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Sizilien

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Mit rund 130.000 Hektar Rebfläche ist Sizilien die größte Weinbauregion Italiens. Allerdings wird nur ein winziger Teil der Produktion unter dem DOC-Siegel in Flaschen abgefüllt: Nur 3 % der Fläche ist klassifiziert, nur 25 % werden abgefüllt, der Rest ist Fasswein – billiger Tafelwein, der dem Export bzw. dem Verschnitt gilt.

Weinmarkt

Bis in die Mitte der 1990er-Jahre war die riesige Insel eigentlich nur für den alkoholverstärkten Marsala bekannt, lediglich ein Dutzend Betriebe exportierten ihre Weine. Das änderte sich mit der zunehmenden Konkurrenz aus der Neuen Welt: Sizilien mit seinem für den Wein optimalen, heißen und trockenen Klima wurde als Antwort auf die kräftigen Rotweine aus Übersee in den Blick genommen und man begann ein EU-gefördertes regionales Enwicklungsprogramm umzusetzen. Allerorts wurde in modernste Technologie investiert und es flossen Milliarden-Subventionen zur Vermarktung. Sizilien wurde zu einer der größten Anbauregionen Europas. Dabei werden 80 % der Produktion von nur 50 Genossenschaften geleistet. Aber 75 % der Produktion ist noch immer Weißwein – absurd genug, wenn man bedenkt, daß die Südostspitze südlicher liegt als Tunis: Sizilien ist heiß, und heiße Winde aus Afrika kommen noch dazu. Mehr als die Hälfte aller Weinberge muß künstlich bewässert werden.

Konkurrierte Sizilien lange um den Rang der produktivsten Weinregion Italiens, so hat heute sogar Venetien einen größeren Ausstoss. Entschieden hat man sich inzwischen auf eine zeitgemäße Ökonomie eingestellt: Qualität statt Quantität, autochthone Rebsorten, statt internationale. Rund 7.600 Hektar (nur 3 %) werden inzwischen als DOC-Wein verkauft, bspw. als DOC Sicilia. Ingesamt gibt es 24 DOCs und 1 DOCG: Cerasuola di Vittoria. Massenweine werden als IGT Terre di Sicilia etikettiert.

Weinbau

Die wichtigste unter den 24 kleinen DOCs ist vielleicht die DOC Etna unter der sich 15-20 Weingüter versammelt haben. Weine stammen von alten, ertragsarmen Reben, die in großer Höhe gedeihen, bis zu 900 Meter. Hanglagen gibt es eigentlich nur hier am Ätna, sonst findet der Weinbau in Sizilien – anders als in Sardinien – überwiegend in der Ebene statt. Sie erlauben auch keine Drahtrahmen, das heißt nach wie vor ist die gebräuchliche Form der Reberziehung die von den Griechen eingeführte Form des Alberello, das heißt die Erziehung in Form kleiner Bäumchen.

Die Region um den 3.350 Meter hohen Ätna ist mit 1.200 Quadratkilometer riesig. Verglichen dazu nimmt der Weinbau nur eine winzige Stellung ein – und steckt fast noch in den Anfängen, denn gängige europäische Reben tun sich schwer im Mikroklima des Vulkans mit seiner Mischung aus Höhenlagen, Sonne und dicht gesetzten hundertjährigen Reben, die auf erstarrtem Magma gedeihen müssen. Selbst Nero d`Avola würde hier in 900 Meter nicht ausreifen.

Besonders im Südosten des Ätna sind die Weinparzellen extrem steil mit karger Lavaerde. Trockenmauern und Terressanweinbau (sogenannte „Custeri“) schützen das kostbare Erdreich, damit es nicht ausgewaschen oder abgetragen wird. Alberello-Erziehung und Kastanien-Holzpfähle sorgen für Halt.

Trotz des fruchtbaren Bodens, der eine schwarz-graue Farbe hat, kommen viele mit den extremen Temperaturgefälle an den Hängen zwischen Tag und Nacht schlecht zurecht. Gelesen werden kann in der Regel erst im Oktober, so kühl ist es. Ergo setzt man hier verstärkt auf autochthone Rebsorten – und verstärkt rückt der burgundische Terroir-Gedanke ins Bewußtsein der Winzer, allen voran Alessio Planeta. Sein Cousin Diego Planeta hat das Potential der heimischen Rebsorten schon früh erkannt und Pionierarbeit geleistet.

Seit 1973 ist Diego Planeta Präsident der Cantine Settesdi in Menfi, eine der größten Kellereigenossenschaften in Europa. In dieser Funktion sorgte er dafür, dass sich die 2.300 Genossen bereits 1985 verstärkt den heimischen Rebsorten widmeten. Darüber hinaus sorgte er dafür, daß die geeigneten Standorte für die Anpflanzung dieser Reben erforscht wurden.

Ebenso wie Diego gehört auch Cousin Alessio zu den treibenden Kräften der innovativen Weinszene Siziliens. Mit rigorosem Qualitätsanspruch und modernster Technik führte er Planeta zu einem der bekanntesten Weingüter Italiens. Inzwischen gehören sechs Weingüter zu Planeta, die auf der ganzen Insel verteilt liegen.

Weinreben

Die beiden Sizilianischen Reben, die am Ätna besonders gut zurecht kommen, sind: Nerello Masclese und Nerello Cappucio. Beide sind traditionell hier beheimatet und wachsen auch nur hier, haben sich den harten Bedingungen angepasst. Aus ihnen erzeugt man den DOC Etna Rosso, einen aromatischen Wein mit reichlich Säure und Tannin, Aromen roter Sauerkirschen, Cranberrys und Himbeeren, zu denen sich manchmal noch getrocknete Kräuter gesellen. Im Verlauf der Flaschenreifung mildern sich die Tannine und es können sich pilzartige Noten entwickeln. Beide Rebsorten stehen bisweilen als sogenannter Mischsatz in einer der vielen kleinen Parzellen, deren Erdreich oft durch Trockenmauern aus Lavagestein vor Erosion geschützt werden.

Nerello Mascalese gibt Tannine und würzige Noten, Cappucio Frucht und Farbe.

Die Rebsorte aber, die Sziliens Ruf für autochthone Weine begründete ist die Rebsorte Nero d`Avola. Die „Schwarze aus Avola“ ganz im Südosten der Insel ist die typische und am häufigsten angebaute Rotweinrebsorte Siziliens. Sie wächst im frischen, durch große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht geprägten Mikroklima der Berge rund um Palermo ebenso, wie in den von der Sonne geküssten und vom Wind erfrischten fruchtbaren Hügel um Menfi und Agrigento im Südwesten und gedeiht insobesondere in Noto im Südosten Siziliens. Und sie ist neben der Frappato die Hauptrebsorte des einzigen DOCG-Weins der Insel, des Cerasuolo di Vittoria im Südwesten, benannt nach der kirschroten Farbe.

Nero d`Avola ist eine relativ körperreiche Traube und liefert einen Wein mit mittlerer Säure- und Tanningehalt sowie Aromen von Pflaumen und Schwarzkirschen. Oft werden sie in einem fruchtigen Stil für baldigen Genuss bereitet, ambitionierte Erzeuger streben jedoch eine eher konzentrierte und komplexe Art an.

Ermöglicht wurde der Erfolg von Nero d`Avola durch Diego Planeta beziehungsweise der Cantine Settesoli in Menfi, die mit ihrer „Mandrarossa“-Linie in ganz Europa erfolgreich sind. Diese Linie stellt die Oberklasse der Produktion der 1958 gegründeten Genoossenschaft dar. Spitzenprodukt aber ist der „Chardonnay Laguna Secca“, DOC Sicilia – einen früher von Meer bedeckten Landstreifen.

Viele der angebauten Weißweinsorten wurden früher für die Produktion von Marsala verwendet. Aber Marsala ist passé, inzwischen sind fast nur noch trockene Weißweine gefragt. Allerdings reifen auch die autochthonen Weißweine im heißen Sizilien schnell. Die große Hitze, die für den Marsala noch von Vorteil war, ist für die moderne Weißwein-Erzeugung wenig förderlich. Durch sie werden nämlich die fragilen Fruchtaromen und die Säure am Weinstock zermürbt.

Eine Rebsorte, die die Hitze besser verträgt als die ehemalige Hauptrebsorte des Marsala (Cataratto, der auf mehr als 40.000 Hektar wächst und der einen bald zu trinkenden fruchtigen Wein ergibt) ist eine andere ehemalige Marsala-Rebsorte: der Grillo. Grillo ist grauburgunderartig, mit weniger Frucht, etwas breiterem Mundgefühl. Dennoch wartet er mit Aromen von Zitrus und Steinobst auf und wird gewöhnlich nicht in Eiche ausgebaut. Andere Weißweinsorten sind Fiano, Inzolia und Trebbiano, der „in Italien überall wächst wie Brennessel“ (Jürgen Hammer).

Ausserdem werden auf Sizilien auch noch eine Reihe Muscatweine produziert, beispielsweise der aprikosendurftende Moscato di Noto. Aus der Nähe stammt der aus der Moscat bianco erzeugte Moscato di Siracusa. Die bekanntesten stammen aber aus der Muscat d`Alexandrie-Traube, die hier „Zibbibo“ heißt: Auch der Moscato di Pantelleria, einer Vulkaninsel. Auch bekannt ist der auf den winzigen liparischen Inseln vor Sizilien wachsende Malvasia delle Lipari mit seinem appetitlichen Orangenaroma.

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