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Südafrika

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Südafrika ist die älteste Weinnation in der Neuen Welt. Weinbau findet seit dem Jahr 1653 statt, als die ersten Trauben gelesen wurden, und Weine aus „Groot Constantia“ wurden schon im 18. Jahrhundert in die ganze Welt exportiert, wie Scherbenfunde vor Amerika beweisen. Früher war Südafrika aber eher für Süssweine bekannt, sogenannte „Vin de Constance“, da Weinbau vornehmlich in Constantia am Fuß des Tafelbergs stattfand.

Weinwirtschaft

Nach 400 Jahren Kolonialherrschaft hat sich die größte Weinbauregion Afrikas seit dem Ende der Apartheit am 27. April 1994 und dem Ende der damit verbundenen Sanktionen gegen das Regime (seit 1977) grundlegend verändert: Einfuhrbeschränkungen für Weinreben wurden aufgehoben (viele Reben waren zu diesem Zeitpunkt mit Viren infiziert und mußten ersetzt werden) und auch die Struktur der Weinwirtschaft hat sich stark verändert: Auch wenn Genossenschaften immer noch viel Einfluß besitzen, so doch keinen erdrückenden mehr. Ebenso sind die Anbauflächen für Wein seither enorm gewachsen. Heute gibt es etwa 600 Weingüter am Kap und 3.300 Winzer bewirtschaften etwa 125.000 ha auf denen über 10 Millionen hl/Jahr produziert werden, fast die Hälfte davon gelangt in den Export (4,5 Mio. hl). Damit ist Südafrika (vor Deutschland mit 3,8 Mio hl) auf Rang 6, wertmässig aber (mit 583 Mio Euro) auf Rang 1 weltweit.

Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs aber haben sich auch über 25 Jahre nach Abschaffung der Apartheit die Besitzverhältnisse, die der „Natives Land Act“ von 1913 regelt, nicht wirklich geändert: Noch immer gehören über 90 % des Landes der weißen Minderheit und über eine Agrarreform wird weiterhin nur diskutiert. Allerdings wächst zumindest das Bewußtsein für die Problematik, denn was das Gesellschaftliche anbelangt gibt es gravierende Veränderungen: Mit sogenannten Empowerment-Projekten wurde und wird versucht, von Seiten der Reblandbesitzer Arbeiter zunehmend aktiv am Betrieb oder zumindest an der Betriebsgestaltung zu beteiligen.

Überhaupt haben Nachhaltigkeit und Biodiversität inzwischen einen hohen Stellenwert in der Weinwirtschaft Südafrikas: Weil das Erdreich eine der reichhaltigsten Pflanzenwelten auf diesem Planeten nährt – über 6.000 verschiedene Pflanzenarten zählt man -, ist Biodiversität zu einem wichtigen Faktor des südafrikanischen Weinbaus geworden. Mit der „Integrated Production of Wine (IPW)“ wird versucht Regeln für Biodiversität und Nachhaltigkeit zu definieren – und dazu gehören auch faire Arbeitsbedingungen (zum „Terroir“ gehören auch Menschen und Geschichte eines Landes). Wer Weine aus Südafrika exportieren will, muß sich nachweislich um nachhaltige Bewirtschaftung und Re-Naturierung des Landes kümmern. Das wird mit unterschiedlich farbigen Siegeln auf den Weinetiketten dokumentiert. In diesem Zusammenhang wird auch versucht Rebflächen nach Art der riesigen, mechanisierten Traubenplantagen in Australien zu verhindern und stattdessen Einzellagen mit weniger als 6 ha bewußt zu fördern. Seit 2005 werden Lagennamen deshalb auf dem Etikett genannt und 2012 stammten bereits 90 % des Weins aus nachhaltigem Anbau.

Klima

Weinbau findet in Südafrika zwischen dem 27. und dem 34. südlichen Breitengrad statt. Dabei wachsen die meisten Reben in kühlerem Klima als der Breitengrad vermuten läßt: Während es im Binnenland (Region Klein Karoo) im Sommer tatsächlich sehr heiß werden kann mit regelmäßig über 30 Grad, unterliegen insbesondere die Regionen in Küstennähe kühlenden Einflüssen: Sie rühren vor allem vom südlichen Eismeer her, denn – wie der Humboldtstrom Chile – streift der kalte Benguelastrom aus der Antarktis hier die westliche Atlantikküste und entfaltet so eine kühlende Wirkung. Wo er auf den warmen Mocambiquestrom trifft entsteht darüber hinaus Verdunstungsnebel.

Insgesamt herrscht so maritimes Klima, das durch den „Cape Doctor“ genannten Wind noch zusätzlich kühlende Einflüsse erfährt: Der „Cape Doctor“ ist ein trockener, kräftiger Südostwind, der von September bis März weht und mit dem die über dem Ozean abgekühlte Luft weiter ins Landesinnere gelangt. In manchen Gegenden können deswegen die Temperaturen um einige weitere Grade zusätzlich sinken. Er verjagt außerdem Feuchte und Mehltau – verringert also das Risiko für Pilzkrankheiten -, deshalb der „Doctor“.

Ebenfalls klimabestimmend für den südafrikanischen Weinbau sind die beeindruckenden Gebirgsketten, die die Anbauregionen durchziehen. Sie bieten den Erzeugern eine imposante Bandbreite unterschiedlicher Höhenlagen (die Höhe wirkt sich spürbar auf das Weinbergklima aus: Unten in den Tälern es es meist deutlich wärmer als oben in den Bergen) und Ausrichtungen im Verbund mit einer Vielzahl unterschiedlicher Böden, was in den unterschiedlichsten Lagenklimata resultiert.

Weinbau

Gepflanzt wird in Südafrika insbesondere an den Südhängen, wo die Reben von kühlenden Temperaturen profitieren (also genau umgekehrt wie auf der Nordhalbkugel). Emporragende Berge können auch Schatten auf benachbarte Rebflächen werfen. In Küstennähe können die Berge zudem wie Windkanäle wirken und den Cape Doctor durch die Weinberge leiten. Außerdem regnet es zu beiden Seiten von Bergketten wie Drakenstein, Hottentos, Holland und Langeberg ausgiebig, während man andernorts mit 200 mm im Jahr auskommen muß. Wenig Regen im Herbst verringert jedoch den Pilzdruck.

Positiv wirkt sich auch die lange Wachstumsperiode von 8 Monaten und die Temperaturunterschiede zwischen kühlen Nächten und heißen Tagen aus: Sie verringern den Energieumsatz der Rebe, sodaß sie den tagsüber angesammelten Zucker nicht verbrauchen kann und deshalb umso mehr davon in den Trauben speichert. Negativ hingegen wirkt sich aus, daß die Böden in Küstennähe häufig einer ph-Anpassung bedürfen. Außerdem hat das Kap die älteste Geologie aller Weinbaugebiete: alte, verwitterte Böden auf Granit, Tafelberg-Sandstein oder Schiefer – ein Untergrund der die Wuchskraft der Reben von Natur aus begrenzt.

Seit den Anfängen des Weinbaus um das Jahr 1650 werden die Reben in Südafrika in Buschform erzogen. Die Rebstöcke können sich dadurch nicht so ausbreiten und nur wenige Triebe entwickeln, weshalb die Kraft in den Trauben optimal konzentriert wird. Die Reben kommen mit der großen Hitze bisweilen gut zurecht, ein Problem jedoch kann Überreife werden und damit verbunden: Säureverlust. Um dem Vorzubeugen wird eine Art „Passerilage“ praktiziert (wie bei den Süssweinen aus Sauternes, wo die Triebe des Weinstockes geknickt werden): Hier wird der Stilansatz der Traube gedreht oder (mit einer Zange) gequetscht, damit die Traube vom Weinstock quasi getrennt wird. Ein Austausch findet so nicht mehr statt, trotzdem kann die Traube weiter reifen und entwickelt ein perfektes Verhältnis von Zucker und Säure. Außerdem legt man so den Erntezeitpunkt fest.

Weinregionen

Seit 1973 regelt das „Wine of Origin Scheme (W.O.)“ die Angaben zur geografischen Herkunft. Weine mit der Etikettangabe „W.O.“ tragen ein Zertifizierungssiegel auf der Flasche. Ausgezeichnet werden seit diesem Zeitpunkt erstmals offiziell Regionen, Distrikte und Wards, die kleinste geografische Einheit. Die übergeordnete, größte Gebietgsbezeichnung ist die „Geographical Unit“, es gibt davon nur zwei 2: Northern Cape und Western Cap, wo 90 % der Gesamtproduktion stattfinden. Das südafrikanische W.O.-Schema unterscheidet folgende Herkünfte (gegliedert nach „Geographical Unit“, „Region“, „District“ und „Ward“):

  • Northern Cape
    • Ward Central Orange River
  • Western Cape
    • Olifants River
      • Discrict Lutzville Valley
      • District Citrusdal Valley
      • District Citrusdal Mountain
    • Coastal Region
      • Disctrict Swartland
      • Disctrict Tulbagh
      • District Darling
      • District Wellington
      • District Paarl
      • District Stellenbosch
      • District Cape Point (Cape Peninsula)
        • Ward Constantia
        • Ward Durbanville
      • District Franschoek Valley
    • Breede River Valley
      • District Breedeklof
      • District Worcester
      • District Robertson
    • Cape South Coast
      • District Elgin
      • District Walker Bay
        • Hemel-en-Aarde (verschiedene Wards)
      • District Cape Agulhas
        • Ward Elim
      • District Overberg
      • District Swellendam
      • District Plettenberg Bay
    • Klein Karoo
      • District Calitzdorp
      • District Langeberg-Garcia
  • Wards not part of a region: Ceres, Cedarberg, Prince Albert Valley, Swatberg und Lamberts Bay

Klein Karoo

Wichtig für den südafrikanischen Weinbau sind insbesondere die Regionen, die unter dem Einfluß des Meeres stehen und gemäßigteres, regenreicheres Klima haben. Davon unterscheidet sich das regenärmere, heißere, von der Bergkette Langeberge von der Küste abgetrennte Klein Karoo mit eher alkoholreicheren Weinen. Hier klettert das Quecksilber in dem trockenen Buschland so hoch, daß gespritete – durch Bewässerung erst möglich gemachte – Weine zur lokalen Spezialität geworden sind, auch wenn geringe Mengen Chenin Blanc produziert werden. Kultiviert werden Muscat-Trauben und Sorten aus dem Dourotal wie Tinta barocca (in Portugal tinta barroca geschrieben) und Touriga Nacional. Die portugiesischen Portwein-Häuser haben ein respektvolles Auge auf die Entwicklung v.a. im District Calitzdorp.

Olifants River

Noch weiter nördlich befindet sich die Region Olifants River, wo ein Großteil der frischen Chenin Blanc und Colombard-Erzeugnisse wächst, die Südafrika als beste Quelle preisgünstiger Weißweine erscheinen lassen. Auch die Districte dieser Region leigen in geringer Höhe im Landesinneren, mit Ausnahme des Wards Banboes Bay, an der Westküste, was man soweit nördlich gar nicht erwarten würde.

Coastal Region

Die Provinz Western Cape (Westkap) ist das größte Weinbaugebiet Afrikas und die Coastal Region ist ein Teil davon. Die Coastal Region liegt in den Distrikten um Kapstadt, die sich im Schatten des Tafelbergs befindet und als „Mutterstadt“ Südafrikas gilt. Ihre Ausläufer ziehen sich bis hinunter and Meer, wo sich am Kap der Guten Hoffnung Atlantik und Indischer Ozean treffen.

Im Norden Kapstadts, südlich von Olifants River, erstreckt sich der große District Swartland, wo vornehmlich Trockenanbau („dry farming“) mit geringen Erträgen praktiziert wird. Bis in die jüngere Vergangenheit hat man diesen District nur mit robusten Genossenschaftsverschnitten in Verbindung gebracht. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert, obwohl ein Großteil des weiten Hügellandes dem Weizenanbau dient. Insbesondere die alten Chenin-Blanc-Reben in Buscherziehung, die für den Weißwein-Boom in den 1960er-Jahren gepflanzt wurden, sind heute äußerst angesehen, auch, weil sie – ebenso wie hochwertige Versionen von Syrah – im Trockenbau ohne Bewässerung kultiviert wird, wodurch sich geringere Ertragsmengen, aber auch eine konzentriertere Frucht ergibt.

Noch immer liegt der Anteil von Chenin Blanc bei fast 20 % der Fläche in Südafrika, wo sie auch „Steen“ genannt wird. Sie ist damit die führende Rebsorte des Landes, aber nicht nur das: Von den 33.000 ha, die weltweit mit dieser Rebsorte bepflanzt sind, stehen 19.000 ha in Südafrika, das damit das führende Chenin-Blanc-Land vor Frankreich (Loire) ist. Dies kommt daher, daß Chenin Blanc in der Kap-Region früher vor allem auch für die Weinbrandherstellung verwendet wurde. Die vielen Bestände von sehr alten, oft bis zu 100 Jahre alten Buschreben sind Südafrikas großes Kapitel. Die besten Weine erbringt Chenin Blanc dort, wo der Einfluß des Meeres die natürlich hohe Kohlensäure bewahren hilft.

Chenin Blanc ist etwas körperreicher als Sauvignon Blanc, insgesamt aber dennoch ein leichter Wein mit mittlerem Körper, Süße und viel Säure. Im Gegensatz zu Sauvignon Blanc ist Chenin Blanc keine aromatische Rebsorte. Dennoch zeigt er Aromen von grünen Früchten, Zitrus und mitunter auch tropischen Früchten sowie leichte Kräuterwürze (Blätter). Durch Fassgärung und -reifung erhalten manche dieser Weine mehr Körperfülle und toastige Eichennoten. Eine Besonderheit der Rebsorte ist der unterschiedliche Reifegrad der einzelnen Beeren innerhalb einer Traube. Deshalb sind mehrere Lesedurchgänge nötig, um unreife Trauben zu vermeiden.

Der District Darling liegt im Südwest von Swartland in Küstennähe und damit im Einfluß kühler Meeresbrisen. Zunächst gründete der Ruf der Enklave auf Sauvignon Blanc, der hier sehr kristallin ausfällt, doch heute hat er verschiedene andere Sorten in seinem Portfolio und verfügt zudem wie Swartland über etliche Anlagen mit alten Reben.

Weiter östlich von Darling liegt der wiederentdeckte District Tulbagh in einer auf drei Seiten von den Winterhoek-Bergen eingerahmten Landschaft. Boden, Ausrichtung und Höhenlage fallen sehr unterschiedlich aus, allen gemeinsam ist aber ein großer Tag-Nacht-Temperaturunterschied. Früher für Weißwein bekannt, entstehen heute Weine im Rhône-Stil (Syrah).

Der District Wellington, ein weniger angesagtes Gebiet, zeichnet sich durch größere Tag-Nacht-Temperaturunterschiede als die Anbaubereiche in Küstennähe aus und ähnelt insofern Tulbagh. Es bietet einen vielfältigen Mix aus Schwemmlandterrassen in Richtung Swartland im Norden sowie atemberaubende Lagen in den Ausläufern der Hawequa Mountains.

Der wichtigste Bezirk in District Tygerberg ist der Ward Durbanville nördlich von Kapstadt. Er verfügt über Hanglagen, die von den Meeresbrisen, die über die Kapspitze kommen, gekühlt werden. Einen guten Ruf hat hier Sauvignon Blanc und Merlot, der in Südafrika lange unter dem Blattrollvirus litt wie auch andere Rotweine. Dieser Virus verhindert das Ausreifen – und so besteht eine der größten Herausforderungen für den südafrikanischen Weinbau darin, die großflächig gepflanzten und unter Quarantäne stehenden Stöcke robust und gesund zu erhalten.

Östlich von Tygerberg liegt der große Discrit Paarl. Hier, weiter im Landesinneren ist der Einfluß des Meeres weniger spürbar und die Temperaturen sind in der Regel im Sommer höher, was jedoch teils durch frischere Nachttemperaturen ausgeglichen wird. Wie in Stellenbosch oder Tulbagh bietet das gebirgige Gelände eine Vielzahl an Höhenlagen, Ausrichtungen und Bodenprofilen. Eine ganze Reihe von Traubensorten wird hier angebaut: Bei Weißwein sind Chenin Blanc und Chardonnay die wichtigsten Sorten, bei Rotwein sind es Cabernet Sauvignon, Syrah – un die einzige autochthone Rebsorte der gesamten Neuen Welt: Pinotage.

Pinotage wurde 1920 gezüchtet und ist eine Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsault, die einem „Hermitage“ entsprechen soll. Pinotage ist dunkel und stark duftend, ergibt aber leichte, eher schlanke Weine mit animierender Säure und Aromen roter Beeren. Alte Reben können körperreich sein und in Holz ausgebaut treten Schokoladearomen auf (Holzausbau wird bisweilen auf dem Etikett angeführt).

Franschhoek Valley ganz im Osten ist inzwischen ein eigener District. In dem einst von 400 Hugenotten erschlossenen Tal findet man heute noch viele französische Orts- und Familiennamen. Es ist ebenfalls auf drei Seiten von Bergen gesäumt und eher für seine Landschaft als für seinen Weinen bekannt. (Ursprünglich hieß der District Olifantshoek, weil hier so viele Elefanten lebten.)

Der District Stellenbosch erstreckt sich vom küstennahen Binnenland bis zu den Bergen, die die Stadt Stellenbosch umgeben und gilt seit langem als Zentrum für Qualitätsweine in Südafrika. Insbesondere Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinotage werden hier angebaut. Die Stadt ist auch das Zentrum der südafrikanischen Weinbauforschung und -lehre. Je nach Standort ist das Klima gemäßigt bis warm: Im Norden liegt die Temperatur höher – das Klima eignet sich bestens für Weintrauben. Im Winter fällt ausreichend Niederschlag – fast die ideale Menge -, während es im Sommer selten zu heiß ist (aber doch etwas wärmer als in Bordeaux), was den kühlen Winden aus der False Bay zu verdanken ist, die von den Bergen in die Täler geleitet werden.

Der Hauptgrund für den Erfolg Stellenboschs ist aber in der Vielfalt seiner Höhenlagen, Ausrichtungen und Bodentypen zu sehen: Die Böden sind auf der Talsohle im Westen (wo traditionell Chenin Blanc angebaut wird) leicht und sandig, an der Berghängen dagegen schwerer. Am Fuß der Bergkette im Osten (bspw. Simonsberg, Drakenstein) bestehen sie aus verwittertem Granit. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden, ist der relativ kleine Bereich in eine Reihe einzelner Wards unterteilt, die jedoch nicht dazu verleiten sollten, mit dem Standort einer Kellerei einen Terroirgeschmack in Verbindung zu bringen. Denn sie dürfen Trauben aus unterschiedlichsten Anbaugebieten verschneiden. Die Etiketten so mancher Spitzenprodukte tragen dann nur die Herkunftsbezeichnung der Geographical Unit oder der Region (Coastal Region bzw. Western Cape), besonders bei Exportprodukten.

In den letzten Jahren hat sich Stellenbosch mit Spitzenrotwein einen Namen gemacht, insbesondere mit Cabernet Sauvignon und Merlot, die häufig im Bordeaux-Stil verschnitten werden, sowie mit Syrah und sogenannten „Cape Blends“, d.h. Verschnitten von Pinotage mit internationalen Sorten, oft aus Bordeaux. Aus kühleren Lagen des Districts kommen darüber hinaus auch hochwertige Sauvignon Blancs und Chardonnay – zumeist aus Lagen bzw. Wards, die Südwinden aus der False Bay ausgesetzt sind oder die Höhenlage den Reifeprozeß verlangsamt, damit die Trauben nicht zu früh gelesen werden müssen, um Aromen und den hohen Säurepegel zu bewahren.

Der bedeutenste Ward im District Cape Point ist Constantia, eine kühle Halbinsel an der Ostflanke der Fase Bay, die einige der ältesten Weinberge am Kap beherbergt. Diese Rebpflanzungen (an der Ostflanke des Tafelbergs) unterliegen dem beständig kühlenden Einfluß des Cape Doctos, und so wird hier mit großem Erfolg Sauvignon Blanc angebaut. Er nimmt in diesem zu False Bay hin geöffneten Amphitheater 445 ha ein und stellt somit etwa 1/3 aller Reben dar. In den wärmeren Lagen werden etwas Shiraz, Cabernet Sauvignon und Merlot kultiviert sowie etwas Semillon (lange die meistangebaute Rebsorte Südafrikas, aber die niedrigen Temperaturen eignen sich besser für Sauvignon Blanc, da sie das Phyrazin in der Traube gewahrt, das für die grasigen Sauvignon-Blancs-Aromen verantwortlich ist).

10 Kellereien stehen im Ward Constantia, nur 1 ist in der Region Cape Point, die noch etwas kühler als Constantia ist und herausragenden Sauvignon Blanc und Semillon produziert. Hier wird auch die Tradition der Dessertweine aus der Muscat-Traube weiter geführt, die spät gelesen werden, damit sie kräftig Zucker aufbauen können.

Breede River Valley

Breede River Valley ist mit etwa 13.000 ha eine riesige Region im Landesinneren, umrahmt von den 4 anderen Regionen. An seinem westlichen Ende befindet sich der District Breedkloof, der so heiß und trocken ist, daß ohne Bewässerung gar nichts geht. Das gilt auch für den benachbarten District Worcester, wo das Klima genauso heiß und trocken ist. Allerdings bringen die fruchtbaren Böden der beiden Districts einen beträchtlichen Teil – etwa 1/4 – des jährlichen Gesamtertrages des ganzen Landes, hauptsächlich Weißweine aus Chenin Blanc und Colombard, mehr als in jeder anderen Anbauregion am Kap. Ein Großteil davon geht in die Spirituosenproduktion bzw. endet als Branntwein, doch insbesondere in Worcester bereitet man auch einige gute rote und weiße Stillweine (auch für den Massenmarkt).

Der District Robertson östlich von Worcester talabwärts im Breede River Valley ist klimatisch mit Worcester vergleichbar, aufgrund seiner großen Nähe zum Indischen Ozean und aufgrund der ins Tal wehenden Südostwinde aber etwas kühler. Weinau findet hier bis in eine Höhe von 1.000 m statt. Auch hier produzieren eine Reihe bewährter Weingüter und Genossenschaften gute Weine für den Massenmarkt. Allerdings bringt der etwas kühlere Bereich dank des hohen Kalksteingehalts im Boden, der etwas weniger fruchtbar ist, auch exzellenten Syrah und körperreichen Chardonnay hervor, obwohl der geringe Niederschlag und heiße Sommer nicht gerade förderlich scheinen. Südostwinde aber bringen die benötigte kühle Luft vom Indischen Ozean ins Tal.

Cape South Coast

Ist Stellenbosch vielleicht mit Bordeaux vergleichbar, so entspricht die Cape South Coast dem Burgund. Dabei ist die Region vorteilhaft am Meer gelegen. Regelmäßig liefert sie mit das beste Lesegut und die besten Weine Südafrikas, obwohl es erst seit 1975 Weinbau in dem Gebiet gibt: Oberhalb von Hermanns an der Walker Bay, im Hemel-en-Aarde Valley, versuchte damals Tim Hamilton-Russell sein Glück mit Pinot Noir – und prompt war kein südafrikanischer Wein den französischen Weinen im Stil jemals so Nahe gekommen. Auch der Chardonnay geriet gut. Heute befinden sich 15 Kellereien im District.

Das vom Atlantik gekühlte Hemel-en-Aarde („Himmel und Hölle“) – das Meer ist hier bis zu 4.000 m tief und im Sommer kommen sogar Wale in die False Bay – mutet bis heute abgeschieden und wild an. Weiter landeinwärts wird das Klima kontinentaler. Trotz durchschnittlicher 750 mm Regen im Jahr ist die Bewässerung in den landeinwärtigen Schiefer- und Sandsteinlagen nötig. Glücklicherweise gibt es auch genügend wasserhaltenden, kühlen Tonboden für den Trockenweinbau von Burgunderreben. Daneben gedeihen noch Sauvignon Blanc gut sowie Merlot und Syrah.

Im Nordwesten der Walker Bay, an Stellenbosch angrenzend, liegt der District Elgin. Die Weingärten liegen hier in kühlen, zwischen 200 und 400 m hohen Lagen. Dank des stetigen Atlantikwinds liegt die Durchschnittstemperatur im Februar unter 20 Grad. Jährlich können bis zu 1.000 mm Regen fallen, doch die Wüchsigkeit auf Schiefer- und Sandböden gilt, Pilzerkrankungen abzuwehren. Elgins Spezialität sind rassige Sauvignon Blancs, aber auch feine Pinot Noirs sowie bordeauxartige Rotweine.

Im District Cape Agulhas, am südlichsten Ende Afrikas, stehen Pflanzungen im östlichen Hinterland in der Nähe des Dorfes (Wards) Elim. Insbesondere ein pikant-kräuterwürziger Sauvignon Blanc sowie der beliebte Shiraz gedeihen hier.

Exkurs zum Weingut Kanonkop

In Stellenbosch ist das Weingut Kanonkop zu Hause. Seit der ersten Abüllung vor 44 Jahren hat sich Kanonkop zu einer herausragenden Quelle für Rotwein aus Stellenbosch entwickelt: 1991 gewannen sie die Robert Mondavi Trophy als „International Winemaker of the year“, außerdem 4 Mal die Auszeichnung „Bester Rotwein-Blend“ weltweit. Verantwortlich für den seither steilen Anstieg sind die Brüder Johann und Paul Krige.

Der Name „Kanonkop“ stammt von einer Hügelkuppe oberhalb des Weinguts, dem Simonsberg, von wo im 17. Jahrhundert eine Kanone abgefeuert wurde wenn Schiffe in die Table Bay einliefen. Seit 4 Generationen befindet sich das Weingut hier am Simonsberg in Familienbesitz, seit 1925 wird Wein produziert (Grossvater Paul Sauer) aber erst seit 1981 konzentriert nur noch Pinotage und Cabernet Sauvignon (zu 50 % und 30 %, der Rest ist mit Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot bestockt). Aber erst seit 1991 bzw. 1994 – mit der Demokratie und dem Ende der Handelsbeschränkungen bzw. dem Gewinn der Weinauszeichnungen – werden sie international wahrgenommen.

Über 100 ha sind bepflanzt und erstrecken sich über die niedrigen Hänge des Simonsberges bei Stellenbosch auf 10- 120 m Höhe. Die Reben sind vorwiegend nach Südwesten ausgerichtet, was jenseits des Äquators eine langsamere Reife garantiert. Sie stehen hier auf verwittertem Granit und relativ hohem Tonanteil, somit muß nicht bewässert werden beim Pinotage. Das ist beim Cabernet anders, der weiter unten auf Sand steht. Außerdem sind viele Pinotages über 63 Jahre alt und wurzeln tief. Sie sind als Buschreben erzogen. Die Lagen am Simonsberg profitieren im Sommer von den kühlen Brisen, die nachmittags von der False Bay hereinblasen und die Temperaturen mässigen.

Im Keller stehen große offene, flache Gärbecken, den Lagares gleich, die am Douro stehen (seit 1941, inzwischen mit einem Kühlsystem ausgestattet). Gelesen wird von Hand – es sind 54 ArbeiterInnen beschäftigt. Grundsätzlich wird in den Lagares Maische vergoren, alle 2 Jahre erfolgt eine Pigeage: Beim Pinotage, der etwas mehr Saft hat, ist der Extraktionsprozeß etwas schneller, da bleibt die Maische drei bis dreieinhalb Tage in den Lagares, beim Cabernet Sauvignon mit seinen kleinen Beeren maximal 5 1/2 Tage. Auf neueste Entwicklungen wie eine optische Beerensortieranlage wird nicht verzichtet.

Bis 2006 gab es nur 4 Weine: den Kadett (mit ausgezeichnetem Preis-Leistungsverhältnis), den Pinotage, den Cabernet Sauvignon und den Blend „Paul senior“. Inzwischen gibt es noch ein Black Label mit herausragender Qualität sowie eine 10-Jahres-Edition jedes Weines. Alle Weine werden in französischer Eiche ausgebaut.

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