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Schwarzmeerregion

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In den 1970er-Jahren war die Sowjetunion der drittgrößte Weinerzeuger der Welt. Ende des 20. Jahrhunderts steuerten ihre Ex-Republiken nur noch 3 % der globalen Weinmenge bei (Gorbatschows Anti-Alkoholkampagne und der Zerfall der UdSSR, schließlich 2006 das Verbot Putins von Importen aus Moldawien und Georgien führten dazu). Dabei hat der Weinbau an der Schwarzmeerküste eine jahrtausendelange Tradition. Mit dem Kaspischen Meer gilt es sogar als Entstehungszentrum der Weinrebe Vitis Vinifera: Nicht nur in Georgien oder Armenien läßt sich der Anbau von Reben bis 5.000 v. Chr. und noch darüber hinaus nachweisen. Von dort gelangte er über Sumer, den heutigen Irak, nach Kreta und über Griechenland schließlich weiter in den gesamten Mittelmeerraum.

Moldawien

Moldawien ist das Land an der Ostgrenze Rumäniens (Moldau) und die frühere Sowjetrepublik mit den meisten Reben und angeblich dichtesten Bepflanzungen der Erde. Die Rebstöcke wachsen hier auf dunklen Böden über gutem Kalkstein. Das vom nahen Schwarzen Meer gemäßigte Klima schafft ideale Wachstumsbedingungen in den 150.000 Hektar (genutzt werden allerdings nur etwa 100.000 ha), die von den 240.000 Hektar zu Sowjetzeiten übrig blieben – immer noch rund 4 % der Landesfläche. Etwa 1/4 der Berufstätigen Moldawiens arbeitet im Weinbau.

Moldawien liegt auf derselben geographischen Breite wie das Burgund. Das Klima ist gemäßigt, aber in kalten Wintern sterben ungeschützte Reben schon einmal ab. Das Gros der Rebstöcke steht im Süden und der Landesmitte rund um die Hauptstadt Chisinau. Der bis heute renomierteste Rotwein ist „Negru de Pukar“, ein Verschnitt aus Cabernet Sauvignon, „Saperavi“ und „Negra rara“ aus Purcari im Südosten des Landes (gleichnamiges Unternehmen).

Moldawien hat 3 offizielle Weinregion (Transinestria, Stefan voda, Valullui Traian), die von der EU und russischen Investoren gefördert werden. Historische Beziehungen gibt es nach Frankreich – weshalb über 80 % der Reben anerkannte Sorten von Vitis Vinifera sind. Die meistgepflanzten Reben sind derzeit Aligoté (23 %), die georgische Weißwein-Sorte „Rhatesiteli“ (15 %) sowie internationale Sorten.

Ukraine

Das zweitwichigste Weinland unter den früheren Sowjetrepubliken ist Moldawiens östlicher Nachbar, die Ukraine. Weite Teile sind zum Ausreifen der Trauben zu kalt, doch schon die Phönizier und Griechen erkannten, daß der wärmende Einfluß des Schwarzen Meeres den Weinanbau an ihren Ufern ermöglicht, insbesondere auf der von Russland beanspruchten Krim.

Rußland

Russlands Rebstöcke wachsen auch hier, wo das Schwarze und das Kaspische Meer das harsche Kontinentalklima abmildern. Mehr als 50 % stehen in der Region Krasnodar im Westen, wo die Reben ohne Winterschutz auskommen. Am Don weiter nördlich (wo er bei Rostow in das Asowsche Meer fließt), müssen sie im Winter eingegraben werden, auch in Stawropol und in Dagestan.

Georgien

Im Vergleich mit Rußland ist Georgien ein kleines Weinland, aber seine Kultur ist wesentlich älter und viel differenzierter: wenigstens 500 einheimische Rebsorte gibt es. Georgien gilt neben Armenien als Wiege des Weinbaus, der etwa 5.000-6.000 Jahr v. Chr. zurückliegt. Georgien liegt am Südrand des Kaukasus, jener Landbrücke zwischen dem Schwarzen- und dem Kaspischen Meer, die Europa mit Asien verbindet. Heute werden etwa 60.000 Hektar für den Weinbau genutzt, vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele.

Georgien besitzt drei historische Weinregionen. 3/4 der Weinberge befinden sich in der trockensten Region Kachetien an den östlichen Kaukasusausläufern, wo mehr als 1/3 aller Trauben des Landes heranreifen. Kartlien liegt im flacheren Umland der Hauptstadt Tiflis, in Zentralgeorgen, während Imeretien am Schwarzen Meer mit seinem feuchteren Klima zahlreiche autochthone Rebsorten hat.

In ganz Georgien arbeiten Weinbauern noch mit Bereitungsmethoden aus vorantiker Zeit, etwa den „Kvevri“ oder „Quevri“: eine bauchige Ton-Amphore, die im Boden vergraben wird. Das Lesegut kommt komplett samt Stielen und Schalen hinein und wird dann (ohne Zugabe von Hefekulturen) sich selbst überlassen – eine Methode, die sich nicht zur industriellen Produktion eignet. Das Ergebnis ist meist stark tanninhaltig. Georgiens beste Rebsorten wie die hellschalige „Mtsvane Kakhuri“, die rotfleischige „Saperavi“ und die charakterreiche, frische „Rkatsiteli“ blühen hier auf. Neben den drei historischen gibt es heute auch noch 18 von der EU anerkannte Herkunftsregionen.

Armenien

Zu Sowjetzeiten waren in Armenien etwa 37.000 Hektar mit mindestens 200 Rebsorten bepflanzt, darunter viele autochthone, unter denen wahrscheinlich die Areni aus der Gegend um den gleichnamigen Ort den höchsten Stellenwert hat. In diese Region (Jegheonaadser) südöstlich der Hauptstadt Jerewan werden Trauben wie in Georgien noch in Tonamphoren vergoren. Sie liegt bis 1.600 m hoch. Erst vor kurzem wurde hier das älteste bekannte Weingut entdeckt (allerdings ist Georgiens ältestes Beweisstück 8.000 Jahre alt aus der Jungsteinzeit in der Nähe von Tiflis bzw. Tbilissi, genauer: bei Imri gefunden worden. Die älteste Gesamtanlage liegt aber offenbar bei Areni in Armenien.

In Armenien herrscht Kontinentalklima und die Rebberge liegen auf 1.200 bis 1.800 m Höhe. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind während der Reife vorteilhaft. Zudem gibt es mannigfaltige Böden, steinig, aber nähstoffreich und mit jeweils unterschiedlichem Mikroklima Ideal für „Areni“, die als „launische Schwester“ des Pinot Noir gilt und fruchtig ist, mit wenig Tannin.

Aserbaidschan

Auch Aserbaidschan produziert Wein – meist süßen Rotwein aus der „Matrassa“-Traube. Nahe der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan erhebt sich der ruhende Vulka Ararat mit 5.137 m Höhe. Er liegt bereits in Ostanatolien – und Falls Noahs Weinberg an den Hängen des Ararat wirklich der erste Rebgarten der Geschichte war, dann darf sich die Region als Wiege des Weins bezeichnen.

Türkei

Die Türkei bereitet seit Kemal Atatürks Bemühungen um eine Modernisierung des Landes in den 1920er-Jahren wieder Wein. Das Land verfügte schon immer über eine der weltgrößten Rebflächen – etwa 600.000 Hektar -, aber noch 2010 wurden nur 3 % davon für die Weinproduktion genutzt, der überwiegende Rest sind Tafeltrauben oder werden zur Produktion des Anisschnaps Raki verwendet. Früher war der staatliche Monopolbetrieb „Tekel“ mit sechs Kellerein der größte Erzeuger und beherrschte den Exportmarkt. Auch mit ursprünglichen, anatolischen Rebsorten, die Atatürk so rettete. 2005 wurden deren Weine in „Kayra“ umbenannt, das Unternehmen privatisiert und die Qualität deutlich verbessert. Aber noch immer erschweren fehlende Gesetze die Entwicklung der Weinindustrie, insbesondere auch für die etwa 125 Privatgüter.

Das Klima der Türkei ist sehr facettenreich, entsprechend gibt es eine Vielzahl an autochthonen Reben in den verschiedenen Anbauzentren – etwa 1.000 im Westen völlig unbekannte. In den kalten Wintern Anatoliens müssen die Reben durch Anhäufen von Erde vor fatalen Minustemperaturen geschützt werden – sie werden also vergraben. die Wachstumsperiode ist hier kürzer als in den milderen Regionen Marmara und Ägäis. Dennoch entsteht in Ostantolien der bekannteste türkische Rotwein, der schwere „Burbagans Bogazkete“, bspw. vom Weingut Pendore von Kavaklidere, das bis zu 450 m hoch liegt. Hier herrscht kühleres Kontinentalklima, während das thrakische Hinterland Istanbuls von beiden Seiten her vom Meer geprägt ist. Entsprechend werden im wärmeren Klima Thrakiens (auf der europäischen Seite des Bosporus) Weine aus bekannteren Rebsorten wie Cinsault, Gamay und Sémillion sowie Clairett gekeltert.

Die ostthrakische Region Marmara baut 16 % der zu Wein verarbeiteten Trauben an, die Dichte der Weinbaubetriebe ist hier am höchsten. Die große „Doluca“-Gruppe hat hier ihren Sitz und produziert einen „Trakya Kirmisi“ (aus Papaskarasi und der robusten Rotwein-Sorte Karalahna) sowie der weißen „Trakya Beyaz“ (Semillon).

Über die Hälfte des türkischen Weins wächst in der Ägäisregion um Izmir. Misket und Sultaniye werden hier angebaut. Von den wenigen Weinproduzenten sind die Mehrheit in Marmara un der Ägäisregion ansässig.

Likya ist der Pionier unter den Weinproduzenten an der Südküste der Mittelmeerregion, Diren der einzige interessante Erzeuger in Nordosten um Tokat in der Schwarzmeerregion, deren regionale Spezialität die helle, „Varince“-Traube ist.

In den höher gelegenen Weinbergen Zentralanatoliens, wo 14 % der Produktion gemacht werden, sowie in Ost- und Südanatolien (12 %) hat Kavaklidere seine Zentrale. Sein neuestes Anbaugebiet mit Namen Côtes d`Avanos liegt in der kargen vulkanischen Landschaft Kappadokiens, wo schon die Hethiter Wein bereiteten. Die lokale Weißweinsorte ist die frische Emir.

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