Weinglossar

Kroatien

Die Dinarischen Alpen, die parallel zur Küste verlaufen, teilen Kroatien in zwei Landschaftstypen: die wärmere Küstenregion und das an Ungarn grenzende, etwas kühlere Kontinentalkroatien. Hier im Landesinneren, in Slawonien (Slavonija), wird hauptsächlich Weißwein angebaut, zum Beispiel Grasevina, Kroatiens Welschriesling, der ein Viertel der Produktion ausmacht. An der Küste liegen Istrien, das kroatische Küstenland (Primorje), Norddalmatien (Sjeverna Dalmacija), das Mittlere und Südliche Dalmatien (Srednjai Juzna Dalmacija) sowie das Dalmatische Hochland (Dalmatinska zagora). Auch hier wird viel Weißwein gemacht – an der Küste liegt aber auch der Ursprung der roten Tribidrag (die auch als Zinfandel beziehungsweise Primitivo bekannt ist).

In der Küstenregion dominieren Karst- beziehungsweise Kalkböden, aus denen die Reben viele Mineralstoffe ziehen können. Traditionell wachsen sie als Buschreben, weil mediterranes Klima herrscht und die buschförmige Reberziehung den Trauben viel Schatten bietet.

Weinbau findet in Kroatiens Küstenregion und auf den von den warmen Strömungen der Adria umspülten Inseln oft auf terrassenförmig angelegten Weinbergen an den steilen, felsigen Hängen direkt am Meer statt. Mit die steilsten Hänge befinden sich auf der Insel Brac unmittelbar vor Split, wo in 450 Meter Höhe Terrassen in Hängen mit über fünfzig Grad Gefälle angelegt wurden. Nach der Entstehung der Republik Kroatien vor etwa dreißig Jahren – als der moderne, privatisierte Weinbau überall im Land seinen Anfang nahm – wurden hier 50.000 neue Rebstöcke gepflanzt.

Dabei hat Weinbau in Kroation eine jahrtausendealte Tradition. Schon vor über 4.000 Jahren haben sich hier griechische Siedler niedergelassen und auch Wein angepflanzt. Auf der Insel Hvar hat man auf der Insel geprägte Münzen mit dem Abbild von Dionysos gefunden, ebenso in der von den Griechen gegründeten Stadt Pharos.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden die Adriainseln, allen voran Korkucal, überhaupt zur Handelsdrehscheibe: Sie gehörten meist zur Seerepublik Venedig – die in dieser Zeit ein Importverbot für Wein verhängte. Getrunken wurden also vornehmlich eigene Weine aus autochthonen Rebsorten. Zwischen 1880 und 1920 explodierte der Weinbau dann, da Kroatien zunächst – anders als praktisch alle anderen Weinbauregionen Europas – nicht von der Reblaus betroffen war. Über 24 Millionen Flaschen Wein jährlich wurden ins Ausland exportiert. (Erst dreißig Jahre später fand auch die Reblaus ihren Weg ins Land.)

Kroatien_Weinanbaugebiete

Von den insgesamt etwa 60.000 Hektar befinden sich 36.000 an der Küste, die über 6.000 Kilometer lang ist (mit mehr als 1.000 Inseln). Istrien ist dabei die nördlichste Küstenregion. Hier wird die Malvasia-Variante „Malvazija Istarska“ aufgebaut (als Orange Wine wie in Slowenien beziehungsweise Friaul). In Istrien wird Wein häufig in Akazienfässern ausgebaut, was zu körperreichen, lebhaften Weinen führt. Der typische Rotwein Istriens ist Teran (Refosco), der mitunter mit Merlot verschnitten wird.

Insbesondere der Anbau von Tribidrag ist neuerdings explodiert. „Tribidrag“ ist ein Synonym für die „Crljenak-Kastelanski“-Traube („Rote Traube von Kastela“, einer kleinen Stadt nahe Split und Ursprung der Rebsorte), die international unter dem Namen Primitivo beziehungsweise Zinfandel bekannt wurde. Den Namen „Zinfandel“ bekam die „Crljenak-Kastelanski“ wegen einer Fehllieferung aus dem Habsburgerreich nach Amerika: Eine Lieferung der kroatischen Rebsorte wurde irrtümlich als „Zierfandler“ (eine Rebsorten-Spezialität aus Österreich) beschriftet und im New Yorker Hafen als „Zinfandel“ entziffert.

Nördlich von Dubrovnik wird die rote Plavac Mali („Kleiner Blauer“) auf steilen Terrassen angebaut. Man findet die kleinen, dunklen Trauben überall in Dalmatien, der südlichsten Region Kroatiens, oft auch auf den unzähligen Inseln des Landes. Denn Plavac Mali ist eine äußerst robuste Rebsorte, der die steinigen Böden, die glühende Hitze und insbesondere auch der ständige, Bura (Bora) genannte Wind nichts anhaben kann. Plavac Mali ist eine würzige, kräftige Sorte mit viel Aroma, aus der granatfarbene Rotweine entstehen. Aus der Plavac Mali entstehen auf der süddalmatischen Halbinsel Peljesac auch die bekannten Weine „Dingac“ und „Postup“ (Dingac wird teilweise im Ripasso-Verfahren hergestellt wie im Valpolicella).

Die elegantere und duftende Bobil wird traditionell nur in den steinigen Küsten-Weingärten um den Hafen von Primosten zwischen Sibenik und Split angebaut. Die Weinstöcke für den ebenfalls roten Babic standen ursprünglich ebenfalls dort, das heißt in Bucavac (bei Primosten), wo er – noch im sozialistischen Jugoslawien – in Gemeinschaftsgärten angebaut wurde, die durch niedrige Natursteinmauern in kleine Parzellen unterteilt waren. Entlang der Küste Zentral- und Südkroatiens wird ansonsten auch Malvasia angebaut und in der Region um die Insel Korcula Posip.

Die Weine Kroatiens tragen folgende Prädikate:

  • Vrhunsko Vino (Spitzenweine)
  • Kvalitetno Vino (Qualitätswein)
  • Stolnovino (Tafelwein)

Einen Kontrast zu den vielen genossenschaftlich produzierten Weinen bieten dabei die kleinbäuerlichen Betriebe an der dalmatinischen Küste und den davor liegenden Inseln.

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