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Kampanien

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Kampanien umfasst das Gebiet um die Hauptstadt Neapal und liegt südlich von Latium. Die Landschaft hier ist vielgestaltig und erstreckt sich von der Westflanke des Apennin bis an die Küste des Ionischen Meeres. Sanfte, fruchtbare Hügelketten und Küstenebenen erlauben den Anbau verschiedener Traubensorten. Das Klima an der Küste ist heiß und niederschlagsarm, was für schwere, körperreiche Rotweine sorgt. Im Landesinneren, wo Weißwein gemacht wird, erfolgt die Lese später, aber auch hier ist der Einfluß des Mittelmeers noch bemerkbar.

20.000 Hektar stehen in Kampanien unter Reben, 20 % davon sind als DOC-Gebiet klassifiziert. Es gibt 19 DOCs und 4 DOCGs – mehr als in jeder anderen Region Süditaliens. Die wichtigsten sind:

  • DOCG Taurasi (Rotwein)
  • DOCG Fiano di Avellino (Weißwein)
  • DOCG Greco di Tufo (Weißwein).

Der Boden hier ist geprägt von geologischen Gegebenheiten: Hier im Süden Italiens, in der Heimat des bekannten Vesus, schiebt sich die afrikanische Kontinentalplatte unter die europäische, was regelmässig für Erdbeben (zuletzt 1980) und vulkanische Tätigkeit sorgt. Bis in die Gegenwart heißt beispielsweise ein bekanntes, zu Neapel gehörendes Anbaugebiet für die Rebsorte Falanghina im Westen Neapels: DOC Camp Flegrei, was soviel heißt wie „brennende Felder“. Etwa 20 Winzer arbeiten hier.

Auch die Neapel vorgelagerten Inseln Capri (DOC Bianco) und Ischia (DOC Bianco) erzeugen guten Wein und sind ehemalige Vulkaninseln. Um 750 vor Christus bauten die Euböer auf der Insel Ischia Wein an. Und hier fand man auch Nestors Becher – ein in Rhodos gefertigten Trinkbecher, den man mit einem berühmten Spruch verzierte: „Nestor besaß einen schönen Trinkbecher, aber wer daraus trinkt, wird bald von Begehren nach der hübsch gekrönten Aphrodite ergriffen.“ (Diese Hexameterzeilen sind die ältesten Verweise auf Homers Odyssee beziehungsweise den Trojanischen Krieg: Sie stammen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus – die Zeit, in der das Homerische Eposvermutlich überhaupt erst geschrieben wurde – und stellen die früheste datierbare griechische Inschrift in Alphatbeform dar. Da sich die Schriftzeichen jedoch deutlich von älteren, phönizischen unterscheiden, muss auch das phönizische Alphabet schon längere Zeit vorher in Griechenland übernommen worden sein.)

Auf Ischia und Capri steht die Falanghina-Traube im Mittelpunkt der Weinbaubemühungen unbestritten die besten Weißwein liefern aber die Sorten Fiano und Greco im Landesinneren. Fiano ist eine alte autochthone weiße Rebsorte, deren Hauptanbaugebiet rund um die Hauptstadt der Region Irpinia, Avellino liegt. Entsprechend heißt die dazugehörige DOCG Fiano di Avellino. Fiano wächst hier in einer satten, grünen Landschaft auf weit verstreuten Parzellen in einer ausgedehnten Fläche, das von zwei langgestreckten Bergketten (mit bis zu 1.800 Meter Höhe) eingerahmt wird. Das Mittelmeer liegt 60 Kilometer entfernt, somit herrscht hier ein kontinentales Klima mit kalten Wintern und heißen, trockenen Sommern. Erst im September sorgen kältere Nächte für Abkühlung, was aber zeitig genug ist, um die feingliedrigen Aromen und die Säure in den Trauben zu halten. Fiano wird nämlich hier erst im Oktober geerntet, Wochen später also als an der Küste und mehr als einen Monat später als die Weißwein-Trauben der nördlichen Anbaugebiete.

In den tiefer gelegenen Weingärten stehen die Reben auf lockereren Böden mit relativ hohem Ton- und niedrigem Lehmanteil. Diese Bodenzusammensetzung gefällt nicht nur den Reben, sondern auch Haselnußsträuchern, was fasst zum Aussterben von Fiano geführt hätte. Heute wird er wieder in insgesamt 24 Gemeinden angebaut – und darf mit maximal 15 % Coda di Volpe verschnitten werden, was aber kaum gemacht wird.

Fiano hat eine blasse Farbe und liefert Weine mit vollem Körper und Aromen von Steinobst, Melone und Mango. Bessere können in Eiche ausgebaut sein und in der Flasche reifen (Wachs und Honig). Wie aber auch Greco ist Fiano keine sehr aromatische Rebsorte, passt aber gut zu Mozzarella die Buffala Campana DOP (einem Kuhmilchkäse mit 50 % F.i.T.)

Wie auch Fiano animiert Greco mit seiner Saftigkeit, die fast etwas Salziges hat zum (Weiter-)Trinken. Beiden ist eine an Feuerstein erinnernde Mineralität und eine lebendige, natürliche Säure zu eigen – Charakterzüge, die bei Weißwein aus dem Süden Italiens eine Seltenheit sind. Auch Greco ist eine alte Rebsorte, die vermutlich aus Griechenland stammt. Im Gegensatz zu Fiano war sie nie vom Aussterben bedroht. Zwar grenzt das Anbaugebiet direkt an das des Fiano, dennoch setzte sich hier der Haselnußanbau nie durch, was vielleicht auch damit zu erklären ist, dass die Anbauregion mit nur 8 Gemeinden relativ klein und kompakt ist. Sie beginnt mit dem auf 300 Meter Höhe gelegenen Tufo, der seinen Namen vom dort zu findenden Tuffstein erhielt. Er ist auch namensgebend für die DOCG Greco di Tufo. Von dort breiten sich die Weinberge bis zum 6 Kilometer entfernten höchsten Hügel der Region aus. Die Reben wachsen hier auf Böden aus einem Gemisch aus ockerfarbenem Lehm, Ton und Sand, wobei der Lehmgehalt anders als im Anbaugebiet für Fiano relativ hoch ist. Mikroklima und Höhe sind aber identisch. Einzigartig aber sind die über mehrer Etagen in den Tuffstein geschlagenen Keller.

Ob ein Greco oder ein Fiano im Glas ist erkennt man an der Farbe: Der Greco ist intensiv sonnen-goldgelb, der Fiano dagegen blaß. Ansonsten ist der Greco würzig, körperreich mit einer guten Säurestruktur. Oft Edelstahl, manchmal Eiche und Hefesatzaufrühren für mehr Textur.

Neben Franciacorta entstehen hier auch die einzigen flaschenvergorenen Schaumweine in Italien, ebenfalls aus Greco.

Der prestigeträchtigste Rotwein der Region ist Aglianico, der „Barolo des Südens“, der, wie der Name schon andeutet, vor 2.500 Jahren von den Griechen eingeführt wurde: „Aglianico“ stammt von „ellenico“ („hellenisch“). Die Rotweine, die die Besonderheit von Aglianico am eindrucksvollsten zum Ausdruck bringen, sind die Weine aus Taurasi, dem traditionsreichsten Rotwein-Gebiet Kampaniens, auch wenn die Rebsorte in einer ganzen Reihe von Weinen Kampaniens und anderer Regionen vorkommt. Entsprechend auch heißt die DOCG Taurasi. Weine von hier müssen zu mindestens 85 % Aglianico enthalten.

Das Anbaugebiet Taurasi beginnt dort, wo die Anbaugebiete für Fiano und Greco enden – 20 Kilometer östlich von Avellino in einer weitläufigen Gegend, in der die kleinen Weingärten auf 17 Gemeinden verteilt sind. Sie befindet sich im Vorgebirge in einer kontrastreichen Landschaft mit imposanten Gebirgszügen. Die 70 Weinbaubetriebe befinden sich auf Hügeln mit einer Höhe von 250-550 m, im Extremfall sogar bis 1.000 Meter.

Der Frühling erreicht die Aglianico-Reben nach einem harten Winter erst 2 Wochen später als die nicht weit entfernte Amalfiküste. Der Sommer ist sonnig und heiß, Abendwinde sorgen aber für etwas Abkühlung. Es regnet selten und der Herbst dauert länger als an der Küste – 2 bis 3 Wochen später wird hier gelesen, also erst im November die letzten Trauben.

Auch wenn es die Nähe zum Vesuv nahelegt, stehen die Reben im Taurasi-Gebiet nicht auf schwarzem Vulkangestein, sondern auf hellen, von Tuffstein oder Kalkgestein durchsetzten Lehmböden mit geringerem Sandanteil. Das spiegelt sich auch im Wein wieder: Die schweren Böden führen dazu, dass sich die urwüchsige Kraft und die prägnanten Gerbstoffe des Taurasi zusätzlich hervorgehoben werden. Es entstehen so schwere komplexe Weine.

Taurasi ist dunkel, mit so viel Säure, dass deren biologischer Abbau beileibe keine Routinangelegenheit ist, und hat sehr viel Gerbstoff (deshalb muß Taurasi laut Gesetz drei Jahre reifen, Reserva mindestens vier Jahre), während sich andere Rotweine über ihre Fruchtigkeit erschließen, sind bei Aglianico die Tannine der Schlüssel zum Verständnis (deshalb: karaffieren). Sie sitzen in der dicken Beerenhaut und stammen zusätzlich von den Kernen, die hier nicht immer vollständig ausreifen (und grundsätzlich zuletzt reifen). Dennoch hat Taurasi auch Noten schwarzer Früchte. Auf den Ausbau in Eiche folgt eine Flaschenreifung (was zu erdigen Noten führt).

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