Weinglossar

Bulgarien

Weinbau hat im Bewußtsein Bulgariens einen hohen Stellenwert, schließlich standen bis zur Aufnahme des Landes in die EU 2007 über 150.000 Hektar unter Reben. Bis 2009 ist diese Fläche zwar auf etwa 60.000 Hektar gesunken, von denen rund 15 Prozent nicht für die Weinproduktion verwendet werden, seither jedoch steigt die Qualität kontinuierlich. Allerdings sind seit der Ende der 1970er Jahre rund 85 Prozent der Produktion für den Export insbesondere in ehemalige Ostblockländer bestimmt.

Der Weinbau in Bulgarien wurde in den letzten Jahren stark mechanisiert und modernisiert: Temperaturegulierungssysteme und bessere Weinbaumethoden brachten den Wandel und reduzierten den Export billigen Massenweines auf etwa die Hälfte zugunsten der Produktion von biologisch oder biodynamisch produzierenden kleinen Gütern.

Es sind dabei vor allem die französischen Sorten, die die einheimischen verdrängen. Das betriffft insbesondere die Rotweinsorten Gamza/Kadarka, Melnik und insbesondere Mavrud. Sowohl Cabernet Sauvignon als auch Merlot werden stattdessen inzwischen auf je etwa 20.000 Hektar angebaut – sie sind allerdings auch schon seit über einem Jahrhundert im Land vertreten. Die bulgarischen Weißweine ergeben eher Alltagsweine und werden bisweilen auch zu Branntwein oder Obstbrand (Rakija) verarbeitet.

Bulgarien hat nach eigenen Angaben viermal so große Anbauflächen für Cabernet Sauvignon wie Kalifornien. Sie zeichnen sich durch gute Frucht, große Fülle und Kraft aus. Mavrud wiederum ist eine spätreifende autochthone Sorte und kann volle, würzige Rotweine liefern, die lagerfähig sind. Sie hat eine lange Vegetationszeit und ist deshalb im wärmeren Süden des Landes (Thrakien) beliebt, ebenso wie die rote Rebsorte Melnik aus der gleichnamigen Ortschaft an der Grenze zu Griechenland im heißen Tal der Struma.

Bulgarien_Weinanbaugebiete

Bulgarien ist grob in zwei Großregionen unterteilt für regionale Weine: Die Donauebene im Norden des Landes und die Thrakische Ebene, die alle Weinbaugebiete im Süden Bulgariens vereint. Dabei sind – wie in Italien – 21 Regionen mit garantierter Ursprungsbezeichnung (nach anderen Angaben 51 Appellationen) in 5 kleineren Hauptanbaugebieten ausgewiesen:

  • Nordregion: Donauebene an der Grenze zu Rumänien. Hier wird überwiegend Rotwein angebaut und etwas Chardonnay.
  • Balkanrandregion: Schmaler Streifen südlich des Balkan-Gebirges. Hier werden duftige Weißweine angebaut, beispielsweise im Rosental die Red Misket (von „Château Copsa“ in der Nähe von Karlowo).
  • Südregion: auch hier in der Thrakischen Ebene wird Rotwein angebaut, in Plovidv wird zum Beispiel ein dunkler Rotwein nach Rhône-Manier gekeltert, der oft lange reifen muß.
  • Ostregion: Das kühle Anbaugebiet zwischen dem Balkangebirge und dem Schwarzen Meer im Osten des Landes hat sich auf Weißwein spezialisiert.
  • Südwestregion: Im kleinen, eigenständigen Strumatal halten sich Weiß- und Rotwein die Waage. Melnik aus Harsovo genießt höchsten Respekt.
Top
Standard