Weinglossar

Balkan

Die meisten ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken sind im Weinbau aktiv und blicken auf eine lange Tradition zurück. Ihre Weine aber finden bisweilen nur lokales Interesse: Die wenigsten sehen jemals ein Etikett, sondern die Abfüllungen werden vor Ort konsumiert oder von industriellen Großproduzenten en gros verkauft. So bleibt die Qualität der Weine aus Slowenien und Kroatien bisher unerreicht.

Bosnien und Herzegowina

Das gebirgige Binnenland von Bosnien und Herzegowina war einst ÖsterreichUngarns wichtigste Weinregion. Noch heute entstehen in Mostar aus der seltenen, erstaunlich fruchtigen, autochthonen „Zilvaka“-Traube einige aromareiche, nach Aprikose duftende Weißweine. Inzwischen dominiert aber die schlichtere, dunkelschalige „Blatina“. Nach den Kriegen der 1980er-Jahre blieben weniger als 4.000 Hektar Rebland übrig, u.a. südlich von Mostar in Herzegowina.

Serbien

Serbien besitzt eine lange Weinbautradition und hat heute etwa 60.000 Hektar Weingärten, die aber nicht alle bewirtschaftet werden. Fünf industrielle Großkellereien (darunter das Unternehmen „Navip“ mit 1.700 ha Rebland) kontrollieren die Produktion, doch auch die Weine der inzwischen über 40 Kleinerzeuger sind sehr vielversprechend. Serbien ist bei seinen Rebsorten eher konservativ: Die dunkle „Prokupac“ erbringt kräftige Rotweine, während die nur selten bemerkenswerte Weißwein-Sorte „Smederevka/Suederevo“ zu halbtrockenen Gewächsen verarbeitet wird (südlich von Belgrad). Serbiens ältester Weinberg heißt „Zupa“ und liegt 130 km südlich von Belgrad. Der „Zupsko Crno“ („Roter Zupa“) ist ein Verschnitt aus „Prokupac“ und der leichten „Plovdina“.

Die autonome nördliche Provinz Wojwodina (mit dem berühmten Carlowitz) teilt das extreme Klima der nördlich in Ungarn gelegenen Tiefebene. Welschriesling („Laski Rizling“) ist verbreitet, vielversprechend sind aber Pinots in allen drei Farben. Das beste Potential haben die Weingärten auf der Fruska Gora, einem Mittelgebirge, das die flache Landschaft der Wojwodina entlang der Donau nördlich von Belgrad durchbricht. Hier entstehen aromatische Weißweine aus Gewürztraminer und Sauvignon Blanc. Die Landschaft erinnert stark an Kroatiens Binnenland im Westen, während die beiden nördlich gelegenen Bereiche Subotica und Banac an der Grenze zu Ungarn und Rumänien mit ihren Sandböden eher ungarisch geprägt sind. Hier wird die rote Kadarka und die weiße Ezerjó aus Ungarn angebaut.

Kosovo

Die Weinindustrie des Kosovo stützte sich lange auf den Export von „Amselfelder“, einen süßen Verschnitt, doch Serbiens Blockade verhinderte das lange. Inzwischen ist Rahovec/Orahovac mit 22.000 ha wichtigstes Anbaugebiet und „Stone Castle“, das wichtigste, exportorientierte Unternehmen des Landes, seit 2006 privatisiert.

Albanien

Albaniens Weinindustrie überlebte die Osmanen und die kommunistische Planwirtschaft mit 4.000 ha Rebfläche. Die einzigartige Kombination aus mediterranem Klima und einheimischen Trauben lohnt die Weiterentwicklung mit italienischer Hilfe.

Montenegro

Montenegro besitzt 4.300 Hektar – und besitzt mit dem Weingut „13 Jul-Plantaze“ das größte Weingut Europas: Es bewirtschaftet 2.310 Hektar zusammenhängende Rebfläche. Rund 70 % sind mit „Vranac“ bestockt, einem dunklen, tanninreichen Rotwein. Bei Weißwein dominiert „Krstac“, ein grasiger Wein, der insbesondere um den Skutarisee angebaut wird. Früher wurde fast ausschließlich nach Russland exportiert, das hat sich seit 1990 deutlich geändert.

Nord-Mazedonien

An der Grenze zu Griechenland entstehen auf den Weinbergen der Republik Nord-Mazedonien auf 22.400 Hektar bessere Weine, seit sie in privater Hand sind. Von den rund 80 Weinbaubetrieben ihrer 3 Anbauregionen ist Podvardarje aus dem Vardar-Tal das bedeutenste. Hier dominiert „Vranac“, der oft mit Cabernet Sauvignon und Merlot verschnitten wird. Die vielen „Smederevka“ werden mit Sodawasser verdünnt. „Zilavka“ erbringt einen kräftigen trockenen Wein mit frischer Säure.

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