Weinglossar

Loire

Die Loire ist mit etwa 1.000 Kilometer der längste Fluss in Frankreich. Die Weinbaugebiete an der Loire erstrecken sich aber nur auf einer Länge von etwa 500 Kilometer ab dort, wo er sich nach Westen wendet (Centre) und dem Atlantik zufließt. Etwa 60.000 Hektar sind dort mit Rebstöcken bepflanzt, davon 50.000 Hektar AOP-klassifiziert. Insgesamt gibt es an der Loire mehr als 80 Appellationen – es ist die größte Region für Weißwein und die zweitgrößte für Schaumwein in Frankreich.

Weinregionen

Das Loire-Tal kann grob in vier Unterregionen eingeteilt werden. Von Ost nach West sind das:

  • Obere Loire (Centre)
    • Sancerre
    • Pouilly-Fumé
    • Menetou-Salon
    • Chateaumeillant
    • Coteaux-du-giennois
  • Touraine
    • Vouvray
    • Chinon
    • Bourgueil
  • Anjou-Saumur
    • Coteaux du Layon
    • Savennières
  • Nantais
    • Muscadet Sèvre et Maine

Das sind vier Subregionen, aber nicht selbst auch Appellationen – und anders als in anderen Regionen in Frankreich gibt es auch keine regionale generische Appellation für die gesamte Loire. Nur eine IGP Val de Loire, die die gesamte Region abdeckt.

Klima

Die Unterregionen des Loire-Tals sind unterschiedlichen klimatischen Bedingungen ausgesetzt, es zählt aber neben der Champagne, dem Elsass, Jura, Savoyen und Lothringen zur EU-Weinbauzone B (wie als einziges Gebiet in Deutschland Baden). Generell ist das Klima an der Loire kühl und die Trauben gelangen nur mit großer Mühe zur Reife – haben also durchweg eine kräftige Säure. Um Jahrgangsunterschieden vorzubeugen ist ein gutes Laubwandmanagement gefragt um reife Trauben zu erhalten. Außerdem wirken die vielen Nebenflüsse insgesamt mäßigend.

Die 5.500 Hektar der Oberen Loire (Centre) mit 8 AOPs, 671 Winzern, 390 Weingütern, 5 Weingenossenschaften und 33 Weinhändlern liegen weit im Binnenland. Hier herrscht kontinentales Klima, d.h. Sauvignon Blanc von hier hat einen eher zurückhaltenden Stil (keine übermäßige kräuterwürzige oder fruchtige Noten) und wird im Holz vergoren (Holz sorgt für relativ hohe Gärtemperaturen, was sich auf die Säure auswirkt).

Im Nantais nahe der Küste herrscht dagegen ein maritimes Klima – etwa ab Anger, wo es viel regnet (820 mm/Jahr) und Spätfroste drohen -, während es im Anjou etwas wärmer und trockener ist (wird von den Höhen des Mauges geschützt), auch wegen des steinigen Bodens. In der Touraine herrscht ein kühles, feuchtes Klima und Tonböden.

Insgesamt liegt die Region in einer Randklimazone für Weinbau, sodaß Jahrgänge wegen wechselnder Wetterbedingungen sehr unterschiedlich ausfallen können. Pilzkrankheiten können ein Problem sein (Niederschläge). Die besten Weinberge sind daher idealerweise nach Süden ausgerichtet, meist in der Hangmitte und dem Fluß zugewandt, der Wärme und Licht reflektiert.

Boden

Etwa zwischen Anjou und Saumur treffen zwei Bodenschichten aufeinander:

  • Granit und Schiefer im Westen: „Massif Armoricain“ aus der Bretagne, die ursprünglich eine Insel war
  • Kalk im Osten (Saumur, Touraine, Centre): „Bassin Parisien“, das „Pariser Becken“, aus Kalk (Kreide) sorgt für einen guten Wasserabzug. Ein hoher Kalkgehalt im Boden heißt hoher Säuregehalt im Wein.

Rebsorten

Aus 24 zugelassenen Rebsorten werden 41 % Weißwein, 27 % Rosé, 19 % Rotwein und 13 % Crémant gemacht (insgesamt 270 Millionen Flaschen). Die wichtigsten Rebsorten sind:

  • Sauvignon Blanc (Sancerre, Pouilly-Fumé)
  • Chenin Blanc (Vouvray, Anjou, Saumur)
  • Melon Blanc (Muscadet)
  • Cabernet Franc (Chinon, Bourgueil)
  • Gamay (Châteaumeillant)
  • Pinot Noir (Rosé Sancerre)
  • Grolleau (für Rosé d`Anjou, der ansonsten aus mindestens 30 % Cabernet Franc und/oder Cabernet Sauvignon besteht)

Obere Loire (Centre)

Die Unterregion Centre hat 5.500 Hektar Rebfläche und 8 AOPs. Hier wird hauptsächlich Weißwein gemacht (80 %) und das heißt Sauvignon Blanc, wie in den AOPs Sancerre, Pouilly-Fumé und – etwas günstiger – in der AOP Menetou-Salon. Rotwein (15 %) aus Gamay entsteht in den beiden AOPs Chateaumeillant und Coteaux-du-giennois, hier finden sich Böden wie im Beaujolais.

Die Weinberge in der AOP Sancerre (mit der berühmten Gemeinde Chavignol) liegen auf weißen Kalksteinböden mit hohem Tonanteil, sogenannte „terres blanches“ aus Kimmeridgium-Mergel, die eher robuste Erzeugnisse liefern mit reichlich Säure. Dieser Kalkboden, der für guten Wasserabzug sorgt, ist aber immer wieder mit Kies vermischt, der für Frucht sorgt und den Wein etwas raffinierter macht. So ergibt sich ein trockener, gewichtiger Sauvignon Blanc mit frischer Säure und Aromen von grünem Apfel und nassen Steinen.

Die Gesamtrebfläche in Sancerre beträgt 2.900 ha, in Pouilly-sur-Loire befinden sich 1.450 ha. 14 Dörfer und 3 Weiler dürfen Sancerre erzeugen.

Viele Weinberge in der AOP Pouilly-Fumé liegen tiefer als die von Sancerre, die sich zwischen 200 und 350 m Höhe um die Hügelstadt ziehen. Die meisten Spitzenlagen aber sind nördlich der Stadt anzutreffen. Hier enthalten die Böden einen hohen Anteil Feuerstein (Silex), der alterungsfähige, mineralisch-würzige, fast scharfe Sauvignon Blanc erbringt mit rauchiger, flintiger Note.

Touraine

In der Touraine liegt Kimmeridge-Kalk, ein etwas härterer Kalk als Tuff weiter westlich. Angebaut wird auch hier – wie in Centre – hauptsächlich Chenin Blanc und Sauvignon Blanc, auch als generische Appellation (AOP Sauvignon de Touraine). Die Weine aus der Touraine sind oft weniger konzentriert als ihre Pendants aus den berühmteren Appellationen und zeigt oft einen einfachen, fruchtigen Stil. Rotweine aus der Touraine sind aus der Gamay-Rebe.

In der AOP Vouvray östlich von Tours werden Still- und Schaumweine aus der Chenin-Blanc-Rebe erzeugt, ebenso in der AOP Montlouis-sur-Loire. Chenin Blanc ist etwas körperreicher als Sauvignon Blanc, insgesamt aber dennoch ein leichter Wein mit mittlerem Körper, Süße und viel Säure. Er zeigt Aromen von grünen Früchten, Zitrus und mitunter auch tropischen Früchten sowie leichte Kräuterwürze (Blätter). Aus Chenin Blanc ist im Gegensatz zu Sauvignon Blanc eine nicht-aromatische Rebsorte – die die besten Weine der Tourraine hervorbringt. Eine Besonderheit der Rebsorte ist der unterschiedliche Reifegrad der einzelnen Beeren innerhalb einer Traube. Deshalb sind mehrere Lesedurchgänge nötig, um unreife Trauben zu vermeiden.

Weine von Chenin Blanc können trocken oder süss, Still- der Schaumweine sein. Die Art des jeweiligen Stils hängt direkt vom Reifegrad der Trauben bei der Ernte ab. Unterschieden wird in Vouvray zwischen:

  • trocken (sec)
  • halbtrocken (sec-tendre)
  • lieblich (demi-sec)
  • süß (moelleux)

Für Schaumweine verwendet man gerade eben reife Trauben (Zuckergehalt für 10-11 Vol. %), für trockene, mittelsüße und süße Stile sind zunehmend reifere Beeren vonnöten, auch rosinierte oder edelfaule. (Aber auch trockene mit Restzucker.)

Klima wie auch Boden können sich stark auf den Stil von Chenin-Blanc-Weinen auswirken. In Vourvray halten sich atlantische und kontinentale Einflüsse die Waage und das Wetter (damit auch die Reife des Leseguts) variieren von Jahr zu Jahr. Das insgesamt aber eher kühle Klima und die Tonböden sorgen für eher leichte bis mittelschwere, frisch-fruchtige und florale Weine (selten mit Eicheneinfluß).

In der AOP Montlouis-sur-Loire herrschen ähnliche Bedingungen. In der Appellation gegenüber von Vouvray fehlen jedoch die geschützten Südlagen, wie man sie in Vouvray direkt an der Loire antrifft. Der Boden ist etwas sandiger, der Wein daher etwas leichter und weniger intensiv.

Aus Chinon und Bourgueil kommen die besten Rotweine der Loire. Als früh blühende und reifende Sorte ist Cabernet Franc gut an die Bedingungen an der Loire angepaßt. In der AOP Chinon sind sandige, kieselige Böden am Fluß – hier entsteht ein eher leichter, früh trinkreifer Chinon, während an den Südhängen nördlich der Loire, in der AOP Bourgueil, Kalk-Ton-Böden vorherrschen, die für mehr Körper, Struktur und Tannin sorgen (die Reifung erfolgt bisweilen in Eichenholz).

Anjou-Saumur

Die Appellationen Anjou und Saumur haben ein ähnliches Klima und ähnliche Böden wie Vourvray weiter östlich. Der Ruf von Saumur gründet sich auf Chenin-Blanc-Schaumweinen, während Anjou bekannt ist für trockenen Weine, die oft (aber nicht immer) in neuer Eiche reifen.

Im westlichen Teil von Anjou-Saumur liegen die AOP Coteaux du Layon. Das im Vergleich zur Touraine relativ warme und trockene Klima bringt Weine mit großer Reife und vollem Körper, Süße und wenig floralen Stil hervor. Die Reben wachsen im geschützten Tal des Flusses Layon an exponierten Süd-Südwesthängen, die der Sonne ausgesetzt sind, was den Zucker in der Traube konzentriert. Außerdem bildet sich durch den Fluß leicht Edelfäule, insbesondere in Quarts de Chaume und Bonnezeaux (beide Grand Cru) entstehen so die besten Süßweine der Region.

Die AOP Savennières liegt nördlich der Loire auf steilen Südhängen. Auch hier wächst Chenin Blanc in einem körperreichen Stil. Durch die Luftzirkulation bildet sich keine Edelfäule, dafür wird eine Spätlese begünstigt.

Nach der Champagne ist das Loire-Tal das größte Zentrum der Schaumweinherstellung. Neben Vouvray ist insbesondere die AOP Saumur wichtig. Verarbeitet wird insbesondere Chenin Blanc, aber auch Chardonnay (bis zu 10 %) und Cabernet Franc. In Saumur herrscht eine ähnliche Situaiton wie in der Champagne: auch hier findet sich vornehmlich Kalk im Boden.

Höherwertiger als Schaumwein der AOP Saumur ist jener aus Saumur-Champigny und auch aus der AOP Crémant de Loire, die geografisch weniger eng umschrieben ist und deren Weine wesentlich feiner sind.

Nantais

Das Pays Nantais ist das Anbaugebiet der Bretagne. Der hier produzierte Wein heißt AOP Muscadet und besteht aus der Rebsorte Melon de Bourgogne (oder auch Melon Blanc), einer Schwester der Chardonnay. Melon Blanc reift früh und ist – angesichts der drohenden Spätfroste wichtig – frostbeständig, eignet sich also gut fürs kalte Klima. Er hat eine leichte, neutrale Frucht, hohe Säure und ist dabei körperreich.

Muscadet wird in unterschiedlichen Appellationen erzeugt, wobei die AOP Muscadet das ganze Gebiet abdeckt. Mengenmäßig am meisten produziert wird in der AOP Muscadet Sèvre et Maine. Alle Weine dieser Appellation (69 % der Gesamtproduktion) sind trocken mit mittlerem Alkoholgehalt (maximal 12 Vol. %). Früher wurden die Weine im Holzfaß vergoren, heute benutzt man auch Beton und Edelstahl. Muscadets zeichnen sich durch eine betonte Säure, einen schlanken Körper, sowie Aromen grüner Früchte aus. Sie sollten jung getrunken werden und passen gut zu Garnelen, Austern und Miesmuscheln.

Anbauflächen für Melon Blanc stehen dicht gedrängt auf Hügeln von unterschiedlicher Geologie, vorherrschendes Gestein aber ist Gneis und Granit (wie oft in der Bretagne).

Eine Besonderheit des Nantais ist der AOP Muscaded Sèvre et Maine sur lie: Dieser Wein verbringt den Winter nach der Lese (bis zum 1. März) auf dem Hefesatz und wird im Frühling darauf abgefüllt. Er zeichnet sich durch eine vollere Textur aus und wird direkt von der Hefe in die Flasche abgefüllt.

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