Weinglossar

Veneto

Venetien ist mit 74.000 Hektar Rebfläche nach Sizilien und Apulien das drittgrößte Weinanbaugebiet Italiens. Etwa 46.000 Hektar davon sind dabei als „Denominazione di origine controllata (DOC)“ oder höherwertige „Denominazione di origine controllata e garantita (DOCG)“ klassifiziert und die dort hergestellten Weine insofern gesetzlich geschützt.

Die Region im Hinterland von Venedig, die terra ferma, ist nur etwa zu einem Drittel flach, das heißt im Norden liegen die Alpenausläufer (Dolomiten) und im Süden dehnt sich eines der größten Anbaugebiete bis in die Po-Ebene, das im Westen durch den Gardasee begrenzt wird. Bedeutendere Weine entstehen allerdings ausnahmslos in den Ausläufern der Alpen sowie in vereinzelten Hügelgebieten vom Gardasee ostwärts bis Conegliano im Prosecco-Gebiet.

Veneto_Weinanbaugebiete

Geschichte des Weinbaus

Weinbau war im Veneto lange eher unbedeutend – mit Wein allerdings hatte Venedig schon länger zu tun: Wein war schon immer ein begehrtes Handelsobjekt im Mittelmeerraum und da Venedig in der Zeit zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert die wichtigste Seemacht war, kontrollierte „La Serenissima“ auch den Weinhandel: Nicht nur, dass die Venezianer auf vielen Inseln selbst Wein anbauten, es mußten auch alle Lieferungen in Venedig verzollt werden. (Die enge Verbindung von Venedig und dem Wein zeigt sich auch an den vielen Glasmanufakturen auf der Insel Murano vor Venedig.)

Der Handel ließ eine erfolgreiche Kaufmannsklasse entstehen, stärkte aber auch die Macht der Patrizierfamilien: die einträglichsten Handelsrouten beherrschten sie. Nur den weniger einträglichen Handeln überließ man den zur Mittelschicht gehörenden Kaufleuten – und dazu gehörte auch der Weinhandel. Etwa 200 Familien, darunter viele führende Kaufmannsfamilien, bestimmten, wohin die Galeerenkonvois segelten und mit welchen ausländischen Königen man Verträge abschloss.

Malvasia war zu dieser Zeit die wichtigste Rebsorte: Sie galt als edelste Traube und war – entgegen dem sonstigen Weinhandel – allein den Adligen und Patriziern vorbehalten. (Etliche Straßennahmen in Venedig nehmen noch heute auf die Malvasia Bezug.) Der süße Malvasier wurde beispielsweise im damals venezianischen Kreta angebaut. Wein war (neben Öl) das Hauptexportgut der Insel und kretischer Wein löschte auch nach der Übernahme der Herrschaft auf der Insel durch die Türken im Jahr 1536 (beziehungsweise endgültig 1669) den Durst von Konsumenten im Niltal und der osmanischen Ägäis. Über die Ägäis regierte seit dem Tod Suleymans des Prächtigen im Jahr 1566 Sultan Selim II., der auch „Selim der Säufer“ genannt wurde – und obwohl der Konsum von Wein nicht im Einklang mit dem islamischen Gesetz stand, wurder er von einem Vertrauten, Joseph Nasi, der ein Monopol auf den Transport von Wein aus Kreta hatte, versorgt. Selbst die Ausbreitung des Islam setzte dem Weinanbau auf Kreta kein Ende. (Joseph Nasi erhielt dafür den Titel „Herzog von Naxos“, das schon seit der klassischen Antike als Insel des Dionysos bekannt war.)

Mit der Niederlage der Venezianer gegen die Osmanen auf Kreta 1669 ging auch eine Epoche zu Ende. Dem Bedeutungsverlust als Seemacht folgt nun die Entwicklung des Hinterlands von Venedig, der sogenannten Terra ferma. Zwar gab es Weinbauern, die hier schon seit jeher Reben kultivierten, ihre kleinen Parzellen, oft nur wenige Hektar oder noch kleiner, dienten jedoch dem Eigenbedarf und wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Oft aber verarbeiten die Weinbauern ihre Ernte gar nicht selbst, sondern verkauften sie an Kellereien, die die Trauben dann weiterverarbeiteten. Diese Händler haben sich hier auf dem Land niedergelassen, nachdem Venedig seit dem Ende des 15. Jahrhunderts seinen jahrhundertelangen Einfluss im Mittelmeerraum zu verlieren begann. Zu dieser Zeit entdeckten die großen Patrizier-Familien der Handelsmetropole Venedig das Hinterland der Lagunenstadt und begannen, dort teure Villen zu errichten, die mitunter vom berühmtesten Architekten der Zeit, Andrea Palladio, entworfen wurden, und das Brachland im Veneto systematisch zu kultivieren und zu bewirtschaften. So beginnt gewissermaßen die Geschichte des modernen Weinbaus im Veneto, insbesondere jene in der traditionellen Heimat des Prosecco.

Anbauregionen

Große Bedeutung für Venedig und sein Hinterland hatten dabei immer schon die Flüsse. Insbesondere der Piave war lange entscheidend für Venedig: alle wichtigen Rohstoffe für die Lagunenstadt, insbesondere verschiedene Hölzer aus dem Alpenraum, gelangten über ihn unweit von Murano in die Adria. Die Flussschifffahrt, auch über die Etsch, war bis zur Errichtung der Eisenbahn die wichtigste Verkehrsverbindung nach Venedig. Erst 1852 errichteten die Habsburger eine Eisenbahnlinie von Verona nach Venedig – und mit ihr eine erste Brücke, die die Lagunenstadt mit dem Hinterland verband.

An den Ufern der Piave wird heute viel Wein angebaut, allerdings entstehen hier hauptsächlich Massenweine. Sieht man vom Weinanbaugebiet Piave ab, sind im Veneto insbesondere folgende Weinanbaugebiete wichtig:

  • Bardolino
  • Valpolicella
  • Soave
  • Prosecco

Qualitätweinbau findet im Veneto in insgesamt 32 DOCs und 14 DOCGs statt, die sich in folgenden klimatisch und geographisch unterschiedliche Regionen befinden:

  • Gardasee (Bardolino): Sand- und Kiesböden, das heißt Moränenhügel im Südwesten
  • Lessini-Berge (Valpolicella): Vulkanmassiv mit weichem Tuffstein
  • Berge von Treviso (Prosecco)
  • Po-Ebene (Massenweine aus internationalen Rebsorten): feuchte Nebel erhöhen hier die Pilzgefahr

Das Klima im Veneto ist insgesamt – sieht man von den Alpen ab – warm mit mäßigem Niederschlag. Kühlende Einflüsse ergeben sich meistens aus der Höhenlage (das gilt insbesondere im Valpolicella-Gebiet und das Kerngebiet des Prosecco), die für eine größere Kontinentalität sorgt, während Brisen vom Gardasee die Weinberge im Westen der Region kühlen.

Bardolino

Den Gardasee teilen sich die Lombardei und das Veneto – die Grenze verläuft Mitten durch den See. Wein wird aber rund um ihn angebaut. Im Veneto auf der östlichen Seite liegt die DOC Bardolino, benannt nach dem gleichnamigen Ort, direkt am See. Weine von hier und aus den Nachbargemeinden Lazise und Garda tragen traditionell die Bezeichnung „Classico“. Vor der Einführung der DOC 1968 kamen zum Bardolino-Gebiet einige weitere Orte in der östlichen und südlichen Umgebung dazu, für die der Zusatz „Classico“ nicht erlaubt ist.

Die verwendeten Rebsorten sind in der gesamt Region gleich, nämlich Corvina, Corvione, Rondinella und Negara. Wird Negara durch Molinara ersetzt, entsteht daraus Valpolicella. In kleineren Mengen dürfen auch Sangiovese und Barbera eingesetzt werden für mehr Geschmackstiefe.

Bardolino ist ein leichter Rotwein vom See, der durch seine Fruchtigkeit überzeugt, selten durch seine kräftigen Gerbstoffe (DOCG Bardolino Superiore entspricht eher noch dem Valpolicella). Wie im lombardischen Valtenesi wird auch in Bardolino noch ein unbeschwerter Rosé-Wein produziert, der DOC Bardolino Chiaretto aus Corvina und Rondinella, der mit seiner knackigen Frische perfekt zur Fischküche des Sees paßt.

Die Sammelbezeichnung DOC Garda gilt sowohl für Verschnitte der venetianischen Anbaugebiete als auch für die Weißweine der DOC Bianco di Custoza, der in neun Gemeinden weiter südlich produziert wird.

Valpolicella

Das Valpolicella-Gebiet ist eine hügelige Reblandschaft nördlich von Verona und die Heimat verschiedener Weine mit unterschiedlicher Stilistik:

  • Valpolicella (frisch-fruchtig)
  • Ripasso (feinwürzig)
  • Recioto (süß)
  • Amarone (kraftvoll)

In Valpolicella wachsen die Reben auf über 7.800 Hektar und werden von etwa 2.300 Weinbauern kultiviert. Das Gebiet wird einerseits klimatisch geprägt von den Lessiner Bergen im Norden mit seinen Böden aus Kalkstein, Lehm und Vulkan (und damit einer entsprechend langsamen Reifung und säurereicheren Trauben), und dem flacheren Süden mit Kies und Sandböden, die etwas mehr Wärme speichern (sodaß die Trauben mehr Frucht offenbaren). Durch die Fallwinde der Alpenausläufer, dem mediterranen Einfluß des Gardasees im Westen und der Adria im Südosten ist das jeweilige Mikroklima von Tal zu Tal oft grundverschieden.

Das Valpolicella wird in drei Gebiete unterteilt:

  • Zona Classica: im Westen mit Fumane, Marano, Negrar, San Pietro und Sant`Ambrogo, Rebberge zwischen 70 und 400 Meter Höhe
  • Valpantana: im Osten
  • Täler von Illasi, Mezzane und Cazzano mit Rebbergen bis 500 Meter Höhe

Die meisten besseren Valpolicellas stammen aus den schwieriger zu bearbeitenden Hanglagen des Classico-Gebietes. Die Reben stehen hier besonders dicht auf Kiesterrassen und werden vertikal erzogen, am Drahtrahmen, um möglichst viel Geschmack zu entlocken. Vielfach wird auch die Pergolaerziehung auf der „Pergola-Veronese“ kultiviert, die durch die Beschattung und ein dickes Laubdach für ausgewogenes Traubenmaterial sorgt.

Der Basiswein der Anbauzone is der DOC Valpolicella, ein frisch-fruchtiger Rotwein, de nach Kirschen duftet und für Trauben des gesamten Gebietes gilt. Valpolicella ist stets ein Verschnitt aus:

  • Corvina: dünnschalig, viel Säure, Aromen von Kirsche und Bittermandel
  • Corvione: reich an Polyphenolen, verleiht Struktur und Körper
  • Rondinella: aromatisch und reich an Farbe
  • Molinara: ertragsstark, einfach

Etwas kräftiger als der DOC ist der DOC Valpolicella Superiore, der mindestens ein Jahr reifen muß, bevor er auf den Markt kommt und einen etwas höheren Alkoholgehalt hat.

Eine Besonderheit ist der DOC Valpolicella Ripasso: Beim Ripasso-Verfahren wird der Basis-Valpolicello für rund 15 bis 20 Tage in Kontakt mit dem Trester der Amarone-Produktion gebracht. Der Wein wird dadurch kräftiger, er gewinnt an Struktur und Langlebigkeit.

Die Trauben des süssen DOCG Recioto della Valpolicella werden für 100 bis 120 Tage angetrocknet. Danach werden sie gepresst und der Most vergoren. Dabei wird der Zucker nicht vollständig zu Alkohol umgewandelt. Das Ergebnis ist ein süsser Passito mit geringerem Alkoholgehalt. Nach demselben Prinzip entsteht auch ein DOCG Recioto di Soave.

Auch für den DOCG Amarone della Valpolicella wird das Passito-Verfahren verwendet. Im Gegesatz zum Recioto ist ein Amarone aber nicht süß, sondern – wie der Name ja schon sagt – bitter („amaro“). Vermutlich wurde der Begriff „amarone“ ursprünglich für einen Recioto secco, einen trockenen Recioto, verwendet. Erstmals jedenfalls tauchte der Name „Amarone“ in den 1930er Jahren auf einem Etikett auf. 1968 wurde dem Gebiet schließlich die DOC verliehen.

Für die Produktion von Amarone werden die Trauben (Corvina: 45 bis 95 Prozent, eventuell ersetzt durch Corvinone: maximal fünfzig Prozent und Rondinella: fünf bis dreißig Prozent, den Rest dürfen andere Rebsorten ausmachen) früh gelesen (im Unterschied zum Recioto), das heißt zwischen Ende September und Anfang Oktober, wenn sie noch reichlich Säure haben. Anschließend werden sie in Trockenräumen, sogenannten „fruttai“, ausgelegt und 100 bis 120 Tage angetrocknet (im Herbst oft Nebel, der die Antrocknung beeinflußt). Während dieses Prozesses in zum Teil offenen Räumen verlieren die Trauben unter ständiger Luftzirkulation etwa die Hälfte ihres Gewichtes und sie verändern ihren Charakter grundlegend: die Säure wird vermindert, das Verhältnis von Glucose und Fructose wechselt und es kommt zu einer Erhöhung an Resveratol (einem Geschmacksstoff).

Dieser Vorgang der „Rosinierung“ wird „appassimento“ genannt: Wasser verdunstet und Zuckersäure und Extraktstoffe bleiben umso konzentrierter zurück. Die Pressung erfolgt vor oder kurz nach Weihnachten. Die Trauben enthalten extrem viel Zucker, aus dem während der Gärung viel Ethanol entsteht. Damit die üppigen Aromen des späteren Amarone nicht in einer Überdosis Alkohol ertrinken, bleiben die Beerenschalen erst mal im abgepressten Most liegen – oft mehrere Monate -, denn so zieht der Wein Gerbstoffe aus, die ihn später langlebig machen. Gleichzeitig passiert aber etwas, daß manche als das „miracolo del amarone“ bezeichnen, denn die Hefe hört hier nicht bei 15 Volumenprozent Alkohol auf zu arbeiten, sondern erst bei 16 Volumenprozent und mehr – es ist ein spezieller Hefestamm.

Nach dem Abpressen erfolgt die Vinifikation, das heißt ein mindestens zweijähriger Ausbau in (slowenischer) Eiche und in der Flasche. Riservas müssen sogar vier Jahr in Holz reifen. Während der Reifung zieht sich sich die Fermentation monatelang hin, in denen der Wein oxidiert. Entsprechend ist Amarone granatfarben und duftet nach Trockenfrüchten, Tabak und Gewürzen.

Valpolicella heißt übersetzt so viel wie „das Tal der vielzähligen Keller“. Einer der bedeutendsten Winzer der Region war sicherlich der 2012 verstorbene Giuseppe Quintarelli.

Soave

Soave bedeutet „sanft“ und stammt wohl vom Volksstamm der „Suebe“ ab, der Schwaben, die im 6. Jahrhundert nach Norditalien eingewandert sind. Das Soave-Gebiet liegt östlich von Verona und gliedert sich wie Valpolicella in zwei Teile: die Dolomitenausläufer im Norden sowie eine Ebene im Süden, unweit des Po. Das Classico-Gebiet im Norden ist ein schmales Band von Hügeln, das zuerst 1931 kartiert wurde: Die Hänge von Soave bis Monteforte d`Alpone, etwa fünf Kilometer weiter östlich gelegen, sind das historische Kerngebiet.

Die Böden sind vulkanischen Ursprungs sowie aus Kalk und Lehm. Sie sind von Natur aus kühl, was zusammen mit der Höhenlage die Entwicklung der Trauben verlangsamt – mit der Folge, dass diese aromatisch voll ausreifen, aber nichts von der Säure verlieren. Der Höchstertrag hier ist auf 98 Hektoliter pro Hektar festgelegt, was immer noch viel ist, denn die Wurzeln müssen auf dem mineralhaltigen, vulkanischen Basaltgestein mit der Kalk-Lehm-Auflage – einem insgesamt gut drainierten Boden – tief wurzeln um an Nährstoffe zu kommen. In der Ebene wachsen die Reben in sandigen Schwemmlandböden. Sie haben mehr Frucht und weniger Säure.

Die Hauptrebsorte für Soave-Weine ist Garganega (sie muss mindestens siebzig Prozent des Weines ausmachen), daneben wird Trebbiano die Soave verwendet. Ein klassischer DOC Soave ist eher fruchtig-elegant und säurearm, die besseren wie ein DOC Soave Superiore, der erst ein Jahr nach der Lese auf den Markt darf und dessen Ertrag auf siebzig Hektoliter pro Hektar begrenzt ist, haben Mandel- und Zitrusaromen. Eine Riserva muß sogar zwei Jahre reifen.

In Soave werden rund achtzig Prozent der insgesamt 7.000 Hektar von Genossenschaften bewirtschaftet, die sich immer wieder um noch höhere Erträge (derzeit 105 Hektoliter pro Hektar) bemühen – zu Lasten der Qualität. Besserer Soave – reinsortig von Garganega gemachter – entsteht in der DOC Gambellara.

Prosecco

Etwa achtzig Kilometer nördlich von Venedig liegt das Ursprungsgebiet und die Heimat des Prosecco. Inmitten einer idyllischen Hügellandschaft wächst hier der Wein für den Prosecco aus der Rebsorte Glera. Die Weingärten dafür liegen oberhalb der weiten venezianischen Po-Ebene und schmiegen sich eng an das Dolomitenmassiv im Norden. Die Region macht schon einen etwas alpinen Eindruck mit ihren steilen und kargen Abhängen, auf denen die Reben wachsen. Der Boden ist ein durchlässiger Lehmkalkboden und bildet einen idealen Untergrund für Reben, während die Fallwinde aus den Bergen für kühle Nächte in der mediterranen Gegend und für ausreichend Säure und Frische in den Trauben sorgen.

Bewirtschaftet wird das traditionsreiche Rebland dabei von Weinbauern mit kleinen Parzellen, oft nur wenige Hektar oder noch kleiner, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Sie verarbeiten die Ernte nicht selbst, sondern verkaufen sie gewöhnlich an Kellereien, die die Trauben zu Prosecco weiterverarbeiten. Diese Prosecco-Händler haben sich hier auf dem Land niedergelassen, nachdem Venedig seit dem Ende des 15. Jahrhunderts seinen jahrhundertelangen Einfluss im Mittelmeerraum zu verlieren begann. Zu dieser Zeit entdecken die großen Patrizier-Familien der Handelsmetropole Venedig das Hinterland, die Terra ferma, und begannen das Brachland systematisch zu kultivieren und zu bewirtschaften. So beginnt auch die Geschichte des Weinbaus im Prosecco-Gebiet.

Während die Weinproduktion schon wesentlich älter ist, wird der Schaumwein Prosecco im Veneto erst seit dem Jahr 1876 produziert. Seit diesem Jahr kommt eine Methode zur Anwendung, die sich „Metodo Italiano“ oder „Metodo Martinotti“ nennt und von Antonio Carpenè als „Metodo di Spumantizzayone Conegliano Valdobbiadene“ eingeführt wurde. Bei dieser Methode der Schaumweinbereitung handelt es sich um eine Alternative zur traditionellen Flaschengärung – nämlich um eine sogenannte Tankgärung: Bei diesem Verfahren findet nach einer sanften Abpressung und dem Ausbau des Grundweins im Stahltank, die Zweitgärung nicht in der Flasche, sondern in einem geschlossenen Drucktank statt, in dem die Kohlensäure gefangen wird. Danach wird der Schaumwein dann direkt, ohne langen Hefekontakt (zwar mindestens einen Monat, aber höchstens zwei Monate), gefiltert und unter Druck auf die Flasche abgefüllt.

Durch die Verwendung der Tankgärungsmethode bei der Herstellung von Prosecco gibt es aber entscheidende Unterschiede zwischen Prosecco und Champagner:

  • Anders als bei der traditionellen Flaschengärung findet zwar auch bei Prosecco eine zweite Gärung des Grundweines aus der Glera-Traube statt, allerdings nicht mit Hefekontakt in der Flasche, sondern in einem geschlossenen Drucktank.
  • In diesem Stahltank wird die Gärung etwas früher als bei Champagner durch Kühlung unterbrochen, dadurch wird nicht der ganze Zucker in Alkohol umgewandelt, weshalb der Prosecco auch etwas süßer schmeckt.
  • Anschließend wird dann nach wenigen Wochen die Hefe, die die zweite Gärung in Gang gesetzt hat, herausgefiltert und der Prosecco abgefüllt – es findet also kein monatelanger Hefekontakt wie bei Champagner statt. Entsprechend schmeckt man bei Prosecco auch keine Hefe- oder Briochearomen.
  • An die Stelle der Biochenoten durch die Hefe treten bei Prosecco praktisch nur die Aromen des Grundweins aus der Glera-Traube, insbesondere Aromen von grünem Apfel und Melone.
  • Durch das Kühlen und Filtern des Prosecco – und da üblicherweise auch kein biologischer Säureabbau (BSA) beim Grundwein durchgeführt wurde – wird versucht, die frisch-fruchtigen Aromen der Glera-Traube zu bewahren.
  • Neben diesem frisch-fruchtigen Charakter hat Prosecco typischerweise auch immer etwas mehr Süße als Champagner oder Sekt.

Mit der von Carpenè eingeführten „Metodo Italiano“ werden neben echten Schaumweinen – sogenannten Spumante mit mindestens 3,5 bar Druck – auch nur leicht perlende Versionen – Frizzante mit weniger Kohlensäure und einem geringeren Druck zwischen 1 und höchstens 2,5 bar – erzeugt werden. Weil außerdem die zweite Gärung bei Spumante etwas länger dauert, ist auch die Perlage viel feiner und der Schaum cremiger und langanhaltender als bei einem Frizzante (dennoch darf bei Frizzante, anders als bei Perlweinen, keine Karbonisierung erfolgen). Am offensichtlichsten ist der Unterschied zwischen Frizzante und Spumante beim Verschluss – der nur bei einem Spumante immer, wie bei einem Champagner, aus einem pilzförmigen Korken besteht, der aufgrund des höheren Drucks in der Flasche mit einem Drahtgeflecht („Agraffe“) gesichert ist.

Prosecco wird heutzutage nicht mehr nur in der ursprünglichen Hügellandschaft produziert, sondern in einem ausgedehnten Gebiet, das sich über Venetien bis ins Friaul erstreckt. „Prosecco“ war lange der Name für eine Rebsorte, zum Schutz vor Plagiaten änderten die Produzenten im Jahr 2009 den Namen der verantwortlichen Rebsorte jedoch in „Glera“ und registrierten deren ursprünglichen Namen „Prosecco“ als Bezeichnung für das Weinanbaugebiet: „Prosecco“ ist also seither nicht mehr der Name einer Traubensorte, sondern bezeichnet das Produktionsgebiet – das in diesem Zusammenhang auf Gebiete im Friaul erweitertet wurde. Von dort stammt auch der neue Name „Glera“: Er fungierte im Friaul schon immer als Synonym und stammt von einer kleinen Region in der Nähe von Triest, in der auch eine Ortschaft existiert, die „Prosecco“ heißt. Wein wurde dort schon seit den Römern produziert (sie nannten die Ortschaft „Pucinum“ und den Wein „vinum Pucinum“) – aber „Prosecco“ dürfen die Winzer der Region ihren Schaumwein erst neuerdings nennen.

Mit der Gesetzesänderung von 2009 verhinderte man, dass „Prosecco“ auch in anderen Regionen hergestellt werden kann, denn seither darf der Schaumwein nur noch unter den oben geschildeten kontrollierten Bedingungen (sanfte Abpressung des Grundweins und Vinifikation in Stahl, Tankgärungsverfahren mindestens dreißig Tage lang) in neun genau umrissenen Provinzen erzeugt werden, die zur „Denominazione di Origine Controlata (DOC)“ („Geschützter Ursprung“), aufgewertet wurden: Treviso, Belluno, Vicenza, Padua, Venezia, Trieste, Gorizia, Udine und Pordenone. Das bedeutet, dass nur noch der Most von Glera-Trauben aus diesen neun Provinzen zu „Prosecco“ versektet werden darf, wobei die DOC Prosecco dieses Gebiet komplett umfasst.

Innerhalb der neun Provinzen des Proseccogebietes gibt es aber auch noch andere geschützte Herkunftsbereiche für den Schaumwein, die wichtigste ist sicherlich die DOCG Conegliano-Valdobbiadene, die das ursprüngliche Kernland des Prosecco umfasst. Diese Region befindet sich in der Provinz Treviso und gehört seit 2018 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Insgesamt 15 Gemeinden befinden sich hier mit 180 Kellereien, die etwa 7.500 Hektar hügelige Rebfläche bewirtschaften. Die Rebsorte Glera wächst hier in einer von den Venezianern als „la marca gioiosa“ („freudvolle Gegend“) genannten Region, jedoch auf steilen Kalksteinhängen, weshalb man auch von „viticultura eroica“, „heldenhaftem Weinbau“, spricht.

Die Region zwischen den Ortschaften Conegliano und Valdobbiadene ist die ursprüngliche Heimat des Prosecco, entsprechend wurde sie auch mit dem höchsten italienischen Prädikat als „Denominazione di Origine Controllata e Garantita (DOCG)“ („kontrollierter und garantierter Ursprung“) ausgestattet. Denn während die Reben für den einfachen DOC Prosecco meistens in der heißen Ebene stehen, befinden sich die Rebflächen des ursprüngliche Kernlands weiter oben in einem Hügelgebiet, wo die Reben von den kühlen Nächten profitieren und eine gute Säurestruktur aufbauen können. Außerdem schreiben die DOCG-Regularien eine strenge Begrenzung der Erntemengen vor, damit nur wertvollstes Lesegut für die Herstellung des Prosecco verwendet wird.

Hier, an den Hängen des Bergs Cartizze in Valdobbiadene, wächst auch der vielleicht spannenste, jedenfalls aber der hochwertigste Prosecco: der DOCG Prosecco Superiore di Cartizze. Er wächst auf einem 107 Hektar großen Gebiet nahe Valdobbiadene, wobei die Reben auf einem steilen Hang aus Mergel, Sandstein und Lehm stehen, der sich wie ein Amphitheater krümmt, in dessen Kessel sich die Sonne fängt und dafür sorgt, dass die spät reifenden Trauben genügend Licht und Wärme bekommen. Die Einzellage Cartizze ist die begehrteste Lage innerhalb des riesigen Prosecco-Gebietes. Auf etwa fünf Prozent der Fläche wird hier weniger als ein Prozent der Erntemenge erzeugt: Es sind die besten Trauben, die die Region hervorbringt.

Cartizze wird fast ausschließlich „Dry“ ausgebaut – ansonsten unterscheidet man aber folgende Geschmacksrichtungen bei Prosecco, wobei „Extra Dry“ vielleicht die verbreiteste ist:

  • Brut Nature: 0 bis 3 Gramm Restzucker pro Liter
  • Extra Brut: 0 bis 6 Gramm Restzucker pro Liter
  • Brut : 0 bis 12 Gramm Restzucker pro Liter
  • Extra Dry: 12 bis 17 Gramm Restzucker pro Liter
  • Dry (sec, secco, asciutto, trocken): 17 bis 32 Gramm Restzucker pro Liter
  • Medium Dry (demi sec, halbtrocken): 32 bis 50 Gramm Restzucker pro Liter
  • Dolce (süss): über 50 Gramm Restzucker pro Liter

Wie Cartizze bezeichnet auch der DOCG Prosecco Superiore Rive einen Lagenprosecco. Er muß aus einer einzigen von insgesamt 43 Gemeinden kommen und wächst auf steileren Hängen als der Cartizze. Sowohl für den Rive als auch den Cartizze sind, anders als bei den anderen Prosecco, traditionelle Flaschengärung vorgeschrieben!

Eine weitere DOCG neben Conegliano-Valdobbiadene ist die DOCG Prosecco Colli Asolani (oder Asolo Prosecco). Auch hier nimmt Glera mit 85 Prozent den Hauptbestandteil ein, daneben wird Chardonnay und Pinot Nero (Spätburgunder), sowie Weiß- und Grauburgunder verwendet.

Seit 2021 gibt es außerdem auch noch einen DOC Prosecco Rosé. Dabei handelt es sich um einen im Tankgärungsverfahren hergestellten Spumante, der genau wie der normale DOC Prosecco auch aus mindestens 85 Prozent Glera bestehen muss, die restlichen 15 Prozent und auch die Farbe steuert Pinot Nero bei, also die hierzulande als Spätburgunder bekannte Rebsorte. Abgesehen davon, dass der Prosecco Rosé immer ein Schaumwein (Spumante) sein muss, ist auch vorgeschrieben, dass die Trauben des Grundweins aus einem Jahrgang stammen müssen. Deshalb handelt es sich bei ihm auch immer um einen sogenannten „Millesimato“, einen Jahrgangsprosecco – der darüber hinaus nur in den Geschmacksrichtungen von Brut Nature bis Extra Dry – mit maximal 17 Gramm Restzucker pro Liter also – erhältlich ist.

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