Weinglossar

Australien

Weinbau wird in Australien seit den 1840er-Jahren betrieben (als sich „Penfolds“ aus Schottland in den Adelaide Hills ansiedelte), moderner Qualitätsweinbau aber erst seit den 1950er-Jahren (mit dem Penfold „Grange“ aus Syrah und Cabernet Sauvignon von John Duval, der heute ein eigenes Weingut in Barossa Valley betreibt). Inzwischen beträgt die Rebfläche 174.000 ha auf der ca. 12 Mio. hl/Jahr produziert werden – insbesondere auch für den Export: etwa 60 % der Weine werden verschifft. Australien ist der sechstgrößte Erzeuger der Welt und viertgrößte Exporteur, wobei allein der „Yellow Tale“ 9 % des Exports ausmacht.

Klima

Da Australien zu 3/4 aus Wüste besteht, konzentriert sich der Weinbau auf „South Australia“, das heißt den Südosten und Südwesten des Landes. Die australische Landmasse entspricht in etwa der der USA und übertrifft die Europas, entsprechend existieren unterschiedliche Klimabereiche. Aufgrund der Breitengrade – Weinbau findet zwischen dem 35. und 40. Grad südlicher Breite statt – unterliegen die meisten Anbauregionen einem warmen bis heißen Klima und praktisch nur im Südosten und Südwesten machen sich kühlende, mässigende Einflüße wie die Nähe zum Eismeer bemerkbar. Diese Einflüsse jedoch verlieren im Landesinneren, wo sich gigantische Anbauflächen für den Export in Riverland, Murray Darling und Riverina befinden, an Einfluß. Diese Regionen können nur durch künstliche Bewässerung, insbesondere Tropfbewässerung, aus den Flüssen Murray, Darling u.a. existieren, auf Kosten der Wasserreserven. (Ansonsten ist Shiraz, die oft angebaute Rebsorte in Australien, robust und widerstandsfähig und kann aufgrund ihres Alters und ihrer tiefen Wurzeln ohne Bewässerung überleben.)

Während diese Regionen vor einer bedrohlichen Krise stehen angesichts der anhaltenden Dürre, ist die nördlichste Weinregion in Queensland von tropischem Klima geprägt. Weinbau dort weicht in höhere Lagen aus, um mehr Kühle zu erfahren – wie das jedoch auch in Adelaide Hills oder Eden Valley der Fall ist.

Infolge der Kombination aus Trockenheit und heißen Sommertemperaturen (in extremen Jahren versiegt sogar der Murray River, eigentlich ein Hauptwasserlieferant für die Binnenregionen) stellen Buschfeuer in manchen Gegenden eine ernste Bedrohung dar – nicht zu Reden von den verheerenden Bränden zwischen August 2019 und März 2020, wo die Flammen in manchen Regionen bis zu 80 % des Lebensraumes zerstört haben. Solche Buschfeuer machen sich bisweilen auch in einer beißenden Note im Wein bemerkbar – man spricht dann von einem „smoke taint“.

Viele Erzeuger halten Ausschau nach Lagen in kühlen Lagen, etwa in Tasmanien, das am weitesten südlich liegt, aber auch dort beschränken sich die Anbauflächen auf das östliche Drittel der Insel um die Hauptstadt: Hobert sowie die im Nordosten gelegenen Regionen Tamar Valley und Pipers River. Hier wird „Cool-Climate“-Weinbau betrieben, d.h. die Region ist bewaldet und feucht, Flüsse mildern die Temperaturen zusätzlich und Talhänge halten gefährliche Fröste ab. Am besten gedeihen hier Chardonnay, Pinot Noir und Riesling. Die Küstenwinde drosseln auf natürliche Weise die Erträge in den Lagen, die dem Buschland abgetrotzt wurden, während der langen Reifephasen bildet sich ein intensiver Weingeschmack.

Rebsorten

In Austalien werden heutzutage etwa 140 (internationale) Rebsorten angepflanzt (der Rotwein-Anteil beträgt 55 %). Shiraz ist mit 43.000 ha die wichtigste Sorte Australiens, gefolgt von Chardonnay mit 32.000 ha, Cabernet Sauvignon mit 28.000 ha und Merlot mit 11.000 ha. Pinot Noir wird auf rund 4.000 ha in den kühleren Küstenregionen im Süden angebaut. Eine der augenfälligsten Veränderungen der letzten Jahre war das Aufkommen sogenannter „alternative varieties“ (den ersten kommerziellen Erfolg erzielte die Pinot Grigio auf der Mornington Peninsula). Auch wenn die strengen australischen Quarantänebestimmungen die Entwicklung bremsen, nimmt die Traubenvielfalt stetig zu, dennoch bleibt Shiraz die archetypische australische Traube, da sie auch ohne Bewässerung kultiviert werden kann.

Shiraz (Syrah) wird in den meisten Regionen großflächig kultiviert. Wo es heiß ist – etwa im Hunter Valley – oder zumindest warm – wie im Barossa Valley -, können körperreiche, intensiv fruchtige Rotweine entstehen mit erdigen, würzigen Noten (Leder). Dabei sind die „Winemaker“ völlig frei von Einschränkungen durch alte Traditionen: Der Önologe ist der einzig bestimmende Faktor der Produktion, das Terroir spielt nur eine untergeordnete Rolle. Entsprechend erzeugen manche Winzer inzwischen auch Shiraz-Weine mit sanfterer Extraktion. Sie geben sich zurückhaltender und schlanker, mit pfefferwürzigem Stil, wie in den kühleren Regionen (Geelong bspw.). Im Verschnitt mit Cabernet Sauvignon übernimmt Shiraz die weiche Rolle des Merlot in Bordeaux.

Weinmarkt

In Australien gibt es keine gesetzlichen Vorgaben bei der Wahl der Rebsorten, der Bewässerung, der Experimentierfreude, keinerlei Beschränkungen beim Zukauf, Lesezeitpunkt, bei der Methodik oder beim Einsatz von Hilfsmitteln (z.B. Holzchips) – allein das Ergebnis zählt. Das Gesetz verlangt allerdings, das alle Angaben auf dem Etikett der Wahrheit entsprechen. Entsprechend auch hat kaum ein anderes Land ein solches Entwicklungspotential – nicht zuletzt auch aufgrund der geografischen und klimatischen Voraussetzungen. Dennoch wird die Weinproduktion zu 80 % von nur vier Betrieben bestimmt (Southcamp Wines, zu denen Penfolds und Lindenaus gehören, Orlando-Wyndham, der die Marke Jacobs Creek geschaffen hat, und BRL Hardy).

In Marken wie Jacobs Creek kommt eine Technologiefixierung zum Ausdruck, die in der jüngeren Vergangenheit Australiens typisch war. Anders als in vielen Regionen Europas, wo die Weinproduktion strengen gesetzlichen Regelungen unterliegt, ist in Australien (wie annähernd überall in der Neuen Welt) bei der Weinproduktion fast alles erlaubt. Eine frühe Ausnahme in diesem Zusammenhang jedoch bildet beispielsweise das Privatunternehmen Henschke mit seinem „Hill of Grace“ (100 % Syrah), der gegen die vielen kreierten „Marken-Weine“ als Beispiel für einen vom Terroir geprägten Lagen-Rotwein steht, dem es gelang, sich der Übernahme durch die Konzerne in den 1990er-Jahren zu wiedersetzten.

Die Schöpfung neuer Marken durch die Großunternehmen ist traditionell mit dem Verschneiden von Trauben unterschiedlicher Sorten und weit auseinanderliegender Regionen verbunden. Solche Weine werden bisweilen unter dem Namen der mehrere Regionen umfassenden (Super-)Zone vermarktet. Es bildet die unterste Stufe des 2001 eingeführten Appellationssystems Australiens, das unter dem Namen „Geographical Indications (G.I.)“ existiert und mit dem versucht wurde, zumindest geographische Grenzen einzuführen.

Weinregionen

Das australische Weingesetz existiert seit 2001 und ist ein hierarchisch aufgebautes System der geografischen Angaben, das aus Zonen, Regionen und Subregionen besteht, die sich fast alle in den Staaten Neusüdwales, Victoria und Südaustralien befinden.

  • 40 Staaten mit 70 Subregionen (die sich innerhalb der Grenzen einer Region befinden)
  • 6 Bundesstaaten und 2 Territorien (Regionen, die auch mehreren Zonen angehören können)
  • 7 Zonen (z.B. South Australia)

Das Eden Valley zum Beispiel ist eine Region innerhalb der Barossa Zone, die innerhalb der Zone South Australia liegt, die wiederum Teil der Super-Zone South-Eastern Australia ist, die sämtliche Gebiete innerhalb der Bundesstaaten South Australia, Victoria, New South Wales und Queensland umfaßt. (Von dieser Einteilung profitieren die Erzeuger durch eine ganze Reihe von Verschnittmöglichkeiten.)

Folgende Appellationen bzw „Geographical Indications“ existieren in Australien:

  • Northern Territory
  • Western Australia
    • Margaret River
    • Great Southern
    • Swan Valley (Subregion von Swan District)
  • South Australia
    • Riverland
    • Barossa Valley
    • Eden Valley
    • Clare Valley
    • Adelaide Hills
    • McLaren Vale
    • Limestone Coast
      • Coonawarra
  • Victoria
    • Rutherglen
    • Goulburn Valley
    • Heathcote
    • Yarra Valley
    • Geelong
    • Mornington Peninsula
    • Murray Darling
  • New South Wales
    • Riverina
    • Orange
    • Mudgee
    • Hunter Valley
  • Tasmanien

Beim Gros der Weine, die unter der Bezeichnung South Eastern Australia Zone verkauft werden, handelt es sich um Massenprodukte, deren Lesegut aus Verschnitten stammen von Trauben aus Riverina, Murray Darling und Riverland mit qualitativ hochwertigeren aus Regionen wie Barossa, McLaren Vale etc.

Western Australia

Die Weinbauregion Western Australia konzentriert sich auf den Südwesten des großen Bundesstaates, auf die Gegend um Perth im Norden sowie um die Albany im Süden, die nicht am Indischen Ozean, sondern ans südliche Eismeer mit dem kühlenden West-Australien-Strom grenzt. Gemäß den Richtlinien dürfen Trauben oder Weine aus den verschiedenen (Sub-)Regionen miteinander verschnitten werden und die Erzeugnisse dann mit der Etikettbezeichnung „Western Australia“ vertrieben werden. Diese Weine fallen als einzige nicht in die Super-Zone „South Eastern Australia“. Viele Weine werden – nach neuseeländischem Vorbild – dennoch mit Schraubverschlüssen versehen, die hier wie die Kappen nach ihrem bekanntesten Hersteller „Stelvin“ genannt werden.

Obwohl nur 5 % des jährlichen Weinausstoßes von hier stammen, ist der Weinbau fast genauso alt wie in New Southwales: Bereits 1834 fand die erste Weinlese statt – im Swan Valley, nur wenige Kilometer flußaufwärts der Hauptstadt Perth gelegen. Allerdings wurde den Winzern schnell klar, daß sie angesichts der glühenden Sommerhitze, deren trockene Winde aus dem Landesinneren die Temperaturen wochenlang auf 38 Grad halten, besser weiter in den Süden ziehen, in die kühleren Regionen ihres nahezu leeren Bundesstaates, wo antarktische Strömungen und auflandige Westwinde dem Land angenehme Kühlung verschaffen. Insofern greift hier auch die Klimaerwärmung nicht so sehr – die Zukunftsaussichten stehen wesentlich besser – und man hat andere Möglichkeiten als die Süssweinproduktion.

Die Weinregion Great Southern (mit ihren Subregionen Albany, Denmark, Frankland River, Porongurup und Mount Barker) wurde in den 1960er-Jahren bestockt und beständig erweitert. Sie bietet einige der kühlsten (Eismeereinflüße machen die Region kühler als Margaret River) und feuchtesten Terroirs in Australien – teils hängen die Trauben bis weit in den Mai an den Stöcken (die Reifung der Trauben in Australien erfolgt von Oktober bis April) – und ist bekannt für tiefdunkle Cabernet Sauvignons (in Mount Barker, Frankland River) elegante, pfeffrige Shiraz (Albany) und blumige Rieslinge (Frankland River, Mount Barker). So hat bspw. der 1966 bestockte und in jüngerer Vergangenheit der wiederbelebte Weingarten „Forest Hill“ ( in Denmark: das älteste „Cool-Climate“-Anbaugebiet in Australien) in Westaustralien Weingeschichte geschrieben. (In Denmark an der Küste reifen Bordeaux-Sorten schwer aus und die dünnschalige Shiraz ist krankheitsanfällig, weshalb man hier auf frühreifende Sorten wie Pinot Noir und Chardonnay setzt.)

Von Albany und Denmark im Südwesten Richtung indischer Ozean wird in den Regionen Manjimup und Pemberton insbesondere Burgundersorten angebaut, während in Blackwood Valley Cabernet Sauvignon und in Geographe neben dem Bordeauxsorten auch Tempranillo sowie italienische Sorten und in Ferguson Valley Rhône-artige Cuvées angebaut werden.

Etwas angesehener ist die noch etwas südlicher (200 Kilometer südlich von Perth) gelegene Region Margaret River, die halbinselartig zwischen Indischem Ozean und südlichem Eismeer liegt aber relativ warm ist mit viel Regen (im Winter) und Bordeaux ähnelt. Weinbau wird hier seit den 1970er-Jahren betrieben, heute sind über 150 Erzeuger aktiv. Die Felsküsten am indischen Ozean werden von ständiger Brandung bedrängt.

In Margaret River herrscht warmes maritimes Klima. Im Vergleich zu anderen Weinbauregionen regnet es viel, allerdings hauptsächlich im Winter. Es herrscht ein wildes Durcheinander an Böden, unter denen vor allem die durchlässigen Eisenböden für die ausgenommen guten Rotweine der Region begehrt sind: Cabernet Sauvignon wird häufig mit Merlot nach Bordeaux-Vorbild verschnitten. Die warmen, trockenen Sommer werden vom Küstenwind gekühlt und die Traubenlese beginnt oft schon im Januar. Ausserdem erweist sich Margaret River wie andere Westküstenbereiche – etwa Bordeaux, Bolgheri, das Napa Valley und die Limestone Coast – als besonders befähigt, die Strahlen der Abendsonne einzufangen (eben da sie alle nach Westen ausgerichet sind). Neben Cabernet Sauvignon wird auch Shiraz und Chardonnay sowie Sauvignon Blanc und Semillon angepflanzt.

South Australia

Südaustralien ist für Australien dasselbe, wie Kalifornien für die USA: der Weinstaat schlechthin. Fast 50 % des australischen Weins stammt von hier, wobei sich der Anbau auf den Südosten des Bundesstaates konzentriert, wo eine große Bandbreite erstklassiger Lagen vorhanden ist, woraus sich eine Vielzahl von Verschnitt-Möglichkeiten bei „South Australia“-Weinen ergeben.

Die Hauptstadt Adelaide – mit der renomierten Weinbauforschungsanstalt – liegt inmitten von Anbauflächen. Auch die Landschaft des 55 Kilometer langen Streifens zwischen Adelaide und dem Nordwestlich gelegenen Barossa Valley – Südaustraliens Antwort auf das kalifornische Napa Valley – wird beherrscht von Reben: Die Reflächen hier bilden eine Art grüne Barriere gegen die Wüste. Nebeneinander liegen hier McLaren Vale, die Adelaide Hills, Eden Valley und Barossa Valley. Ganz im Süden des Staates, an der Grenze zum Bundesstaat Victoria liegt die Limestone Coast – etwa 400 km südöstlich von Adelaide – mit der Subregion Coonawarra.

Ein gutes Stück nordwestlich des Barossa Valley liegt das abgelegene, ländliche Clare Valley. Es besteht aus einer Reihe schmaler, auf einem Hochplateau überwiegend in Nord-Süd-Richtung verlaufender Täler mit jeweils sehr unterschiedlichen Bodentypen. Im südlichen Kernland, das als klassisches Riesling-Terrain gilt, findet man die berühmten kalkhaltigen, roten Terrarossa-Böden, während etwas weiter nördlich Schiefer dominiert. Das heiße Klima wird durch Meeresbrisen gekühlt, ebenso durch die kühlen Nächte, die die Säure bewahren, sodaß die sonst übliche Aufsäuerung unnötig ist. Viele Rebanlagen befinden sich außerdem in der Höhe auf 300-400 m, manche sogar bis 570 m. Der Clare-Valley-Riesling ist stahlig-rein und hat eine hohe Säure, er ist mitunter fast spröde. Daneben entstehen auch pflaumige Rotweine aus Shiraz und Cabernet Sauvignon.

Auch die Weingärten in Eden Valley erstrecken sich bis in 500 m Höhe. Und auch hier gerät die mit den schlesischen Einwanderern eingeführte Rieslingrebe am Besten. Sie werden umso feiner und fruchtig-frischer in dem warmen Klima je höher man in die Hügel östlich des Barossa Valley hinauf geht. Eden-Valley-Riesling zeichnet sich durch einen blumigen, manchmal mineralischen Oberton aus, verliert seine Säure aber schneller als der Clare-Valley-Riesling und neigt mehr zu Grapefruit-Noten.

So bedeutend der Riesling auch sein mag – die führende Sorte des Anbaugebietes ist Shiraz, insbesondere im wärmeren tieferen Teil des Valley – wo der im 19. Jahrhundert mit anderen Deutschen eingewanderte Henschke bereits 1860 den berühmten „Hill of Grace“ pflanzte – und im benachbarten Barossa Valley. Barossa ist das größte Qualitätsanbaugebiet Australiens und zieht sich über 30 km auf Höhen zwischen 230 und 550 m an der Grenze zu Eden Valley.

1860 verfolgte Friedrich III. die Alt-Lutheraner in Preussen und Schlesien, die ins Barossa-Valley flohen und den Weinbau einführten. Seit 1924 wird hier biodynamischer Weinbau betrieben (motiviert vielleicht auch von Rudolf Steiner, der Anfang der 1920er-Jahren in Breslau einen berühmten Vortrag hielt). Die Biodynamie hat aufgrund der kargen Böden viele Anhänger in Australien: Der größte Feind der Reben im Barossa Valley ist die Dürre. Die Rebstöcke überleben längere Durststrecken nur, wenn der Boden gesund ist, genügend Humus hat und die Niederschläge der Wintermonate speichern kann. Dünger jedoch verkrustet den Boden, das Wasser verdunstet dann nur an der Oberfläche. Hier findet mit der Rückbesinnung auf die Biodynamie also eine Gegenbewegung zur Technologiefixierung der jüngeren Vergangenheit in Australien statt, die aber ebenso eine Zukunftsperspektive gegen die Klimaerwärmung bietet.

Barossa und Eden werden unter dem Namen Barossa-Zone zusammenfaßt, weshalb eine lediglich als „Barossa“ etikettierte Flasche Trauben beider Bereiche enthalten kann. Die Nächte hier sind zwar kühl, viel kühler als im McLaren Vale, doch die Sommer erweisen sich als heiß und trocken. Allerdings sind die reifen, tief wurzelnden und unbewässerten Rebstöcke (alte Buschreben), von denen 80 ha über 100 Jahre alt sind, gut angepaßt. Die Reblaus hat Barossa nie erreicht (im Gegensatz zu Victoria) und die Stecklinge können direkt in den Boden gesetzt werden.

Barossa-Shiraz ist schokoladig, würzig, hat Noten reifer schwarzer Früchte und Aromen amerikanischer Eiche, in denen sie rasch durgegärt werden, was ihnen Süße und Geschmeidkeit verleiht, anders als in Bordeaux, wo üblicherweise eine lange Maischung nach der Gärung stattfindet, die Farbe und Tannine extrahieren.

Ein weiteres Plus ist das Alter, weshalb es eine Charta für alte Reben gibt:

  • Old Vines: 35 Jahre alt
  • Survivor Vines: über 70 Jahre
  • Centerian Vines: über 100 Jahre
  • Ancestor Vines: über 120 Jahre

Südlich von Barossa und 25 km östlich von Adelaide liegen die Adelaide Hills, ein Gebiet mit gemäßigtem Klima und Weinbergen auf durchweg über 400 m Höhe. Darüber kommen graue Nebel ebenso häufig vor wie Frühjahrsfröste und selbst im Sommer kalte Nächte. Ergiebige Niederschläge fallen meist nur in den Wintermonaten und die Böden können das Wasser meist kaum speichern, weshalb in der Wachstumssaison häufig Bewässerung erforderlich ist. Wo nicht bewässert wird, wächst nichts. Allerdings sind Verallgemeinerungen in der 80 km langen Region schwierig.

Spezialität der Adelaide Hills sind erfrischende Sauvignon Blancs sowie elegante Chardonnays mit hohem natürlichen Säuregehalt (bspw. im Piccadilly Valley). Bei Rotwein liegt Pinot Noir vorne – auch für die Schaumweinproduktion.

Südlich der Adelaide Hills liegt die Fleurieu-Zone, benannt nach der Halbinsel Fleurieu. Das McLaren Vale ist die bekannteste Weinregion der Fleurieu-Zone und liegt an der Küste südlich von Adelaide. Hier üben frische Meeresbrisen nachmittags einen mäßigenden Einfluß auf das warme Klima aus. Auch im McLaren Vale stehen viele alte, teils über 100-jährige Rebstöcke. Hauptsächlich bringt die Region Rotwein aus Shiraz, Cabernet Sauvignon, Merlot und Grenache hervor – bspw. im kühleren Norden mit seinem tiefen, sandigen Boden auf Tongrund (Grenache und Shiraz). Für Weißwein eignen sich die kühleren Adelaide Hills mit ihren bis zu 1.000 m hohen Hügeln besser.

Innerhalb der bedeutenden Weinregion Limestone Coast im Südosten von South Australia liegt die Subregion Coonawarra, ein schmaler Streifen von 1,5 km Breite und 15 km Länge an der Grenze zum Bundesstaat Victoria. Kennzeichnend ist hier der über Kalksteinuntergrund liegende rotbraune terra-rossa-Boden, ein eisenhaltiger, sehr fruchtbarer roter Lehmboden (ein guter Wasserspeicher), der eine sensorische „Blut-Note“ im Wein hinterläßt. Ansonsten sind Aromen von Cassis, Eukalyptus und Minze charakteristisch für die Weine aus Coonawarra.

Der Anteil an Cabernet Sauvignon-Stöcken macht fast 60 % aus – er findet hier ideale Bedingungen: Beeinflußt von kalten Strömungen herrscht ein gemäßigt-maritimes Klima. Eine Wolkendenke mildert die Temperaturen im Sommer, die Region ist kühler als alle anderen südaustralischen Anbaugebiete. Im Frühjahr können Spätfroste und während der Lese Regenfälle Probleme verursachen. Coonawarra ist kühler als Bordeaux, weshalb Sprinkler als Frostschutz eingesetzt werden. Außerdem mußten die Erzeuger in der vergangenen Dekade zusätzliche Bewässserungsmaßnahmen ergreifen. In den 1980er-Jahren verdoppelten sich die Rebflächen in Coonawarra. Viele Stöcke werden maschinell beschnitten und abgeerntet (Drahtrahmenerziehung).

Victoria

Victoria ist zwar der kleinste Bundesstaat auf dem Festland, nirgendwo sonst in Australien sind die Bedingungen aber facettenreicher: Hier finden sich einige der kühlsten Weinberge, bspw. im Nordosten die höher gelegenen Regionen King Valley, Beechworth und Alpine Valley in etwa 800 m Höhe (und darunter), oder auch in Küstennähe, wo die Nähe zum südlichen Eismeer und Winde von dort für ausreichend Kühle sorgen (Melbourne, Port Philip Bay). Westlich davon, im Landesinneren, liegt die Region Goulburn Valley in Zentral-Victoria. Die herrschende Hitze wird durch die mit dem Goulburn-River verbundenen Seen und Nebenflüsse etwas gemildert, dennoch geht hier ohne Bewässerung nichts. Die größten Flächen nehmen Rhône-Trauben ein wie in Barossa, allen voran die Shiraz mit Stöcken von 1860 sowie angeblich die ältesten Marsanne-Reben der Welt. Die Höhenlagen der Region berwirken einen hohen Säureanteil in den Trauben (Zitrusnoten).

Westlich von Goulburn Valley liegt – mitten in Victoria – die relativ kleine Region Heathcote. Für gemäßigtes Klima sorgen auch hier die Höhenlagen, die die Erzeugung von Shiraz-Trauben begünstigen, aber auch Sangiovese gedeiht hier, ebenso wie Tempranillo.

Vollmundige, saftige, Shiraz wachsen auch gut auf den roten Kambrium-Böden noch etwas weiter westlich im Landesinneren in der Region Bendigo. Auch hier herrscht ein warmes Klima, was den Ausbau üppiger Rotwein ermöglicht.

Ganz im Westen von Victoria liegen die drei Bereiche Pyrenees – eine sanft geschwungene, mit Ausnahme der Nächte nicht sonderlich kühle Landschaft östlich der Grampians ganz im Westen die sich in etwa 340 m Höhe auf kalkreichen Böden in der Great Dividing Range befindet. Die dritte Region hier im West ist Henty, am Meer gelegen und deshalb etwas kühler und auch für Weißwein-Anbau geeignet (Riesling).

Um Melbourne befinden sich die vielleicht wichtigsten Weinbaugebiete Victorias. Neben Subury und dem nördlich davon gelegenen Macedon Ranges ist das unter anderem auch das westlich der Port Philip Bay gelegene Geelong: Pinot Noir ist hier die Traube Nummer eins für viele Erzeuger in dieser wärmeren, aber windigen und sehr maritim geprägten Region. Daneben auch Chardonnay, meist sehr körperreich. Beide werden auch zu Schaumwein verarbeitet.

Unmittelbar nördlich von Melbourne liegt das Yarra Valley. Die Topografie des Tals ist komplex, mit flachen und steilen Hängen in 50 bis 470 m Höhe in allen Himmelsrichtungen. Die oberen Hänge sind kühl, und das Tal genießt ungeachtet der Tagestemperaturen meist kühle Nächte. Generell ist das Klima insofern alles in allem kühl bis gemäßigt und maritim. Auch gibt es viel Regen, selbst wenn die Dürrejahre der jüngsten Vergangenheit dem zu widersprechen scheinen. Die Böden rangieren von grauem Sand oder tonigem Lehm bis zu leuchtend roter Vulkanerde, die so fruchtbar ist, dass sich entlang der Täler Riesen-Eukalyptusbäume erheben.

Die Spezialität der Region ist Pinot Noir, auch wenn das Tal heute eher für seine Chardonnays bekannt ist dank der geografischen Vielfalt und der kühlen Bedingungen. Yarra-Valley-Pinot-Noir ist im Allgemeinen reich an Fruchtaromen (Erdbeer, Pflaume, dunkle Kirsche), die Tannine sind reif und weich, ein sorgsamer Einsatz von Eiche – heute drücken die Weine im Gegensatz zu den 1990er-Jahren eher präzise die Eigenheiten ihrer Herkunftslage aus – verleiht den Weinen Komplexittät. Daneben wird auch noch Shiraz und Cabernet Sauvignon angebaut, aber auch für Schaumwein ist das Yarra Valley gekannt: Als sich Moet&Chandon daran machte, eine gute Kopie ihres Champagners zu erzeugen, gründeten sie die „Domaine Chandon“ im Tal. In kühleren Lagen in der Höhe reifen nahezu 70 % der Trauben für Schaumweine, die üblicherweise aus Trauben mehrerer Staaten entstehen (wie bspw. der Chandon Blanc de Blancs Reserve). Der Rest wird für Stillweine in unterschiedlichen Stilen verwendet, die jedoch im Vergleich zu Weinen aus wärmeren Gebieten eher leichtgewichtig sind.

Ähnlich wie in Yarra Valley sind auch in der südlich von Melbourne gelegenen Halbinsel Mornington Peninsula Pinot Noir und Chardonnay die Spezialität, auch wenn es schwerlich ein Pinot-Noir-Anbaugebiet weltweit mit maritimerem Klima zu finden gibt. Im küstennahen Weinbaubereich mit kühlem und gemäßigtem Klima wehen beständige Brisen, die als Hitzeregulatoren fungieren. Das wechselhafte Wetter mit kühlen, nassen und windigen Bedingungen, während der Blüte und nicht selten bei der Lese führt zu Jahrgangsschwankungen, in den besten Jahren entstehen duftende, elegante Weine. Die Sommer sind (gewöhnlich) mit Durchschnittstemperaturen im Januar von 20 Grad meist kühler als die durchschnittlichen Julitemperaturen im Burgund. Gelegentliche Hitzespritzen können bei den empfindlichen Pinot-Trauben Sonnenbrand verursachen.

60 der 200 Weinbauern auf der Halbinsel folgen dem Burgundermodell und verarbeiten ihre Trauben selbst – auch deshalb, weil 2/3 der Güter kleiner als 4 ha sind. Dabei hat sich die Gesamtrebfläche zwischen 1996 und 2008 verdoppelt: Pinot Noir machte dabei mit 430 ha fast die Hälfte der Stöcke aus. Der Chardonnay-Anteil liegt bei 25 %, der Pinot Grigio-Anteil bei 10 %.

Die vielschichtigen Böden reichen vom vulkanischen oden über sedimentäre gelbe Duplex-Böden, sowie sandigen Tonböden. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Weinen wider, auch wenn sich die Pinot Noirs in jedem Fall durch eine sehr feine Frucht auszeichnen. Außerdem hat er eine erfrischende Säure und Reinheit. Alle Weine zeichnen sich durch eine gut definierte Struktur und einen gemäßigten Körper aus. Der ausgeprägten Säure der Chardonnays versucht man gewöhnlich mit BSA entgegen zu wirken.

New South Wales

New South Wales hat die längste Weinbautradition Australiens, ist inzwischen aber längst von der aktuellen Rebenhochburg South Australia überrundet worden. Das größte Anbaugebiet ist prädestiniert für die Massenproduktion und heißt Riverina. Die Spezialität hier sind Botrytisweine Semillon-Grundlage: Im Herbst auftretender morgendlicher Dunst und Nebel fördern in dieser Region ganz im Westen von Neusüdwales das Auftreten von Edelfäule (während in Rutherglen im Bundesstaat Victoria Muskateller-Weine nach Tokajer-Methode entstehen: aufgespritete Muscat à Petit Grains, die unter oxidativen Bedingungen jahrelang reifen).

Östlich von Riverina und im Süden von New South Wales liegt Tumbarumba, eine kühle, hoch gelegene Region mit Chardonnay-Trauben (für die Schaumweinproduktion).

Nordöstlich von Tumbarumba liegt die australische Hauptstadt, die von der Weinbauregion Canberra District umfasst wird. Hier herrscht richtig kaltes, teilweise sogar frostiges Klima, weshalb einige der delikatesten Versionene von Pinot Noir, Riesling und sogar Grünem Veltliner hier heranreifen.

Etwas kühlere Bedingungen als an der unter der hohen Luftfeuchtigkeit an der Küste liegenden Soalhaven Coast finden Erzeuger in den landeinwärts von Sidney gelegenen, sich an der Westflanke der Great Dividing Range befindlichen Weinberge in den Hilltops, Orange, Cowra und Mudgee.

Hilltops liegt über 350 m Höhe und hier entsteht viel Lesegut für Kellereien anderer Anbaugebiete, in erster Linie Rotwein, Chardonnay und Semillon.

Cowra liegt etwas weiter nördlich und blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der üppige, sinnliche Chardonnays von relativ hohen Erträgen aus Höhenlagen von rund 350 m Höhe ein Hauptrolle spielen.

Auch Orange an den Hängen des erloschenen Vulkans namens Canobolras definiert sich über seine Höhe: Seine Weingärten leigen auf über 600 m und darüber. In solchen Höhen gedeiehen unter anderem Riesling, Sauvignon Blanc und Chardonnay, der hier eine sehr klare, natürliche Säure aufweist.

Lange hat man Neusüdwales nach kühleren Winkeln für Weine mit ausgeprägtem Traubengeschmack durchsucht und wurde in den 1970er-Jahren in Mudgee fündig, einer Region bis in etwa 450 m Höhe. Hier gedeiht Chardonnay und Cabernet Sauvignon, Riesling und Shiraz.

Jüngster Neuzugang von New South Wales ist New England Australia, mit bis zu 1.320 m die höchstgelegene Weinregion Australiens ganz im Norden an der Grenze zum Granit Belt in Queensland, der für 2/3 aller Queensland-Weine verantwortlich ist.

Unbestritten die wichtigste Region in New South Wales ist aber das östlich von Mudgee gelegene Hunter Valley, 160 km nördlich von Sydney gelegen. Paradoxerweise aber ist das Tal kein idealer Ort für Weinbau (sondern profitiert wohl eher von der Nähe zu Sydney – etwa 2 Stunden): In der nördlichsten der traditionellen Weinregionen herrscht ein subtropisches, feucht-heißes Klima mit heißen Sommern, dessen Temperaturen günstigerweise durch eine hohe Wolkendecke und Meeresbrisen etwas gemildert werden, insbesondere aus dem Nordosten (New England) aus dem Pazifik. Die Herbstmonate sind nass, wobei mehr als 2/3 der recht hohen jährlichen Niederschlagsmenge von 750 mm in den ersten 4 Monaten des Jahres fallen, zur Erntezeit. für die Winzer ist das eine Plage, denn die Jahrgänge sind so wechselhaft wie in Frankreich. Um das Auftreten von Fäulnis zu vermeiden ist eine gute Laubpflege unerläßlich.

Der Boden auf dem der Ruf des Hunter Valley gründet, ist südlich zu finden, wo sich ein Streifen aus verwittertem Basalt befindet, der die Wuchskraft der Reben hemmt und die oft sehr ausgeprägten mineralischen Nuancen in den Trauben konzentriert. Die roten Vulkanböden auf etwas höherem Terrain (im Westen) eignen sich besonders gut für Shiraz, die klassische Rotwein-Sorte im Hunter Valley. Semillons aber gedeihen hier in den tieferen Lagen auf weißem Sand und Lehm auf einzigartige Weise. (Sie entspricht mit ihrer Säure Riesling und entspricht einem Kabinettwein.) Shiraz erbringt Weine mit Aromen dunkler Früchte, weichen Tanninen, mittlerem Körper und einen erdigen Unterton. Auch Verdelho blickt auf eine lange Geschichte in Hunter Valley zurück, genauso wie Chardonnay.

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