Weinglossar

Mittelmeerregion

Griechenland ist eine natürliche Heimat der Weinrebe, auch wenn Vitis vinifera ihr Entstehungszentrum an den Küsten des Kaspischen- und Schwarzen Meeres (Pontus) hat. Von dort aus hat sich die Rebe über Sumer, den heutigen Irak, nach Iran und Palästina in die Levante ausgebreitet und mit den Phöniziern nach Kreta und Griechenland. Die weitere Verbreitung der Rebe und des Weinbaus erfolgte dann mit der Besiedlung des Mittelmeerraums durch die Phönizier, die den Wein an die nordafrikanische Küste, nach Ägypten und Libyen, brachten, und später durch die Griechen, die ihn in Sizilien und Massalia (Marseille) einführten. (Diesem Weg folgte auch der Dionysoskult: Die Ausbreitung der Weinkultur an den Küsten des Mittelmeeres war auch wesentlich an der Einsetzung der Mysterien des Dionysos beteiligt.)

Zum Dionysoskult siehe auch den Essay die rückkehr des dionysos, zur weiteren Entwicklung des Weinbaus und des Theaters unter den Römern den Essay analogien und adaptionen.

Die Levante mit seinen warmen Sommern und milden Wintern ist ein idealer Lebensraum für Reben. In einigen Ländern wird dort seit Jahrhunderten Weinbau betrieben, in anderen wie den nordafrikanischen geriet der Weinbau in Vergessenheit und wurde erst von den französischen Kolonialherren wieder aufgezwungen.

Zypern

Zypern hat eine lange Tradition im Weinbau, archäologische Funde weisen bis ins Jahr 3.500 v. Chr. Inzwischen ist die Rebfläche aber auf rund 9.000 ha zusammengeschrumpft. Sie liegen fast alle auf Kalkböden an den Südhängen des Troodosgebirges in 240 bis 1.500 m Höhe, die besten über 1.000 m auf Vulkangestein, wo die Kombination aus Höhe und wertvollem Niederschlag den Weinbau erst ermöglicht. Die früher klare Trennlinie zwischen den vier Großkellereien und den rund 50 „Boutique-Weingütern“ ist heute verschwommen. „SODAP“, eine Winzergenossenschaft, ist das einzige wirkliche Großunternehmen und bedient den Massenmarkt, die anderen Erzeuger sind mehr auf Qualität bedacht.

Zypern wurde nie von der Reblaus heimgesucht und schützt seine Reben durch strikte Quarantänebestimmungen, was die Einführung internationaler Sorten (wie den südfranzösischen) verzögert hat. So standen lange die drei Sorten im Fokus: Mavro (Rotwein), Xynisteri (Weißwein) und Muscat d`Alexandrie. Der ursprünglichste Wein Zyperns bleibt der likörartige Commondaria aus rosinierten Mavro- und Synister-Trauben, der an 14 Orten entsteht. Er muß mindestens 2 Jahre in Eiche ausgebaut werden und enthält 4 mal soviel Zucker wie Portwein (er ist ebenfalls aufgepritet auf 15-20 Vol. % Alkohol).

Libanon

Die zypriotische Weinindustrie ist derzeit weniger bekannt als die des Libanon (der von 1920-1946 französisches Mandatsgebiet war). Schon in den 1970er-Jahren machte sich das Land Kanaan, heute als Bekaa-Tal bekannt, als Quelle von Erzeugnissen einen Namen, die mit einem Bordeaux vergleichbar sind, wie bspw. von Chateau Musar, die Cabernet Sauvignon, Cinsault und Carignan zu einem extrem aromatischen Rotwein verschneiden, wie Hugh Johnson weiß. Das Gros der libanesischen Weine ist aber schwer, konzentriert und so, wie man es in einem trockenen, heißen Land erwartet, dessen Reben praktisch krankheitsfrei sind und etwa 300 Tage Sonnenschein im Jahr bekommen. 2012 gab es donnoch mehr als 40 Erzeuger, die bisweilen aber nur geringe Mengen produzieren. Chateau Kefraya, ebenfalls im Bekaa-Tal, ist ein weiteres bekanntes Weingut, oder das ursprünglich 1868 gegründete Domaines des Tourelles sowie Domaine de Baal (aus der Region Baalbek, der Heimat des Bacchustempels).

Die Bekaa-Ebene besteht aus kargen Kalkböden und die Reben wachsen bis in 1.000 m Höhe. Es herrscht kontinentales Klima, was für füllige, gut strukturierte Weine sorgt. Weinbau ist im Libanon aber nicht auf die Bekaa-Ebene beschränkt, sondern Wein entsteht auch in Batroun südlich von Tripoli und um die Hauptstadt Beirut, genauso wie am Mont Liban, einem Gebirgszug zwischen Küste und Batroun im Norden. Insbesondere auch der Libanon leidet unter dem Krieg im Nachbarland Syrien.

Israel (Palästina)

An hunderten Stellen wird bereits in der Bibel von Wein und Weinbau in Palästina gesprochen. (Zur Weinsymbolik in der Bibel siehe auch den Essay bach/johannes/passion.) Schon früh, möglicherweise bereits im 6. oder 5. Jahrtausend vor Christus wurde hier Wein kultiviert. Die wohl älteste schriftliche Bemerkung dazu wurde in Ägypten gefunden: In einer Inschrift aus dem Jahr 2375 vor Christus heißt es, daß Truppen des Pharao in Israel eine Revolte niedergeschlagen und dabei Städte und Weinstöcke zerstört hätten.

Und auch das Alte Testament schildert für die sogenannte „Zeit der Patriarchen“ (2000-1400 vor Christus) Wein als typisches landwirtschaftliches Erzeugnis in Palästina. Zu dieser dieser Zeit waren die Israliten noch in Ägypten, aber als Moses nach dem Exodus aus Ägypten Kundschafter ins „gelobte Land“ aussschickte kamen sie dort ins später so genannte „Traubental [Nahal Eschkol], wegen der Traube, die die Israeliten dort abgeschnitten hatten“, wie es im Alten Testament (Numeri 13,22) heißt. Diese abgeschnittenen Trauben, “zu zweit an einer Stange“ (Numeri 13,23) transportiert, dienten bei ihrer Rückkehr als Beweis, dass das von Gott verheißene „Gelobte Land“ gefunden war.

Als sich die Israeliten schließlich in Palästina niederließen (um 1230 vor Christus) wurden sie, wie im Deuteronomium gefordert (28,39) zu Weinbauern: „Weinberge legst du an und pflegst sie …“ Tatsächlich wurde in Palästina fast überall Weinbau betrieben, auch in Gebieten, in denen man das aufgrund der klimatischen Bedingungen vielleicht nicht erwarten würde wie beispielsweise am Toten Meer und im südlichen Negev. Neben dem „Traubental“ bei Hebron gibt es noch andere namentliche Hinweise darauf wie zum Beispiel den Mot Carmel („Berg der Reben“). Ansonsten werden Samaria genannt, das Ostjordanland, Silo, Sichem, und Timna. Jesaja (16,7-10) nennt außerdem Pflanzungen in Heschbon, Sibma, Jaser und Elale.

Zahlreiche Regelungen und Ratschläge zum Weinbau werden in der Bibel geäußert, zum Beispiel dass man Reben auf Hanglagen anbauen soll (Jes 5,1-2), der Weinberg jedes siebte Jahr brach liegen soll – und auch darüber, dass bestimmte Rebsorten für bestimmte Böden besser geeignet waren als andere wußte man. Schließlich waren in der Antike bereits etwa 150 verschiedene Rebsorten bekannt (deren Namen allerdings unbekannt sind).

Gekeltert wurde direkt im Weinberg, die Kelter selbst bestand aus zwei Steinbecken. Mit Steinen wurde der Rebberg auch umfriedet, einerseits als Schutz vor Fraßfeinden, andererseits um Bodenerosion zu verhindern. Die Reben ließ man offenbar an Feigenbäumen hochranken. Die Reben wurden dann geschnitten und ausgegeizt, wie es im Johannesevangelium (15,2) heißt: „Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.“ Geschnitten wurde mit einem gebogenen Winzermesser, das man Jesaia (2,4) zufolge als Zeichen des Friedens aus Lanzen geschmiedet hat: „Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.“

Die Weinlese fand von Juli bis Oktober statt. In der Kelter wurden die Trauben meist zertreten (Jes 16,10), bisweilen jedoch auch mechanisch gepresst (mit Hebeln) oder auch mit Steinen beschwert. Den gewonnenen Most füllte man in Weinschläuche aus Tierhäuten, deren Nähte mit Pech und Öl abgedichtet wurden. Die Gärung setzte in dem warmen Klima vermutlich rasch ein und erst im Frühling des nächsten Jahres wurde der mitunter noch nachgärende Wein in Schläuche oder Tonamphoren abgezogen (Holzfässer gab es nur in Gallien und Germanien). Dazu sagt Jesus im Markusevangelium (2,22): „Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuer Wein gehört in neue Schläuche.“

Für den Transport verwendete man hauptsächlich tönerne Amphoren, meist mit eingem Hals und zwei Henkeln. Sie waren nicht einheitlich, ein verbreiteter Typ konnte aber etwa 26 Liter fassen und wog leer etwa 18 Kilogramm. Amphoren wurden bisweilen mit einem Lehm- oder Tonpropfen verschlossen, später auch mit Stöpseln aus Korkeiche (1. Jahrhundert vor Christus), die man mit Pech, Gips und vermutlich auch Wachs abdichdete. Schiffe vom römischen Standardtyp konnten 10.000 solcher Amphoren fassen, was einer Ladung von etwa 450 Tonnen entsprach.

Weinbau in Palästina wurde lange nicht mehr betrieben. Moderner Weinbau in Israel geht zurück auf das Ende des 19. Jahrhunderts als Baron Edmond de Rothschild eine Kellerei südlich von Tel Aviv und Haifa gründete. Durch enthusiastische Anpflanzungen besitzt Israel heute wieder 5.500 Hektar Rebland und exportiert weit mehr Wein als der Libanon – der andere Schauplatz einer Weinrevolution in der Levante – mit 3.000 Hektar. Das Gros der Weine bedient den internationalen Bedarf nach koscherem Wein, bspw. (schnellpasteurisiertem) Mevushal.

Das Weingut von Edomond de Rothschild ist nach wie vor eines der größten Weinbaubetriebe des Landes und verkauft seine Weine unter der Marke Carmel. Israel verfügt über die größten Rebflächen in den Küstenregionen von Samson und Samaria (Carignan, Grenache und Sémillon). Ende der 1970er-Jahre bestockte man außerdem die Vulkanböden der Golanhöhen mit Reben – von 400 m am See Genezareths bis auf 1.200 m Höhe am Berg Hermon im Norden -, womit der Weinbau eine völlig neue Richtung bekam.

Heute gibt es Weingärten auf den Golanhöhen, an den Ausläufern der Maronbergs im oberen Galiläa an der Grenze zum Libanon (südlich der Bekaa-Ebene) sowie im judäischen Bergland westlich von Jerusalem. Insgesamt sind es 5 individuelle Weinregionen (Samaria/Shomron, Samson, Judäa-Berge, Galiläa, Negev) mit traditionellen Buschreben vornehmlich aus Bordelaiser Sorten und Rhône-Reben.

Algerien

Anders als in den Ländern der Levante hat Weinbau in Nordafrika keine lange Tradition. Dennoch deckten die Weinerzeugerländer Tunesien, Algerien und Marokko vor gut einem Jahrhundert 2/3 des gesamten internationalen Weinhandels ab. Insbesondere Algerien exportierte riesige Mengen nach Frankreich, wo der Wein für Verschnitte gebraucht wurde. Die Unabhängigkeit von Frankreich hatte den sofortigen Niedergang der Weinwirtschaft zur Folge: Die Gesamtrebfläche Algeriens sank von 365.000 Hektar in den 1960er-Jahren, als das Land der sechstgrößte Weinerzeuger der Welt war, auf rund 35.000 Hektar. Nur noch 50 von ursprünglich 3.000 Kellereien gab es vor dem Bürgerkrieg, wie sich die Situation weiter entwickelt ist unklar.

Vor dem Bürgerkrieg zog sich der Weinbau von den fruchtbaren Ebenen in die Hügellagen zurück. Ein Dutzend Crus war noch vor der Unabhängigkeit in den VDQS-Status erhoben worden, 7 davon wurden als Qualitätszonen anerkannt. Sie befinden sich in den Bergen 80 Kilometer landeinwärts in Oran und Alger. Hier entstehen kraftvolle, dunkle Rotweine in Mascara – aber auch gute Weißweine seit Einführung der Kaltgärung. Weiche, dunkle und körperreiche Rotweine entstehen in den ehemaligen VDQS Tanghrite, Ain Merane und Mazouma. Standortreben sind Cinsault, Carignan und Grenache, in den Medea-Bergen im kühleren Klima auf 1.200 m Höhe auch Cabernet Sauvignon und Pinot Noir.

Tunesien

Seit 1970 wird auch in Tunesien Wein für den Export produziert. Waren es damals 50.000 Hektar, sind heute noch 15.000 Hektar übriggeblieben, hauptsächlich in der Umgebung von Tunis und dem alten Karthago an der Nordküste. Muscat-Weine sind hier so verbreitet wie auf den nahen Inseln bei Sizilien. Ansonsten keltert man auch hier Rotweinsorten des französischen Südens. Tunesien hat das französische AOP-System übernommen und 6 Appellationen eingerichtet, die größte davon ist Mornag. Die Genossenschaft „Union des Caves Cóoperatives Viticoles (UCCV)“, auch bekannt als „Vignerons de Carthago“, zeichnet für 65 % des tunesischen Weins verantwortlich (insbesondere der aromatische Musacat de Kelibia). Kürzlich investierte das sizilianische „Calatrasi“ in 200 Hektar und produziert unter der Linie „Selian“ süffige Carignan-Syrah-Weine.

Marokko

Die Weinbaufläche Marokkos ist von 50.000 Hektar seit der Unabhängigkeit 1956 auf 11.000 Hektar geschrumpft. Das Land verfügt über die straffste Organisation und den höchsten Qualitätsstandard der drei nordafrikanischen Erzeugerländer. Die wenigen mit einer „Appellation d`Origine Garantie (AOG)“ ausgezeichneten Weine unterliegen ähnlichen Kontrollen wie die französischen AOP-Gewächse. Für ihre Bereitung sind der zentrale Betrieb „SODEVI“ und die Genossenschaftskellerei „Les Celliers de Meknès“ zuständig, die den einheimischen Markt kontrolliert und Verschnitte aus Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot produziert. Vier Regionen liefern ordentliche Erzeugnisse, v.a. die größte Meknès/Fès auf 450-600 m Höhe in den nördlichen Ausläufern des Atlasgebirges. Sie werden im Ausland als „Tarik“ bezeichnet bzw. „Chantebled“, in Marokko als „Les Trois Domaines“.

Andere afrikanische Länder

Auch in Ägypten wurden 2008 8,5 Millionen Flaschen Wein („Cru Clepatra“) produziert und auch in Äthiopien bepflanzte man 125 Hektar südlich von Addis Abeba mit edlen französischen Rebsorten.

Insgesamt ist der Weinbau in den nordafrikanischen Ländern aus klimatischen Gründen rückläufig, d.h. die Weinbauzonen verschieben sich insgesamt nach Norden. Vielleicht eine kleine Chance für die ganz unbekannten Regionen Libyen (mit 6.000 Hektar) bzw. die im Süden Afrikas gelegenen Tansania (3.000 Hektar), Madagaskar (2.000 Hektar) und Zimbabwe (40 Hektar).

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