Osten
    • San Martin
    • Rivadavia
    • Santa Rosa
  • Centro
    • Luján de Cujo
      • Vistalba
      • Perdriel
      • Agrelo
      • Las Compuertas
      • Ugarte Che
    • Maípú
      • Luplanta
      • Barrarcas
      • Cruz de Piedra
  • Valle de Uco
    • Tupungato
      • El Peral
      • Gualtallary
      • Tunnyan
        • Los Arboles
        • Tunyan
      • San Carlos
        • Vista Flores
        • La Consulta
        • Eugenio Busto
        • San Carlos
  • Süden (San Rafael)

Um aus den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen Nutzen ziehen zu können, werden Trauben unterschiedlicher Regionen häufig miteinander verschnitten. Ansonsten sind sowohl der Norden als auch der Osten von Mendoza – wo die Versalzung der Schwemmland- und Sandböden Probleme bereiten kann – auf die Massenproduktion von preiswerten Weinen aus aromatischen Sorten ausgerichtet. So ist Ost-Mendoza eher für Qualität als Qualität bekannt (sieht man von „Zuccardi“ ab). Die Weinberge dort liegen meist tiefer und kommen kaum in den Genuss kühlender Winde. Der Rio Mendoza und der Tunuyán bewässern die ertragsstarken Reben, deren Beeren Massenweine für den heimischen Markt hergeben.

Zentral-Mendoza, wo die meisten berühmten Erzeuger Argentiniens beheimatet sind, hat die längste Weinbautradition. Hier im wüstenartigen, trockenen Klima hat der Malbec seine Heimat gefunden, hier reift er voll aus, das heißt groß geworden ist Mendoza mit Malbec – insbesondere aus dem Departemento Luján de Cuyo. Und das bedeutet: karge Lössböden, lehmiger Sand, alte Rebstöcke traditionelle Flutbewässerung. Das prägt(e) den argentinischen Malbec (lange), während das niedriger gelegene, wärmere Departamento Maípú eher für Cabernet Sauvignon und Syrah geeignet ist: Hier enthalten die Böden einen ungewöhnlich hohen Kiesanteil und von einer Versalzung des Bodens, die auch in Luja de Cuyo zum Problem werden kann, ist hier nichts zu spüren.

Die alten Malbec-Reben in Lujan de Cuyo wachsen südwestlich von Mendoza in den Ausläufern der Anden in einer Höhe von 900 bis 1.100 Meter Höhe und ergeben bisweilen weiche, runde und fruchtig-süsse Weine, mitunter eher alkoholreich und kräftig. Dem Trend zu etwas frischeren Weinen folgend, weichen viele Erzeuger inzwischen in die Höhe aus – wie beispielsweise ins weiter südlich gelegene Valle de Uco, wo inzwischen 16.500 Hektar mit meist neu gepflanzten Reben auf 900 bis 1.500 Meter Höhe stehen.

Das Valle de Uco ist nicht nach einem Fluss, sondern nach dem vorkolumbianischen Häuptling benannt, der die Bewässerung einführte. Die höchsten Weinberge des Tals liegen im nordöstlichen Departemento, das nach dem majestätischen Gipfel Tupungato benannt ist. Hier gedeihen Chardonnay-Trauben gut. In Tupungato hat man sich auf moderne Weinbergentwicklung spezialisiert (bisweilen auch auf „dry farming“ – Weinbau ohne den Einsatz von Wasser, weiter westlich würden die Böden in Gegenden, wo es mitunter sieben Monate am Stück nicht regnet, sofort versalzen), und einige ältere Kellereien liegen inzwischen weit von ihren Weinbergen entfernt. Dank kühlerer Nächte bleiben die Säure und die frischen Fruchtaromen in den Trauben erhalten, sogar ein biologischer Säureabbau (BSA) ist ratsam. Die frostfreie Saison ist etwa so lang wie an den Finger Lakes in New York, allerdings gibt es im östlichen San Carlos, das tiefer liegt, Spätfroste.

In welchen Höhen Weinbau auf diesen kargen, steinigen Böden möglich ist, wird hier ausgetestet. Wasserknappheit ist allerdings ein Problem – an der Tröpfchenbewässerung führt kein Weg vorbei. Ausgleichend soll auch die intensicve Sonnenstrahlung in der reinen Höhenluft der Anden wirken: Die Sonne scheint die Fotosynthese anzukurbeln und die Bildung von Farbe, Geschmack und Tannin zu fördern. Daher sind argentinische Weine auch selten unangenehm beißend, sondern fallen eher samtig aus.

Im Süden Mendozas, das heisst 235 Kilometer südöstlich liegt das Departamento San Rafael. Es liegt tiefer als die meisten anderen Teile von Mendoza und zählt dennoch aufgrund seiner südlichen Lage zu den kühlsten Gegenden der gesamten Provinz. Die Weinberge zwischen zwei Flüssen liegen in Höhen von 450 bis 800 Meter Höhe. Hier finden sich ausgedehnte Flächen für Chenin Blanc und Sauvignon Blanc (Tocai friulano). Ein großes Problem hier ist der häufige Hagel.

Patagonien

Die Region Patagonien schließt die beiden Provinzen Rio Negro sowie die relativ junge Provinz Nenquén ein (ebenfalls ein Fluß), umfaßt aber insgesamt nur 4.500 Hektar. Weinbau findet hier gewissermaßen am „Ende der Welt“ statt, in Wüstenlandschaften, die in gleissendes Licht getaucht sind. Patagonien ist 2.700 Kilometer lang, aber nur etwa drei Millionen Menschen leben in dieser Region.

Die Reben stehen hier 200 bis 250 Meter über dem Meer, die kühlenden Einflüsse rühren also nicht von der Höhenlage her, sondern vom Breitengrad (bis zum 43.) beziehungsweise der Nähe zur Antarktis. Die Weinbauern haben es mit kräftigen Wüstenwinden zu tun, andererseits stellen Rebkrankheiten dank geringer Niederschlagsmengen sowie starker Tag-/Nacht-Temperaturunterschiede kein Problem dar. Aus langen Sonnenstunden und dazu kühlen Nächten beziehen die Weine konzentrierte, aber frische Fruchtaromen und mittlere bis hohe Säuregrade. Insgesamt ist das Klima hier dem in Europa am ähnlichsten, weshalb sich auch viele europäische Investoren hier finden.

Vier Besonderheiten beeinflussen den Weinbau in dieser südlichen Lage:

  • extreme Temperaturschwankungen (Berieselung dient als Frostschutz: die dadurch entstehende Eisschicht hält die Traube bei konstant 0 Grad Celsius)
  • starker Wind
  • Wassermangel
  • Böden sind reich an organischem Material (waren früher vielfältig bewachsen)

Semillon, Sauvignon Blanc, Pinot Noir, Malbec und Merlot liefern in Rio Negro Material für exzellente Gewächse (die ersten Pinot-Noir-Abfüllungen von den südlichsten Weinbergen in der Provinz Chubut) kombinieren eine scharfe natürliche Säure mit einem Alkoholgehalt von nur zwölf Prozent. Die Schale wird hier etwas dicker. Das volle Potential von Nenquén wurde bisher noch nicht ausgeschöpft.

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