Weinglossar

Sardinien

In Sardinien wird auf 19.000 Hektar Wein angebaut. Und zwar praktisch auf der ganzen Insel, die zu 85 Prozent aus Gebirgen und Hochebenen besteht – insbesondere aber im flacheren Campidano, einer etwa 110 Kilometer langen und 25 Kilometer breiten hügeligen Tiefland im Südwesten Sardiniens, das die Golfe von Oristano und Cagliari miteinander verbindet.

In dieser Ebene entstehen hauptsächlich Massenweine, während der Weinbau auf den 3.500 Hektar des klassifizierten DOC-Gebietes vornehmlich im Norden und Süden des Landes stattfindet. Unter den insgesamt 18 DOCs sind die wichtigsten:

  • Vermentino di Gallura
  • Cannonau di Sardegna
  • Carignano del Sulcis
Sardinien_Weinanbaugebiete

Bevorzugte Reberziehung in Sardinien ist, wie fast überall in Süditalien, die Form des Alberello (Buscherziehung), die in Frankreich als Gobelet bekannt ist. Mit seinen vielen alten Buschreben verfügt die Insel über ein großes Potential an autochthonen Sorten, die im Verhältnis 58 Prozent Rotwein zu 42 Prozent Weißwein angebaut werden. Drei Rebsorten liegen aber deutlich vorne: Monica, Girò und Nasco (alle Rotwein) sowie Malvasia und Moscato (Weißwein).

Während es im Süden trockener ist und der heiße afrikanische Schirokko bläst, ist das Klima im Norden der Insel eher kalt mit stabilen Niederschlägen. Da er nicht ganz so heiß ist, bietet der hügelige Nordosten insofern beste Voraussetzungen für den Anbau von Weißwein.

Der erste DOCG-Wein Sardiniens (und auch der einzige bislang) stammt von hier – es ist der DOCG Vermentino di Gallura, der mit grünen und gelben Fruchtaromen und Saftigkeit überzeugt. Er entsteht ganz im Norden, wo Berge vor kühlen (Winter-)Winden schützen und im Sommer eine kleine Meeresbrise kühlt und die Sonnenhitze mildert. Die Böden um Gallura sind aus Granit, Sand und Lehm und trocken (der vorherrschende Granitanteil im Boden begünstigt Finesse) und die Weinberge bisweilen in optimaler Exposition zur Sonne hin angelegt.

Mit zwanzig Prozent der Produktion steht aber die rote Rebsorte Cannonau an der Spitze. Sie ist mit der französischen Grenache-Rebe identisch und ergibt füllige, körperreiche Weine mit Kraft und reifen Aromen aus roten Früchten, wobei der Alkoholgeschmack auch sehr präsent sein kann. Denn obwohl die Rebe Hitze und Trockenheit mag, kann es auch ihr zu heiß werden, was sich dann in mangelnder Fruchtigkeit ausdrückt. Wie Vermentino darf auch Cannonau auf der Insel angebaut werden, er firmiert als DOC Cannonau di Sardegna.

Im heißen und trockenen Sulcis-Gebiet, einer Insellandschaft im Südwesten der Insel, hat sich die Sorte Carignano (identisch mit Carignan) ausgebreitet. Entsprechend heißt die dazugehörige DOC Carignano del Sulcis. Das ist ein relativ Gerbstoff- und alkoholreicher Wein der Aromen reifen Pflaumen zeigt. Der Ertrag der sehr alten Carignan-Buschrebe gilt mit 105 Hektoliter pro Hektar durchaus noch als akzeptabel. Neben Katalonien (wo die Rebsorte Carinena genannt wird) ist dies sicherlich die vielversprechenste Region für Carignan.

Werden die Weißweine in allen Stilen angeboten (also Vermentino beispielsweise als trockener und süsser Stillwein, als Frizzante und Spumante secco und amabile) oder als Spätlese (vendemnia tardive) wurde bei der traditionellen Rotweinbereitung darauf geachtet, daß nicht der gesamte Zucker in Alkohol umgewandelt wird, sodaß Stärke und Zuckersüße sich die Waage halten. Am besten ist der süße Rotwein, der dabei entsteht, als Liquoroso, also mit Branntwein gespritet – so kommt er einem Dessertwein in der Art des Portwein sehr nahe. Allerdings werden diese aufgespriteten süßeren Liquorosos heute kaum mehr produziert.

Dennoch sind noch einige der großen sardinischen Weine ungewöhnlich süß – kräfige Moscatels oder Malvasias beispielsweise, aber auch der DOC Vernacchia di Oristano. Man gewinnt ihn mit einer ähnlichen Prozedur wie bei Montilla oder nicht gespritetem Sherry: nach der Lese und Pressung der Trauben reift der Wein in über zwanzig Jahe alten Fässchen aus Eiche und Kastanie, die vorsätzlich nicht ganz voll gemacht werden, um an der Oberfläche die Entwicklung des charakteristischen Hefeflors zu erlauben. So entwickelt sich ein bernsteinfarbener Wein mit Aromen von gerösteten Nüssen und Mandelblüten.

Top
Standard