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Languedoc-Roussillon

Die Region Languedoc-Roussillon wird auch „Le Midi“ (ähnlich wie das italienische „Mezzogiorno“) genannt und liegt im äußersten Süden von Frankreich. Im Mittelalter wurde die südlichen Hälfte Frankreichs, mit Ausnahme des Baskenlandes und des Roussillon, Okzitanien genannt. Hier wurde Okzitanisch gesprochen – die Langue d`Oc. Das Roussillon fiel erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) mit dem sogenannten Pyrenäenfrieden 1659 an Frankreich – behielt sich jedoch stets seine katalanische Sprache und Kultur.

Languedoc-Roussillon_Weinanbaugebiete

Geografisch gesehen umfasst der Midi sämtliche Gebiete, die unterhalb von Bordeaux und Briancon südlich des 45. Breitengrades liegen. Die Stadt Valence, an der südlichen Spitze der nördlichen Rhône gelegen, trägt auch den Namen „Porte du Midi“, das Tor des Südens.

Das Weinanbaugebiet Languedoc-Roussillon erstreckt sich von Nantes bis zur spanischen Grenze und ist mit rund 220.000 Hektar eine der größten Weinbauregionen der Welt. Sie wird von etwa 3.750 Weingütern und 343 Genossenschaften bewirtschaftet.

Bekannt wurde Languedoc-Roussillon aufgrund der zahlreichen Landweine: Es gibt mehr als 23 IGPs und mehr als 38 AOPs -, vor allem die alles umfassende IGP Vins de Pays d`Oc, die alle Vins des Pays aus dem Midi umfasst. Die meisten Erzeuger bereiten AOP- und IGP-Weine, viele auch ausschließlich. Immer mehr Wein wird sogar als „Vin de France“ vermarktet. (Das jedoch ist eher mit Experimentierfreude verbunden und hat nichts mit der Qualität zu tun: Wie im Burgund ist der Erzeuger der Schlüssel zu einem guten Wein.)

Klima

Aufgrund der Größe des Gebiets sind auch die Klima- und Bodenbedingungen sehr unterschiedlich. Grundsätzlich herrscht in der Region mediterranes Klima mit Temperaturen von häufig über dreißig Grad im Sommer, milden Windern und geringen Niederschlagsmengen, vor allem während der Wachstumsperiode. Die Bedingungen für den Rebbau sind infolgedessen, auch mit den 2.500 Sonnenstunden und mit 500 Millimeter Niederschlag, in den meisten Jahren ideal.

Dabei sind die im Landesinneren, in den Ausläufern der die Region umgebenden Gebirge angelegten Weinberge (in den Appellationen Pic St. Loup, Terrasses du Larzac und den nördlichen Gebieten von Faugères und Saint Chinian), deutlich kühler als die Lagen in der Küstenebene. Zudem haben sie oft weniger fruchtbare, aber für den Qualitätsanbau besser geeignete Böden: Die Böden im Norden bestehen aus Granit und Gneis, wodurch die Weine sehr körperreich und mineralisch wirken. Im Süden herrscht hingegen mediterranes Klima, die Böden bestehen aus Sandstein, Schiefer und Kalklehm. Entsprechend sind die Weine leichter, würziger und erinnern an Wildkräuter.

Auch starke Winde können Einfluß auf das Klima haben: Trockene Nordwinde kühlen den Osten und Westen der Region. Durch das Tal der Rhône fegt der Mistral, während der Tramontane durch den Einschnitt zwischen dem Massif Central im Norden und den Pyrenäen an der Grenze zu Spanien einfällt.

Die größte Gefahr in diesem warmen, trockenen Klima ist Dürre – auch wenn es von Zeit zu Zeit Überschwemmungen im Sommer geben kann. Das gilt insbesondere für Roussillon, wo die Sonne über 300 Tage im Jahr scheint, und die Durchschnittstemperaturen landesweit am höchsten sind. Aufgrund der geringen Niederschlagsmengen und des reduzierten Krankheitsrisikos finden sich hier auch die meisten biologisch oder biodynamisch wirtschaftenden Winzer Frankreichs.

Rebsorten

In Languedoc-Roussillon findet sich eine große Auswahl an Rebsorten, auch einige autochthone, lokale Sorten. Der Großteil der Flächen ist mit dunklen Rebsorten bestockt (85 Prozent). Aktuell gibt es 56 Rebsorten, die für IGP-Weine genehmigt sind, für Appellationsweine sind weniger Rebsorten vorgeschrieben. Die wichtigsten sind – in jeder Appellation anders beziehungsweise in einem anderen Verhältnis miteinander kombiniert: Syrah, Grenache, Mourvèdre, Carignan und Cinsault.

Syrah ist eine ertragreiche Rebsorte, die spät austreibt, aber auch ausreift. Seine Beeren sind dann – ähnlich wie bei Cabernet Sauvignon – klein, dick und dunkel und ergeben Weine mit vollem Körper, gut strukturierter Säure und reichlich Tannin. Sie sind in der Regel dunkelrot, zeigen in der Nase florale Noten (Veilchen) und haben Aromen von schwarzen Früchten sowie manchmal auch schwarzem Pfeffer. Die tiefen, dunklen, dichten Qualitäten werden jedoch beeinträchtigt, wenn seine Erträge nicht reduziert werden oder er zu lange am Stock bleibt – Syrah verliert dann viel von seinem Aroma und seiner Säure.

Anders als die andern genannten Rebsorten, die in Buschform erzogen werden, braucht Syrah ein Unterstützungssystem bei der Reberziehung. Deshalb wird er beispielsweise an der vom Mistral durchtosten Nördlichen Rhône traditionell einzeln am Pfahl erzogen, während ansonsten moderne Drahtrahmensysteme zur Reberziehung verwendet werden. Dieses System ist aber mit Aufwand und Kosten verbunden, weshalb es erst relativ spät, in den 1980er Jahren, auch an der Rhône eingeführt wurde. Noch länger hat es im Languedoc gedauert.

Nicht zuletzt deshalb ist Syrah hier eine eher neue Rebsorte ist, die sich zwar perfekt für das heiße mediterrane Klima hier eignet, aber erst etabliert wurde, als man mit der Umstellung des Weinbaus von Quantität auf Qualität begann: Ähnlich wie im süditalienischen Apulien, hat die Europäische Union in zwei Programmen – 1988 und 2007 – auch in Südfrankreich Prämien für die Trockenlegung des europäischen „Weinsees“ bezahlt, mit der Folge, dass zehntausende Hektar Rebstöcke ausgehauen wurden („arrachage“ genannt) und die Anbaufläche so von über 400.000 Hektar auf die heutige Größe halbiert wurde. Gleichzeitig aber hat man damit begonnen, neue, hochwertigere Rebsorten wie eben Syrah auf den noch bestehenden Rebflächen anzubauen.

Inzwischen hat Syrah in ganz Südfrankreich einen enormen Zuwachs erlebt, sodass allein im Languedoc etwa 44.000 Hektar mit ihm bestockt sind, insbesondere in den Départements Gard und Hérault. Syrah wird hier als „Verbesserungssorte“ betrachtet, die den Weinen mehr Struktur verleiht, und dient deshalb als offizieller Verschnittpartner für Grenache, Mourvèdre, Carignan und Cinsault in praktisch allen Appellationen.

Grenache ist kräftig und ergiebig sowie unempfindlich gegenüber Wind und Trockenheit. Die Weine von Grenache haben einen hohen Alkoholanteil, aber gemäßigte Säure und Tannine. Zu Aromen roter Früchte kommt eine Spur Lakritz und Gewürznoten. Grenache bildet zusammen mit Syrah und Carignan die Grundlage für die meisten AOP-Weine aus Languedoc-Roussillon. Allerdings tritt sie selten reinsortig auf, sondern wird meist mit farbintensiveren Rebsorten verschnitten, die bisweilen auch Tannin einbringen – und zwar, in jeder Appellation anders beziehungsweise in einem anderen Verhältnis zueinander, kombiniert mit Syrah, Mourvèdre, Carignan und Cinsault.

Nichtsdestotrotz wird Grenache hier auf über 44.000 Hektar angebaut – wobei dann auch die Rebflächen in den Ebenen des ansonsten hügeligen Roussillon dabei sind. Sie zählen zu den heißesten und trockensten Frankreichs, weshalb ihre in Buschform erzogenen Grenache-Stöcke schon Mitte August lesereife Trauben tragen. Die durchschnittlichen Erträge im südlichsten Anbaugebiet des Landes mit seinen steilen, windgepeitschten Terrassen aus braunem Schiefer liegen dabei bisweilen bei unter zwanzig Hektoliter pro Hektar. Nicht selten trocknen die Beeren der alten Grenache-Reben sogar am Stock. Sie fliessen in die einfachen Vin Doux Naturels (VDN) ein, die durch Zugabe von Branntwein während der Gärung (wie bei Portwein) entstehen. Über neunzig Prozent aller VDN aus dem Midi kommen aus Roussillon – und der AOP Rivesaltes ist der beliebteste. Die AOP Maury ist eine weitere Appellation für VDN, genauso wie die AOP Banyuls. Sie alle entstehen hauptsächlich aus Grenache.

Mourvèdre wird auf 5.300 Hektar angepflanzt, ist spätreifend und braucht viel Sonne und Hitze (wie man sie an der Küste findet), er reift nur in wärmsten Lagen voll aus. Er hat eine starke Färbung und hohen Alkohol, Tannine und Säure sowie komplexe Aromen von Pflaume, Brombeer und Gewürzen.

Carignan ist eine sehr kräftige Rebsorte. Sie ist spätknospend und -reifend, dunkelhäutig mit hohem Tannin-, Säure- und Farbgehalt, aber wenig Alkohol. Ausserdem ist sie arm an Frucht und Finesse. Aufgrund des hohen Tanningehalts praktiziert man bei Carignan oft eine máceration semi-carbonique, um die Tannine etwas zu mildern.

Cinsault wird auf 12.700 Hektar angebaut und ist unempfindlich gegen Wind und Trockenheit, benötigt aber hohe Temperaturen um auszureifen. Weine aus Cinsault sind hell mit niedrigen Tanninen, gemäßigter Säure und Aromen roter Früchte. Aus Cinsault wird oft Roséwein gemacht, ansonsten ist er im Verschnitt ein guter Partner für Carignan und Grenache.

Alle genannten Rotwein-Rebsorten eignen sich gut für das warme, trockene, sommerliche Klima (Syrah bringt ansonsten auch noch in etwas kühleren Gegenden wie an der Rhône gute Ergebnisse). Weißwein hat im heißen Süden Frankreichs nicht so einen hohen Stellenwert, dennoch wachsen hier einige bemerkenswerte autochthone Rebsorten wie beispielsweise:

Picpoul ist nur im Languedoc zu finden (auf etwa 2.000 Hektar), wo sie als einzige Rebsorte in Weinen der AOP Picpoul de Pinet verwendet wird. Hier an der Küste profitiert sie von den kühlen Meeresbrisen, die über La Clape ins Landesinnere wehen und helfen, die natürliche Säure der Rebsorte zu bewahren: „Picpoul“ ist okzitanisch und bedeutet sowiel wie „Lippenbeißer“, was auf den relativ hohen Säuregrad der Rebe und die vorherrschenden Zitrus- und Apfelaromen hindeutet. Ansonsten ist die Sorte recht aromatisch mit gemäßigtem Alkoholgehalt. Sie wird gewöhnlich ohne Eichenkontakt, sondern im Stahltank vinifiziert.

Bourboulenc (Malvasie) wächst auf etwa 750 Hektar. Sie ist in den meisten Mittelmeerregionen vertreten und auch bekannt als eine der 13 zugelassenen Rebsorten für Châteauneuf-du-Pape-Weine. In Languedoc wächst sie vornehmlich in der AOP La Clape an der Küste (hier macht sie fast vierzig Prozent der Rebfläche aus), da sie hohe Temperaturen braucht. Bourboulenc ist spätreifend (oft erst Mitte oder Ende Oktober), mit ausgeprägter Säure und gemäßigtem Alkohol. Zitrus- und Grapefruitaromen dominieren bei ihr.

Clairette Blanc wird häufiger angebaut als die beiden zuvor genannten Rebsorten (auf etwa 3.000 Hektar) und häufig auch reinsortig vinifiziert (zum Beispiel bei Weinen aus der AOP Clairette de Languedoc). Sie ist dickhäutig, spätreifend und hat wenig Säure, dafür einen recht hohen Alkoholgehalt (13,5 Volumenprozent). Zu Aromen von Aprikose, Apfel und Limone gesellen sich Fenchel- und Akaziennoten.

Weinregionen

Das Gros der Weine Südfrankreichs, über neunzig Prozent, wird im Languedoc produziert, das aus den Departements Aude, Hérault und Gard besteht, während das Verwaltungsgebiet des Departements Pyrénées-Orientales als Roussillon bezeichnet wird.

Languedoc

Die AOP Corbières ist die größte Appellation, weitere bekannte klassifizierte Weine sind: Saint Chinian, Fitou, Crémant de Limoux und Banyuls – eine der wichtigsten jedoch ist im westlichen Languedoc die AOP Minervois. Die Appellation reicht, an den Hängen des Massif Central gelegen, nicht bis an die Küste, weist aber eine große Viefalt in Bezug auf Höhenlage, Fruchtbarkeit des Bodens und zumindest noch kühlende Meereseinflüße auf. Auch dieses Gebiet ist weiter unterteilt und der beste Bereich, Minervois La Livinière, hat eine eigene AOP.

Minervois ist nicht ganz so zerklüftet wie Corbières, allerdings drängen die Weinberge an der Nordgrenze die Hänge der aufragenden Montagne Noir hinauf. Auf diesen Cevennen-Ausläufern wirken die Reben gefährdet, etwas oberhalb des Dorfes aber liegen einige der höchsten, am spätesten reifenden Weinberge des Languedoc. Im Südwesten macht sich der Atlantik durch höhere Säuregrade und einen etwas leichteren Stil bemerkbar. Das wärmere, trockenere Land, das sich zum Fluß Aude herabschwingt, und das dem Mittelmeer am nächsten liegende Terrain liefern viele der eher nichtssagenden Cuvées.

Neben dem Rotwein brilliert die alte Weißweinsorte Bourboulenc (gemeinhin auch Malvasie genannt) in der AOP La Clape, einem Kalksteinmassiv südlich von Narbonne. Die Weißweine der Windumtobten Halbinsel La Clape haben einen prägnanten Meeresduft, fast wie Jod. Zudem entstehen hier auch aromatische Vin Doux Naturels auf Basis von Muscat d`Alexandrie wie der Muscat de St. Jean de Minvervois. (Bekannter als die VDN aus dem Languedoc sind jedoch jene aus Rivesaltes, Maury und Banyuls in Roussillon.)

Bei Vin Doux Naturels (VDN) wird – wie bei Portwein – die Gärung durch die Zugabe von Destillat gestoppt. Man geht davon aus, dass die Mauren in Andalusien bereits Destillationswissen hatten, aber im Jahr 1285 entdeckte der Arzt Arnaud de Villeneuve aus Montpellier die „mutage“, das heißt die Anreicherung des Traubenmostes mit Alkohol. Diese Weinbereitungstechnik wurde im Roussillon also schon 400 Jahre früher angewendet als im portugiesischen Douro-Tal: Portwein wurde erstmals 1678 offiziell anerkannt, demnach sind die südfranzösischen VDN dem Portwein ganze vier Jahrhunderte voraus.

Zwischen Béziers und Montpellier erstreckt sich eine weite, flache Küstenebene. Weiter landeinwärts und in Richtung der spanischen Grenze hingegen ist die Landschaft hügeliger und rauer. Neben Minervois die wichtigste Appellation ist die AOP Corbières, die wiederum aus 11 Unterbereichen besteht, darunter die AOP Corbières Boutenac.

Corbières reicht von der Küste sechzig Kilometer ins Departement Aude – hier wechselt sich Kalk mit Schiefer, Ton, Mergel und Sandstein ab und der Atlantik übt im Norden genauso seinen Einfluß aus wie das Mittelmeer im Süden. Im Norden kühlt der Tramontane die Weinberge.

Die AOP Fitou war 1948 die erste Appellation des Languedoc. Das Anbaugebiet setzt sich aus zwei individuellen, durch einen breiten Keil getrennte Enklaven innerhalb des Corbières zusammen: Fitou Maritime, ein Ton-Kalksteinband um die Salzwasserlagune an der Küste, und Fitou Haut, ein gebirgiger Schieferstreifen rund 24 Kilometer landeinwärts. Der Grenache-Anteil steigt hier auf Kosten des Carignan. Syrah und Mourvèdre gewinnen in Fitou Maritime an Boden.

In der Gegend um Limoux im Westen des Languedoc werden traditionell Schaumweine produziert. Hier ist die Manzac-Traube zu Hause – und es ist die höhere Lage, die für Kühle sorgt. Auf Manzac-Basis wird Blanquette Méthode Ancestral produziert, während der zartere AOP Crémant de Limoux aus Chardonnay, Chenin Blanc und Pinot Noir erzeugt wird. Stillweine werden zwingend in Eiche vergoren.

Im Gegensatz zur traditionellen Methode (wie bei der Champagnerherstellung) wird bei der Méthode Ancestral (die auch bei der Herstellung eines PetNat, das heißt „Pétillant Naturel“, verwendet wird) auf ein langes Hefelager verzichtet (der Hefepropf wird bereits nach zwei bis drei Monaten entfernt). Anders als der Crémant soll der Blanquette also keine Hefe- oder Briochenoten haben und wird auch ohne Dosage verkorkt und versiegelt.

All diese Weine besitzen eine viel feinere Säure als die aus dem wärmeren östlichen Languedoc, ebenso wie jene aus der AOP Malpère im Norden. Ihre Weine werden von Merlot und Malbec (oder Côt) beherrscht, sind aber nie Spitzenweine.

Die Weine nördlich von Carcassone kommen aus der AOP Corbordès, die einzige Appellation, die Mittelmeer-Trauben mit atlantischen Bordeaux-Trauben kombiniert, was einen Qualitätssprung brachte.

Die Rebflächen im zentralen Bereich der Mittelmeerküste sind mit EU-Mitteln erheblich geschrumpft (von ingesamt über 400.000 Hektar auf „nur noch“ etwa 230.000 Hektar im gesamten Languedoc-Roussillon), insbesondere im höheren Landesinneren mit mageren Böden. Typischerweise wachsen die Reben hier an Hängen wie den AOP Terrasses du Larzac, wo sonst nichts gedeiht.

Eines der charakteristischen Terroirs ist die AOP Pic St.-Loup an den Ausläufern der markanten Cevennen. Die Reben hier kommen noch in den Genuss der südlichen Sonne und spiegeln die Kräuter der Region und die Höhenlage mit ihren kühleren Nächten wider. Hier ist gutes „Syrah-Land“.

Die AOP St.-Chinian genießt mit den besten Ruf und liegt in Höhen weit über 600 Meter auf den zerklüfteten Schieferböden im Norden und Westen der Region. St-Chinion-Berlou und St.-Chinion-Roquebrune sind Unterregionen, die stärker von Schiefer und Syrah beeinflußt sind. Die Reben in niedrigeren Lagen bringen weichere Weine.

Die AOP Faugères besteht fast nur aus mageren Böden in bis zu 700 Meter Höhe über Béziers und verlangt den Winzern alles ab.

Roussillon

Im Roussillon wird katalanische Kultur gelebt – es gehört erst seit 1659 zu Frankreich. Hier am Ostende der Pyrenäen fällt die Landschaft vom schneebedeckten, über 2.750 Meter hoch aufragenden Canigou-Gipfel steil zum Mittelmeer ab. Bei einer durchschnittlichen Zahl von 325 Sonnentagen im Jahr versteht man, warum unter anderem Wein die Täler von Agly, Têt und Tech prägen. Konzentriert wird die Wirkung der Sonne zusätzlich in den nach Osten gerichteten, von dem Corbières, dem Canigou und den Albères-Höhen gebildeten Amphitheater.

Die Rebflächen in den Ebenen des Roussillon zählen zu den heißesten und trockensten Frankreichs, weshalb ihre in Buschform erzogenen Grenache-Stöcke schon Mitte August lesereife Trauben tragen. Sie fliessen in die einfachen Vin Doux Naturels ein, die durch Zugabe von Branntwein während der Gärung (wie Portwein) entstehen. Über neunzig Prozent aller VDN aus dem Midi kommen aus Roussillon – und der AOP Rivesaltes ist der beliebteste.

Die AOP Maury ist eine weitere Appellation für VDN, genauso wie die AOP Banyuls. Die durchschnittlichen Erträge im südlichsten Anbaugebiet Frankreichs mit seinen steilen, windgepeitschten Terrassen aus braunem Schiefer liegen bisweilen bei unter zwanzig Hektoliter Pro Hektar und stammen hauptsächlich von alten Grenache-Reben, die in Buschform erzogen werden. Sie trocknen oft sogar am Stock.

Für einen Banyuls Grand Cru sind dreißig Monate Fassreifung und 75 Prozent Grenache vorgeschrieben, dadurch entstehen eher blasse Weine (wegen der Wärme) mit berauschendem rancio-Geschmack (Rancio-Weine werden fünf Jahre lang oxidativ – also mit Sauerstoffkontakt – ausgebaut, haben eine fast schon braune Farbe und den Firngeschmack alter Weine). Der Rimage wiederum, der nur in besten Jahren gemacht wird, wird bereits nach wenigen Monaten in die Flasche gefüllt und altert nach Art des Vintage Port insofern reduktiv in der Flasche – also wesentlich langsamer.

Die trockenen Weine können starke Tannine haben. Die Vergärung von ganzen Trauben und der Verzicht auf maschinelle Ernte schaffen Abhilfe. Die einfachste Art heißt AOP Côtes du Roussillon (aus Carignan).

Die AOP Côtes du Roussillon-Villages im Norden des Roussillon bringen dank geringerer Erträge und stärkerem Alkoholgehalt kräftigere, ansprechendere Rotweine hervor (zum Beispiel Les Asprès). Im zerklüfteten, gebirgigen Roussillon scheint viel Sonne, es gibt wenig Regen und besonders kräftige Winde.

Trockene Weine aus der Banyuls-Zone sind als AOP Collioure bekannt. Die tief Karminroten, eher „spanisch“ als „französisch“ schmeckenden, alkoholstarken Rotweine werden überwiegend aus Grenache bereitet, aber auch aus Syrah und Mourvèdre, Weißweine aus Grenache Blanc und Grenache Gris.

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