Weinglossar

Umbrien

Das wasserreiche, „grüne“ Umbrien liegt komplett im Landesinneren und ist das einzige Weinanbaugebiet südlich der Po-Ebene, das keinen Küstenzugang besitzt. Klimatisch gesehen ist es vielfältig: Es ähnelt dem der Toskana, ist in den Hochebenen im Norden aber kühler als im Chianti-Gebiet und eher kontinental geprägt und im Süden in Montefalco zwar mediterraner, aber nicht vom Mittelmeer beeinflußt.

Weinbau wird in Umbrien auf 12.000 ha betrieben. Es gibt 15 DOCs und 2 DOCGs. Die wertvollsten Beiträge kommen dabei von der weißen Grecchetto, die körperreiche, nussig-intensive Weißweine liefert, und der dickschaligen roten Sagrantino. In Mode kam auch Trebbiano, der beim bekanntesten Weißwein Umbriens als Verschnittpartner genutzt wird, dem DOC Orvieto: Er wird ursprünglich um das auf einem Vulkansteinfelsen (Kalktuffstein) thronende Städtchen Orvieto produziert (dem heutigen Orvieto-Classico-Gebiet) und ist eine Cuvée aus dem neutraleren Trebbiano mit besserem Grecchetto, der einen mineralisch nussigen Wein ergeben kann, der sich sogar für den Holzfassausbau eignet.

DOC Orvietos haben einen schlanken Körper, einen mittleren bis hohen Säuregehalt und Aromen von Grapefruit und Pfirsich. Bei den besseren dominiert der Grecchetto-Anteil. Er wird bisweilen unter Sauerstoffausschluß vinifiziert und kalt vergoren.

Angesehener als der weiße Orvieto ist allerdings der rote DOCG Montefalco Sagrantino, der von 40 Gütern auf etwa 750 ha erzeugt wird. Er wird von der dickschaligen Sagrantino-Traube bereitet, die in der Hochebene um Montefalco wächst. Einst bekannt als „Cors Coronae“ wurde das Dorf Mitte des 13. Jahrhunderts vom Stauferkaiser Friedrich Barbarossa umgetauft, der dort während seines Aufenthalts eine hohe Zahl von Falken bemerkte.

Die Ursprünge der Rebsorte Sagrantino, die heute als umbrisch angesehen wird, sind unbekannt, man vermutet Griechenland als Ursprung. Eine Kellerei, die am meisten zur Bekanntheit des Sagrantino beigetragen hat, war ab den 1990er-Jahren Arnaldo Caprai. Er brachte als erster modere Sagrantinos auf den Markt, weniger traditionelle, kräftige und tanninreiche. Heute gibt es Sagrantino in zwei Versionen: als kräftigen Sagrantino di Montefalco und als fruchtbetonten Montefalco Rosso, der weitere (internationale) Rebsorten enthalten kann.

Dass Umbrien auch zu Sangiovese-Weinen fähig ist, bewies in den 1970er-Jahren Giorgio Lungarotti, der in seinem Gut in DOC Torgiano als erster damit experimentierte. Heute firmiert der DOCG Torgiano Rosso Riserva sogar als zweiter DOCG-Wein Umbriens. Der „Torgiano Rosso Rubesco Monticchio Riserva DOCG“ war der erste Wein den Lungarotti entwickelte.

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