Weinglossar

Südtirol (Alto Adige)

Südtirol ist das nördlichste Weinanbaugebiet Italiens und liegt unmittelbar an den Ausläufern der Alpen. Es zählt zu den kleinen Gebieten – nur 1 % der Weine Italiens stammt aus Südtirol. Dabei gehört es mit einer Fläche von 740 Quadratkilometer (etwa 3 Mal so groß wie Luxemburg) zu den größten Provinzen Italiens. Bewohnt jedoch sind nur 3 % und auch nur 1/3 kann (mühsam) landwirtschaftlich genutzt werden. Der Weinbau vollzieht sich weitgehend in den alpinen, hochgelegenen Tälern von Etsch (Adige) und Eisack, die sich bei Bozen treffen. Die Weingärten ziehen sich von den Talsohlen über deren hügelige Ränder auf Terrassen die steilen Bergflanken empor und sind durchweg ziemlich parzelliert und kleinteilig: Etwa 5.000 Winzer teilen sich eine Fläche von 5.400 ha.

In Südtirol gibt es 7 Subregionen:

  • Val Venesta (Vinschgau) im Nordwesten: 500-800 m hoch, 2 % der Gesamtproduktion, 46 % Weißwein
  • Valle Iserca (Eisacktal) im Nordosten: 400-800 m hoch, 8 % der Gesamtproduktion, 91 % Weißwein
  • Meran: 300-800 m, 7 % der Gesamtproduktion, fast ausnamslos Rotwein
  • Val d`Adige (Etschtal): 250-900 m, 5 % der Gesamtproduktion, 71 % Weißwein
  • Bolzano (Bozen): 250-900 m, 13 % der Gesamtproduktion, 63 % Rotwein
  • Oltradige (Überetsch) im Süden: 300-700 m, 31 % der Gesamtproduktion, 61 % Weißwein
  • Bassa Atesima (Unterland) im Süden: 200-1000m, 35 % der Gesamtproduktion, 66 % Weißwein

Weinbau

Der Norden mit dem Val Venosta (Vinschgau) im Westen und dem Valle Isarco (Eisacktal) im Osten ist geprägt vom Alpinen Weinbau (ab 600 m Höhe), während im Etschtal (Adige) Weinbau ab 200 m Höhe stattfindet. Südtirol ist eines der höchsten Weinanbaugebiete Europas, bis in Höhen von 1.000 m werden hier DOC-Weine angebaut. Vini Dolomiti IGT sogar noch höher: bis 1.400 m Höhe. Hier findet der Weinbau praktisch nur in terrassierten Hanglagen statt, im Flachland praktisch gar nicht. Die Reben stehen hier an südöstlich und südwestlich ausgerichteten Hängen, wobei sich trotz des Anbaus in Höhen bis weit über 1.000 Meter der Gürtel zwischen 350 und 550 Meter als Ideal erwiesen hat, denn hier ist die Frostgefahr am geringsten und die Trauben reifen am besten aus.

Klima

Das Klima in Südtirol ist in den nach Süden hin geöffneten Tälern gemäßigt mit kurzen, trockenen Sommern und geringen Niederschlägen während der Wachstumsperiode. Die Lage südlich des Alpenhauptkamms schützt vor kalten Nordwinden, es gibt aber starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, was ideale Voraussetzungen für ein Gleichgewicht von Frucht und Säure insbesondere aromatischer Weißweine und schlanker Rotweine ist.

Da in Südtirol auf Lagen von 200 bis über 1.000 m Weinbau betrieben wird steht den Winzern die ganze Bandbreite unterschiedlichster Mirkoklimas zur Verfügung – und das gerade einmal auf 90 Kilometer Distanz. Diese Vielfalt erlaubt den Anbau von rund 20 Weinsorten ermöglicht – auch weil es durchschnittlich 300 Sonnentage, 18 Grad während der Wachstumsphase sowie ausreichend Niederschläge gibt. Dies alles läßt eine imposante Vielfalt an Rebsorten zu.

Weißwein

Die geografische Lage so weit im Norden Italiens ermöglicht einen facettenreichen Weinbau: Höhere Lagen am Fuße hoher Alpengipfel wie im nordöstlich gelegenen Val Venosta (Vinschgau) mit oft steilen terrassierten Hängen oder weiter nordöstlich im Valle Isarco (Eisacktal) eignen sich besonders gut für die mineralisch-frischen und klar strukturierten Weißweine, die zur Spitze des italienischen Weinbaus gehören – hier hat Südtirol das Veneto überholt, insbesondere bei Pinot Grigio (schlank, viel Säure, Aromen grüner Früchte) und Pinot Bianco. Aber auch Riesling, Silvaner, Kerner und verschiedener Veltliner gedeihen hier. In etwas tieferen Lagen wie dem Etschtal (Valle Adige), ursprünglich sogar ein Sumpfgebiet, wo sich der mediterrane Einfluß geltend macht, geraten Chardonnay, Pinot Bianco und Pniot Grigio fruchtig und lebendig, während in der wärmeren Gegend um Bozen und Meran bekannte Rotweine aus Schiava (Vernatsch) und Lagrein entstehen.

Was die Höhenlage anbetrifft gilt für weiße Rebsorten:

  • 1.000-800 m: Silvaner (1,4 % der Produktion) gedeiht in dieser Höhe gut, inbesondere im Eisacktal, wo er seine charakteristische kernige Säure und seine kräuterigen Aromen gut entwickeln kann
  • 800-700 m: Sauvignon Blanc (7,3 %) fühlt sich hier wohl, vorwiegend in den südlichen Anbauzonen im Unterland und Überetsch (wo fast 2/3 der Gesamtproduktion entstehen) sowie im Etschtal
  • 550-250 m: Gewürztraminer (10,7 %), die Rebsorte aus dem Dorf Tramin, wird in Südtirol trocken ausgebaut und ist insgesamt „gewürziger“ als bspw. im Elsass, wo sie mit viel Restzucker produziert wird und reife Aromen von Litschi, Rose und Mange hat

Der Gewürztraminer (manchmal auch „Roter Traminer“ genannt) ist eine der ältesten auch heute noch angebauten Rebsorten. Unklar ist seine (griechische) Herkunft, und umstritten ist auch, ob der Ort Tramin in Südtirol als Herkunftshinweis verwertbar ist. Immerhin wurde dort bereits im 15. Jhd. Traminer als Messwein an die Klöster geliefert. Zusammen mit ertragreichen Sorten wurde der aromareiche und würzige Rote Traminer im klassischen „Gemischten Satz“ in einem Weinberg angepflanzt. Die Ertragsunsicherheit verhinderte schon damals eine Eroberung größerer Flächen. (In Deutschland ist die Existenz seit dem 16. Jhd. belegt. Heute steht er noch auf 860 ha, insbesondere in der Pfalz, in Baden und in Sachsen, wo er als regionale Spezialität gilt.)

Der Traminer hat eine sehr dicke, leicht rötliche Schale und kann eine hohe Reife bis in höchste Auslesegrade erreichen. Wegen der Verrieselung fallen die Erträge oft niedrig aus bzw. schwanken von Jahr zu Jahr. Dennoch handelt es sich bei Gewürztraminer um eine der hochwertigsten Rebsorten. Aus ihr können sehr feine Weine erzeugt werden, die einen hohen Extrakt aufweisen und sehr körperreich sind. Die Säure ist mild, typisch ist das aromatische Bukett nach Rosen, mitunter auch Akazienblüten und Veilchen. Er korrespondiert gut mit gewürzreichen Speisen.

Boden

Rein geologisch gedeihen die Reben insgesamt auf etwa 5.400 ha Fläche mit Böden von lehmdurchmischten Granitporphyr, insbesondere im Dorf Terlan mit seinen bekannten Sauvignon-Blanc-Weinen. Weissburgunder ist sehr lagenbetont: Im Terlaner Becken mit seinem trockenen, armen Boden geraten sie sehr mineralisch, während sie um Tramin mit Böden aus Kalk und Dolomitgestein eher mollig werden. Daneben gibt es immer wieder auch Kalkaufschlüsse (Urgesteinsboden) und sandhaltigen Mergel. Ein Teil liegt auf Mur- und Schwemmlandböden, wobei es sich um tiefgründige, grundwasserferne Böden handelt. Als Tiefwurzler kann die Weinrebe hier beträchtliche Wurzelräume erschließen und auch längere Trockenperioden überstehen. Der andere Teil liegt auf Hang- und Terrassenlagen mit sehr unterschiedlichen Böden, die generell nur schwer durchwurzelbar sind und deren Wasserdurchlässigkeit häufig nur sehr gering ist.

Rotwein

Angesichts der Vielfältigkeit der Bodenverhältnisse erleben derzeit auch Südtirols autochthone Rotweinsorten eine glanzvolle Renaissance, wobei sich Lagrein auf eher warmen Böden aus Kies und Sand wohl fühlt. Insgesamt aber dominiert bei den Rotweinen die Vernatsch (Schiava), nachdem sie von einem Bestand von schon einmal 70 % auf „nur noch“ 14 % zurückgegangen ist. Sie erbringt leichte, fruchtige Weine mit geringem Tannin. Fast alle firmieren als DOC Alto Adige. Die Schiava ist in Württemberg als Trollinger bekannt, wo sie die meistangebaute Rebsorte ist.

Die Schiava braucht viel Wärme und fühlt sich entsprechend auf warmen Böden (wie Keuper oder Muschelkalk) am wohlsten. Sie reift spät, was möglichst frostfreie Lagen erfordert, allerdings verträgt sie direkte Sonneneinstrahlung nicht so gut, sie braucht also Schatten. Deshalb wird sie in Pergolaform erzogen. Unter ihr bleiben Feuchtigkeit, Temperatur und Luftverhältnisse weitgehend konstant, und auch der Boden trocknet nicht so schnell aus.

Die klassischen Anbaugebiete für Schiava – für Rotwein insgesamt – liegen um Bozen, Meran und Kaltern. Während in Südtirol überwiegend Weißwein angebaut wird (im Verhältnis zu Rotwein 70:30), insbesondere in den südlichen Zonen, entstehen in den Dörfern um Bozen und Meran bekannte rote: So zum Beispiel der „St. Magdalener“: Es stammt aus dem gleichnamigen Dörfchen und gilt als der kraftvollste Vernatsch, der außerdem mit bis zu 10 % Lagrein vermischt werden darf. Er hat Alterungspotential und Farbtiefe. Wie der „St. Magdalener“ ist auch der „Kalterersee“ kein klassifizierter Wein, obwohl es sich auch hier um eine Gebietsbezeichnung handelt. Er muß aus Vernatsch beziehungsweise Schiava und/oder Lagrein sein und hat immer eine balsamische, rauchige Note. „Kalterersee“ ist gerbstoffreich, dunkelfarbig und blickdicht.

Qualitätsweinbau

Seit 1980 und spätestens seit dem Glycolskandal 1984 erlebt der Südtiroler Weinbau einen nachhaltigen Aufschwung. Nicht erst seit Alois Lageders erstem Chardonnay Löwengang erfolgt eine komplette Umstellung auf Qualitätsweinbau, d.h. ein Ausbau der Weine nach Lagen (auch wenn es keine historische Lagenklassifikation gibt, sondern nur „Gebietsbezeichnungen“ wie „Kalterersee“, „Terlaner“, „Meraner Leiten“ etc.), eine drastische Ertragsreduktion und die Einführung moderner Kellertechniken. Das gilt auch für die 15 örtlichen Genossenschaften (cantine), auf die fast 70 % der Weinproduktion in Südtirol geht. (Entsprechend kassieren sie auch hohe 6 €/l Wein – in Montepulciano d`Abruzzo beispielsweise sind es nur 2 €/l -, weshalb man schon für Basisweine zwischen 8-10 € bezahlen muß. Aber diese Qualitätsarbeit wird honoriert: Während in ganz Italien ein Rückgang an Rebfläche zu verzeichnen ist, sind hier 10 % Zugewinne gemacht worden. Aber viel mehr ist nicht möglich – das Potential an Rebfläche am Berg ist praktisch ausgeschöpft.)

In Südtirol – wie auch im Trentin – gibt es keine DOCG, aber fast alle Weine, 98,8 %, sind als DOC klassifiziert. Damit steht Südtirol italienweit an einsamer Spitze.

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