Weinglossar

Latium

Ab hier beginnt Süditalien, d.h. der sogenannte „Mezzogiorno“: Das ist das italienische Wort für „Mittag“ und ist abgeleitet vom Stand der Sonne um die Mittagszeit (ähnlich wie das französiche Le Midi). Generell ist mit Mezzogiorno also der italienische Süden bezeichnet.

Das Latium ist voller ehemaliger Vulkankrater, die sich inzwischen mit Wasser gefüllt und in Seen verwandelt haben. Sie sorgen neben dem Einfluß der Höhenlagen in der Hügellandschaft für kühlenden Einfluß. Zusammen mit dem fruchtbaren vulkanischen Boden sind das ideale Bedingungen für den Anbau von weißen Rebsorten mit einer frischen Stilistik, aber auch für aromatische Rebsorten wie Malvasia, die nur eine geringe Säure haben. Das macht Malvasia bzw. den aus dieser Rebsorte gemachten DOC Frascati auch anfällig für Oxidation, sobald er die kühlen und feuchten Keller verläßt. Deshalb schmeckt er am Besten vor Ort – oder gerade noch in den römischen Tavernen. Er offenbart dann einen mittleren Körper mit verhältnismäßig viel Säure und Zitrus- und manchmal auch Orangenblütennoten.

Ein anderer frisch-fruchtiger Weißwein aus dem Latium ist der DOC Est!Est!!Est!!! di Montefiascone. Er wird hauptsächlich aus Trebbiano und Malvasia gemacht und hat einen deutlichen Mandelgeschmack. Seinen außergewöhnlichen Namen verdankt er der geschichtlichen Begebenheit, dass Heinrich V. in Rom heiratete und der deutsche Prälat Johannes Fugger seinen Diener beauftragte, gute Unterkünfte für seine Reise dorthin auszukundschaften und sie mit einem „est“ über der Tür zu markieren. Den Montefiascone indessen fand er so gut, dass er das „est“ gleich dreimal über den Eingang schrieb. Auch dem Bischof schmeckte der Wein dort so gut, daß er sich daran zu Tode soff und Rom nicht mehr erreichte. Noch heute steht sein Grabstein in Montefiascone.

Daneben gibt es auch noch einen autochthonen Rotwein mit individuellem Charakter im Latium, jedoch nur in kleiner Menge. Es ist der DOC Cesanese del Piglio. Er wurde bekannt, weil sich in seiner Nähe die Papststadt Anagni in den Albaner Bergen befand. In der Nähe befindet sich auch die kühle päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo, die 2016 jedoch in ein öffentliches Museum umgebaut wurde. Früher war der Cesanese ein süsser Wein, inzwischen jedoch wird er trocken ausgebaut, aber nur von wenigen Winzern. Gerettet wurde sie vom Historiker Masimi Berucci, der einige Winzer für die Rebsorte begeistern konnte, womit der dramatische Rückgang des Anbaus in den letzten 30 Jahren gestoppt wurde. Cesanese duftet nach Kirschtorte, Schlehen und Schokolade. Er hat dichte, mineralische Gerbstoffe und eine kräftige Säure, die die Tannine noch verstärkt.

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