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Elsass

Das Elsass liegt zwischen Vogesen und Schwarzwald in der Rheinebene im äußersten Nordosten von Frankreich. Die 15.000 ha Rebfläche (ähnlich wie in Baden) in Form von an den Berghängen aneinandergereihten Parzellen erstrecken sich über eine Länge von 110 Kilometern von Straßburg bis Thann im Süden. Auf dieser oft nur 2 Kilometer breiten Strecke liegen etwa 160 Ortschaften.

Das Weinbaugebiet, das in die Gebiete Bas-Rhin und Haut-Rhin unterteilt ist, wird durch die Vogesen gegen ozeanische Einflüsse geschützt (d.h. Schutz vor Regen bringenden Westwinden), so daß es eine der niedrigsten Niederschlagsmengen Frankreichs aufweist (500 mm/Jahr). Insgesamt herrscht ein gemäßigtes Kontinentalklima mit sonnigen, wolkenarmen Sommern und trockenen Herbsten. Das wird noch unterstützt durch die sogenannte „Burgundische Pforte“ der südlichen Vogesen: Hier drängt warme Luft über das Rhônetal ins Rheintal beziehungweise in die „Pfanne“ bzw. den Graben zwischen Vogesen und Schwarzwald: den Oberrheingraben zwischen dem Taunus und dem Schweizer Jura. Durch diesen Graben (der sich von Norwegen bis quer durch Ostafrika zieht und Europa teilt) besteht ein geringer Krankheitsdruck für die Weinreben, entsprechend ist biologischer und biodynamischer Weinbau relativ weit verbreitet.

Das Elsass leistet in Frankreich gewissermaßen Pionierarbeit beim biodynamischen Weinbau. Viele Winzer bemühen sich um einen respektvollen Umgang mit der Natur und darum, die Biodiversität auch in den Weinbergen zu erhalten: So werden zum Beispiel Brutkästen für Maisen aufgehangen, die als natürliche Insektenschutz fungieren, denn Maisen fangen bis zu 25 Gramm Insekten/Tag – auf Insektizde kann so verzichtet werden. Auch alte Kulturpflanzen wie bspw. die gelbe Weinbergstulpe werden wieder als Teil eines Ökosystems angepflanzt. Daduch will man Probleme verhindern die Monokulturen bringen: Wasser wird im Boden gespeichert, Humus entsteht und der Boden wird ingesamt stabiler.

Durch die günstigen klimatischen Voraussetzungen können die Trauben im Elsass – es gibt hier ausgesprochen viele aromatische Rebsorten – leicht volle Zuckerreife erlangen. Problematisch kann allenfalls Trockenheit und Dürre werden. Normal sind etwa 100 Tage für die Vegetationsperiode bzw. Ausreifung der Trauben, im Elsass aber findet die Lese oft erst später, Mitte November/Anfang Dezember (zumindest bei „vendages tardives“ und „sélection de grains nobles“).

Die besten Lagen an den Ausläufern der Vogesen in einer Höhe von 200 bis 400 m und sind südlich bis südöstlich ausgerichtet, profitieren so von einer maximalen Sonneinstrahlung. Die weniger guten Lagen befinden sich in der Rheinebene. Traubengut von hier wird zur Erzeugung von Crémant d`Alsace verwendet: 1976 erhielten die Schaumweine aus dem Elsass das Prädikat AOC (bei „méthode traditionelle„) der nach dem Champagner zum beliebtesten Schaumwein Frankreichs geworden ist. 1/4 der Produktion dient der Erzeugung von Crémants (aus Pinot Blanc, Auxerrois, Riesling, Pinot Gris, Chardonnay, Pinot Noir) mit mindestens 9 Monaten Flaschenreifung.

Klassifiziert wurden die 51 Einzellagen („lieux-dits“) im Jahr 1975, wobei die Parzellen zwischen 3 und 80 Hektar umfassen.

Aufgrund einer wechselvollen, geologischen Geschichte (die geologische Karte von Mitteleuropa ist so bunt wie kaum eine andere der Erde) sind die Böden im Elsass höchst unterschiedlich: vor 150 Millionen Jahren war der Rheingraben vom Meer bedeckt. Auf Granitsockeln lagerten sich zahlreiche Sedimentschichten ab (Sandstein, Kalk, Mergel etc.). Schließlich bildeten sich drei Landschaften heraus:

  • die Vogesen (Granit, Sandstein, Schiefer)
  • die Hügel des Vogesenvorlandes
  • die Rheinauen (Mergel und Alluvium)

Ferner entstanden vor 50 Millionen Jahren die Gebiete Saverne, Ribeauvillé, Fouffach-Gueburiller und Thann: Zu dieser Zeit stürzte ein ursprünglich 400-500 Millionen Jahre altes Gebirgsmassiv ein und es entstanden der Schwarzwald und die Vogesen sowie das „Elsass“. Von diesem Einbruch sind viele verschiedene Bodenschichten geblieben: Granit, Schiefer, Mergel, Sandstein und auf verschiedene kalkhaltige Bodenformationen.

Von diesen unterschiedlichen Bodenformationen und -kombinationen sowie ihren Möglichkeiten, Wärme zu speichern, profitieren insbesondere die 51 Grands-Cru-Lagen des Elsass, die 5 % der Produktion ausmachen bei etwa 8 % der Fläche.

Neben der AOP Alsace (seit 1962) ist die „Alsace Grand Cru“ die zweite Appellation (sowie außerdem AOP Crémant). Weine aus der AOP müssen von einer der 4 zugelassenen Rebsorten stammen: Riesling, Muscat, Pinot Gris und Gewürztraminer (in Zotzenberg außerdem Sylvaner). Außerdem sollen sie das jeweilige Mikroterroir der Grand-Cru-Lage widerzuspiegeln und die Typizität der Rebsorte:

(Aber bis auf den Riesling sind alles aromatische Rebsorten deren Typizität den Lagencharakter leicht überspielt: Entweder drückt sich also die Lage im Wein aus – Mineralität, Salzigkeit und Säure zum Beispiel – oder die Rebsortenstilistik.)

Anders als im übrigen Frankreich sind die Etiketten der typischen elsässischen „Flötenflasche“, d.h. der sogenannten „Schlegelflasche“ (wegen ihrer schlanken Form, die für alle stillen Weine vorgeschrieben ist) nicht nach der Herkunft benannt, sondern nach dem Namen der Rebsorte benannt (Ausnahme ist nur der „Edelzwicker“, eine Weißweincuvée).

Seit 2011 kann das Qualitätssiegel „AOP Alsace“ durch den Namen eines Ortes oder einer Einzellage ergänzt werden (AOP Communales oder lieux-dits). Weitere Bezeichnungen richten sich nach der Zuckerreife der Traube:

  • Vendanges Tardives (VT): entspricht einer Spätlese (Anfang Dezember) und muss aus einer der 4 „edlen“ Rebsorten sein, einen Mindestzuckergehalt aufweisen und teils am Stock getrocknet sein (passerilage), teils Botrytis Cinerea haben.
  • Sélection de granis nobles (SGN): entspricht einer Trockenbeerenauslese oder einem Sauternes mit einem noch höheren Mindeszuckergehalt als VT. Botrytis ist die Regel, muss aber nicht sein. Wird nicht jedes Jahr erzeugt.
  • Vin de pailee: entspricht einem Schilf- oder Strohwein (hier werden die Trauben auf Strohmatten getrocknet, ähnlich wie beim passito-Verfahren bei Recioto).
  • Vin de glace: entspricht einem Eiswein.

Traditionell wird in großen alten Eichenfässern (100 Jahre alt) vergoren, so ergibt sich kein Eichenholzeinfluß (bspw. bei „Classic“). Gewöhnlich wird kein BSA durchgeführt und oft haben Weine eine spürbare Süße, die man den Etikettangaben nicht entnehmen kann.

Bekannte Weingüter im Elsass sind beispielsweise: Hugel (Riquewihr), Trimbach (Ribeauville), Josmeyer (Wintzenheim), Ostertag (Epfig) oder Zind-Humbrecht (Turckheim)

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