Weinglossar

Trentino

Das Trentino schließt südlich an Südtirol an. Hier ist das Etschtal etwas breiter als weiter nördlich. Die Reben gedeihen auf insgesamt 10.000 Hektar, die sich im Unterschied zu Südtirol nun größtenteils auf dem flachen Talboden befinden und nicht an Hängen. Dennoch wurde auch jeder freie Hang erobert und Pergola reiht sich an Pergola. Hier konzentriert sich der Weinbau also in der Talebene, vereinzelt aber geht er auch bis in eine Höhe von 1.000 m.

Ähnlich wie in Südtirol hat auch das Trentin trockene Sommer und wenig Regen in der Wachstumsphase, doch ist das Klima durchschnittlich etwas wärmer: Das mediterrane Klima des Garadasees schlägt hier noch stärker zu Buche.

Das Trentino besitzt zwar doppelt so viel Rebfläche wie Südtirol, Winzerpersönlichkeiten wie beispielsweise Alois Lageder sind aber seltener – Elisabetta Foradori ist vielleicht eine Ausnahme -, da drei riesige Genossenschaften die Weinerzeugung dominieren.

Die wichtigsten Weißweinsorten sind Chardonnay und Pinot Grigio, die durchweg frisch und fruchtig sind (im Talboden etwas voller mit Steinobstaromen). Unter den Rotweinen hat Teroldego die Mehrheit, gefolgt von Marzemino, die nur im Trentin angebaut wird. Teroldego bringt dunkle Weine mit kräftiger Säure und leichter Bitternote. Marzamino blumig-fruchtige, bittere Herbe. Beide werden unter der DOC Trentino verkauft, es gibt aber seit 1971 auch eine DOC Teroldego Rotaliano.

In der Rotaliana-Ebene kann Teroldego bereits im 14. Jahrhundert nachgewiesen werden, und vor über 450 Jahren war sie die wichtigste Rebsorte für den Klerus der Region (und darüber hinaus für die europäischen Bischöfe auf dem 18 Jahre andauernden Konzil von Trient). Die Regularien für die DOC Teroldego Rotaliano erlauben heute einen Ertrag von 17 Tonnen Trauben pro Hektar, in besonderen Jahren sogar noch 20 Prozent zusätzlich – eigentlich zu viel für einen Spitzenwein. Aber man wollte damals die Möglichkeiten für den eigens entwickelten massentragenden Teroldego-Klon voll ausnutzen. So wurde Teroldego auch zu einem Massenwein, bis Mitte der 1980er-Jahre Elisabetta Foradori der Rebsorte mit ihrem „Granato“ aus selbst selektierten alten Klonen seinen Ruf als eigenständigste und bedeutende Rebsorte Italiens zurückgab: Ihr „Granato“ wurde damals zum besten Rotwein Italiens gekürt.

Elisabetta Foradori schärfte das Bewußtsein für neue Ansätze im Weinbau im Trentino, insbesondere was die Produktion von Amphoren- beziehungsweise Naturweine anbelangt. Seit dem Jahr 2013 jedoch leitet ihr ältester Sohn Emilio das Weingut, 2015 war sein erster eigener Jahrgang. Emilio hat die Extraktion etwas reduziert, wodurch die Wene vielleicht noch etwas eleganter geworden sind. Außerdem hat er sich der „TeRoldeGO Evolution“ angeschlossen, einer Vereinigung von 9 Weingütern aus der Piana Rotaliana, die das Image des Teroldego weiter zu entwickeln. Die Bodenpflege und ein nachhaltiger Anbau sollen dabei zum wichtigsten Merkmal gegenüber den DOC-Regularien werden, hinzu kommt eine Ertragsbeschränkung auf maximal 9 Tonnen pro Hektar, für Riservas sogar nur 6 Tonnen. Und die Reben müssen von alten Rebstöcken stammen, um eine höhere Komplexität gewährleistet zu haben. Auch eine Spalier- oder Pergolaerziehung ist fest vorgeschrieben.

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