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Apulien (Puglia)

Apulien befindet sich am Absatz des „italienischen Stiefels“ und ist mit einer Rebfläche von 90.000 Hektar die zweitgrößte Weinregion des Landes. Etwa ein Fünftel der Gesamtmenge des italienischen Weins wird hier produziert, dabei sind drei Viertel Produktion allerdings als Verschnittwein für den Norden (und Frankreich), für die Herstellung von rektrifiziertem Traubenmostkonzentrat (RTK) und Wermut oder als Rohstoff für die Destillieranlagen gedacht (mit denen man sich auch anderswo in Europa seines Weinsees entledigt).

Apulien_Weinanbaugebiete

Die etwa 90.000 Hektar sind in 32 DOCs und vier DOCGs eingeteilt, von denen die wichtigsten die folgenden sind:

  • Primitivo di Manduria
  • Salice Salentino
  • Puglia (IGT)

Apulien ist die flachste Anbauregion in Italien, was die Weinbergpflege zwar erleichtert, aber wenig Möglichkeiten für eine Flucht vor der gnadenlosen Sommerhitze in höhere Lagen bietet. Außerdem haben EU-Rodungsprämien dazu geführt, dass leider oft alte, schwierig zu bearbeitende Buschreben ausgerissen wurden, die nicht maschinell bearbeitet werden können, aber wenigstens einen natürlichen Schutz vor der Sonne hätten bieten können. Eine ungünstige Situation für Reben in einer Gegend mit vielen Hochebenen.

Salice Salentino

Insbesondere aber die Rebsorte Negroamaro („schwarz-bitter“ von italienisch „Niger“ und griechisch „Mavros“) hat sich über lange Zeit an dieses heiße Klima Apuliens gewöhnt und eine dicke Schale entwickelt, die sie unempfindlich gegen Hitze macht. Sie wurde um etwa 800 v.u.Z. von den Griechen eingeführt. Seine Flaschenkarriere begann er in den 1980er Jahren, als Cosimo Taurino begann die Trauben später zu ernten. Dadurch verloren sie an Flüssigkeit und die Aromen konzentrierten sich: Kirsch- und Rumtopfaromen der überreifen Trauben sorgen für ein angenehmes Gleichgewicht zur feinen Herbe im Abgang auf, Gerbstoffe machen sich in Form einer Note von delikaten schwarzen Oliven bemerkbar.

Das mit Abstand bedeutenste Anbaugebiet für Negroamaro ist um den Ort Salice Salentino. Hier gibt es fruchtbare rote Böden im Inland und kalkhaltige nahe dem Meer. In beiden wächst Negroamaro sehr gut. Für italienische Verhältnisse ist er spätreifend (Ende September/Mitte Oktober). Die Rettung vor der Hitze des Sommers sind die Nächte, die etwas kühler sind und eine stabile Säure garantieren.

Manduria

Etwas berühmter als Negroamaro dürfte vielleicht die Rebsorte Primitivo sein. Sie ist genetisch identisch mit der kalifornischen Zinfandel, aber kroatischen Ursprungs. Traditionell wird sie im westlichen Salento kultiviert, vor allem auf den roten Böden und auf Kalk in Manduria. Ihren Namen hat sie aufgrund des Umstands, dass sie selbst für italienische Verhältnisse früh ausreift: bereits im August. Deshalb nannte man sie „primeuve“, „frühe Traube“.

In den vielen Sommerstunden Apuliens bildet der Primitivo di Manduria durch Fotosynthese sehr viel Zucker, der bei der Vergärung in Alkohol umgewandelt wird. Allerdings führt die steigende Temperatur während des Gärungsprozesses zum frühen Zelltod, das heißt der Alkohol verwandelt sich bei hohen Temperaturen zum Zellgift – und der Wein bleibt süss. Notgedrungen entstand so zunächst die Weinkultur des Dolce naturale. Heute jedoch wird früher geerntet – ein paar Monate im Fass runden den Wein weiter ab. Dennoch bleibt es ein eher „fetter“, wuchtiger Wein.

Wenn Primitivo und Negroamaro hohe Erträge bringen, liefern sie einfache, fruchtige, jung zu trinkende Weine, die unter der Bezeichnung IGT Puglia in den Handel gelangen. Bei Ertragsbeschränkungen dagegen entstehen körper- und aromareiche Weine, würzig aufgrund des Eichenfassausbaus und dem Verschnitt mit einer kleinen Menge Malvasia Nera, die einen würzig-blumigen Duft und etwas Schmelz beisteuert.

Castel del Monte

Im Norden Apuliens liegt das Castel del Monte des Stauferkönigs Friedrich II., wo in gleich zwei DOCGs Nero di Troia, eine historische Varietät, angebaut wird und mit der DOCG Castel del Monte Bombino Nero die einzige Rosé-DOCG Italiens steht. Bombino Nero hat viel Säure und wenig Zucker. Daraus ergibt sich ein frischer, süffiger, aromatisch-salziger Wein.

Im südlichen Apulien ist die Reberziehungsform des Alberello, die Buscherziehung, charakteristisch. Die Pflanzen erreichen dadurch ein Alter von mehr als achtzig Jahren. Ebenfalls charakteristisch für Apulien sind die vielen weißen Trulli: kleine, bunkerartige Wachtürmchen mit Runddach (in dem Städtchen Alberobello sind sogar ganze Wohnhäuser in dem Stil gebaut), wie sie auch in Rheinhessen zu sehen sind.

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