Weinglossar

Balkan

Die meisten ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken sind im Weinbau aktiv und blicken auf eine lange Tradition zurück. Ihre Weine aber finden bisweilen nur lokales Interesse: Die wenigsten sehen jemals ein Etikett, sondern die Abfüllungen werden vor Ort konsumiert oder von industriellen Großproduzenten en gros verkauft. So bleibt die Qualität der Weine aus Slowenien und Kroatien bisher unerreicht.

Balkanregion_Weinanbaugebiete

Bosnien und Herzegowina

Das gebirgige Binnenland von Bosnien und Herzegowina war einst ÖsterreichUngarns wichtigste Weinregion. Noch heute entstehen bei Mostar aus der seltenen, erstaunlich fruchtigen, autochthonen Rebsorte Zilvaka einige aromareiche, nach Aprikose duftende Weißweine. Inzwischen dominiert aber die schlichtere, dunkelschalige Blatina.

Nach den Kriegen der 1980er Jahre blieben weniger als 4.000 Hektar Rebland übrig, unter anderem südlich von Mostar in der Herzegowina.

Bosnien und Herzegowina_Weinanbaugebiete

Die Weinanbauflächen liegen dort direkt am Fluss Neretva, der die karstigen Berge des Dinarischen Gebirges von Norden nach Süden durchquert, bevor er in Kroatien in die Adria fließt. Während der Oberlauf des Flusses von dichten Wäldern gesäumt ist – mehr als Sechzig Prozent der Fläche von Bosnien und Herzegowina sind bewaldet und Holzwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszwei des Landes – findet weiter südlich auch Weinbau an seinen Ufern statt. Der Neretva sorgt dort für das notwendige Wasser im trockenen, sonnenverwöhnten mediterranen Klima. Nicht umsonst wird die Herzegowina auch „das Kalifornien des Balkans“ genannt.

Serbien

Serbien besitzt eine lange Weinbautradition und hat heute etwa 60.000 Hektar Weingärten, die aber nicht alle bewirtschaftet werden. Fünf industrielle Großkellereien (darunter das Unternehmen „Navip“ mit 1.700 Hektar Rebland) kontrollieren die Produktion, doch auch die Weine der inzwischen über 40 Kleinerzeuger sind sehr vielversprechend. Serbien ist bei seinen Rebsorten eher konservativ: Die dunkle Prokupac erbringt kräftige Rotweine, während die nur selten bemerkenswerte Weißwein-Sorte Smederevka/Suederevo zu halbtrockenen Gewächsen verarbeitet wird (in Sumadija südlich von Belgrad). Serbiens ältester Weinberg heißt Zupa und liegt 130 Kilometer südlich von Belgrad. Der Zupsko Crno („Roter Zupa“) ist ein Verschnitt aus Prokupac und der leichten Plovdina.

Die autonome nördliche Provinz Wojwodina (mit dem berühmten Carlowitz) teilt das extreme Klima der nördlich in Ungarn gelegenen Tiefebene. Welschriesling (Laski Rizling) ist verbreitet, vielversprechend sind aber Pinots in allen drei Farben. Das beste Potential haben die Weingärten auf der Fruska Gora, einem Mittelgebirge, das die flache Landschaft der Wojwodina entlang der Donau nördlich von Belgrad durchbricht. Hier entstehen aromatische Weißweine aus Gewürztraminer und Sauvignon Blanc. Die Landschaft erinnert stark an Kroatiens Binnenland im Westen, während die beiden nördlich gelegenen Bereiche Subotica und Banat an der Grenze zu Ungarn und Rumänien mit ihren Sandböden eher ungarisch geprägt sind. Hier wird die rote Kadarka und die weiße Ezerjó aus Ungarn angebaut.

Serbien_Weinanbaugebiete

Kosovo

Die Weinindustrie des Kosovo stützte sich lange auf den Export von „Amselfelder“, einen süßen Verschnitt, doch Serbiens Blockade verhinderte das lange. Inzwischen ist Rahovec/Orahovac mit 22.000 Hektar wichtigstes Anbaugebiet und „Stone Castle“, das wichtigste, exportorientierte Unternehmen des Landes, seit 2006 privatisiert.

Kosovo_Weinanbaugebiete

Montenegro

In Montenegro sind etwa 4.300 Hektar mit Reben bestockt – und mit dem Weingut „13 Jul-Plantaze“ befindet sich das größte Weingut Europas in dem Balkanstaat: etwa 2.310 Hektar zusammenhängende Rebfläche werden allein von diesem Weingut bewirtschaftet. Früher wurde fast ausschließlich nach Russland exportiert, das hat sich seit 1990 deutlich geändert.

Rund 70 Prozent der Rebfläche sind mit Vranac bestockt, einem dunklen, tanninreichen Rotwein. Unter dem Namen Kratosija ist auch die aus Kroatien stammende Rebsorte Primitivo (Zinfandel) verbreitet. Bei Weißwein dominiert Krstac, ein grasiger Wein, der insbesondere um den Skutarisee im Süden des Landes angebaut wird.

Montenegro_Weinanbaugebiete

Der Skutarisee, auch Skadarsee genannt, ist mit einer Fläche von 530 Quadratkilometer der größte See des Balkans. Man vermutet, dass auch der See aus einer der in der Region häufig zu findenden „Polje“ entstanden ist – einer Bodenvertiefung durch den Einsturz eines unterirdischen Hohlraums. Jedenfalls befindet sich der See sich in einer der für den Balkan typischen Karstregion mit hohen Niederschlagsmengen und ist fast vollständig von von hohen Bergen umgeben. Im porösen Karstgebirge versickern die Niederschläge schnell und so hat sich im Verlauf Jahrtausende in der Region das größte unterirdische Süsswasserreservoir der Welt gebildet – ein hochkomplexes hydrogeologsiches System, von dem der See nur der sichtbare Teil ist. Den unsichtbaren stellt ein unterirdisches labyrinthisches System aus mehreren hundert Kilometer langen Röhren und Höhlen dar, die die unterirdischen Quellen für den Skutarisee bilden, wobei der Kalk und das Gips das Wasser mineralisieren.

Während der heißen und trockenen Sommermonate mit Temperaturen um die 40 Grad schrumpft der Skutarisee auf bis zu ein Drittel seiner Größe – erst im Frühjahr wächst seine Fläche wieder an. Das Wasser schafft dann ein riesiges Feuchtgebiet, das wichtig für die zahlreichen Zugvögel wie den Krauskopfpelikan ist. Insgesamt 260 Vogelarten besiedeln die Süsswasserlandschaft.

Die Feuchtigkeit schafft ein besonderes Mikroklima, in dem sich auch viele Pflanzen wohl fühlen. Zum Problem aber wurde auch hier die Überdüngung in der Landwirtschaft im Uferbereich des Sees, die grundsätzlich zu Verlandung führt, das heißt zur Entstehung von Grasland. Um das zu verhindern, wurde 1983 für den montenegrinischen Teil des Skutarisees mit dem „Skadarsko Jezero Nationalpark“ ein umfassendes Naturschutzgebiet geschaffen. Schließlich hat sich Montenegro in die Verfassung geschrieben, dass das Land nicht nur ein „demokratischer“, sondern auch ein „ökologischer“ Staat ist – während der albanische Diktator Enver Hoxha am Südufer des Sees in den 1970er Jahren alle Bäume fällen ließ und stattessen zahlreiche Betonbunker errichtete.

Albanien

Albaniens Weinindustrie überlebte die Osmanen und die kommunistische Planwirtschaft mit 4.000 Hektar Rebfläche. Die einzigartige Kombination aus mediterranem Klima und einheimischen Trauben lohnt die Weiterentwicklung mit Hilfe aus Italien.

Nord-Mazedonien

An der Grenze zu Griechenland entstehen auf den Weinbergen der Republik Nord-Mazedonien auf 22.400 Hektar bessere Weine, seit sie in privater Hand sind. Von den rund 80 Weinbaubetrieben ihrer drei Anbauregionen ist Podvardarje aus dem Vardar-Tal das bedeutenste. Hier dominiert Vranac, der oft mit Cabernet Sauvignon und Merlot verschnitten wird. Unter dem Namen Kratosija ist auch die aus Kroatien stammende Rebsorte Primitivo (Zinfandel) verbreitet. Die vielen Smederevka werden mit Sodawasser verdünnt. Zilavka erbringt einen kräftigen trockenen Wein mit frischer Säure.

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