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Portugal

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Ganz Portugal ist Weinbaugebiet, allerdings ist Portugal ein kleines Anbauland: So sind zwar 240.000 Hektar Anbaufläche registriert, wovon etwa 200.000 ha auch genutzt werden, allerdings werden nur rund ca. 6 Mio. Hektoliter Wein jedes Jahr erzeugt. Obwohl die Anbaufläche fast doppelt so groß ist wie in Deutschland, werden also doch nur etwa 1/4 der Menge Deutschlands produziert.

Von der Gesamtproduktion sind etwas mehr als 40 % Weißwein, der Rest Rotwein und Rosés (im Dourotal zum Beispiel „Mateus“ und „Lancers“). Etwa 40 % davon gehen in den Export. So verhältnismäßig gering die Produktion ist, so hoch ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Portugal: Er liegt mit 55,5 Liter pro Jahr an der Spitze in Europa (mit dem Vatikan und Luxemburg).

Die Anbauflächen für Qualitätsweinbau umfassen knapp 85 % der gesamten Rebfläche des Landes und sind verschiedenen Einflüssen ausgesetzt: Den bedeutendsten klimatischen Einfluß übt der Atlantik aus, weshalb in einem Großteil Portugals maritimes Klima herrscht. In vielen Weinbauregionen im Inneren des Landes ist das Klima dagegen heißt und trocken – es herrscht kontinentales Klima -, und nicht war im Sommer und kühl und feucht im Winter, wie am Antlantik. In manchen Regionen trägt die Höhenlage zur Milderung der sehr hohen Temperaturen bei. Auf jeden Fall sind die mitunter sehr großen Unterschiede bei den Durchschnittstemperaturen mit verantwortlich für die vielen verschiedenen Weinstile, die es in Portugal gibt, wobei festzuhalten ist, daß im Westen des Landes eben eher atlantisch-maritimes, im gebirgigeren Osten kontinentales Klima herrscht.

Die Böden variieren enorm: So gibt es zwar im Norden und im Binnenland Granit und Schiefer, an der Küste Kalkstein, Ton und Sand, im Süden den beliebten Schiefer – insgesamt aber sorgen die zum größten Teil sehr kargen Verwitterungsböden für geringe Erträge. (Auch der Anteil der Biofläche liegt bei nur 3.000 ha.)

Die isolierte Lage des nur etwa 200 x 800 Kilometer umfassenden Landes am Rand der iberischen Halbinsel hat dazu geführt, dass es heute nur noch in Italien mehr autochthone Rebsorten gibt: Rund 340 einheimische Rebsorten wurden in Portugal erhalten. So besitzt das Land also eine Fülle autochthoner Rebsorten, die es von vielen anderen Weinerzeugerländer absetzt – was andererseits aber das Verständnis der portugiesischen Weine erschwert, insbesondere auch, weil nicht selten ein und dieselbe Rebsorte je nach Region einen anderen Namen trägt.

Vor dem EU-Beitritt 1986 gab es keine Klassifizierung außer „Garrafeira„, was „gereifter Wein“ bedeutet:

  • Rotwein: 12 Monate bzw. 24 in Alentejo, 36 im Dao (weil Hochland)
  • Weißwein: 6 Monate bzw. 12 Monate Flaschenreife

Andere wichtige Begriffe, die man immer wieder auf portugiesischen Etiketten sieht, sind:

  • Quinta – Weingut (kein Zukauf!)
  • Adega – Kellerei
  • Balsero – Großes Holzfass
  • Lagar – Offenes Kelterbecken, meist aus Marmor und gekühlt (offene Vergärung, nicht im Stahltank)
  • Casta – Rebsorte
  • Colheita – Jahrgang

Ansonsen gilt seit dem EU-Beitritt die gesetzliche Neuordnung, d.h. Portugal verfügt über ein vierstufiges Klassifikationssystem, das dem französischen ähnelt und das in das gültige EU-System übersetzt wurde:

  • DOP (Denominacao de Origem Protegida): bisher 30 DOCs und 4 Indicacao de Provenciencia Regumentada (IPR), die in den Rang DOC aufsteigen konnten
  • IGP (Indicacao Geográfica Protegida): bisher 8 Vínhos Regionais
  • Vinho: Tafelwein ohne geografische Herkunft

Die wichtigsten Regionen und Anbaugebiete für portugiesischen Wein von Norden nach Süden sind:

Weinanbaugebiete Portugal

Karte: © ViniPortugal

  • Minho (DOP Vinho Verde)
  • Trasmontano (DOP Trás-os-Montes)
  • Douro (DOP Douro und DOP Porto)
  • Beiras (DOP Dao und DOP Bairrada)
  • Estremadura (VR Lisboa)
  • Tejo (VR Tejo und DOP Tejo)
  • Sétubal (VR Peninsula de Sétubal)
  • Alentejo (DOP Alentejo)
  • Algarve (VR Algarve)
  • Madeira

Anbaugebiete

Vinho Verde

Vinho Verde entsteht im Nordwesten Portugals, in der Provinz Minho mit dem gleichnamigen Fluß, der die Nordgrenze zum spanischen Galizien (Rías Baíxas) bildet. Die Anbaufläche der DOP Vinho Verde umfasst ca. 35.000 ha, etwa 1/8 der portugiesischen Weinernte kommt von dort. Vinho Verde ist damit die größte DOP in Portugal.

Aufgrund der Nähe zum Atlantik hat das Vino-Verde-Gebiet ein gemäßigtes maritimes Klima mit viel Niederschlag: Ohne sorgfältige Laubdachpflege kann der übermäßige Regen zu übermäßigem Wachstum der Blätter führen und Pilzkrankheiten in den Trauben begünstigen. Ausserdem würden dann auch die Früchte nicht ausreifen. Dashalb wurden die Reben traditionell an Pergolen erzogen.

Die Pergolaerziehung, die auch im benachbarten spanischen Rías Baíxas praktiziert wurde, ermöglicht es, die Trauben hoch über dem Boden wachsen zu lassen. Es verlangsamt die Reife und sorgt für das gewünschte Gleichgewicht zwischen Zucker und Säure und wirkt drohendem Pilzbefall entgegen. (Ausserdem erlaubt es den Anbau anderer Produkte darunter.) In neuen Weinbergen allerdings werden die Reben an niedrigen Verdikaldrahtrahmensystemen mit Zapfenschnitt erzogen, was ebenfalls eine gute Luftzirkulation ermöglicht, wenn man ein entsprechendes Laubdachmanagement betreibt, sowie eine maschinelle Bearbeitung und insgesamt reifere Gewächse.

„Verde“ heißt „grün“ und wird hier als Gegensatz zu „maduro“, gereift (wie bspw. in Rioja), verwendet: Das „Grün“ bei Vinho Verde steht für seine knackige Frische. Denn wegen des kühlen Klimas enthalten Vinho Verdes sehr viel Apfelsäure (auch wegen der hohen Erziehung). Deshalb förderte die traditionelle Bereitung den biologischen Säureabbau (BSA), d.h. die Umwandlung von Apfel- zu Milchsäure – wobei auch Kohlensäure als Nebenprodukt entsteht, die in der Flasche gefangen wird: Traditionell moussieren Vinho Verde leicht, was ihre Frische noch betont. Heutzutage jedoch werden die Weine hier kaum noch traditionell bereitet. Insbesondere für den Export wird die Säure häufig künstlich abgemildert (durch den BSA in der Flasche bildet sich ein Bodensatz) und Kohlensäure zugefügt, d.h. auf Massenproduktion ausgerichtete Kellereien lassen den Wein voll ausgären, damit er bakteriell stabil bleibt, und füllenihn anschließend mit einem Schuß Kohlensäure ab. Außerdem hat der Kellermeister dadurch noch die Möglichkeit, den Wein mit unvergorenem Most nachzusüßen, ohne dass die Gärung neu einsetzt. Früher hatte Vinho Verde wenig Alkohol und Restsüße, da die Gärung künstlich (durch Zugabe von Gas) gestoppt wurde. Heute sind sie ausgewogen und erreichen Alkoholgehalte von bis zu 14 Vol. %.

Die klassischen Vinho-Verde-Weißweine haben eine zitronengelbe Farbe, viel Säure und wenig Alkohol (zwischen 8 und 11,5 Vol. %). Die alkoholschwächeren Weine sind in der Regel halbtrocken (anders als der echte, scharfte Vinho Verde werden viele Exportweine kräftig gesüßt). Steht eine der insgesamt 9 Subregionen (wie bspw. Amarante oder Penafiel), eine Rebsorte oder ein offizieller Begriff zur Qualität auf dem Etikett, kann der Wein bis zu 14 Vol. % haben.

Die weißen Vinho Verdes sind typischerweise ein Verschnitt aus den Rebsorten Arinto, Avesso (körperreich, Mandelaromen), Loureiro (floral, pfirsichfruchtig), Azal und Trajadura. Die Ausnahme bildet die wachsende Menge feiner Vinho Verde, die ausschließlich aus der lokalen Rebsorte Alvarinho („die kleine weisse vom Rhein“ mit strukturierter Säure wie Riesling) hergestellt werden. Sie wächst sowohl in der nördlichen Teilregion Moncao und Melgaco, wie auch jenseits des Minho im spanischen Rías Baíxas, wo sie Albarino heißt. Die reinsortigen Vinho Verde Alvarinho haben etwas mehr Alkohol (11,5 bis 14 Vol. %) und Aromen reifer tropischer Früchte.

Mit der stärkeren Konzentration der Vinho-Verde-Produzenten auf den Exportmarkt sind die Weißweine wichtiger geworden als die Rotweine. Dabei werden auch im Vinho-Verde-Gebiet bis zu 1/3 rote Vinho Verde hergestellt. Er wird meist aus der Vinhao-Traube gekeltert. Roter Vinho Verde wird mitsamt der Stile (Rappen) vergoren, weshalb sie mitunter tiefdunkel und tanninstark sind.

Ähnlich wie Moncao und Melgaco, die durch Berge vom Atlantik geschützt sind und dadurch verhältnismäßig trocken und warm (d.h. fast schon subtropisch mit 1.200 mm Regen durchschnittlich jedes Jahr), aber mit kühlen Nächten durch die Höhenlage, liegen auch die Regionen für die besten roten Vinho Verde geschützt landeinwärts.

Douro

Die Region Douro – eines der ältesten abgegrenzten Weinbaugebiete der Welt – erstreckt sich nicht über das gesamte Douro-Tal, sondern endet etwa 90 Kilometer vor Porto und der Mündung des Flusses in den Atlantik (der Douro ist insgesamt 900 Kilometer lang, aber nur 200 davon in Portugal). Bis etwa 1991 war es vornehmlich für seinen gespriteten Portwein bekannt. Fast die komplette Produktion war auf Portwein ausgelegt. Heute ist es auch Heimat von etwa 150 Rotwein-Produzenten, die auf etwa 41.000 Hektar charaktervolle, dunkelrote, körperreiche und mit viel Tannin sowie reichhaltigen Aromen schwarzer Beeren versehene Weine herstellen (ähnlich dem Baga in der DOP Bairrada).

Das Weinbaugebiet Douro erstreckt sich von der Serra do Marao 90 Kilometer östlich von Porto entlang des Douro bis zur spanischen Grenze, wobei nur 18 % der Fläche direkt am Fluss liegt, der Rest in den Seitentälern mit Nebenflüssen („Corgo“ genannt). Das Douro-Tal, das erstmals vom Briten Joseph Jones Forrester (1809-1861) vollständig kartographiert wurde, ist in 3 Unterbereiche mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen aufgeteilt:

  • Baixa Corgo („Unterer Nebenfluß“ im Westen)
  • Cima Corgo
  • Douro Superior

Im Allgemeinen herrscht in der DOP Douro ein warmes, kontinentales Klima, da die Serra do Marao die kühlen, Regen bringenden Winde vom Atlantik abschirmt. Dennoch gibt es klimatische Unterschiede: Baixa Corgo im Westen ist der kühlste und feuchteste Unterbereich. Von diesem „unteren Nebenfluß“ ausgehend wird es Richtung Osten immer heißter und trockener – die böden karger.

Im Frühling sind die Winzer nicht selten mit Frost konfrontiert und heftige Platzregen führen immer wieder zu erheblichen Beeinträchtigungen der Blüte, aber auch der Lese. Im Sommer kann es tagsüber sehr heiß werden und Regen fällt während der gesamten Wachstumsperiode kaum. Weinbau ist nur möglich, weil die Reben dank senkrechter Risse im Schieferuntergrund (das Douro-Tal ist das größte Schieferproduktionsgebiet der Welt) sehr tief Wurzeln schlagen und an das Grundwasser gelagen können, das von dem Regen im Winter gespeist wird. (Portugal ist auf Granit gebaut – hier als Schiefer in seinem verwitterten Zustand.)

Die Weinberge im Douro-Tal, insbesondere in Baixa und Cima Corgo, sind auf sehr hohen und bis zu 60 Grad steilen Hängen angelegt (ähnlich wie an der Mosel). Die Topografie ist äußerst vielfältig, so herrschen bspw. zwischen dem oberen und dem unteren Teil der Schieferhänge teils beträchtliche Temperaturunterschiede. Auch werden gern nördlich ausgerichtete Hänge bepflanzt, da sie Schutz vor der vollen Sonneneinstrahlung bieten. Dennoch bedeutet in jedem Fall die Bewirtschaftung so steiler Hänge einen enormen Arbeits- und Kostenaufwand.

Traditionell wurden die Reben auf schmalen, „socalcos“ genannten Terrassen gepflanzt, die von Steinmauern gestützt werden (im 17. Jahrhundert). Jede Terrasse bietet nur einigen wenigen Rebzeilen Platz, was eine Mechanisiierung der Arbeit unmöglich macht. Auch die Mauern instand zu halten ist aufwendign, dennoch ist dieses System weiterhin viel in Gebrauch. Um aber zumindest ein wenig maschinelle Hilfe in Anspruch nehmen zu können, wurden in den 1970er-Jahren die alten Terrassen nach und nach durch breiter ausgebaute „patamares“ ersetzt (und inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt): Sie kommen ohne Mauern aus, sondern stützten sich auf Schiefer, und sind breit genug, dass mit Traktoren gearbeitet werden kann. (An flachen Hängen kann auf eine Terrassierung auch ganz verszichtet werden, was „vinha ao alto“ genannt wird.) Hier werden die Rebezeilen relativ dicht längs zum Hang angelegt. Während die „patamares“ eine geringe Stockdichte aufweisen. Insbesondere jedoch aufgrund der Erosion des Mutterbodens wird wieder vermehrt auf einreihige Terrassen umgestellt.

In der DOP Douro sind insgesamt 80 Resorten zugelassen, empfohlen sind aber nur 6 Rotweinsorten:

  • Touriga Nacional (dunkel, kräftig): 2 %
  • Tinto Cao (ledrig, straff, hohe Säure)
  • Tinto Franca (weich, fruchtig): 20 %
  • Tinta Roriz (= Tempranillo): 16 %
  • Tinta Barroca (saftig): 11 %
  • Alfrocheiro

Alle Sorten werden teilweise als „Gemischter Satz“ angebaut und mitunter in neuer Eiche ausgebaut.

Die Weißwein-Produktion beträgt nur 9 %, die wichtigsten Sorten sind Malvasia Fina, Moscatel, Verdelho, Viosinha, Rebigato etc. Sie können eine hohe Säure aufweisen, wenn sie aus Höhenlagen kommen.

Duriense ist die VR-Zone für deklassierte Douro-Weine, die üblicherweise aus internationalen oder nicht lokalen Sorten wie Syrah, Sauvignon Blanc, Alvarinho und Semillon gewonnen werden.

Beiras

Beiras ist als Anbaugebiet (IGP Beira Atlantico und Terras da Beira) viel zu groß und entzieht sich daher jeder Vereinheitlichung. Andererseits enthält es 2 DOPs, deren Weine zu den bekanntesten in Portugal zählen:

  • DOP Dao
  • DOP Bairrada
  • (DOP Lafoes)
  • (DOP Beira Interior)

Die DOP Dao um die alte Domstadt Visen, 80 Kilometer südlich des Douro, erstreckt sich entlang der drei Flüsse Alva, Mandego und Dao über ein von Kiefernwäldern durchsetztes Plateau in 400-500 m Höhe, auf dem immer wieder Gesteinsbrocken und Granitfelsen den gut drainierten Boden durchstoßen. Hier finden sich immer wieder auch Sandböden.

Der Großteil der etwa 20.000 Hektar Rebfläche liegen auf 200-400 m Höhe an den Hängen und sanft geschwungenen Hügeln, teilweise aber sogar auf 800 m Höhe. Je höher die Lage in der bergigen Gegend, desto größer der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperaturen, was sich günstig auf die Säure- und Aromenenwicklung auswirkt.

Im Westen und Südosten wird die Region von Gebirgen vor dem Atlantik geschützt, was kalte und nasse Winter beschert mit durchschnittlichen Niederschlagsmengen von über 1.100 mm. Die Sommer sind warm und trocken, viel trockener als im westlich gelegenen Bairrada. Dennoch zeichnen sich die Rotweine aus der DOP Dao durch delikate rote Fruchtaromen, weiche Tannine und viel Säure aus.

Viel zur Hebung des Niveaus hat die Einführung von hochwertigen Rebsorten wie Touriga Nacional, Tinta Roriz, Jaen (= Mencia) und Alfrocheiro beigetragen. Insbesondere die sortenrein verarbeitete Touriga Nacional führt zu erstaunlichen Ergebnissen, während Alfrocheiro dunkle Weine liefert mit Aromen von Heidel- und Erdbeere. Die besten Weißweine stammen von der Encruzade-Traube, die Saline und kräftige, säurebetonte Weine bringt. Wie die Rotweine sind auch die Weißweine, die etwa 1/5 der Produktion ausmachen, durchaus 20-30 Jahre lagerfähig. (Für einheimische Sorten werden meist Burgunderflaschen verwendet.)

Die DOP Bairrada wurde zwar erst 1979 und damit rund 70 Jahre nach Dao als Anbaugebiet ausgewiesen, tritt jedoch heute in ernste Konkurrenz zum großen Nachbarn. Bairrada ist eine stark ländlich geprägte Region, die sich von den Eukalyptuswäldern des Dao bis an die Atlantikküste erstreckt. Durch die Nähe zum Atlantik herrscht ein maritimes Klima mit regnerischen Wintern und warmen Sommern. (Für spätreifende Sorten kann Regen zur Erntezeit ein Problem sein.)

Mit seiner geringen Höhenlage, den schweren Lehm- und Sandböden (bzw. dem Granitverwitterungsgestein) und dem gleichen Übergewicht an Rotwein ähnelt Bairrada der DOP Dao, hat aber andere Sorten und eigenständigere „Adegas“ (Kellereien), während im Dao doch viele Genossenschaften vorherrschen.

Die Rebsorte Baga ist mit einem Anteil von fast 50 % die vorherrschende Rotweinsorte. Baga ist spätreifend und mit kleinen, dickschaligen Beeren, die dunkle, tanninstarke Weine erbringen, die sehr an Barolo erinnern. Zu frühl gelesene Trauben können sehr säurebetonte Weine erbringen mit adstringierenden Tanninen. Spätere Lese oder auch schonendere Methoden beim Einmaischen und Mahlen sowie das Verschneiden mit anderen dunklen Sorten haben die Weine weicher werden lassen. Dominiert Baga in der Komposition braucht der Wein 15-20 Jahre Zeit um auszureifen.

Der Großteil der ingesamt 12.000 Hektar (7.900 ha sin DOP-klassifiziert) ist mit Roweinsorten bepflanzt, aber auch Weißweine werden erzeugt, vorwiegend aus den beiden Rebsorten Biscal und Maria Gomes. Biscal erbringt säurebetonte, gelbfruchtige Weine, die streng und strukuriert sind und gerbstoffhaltig. Maria Gomes ist zitrisch, mit strammer Säure, und leicht blumig und fruchtig. Sie sit die meistangebaute Weißwein-Sorte in Portugal!

Die seit 1890 bestehende Espumante-Tradition wurde unter Beteiligung beider Sorten wiederbelebt, ebenso mit der roten Baga, die weiß vergoren wird und Tannine einbringt (ein idealer Essensbegleiter zu fettreichem Spanferkel).

Alentejo

Während der Norden Portugals von einem dichten Regenteppich überzogen ist, gibt es im Alentejo keinen Atlantik-Einfluß: Hier stehen keine Bergketten die zum Abregnen zwingen. Weinbau konzentriert sich in der weiten, abwechslungsreichen Region auf insgesamt 8 Subzonen mit einer Rebfläche von 22.000 Hektar, davon etwa 11.000 ha DOP-klassifiziert:

  • Portalegre (350 ha)
  • Borba (3.500 ha)
  • Redondo (1.900 ha)
  • Evora (700 ha)
  • Regnengos (3.200 ha)
  • Granja Amareleja (250 ha)
  • Vidiguera (1.700 ha)
  • Moura (250 ha)

Die weiten, sonnengedörrrten Flächen des Alentejo sind durchsetzt mit dunklen Korkeichen, deren Rinde für die Korkenproduktion Verwendung findet. Insgesamt ist es in den im Südosten Portugals gelegenen Alentejo warm und sonnig, doch kleinere klimatische Unterschiede zwischen den einzelnen Subregionen sorgen dafür, dass eine Reihe verschiedener Stile erzeugt werden. So ist es bspw. in der im Norden gelegenen Enklave DOP Portalegre, wo sich Granit und Schiefer bis zu 1.000 m hoch erheben, eher kühler und feuchter, während es weiter südlicher wesentlich heißer ist und der Niederschlag so gering, daß die Lese bereits in der dritten Augustwoche beginnt. Insofern kommen aus dem Norden die eleganteren Weine, während im heißeren und trockeneren Süden eher fülligere Exemplare entstehen. Hier im Süden herrscht kontinentales Klima mit viel Sonne, Hitze und Trockenheit, weshalb die Tauben (zum Schutz) eher dickschalig sind.

Gemessen an den 750.000 ha Korkeiche (was 1/3 der Weltproduktion entspricht, ein weiteres 1/3 wächst im Maghreb) sind die 22.000 Hektar Rebfläche eher klein in dem Bundesland, das fast 30 % der Fläche Portugals einnimmt (aber nur 450.000 Einwohner zählt bei insgesamt knapp über 10 Millionen). Dennoch entstehen hier Weine auf Topniveau – von der in Südfrankreich als Massenträger geschmähten, fast ausgerotteten Färbersorte Alicante Bouschet.

Der typische Rotweinverschnitt besteht aus Aragonês (Tempranillo) und Trincadeira, einer trockenheitsresistenten Traube mit würzigen Aromen roter Beeren und hohem Tanningehalt. In den letzten Jahren haben außerdem Touriga Nacional und Syrah an Bedeutung gewonnen. Die Weine sind typischerweise dunkelfarbig mit betonten, aber weichen Tanninen, vollem Körper und ausdrucksstarken, reifen Fruchtnoten – nicht so karg und streng wie in Restportugal.

Die durstlöschenden Weißweine sind aus der tropisch-fruchtigen Antaovaz, der blumigen, weißen Ronpeiro, der frischen Arinto und etwas Verdelho und Alvarinho bereitet. Sie haben einen hohen Säuregehalt und werden mitunter in Eiche vergoren oder gereift, um zusätzliche Tiefe und Komplexität zu gewinnen (eine Gran Reserva muß in Alentejo 2 Jahre gelagert werden). Ausserdem gibt es eine eigenen Appellation für Amphorenweine, die „Talha“ heißen (spanisch „Tinaja“) und einen leichten Terrakotta-Geschmack haben.

Kleinere Winzerbetriebe sind in Alentejo selten, dafür sind die im Norden unbekannten Großgüter hier die Norm. Und 6 der 8 DOP-Subzonen sind fast in der Hand von Genossenschaften. Dabei wird das Gros der Weine der Region sowieso als Vinho Regional Alentejano, oft mit Sortenangabe, verkauft, auch wenn sie als DOP qualifiziert wären.

Sonstige

Der Nordosten Portugals ist im Großen und Ganzen ein Hochplateau und über weite Strecken eigentlich zu kalt für den Rebbau. Trotzdem werden hier unter dem Siegel der DOP Trás-os-Montes Rotweine gemacht, insbesondere von Genossenschaftskellereien, wobei nur wenige den Weg ins Ausland schaffen.

Die ergiebige DOP Tejo ist nach dem Fluss benannt, früher die Lebensader Portugals, der von der spanischen Grenze südwestlich nach Lissabon fließt. Auf 13.000 ha findet hier eine massive Tafelweinproduktion statt (nur 35 % sind zertifiziert), v.a. aus Touriga Nacional und Alicante Bouschet, die wichtigste aber ist Castelao.

VR Lisboa, früher Estremadura oder nur Oeste (Westen) genannt ist eine ergiebige Region. Auf 30.000 ha wird in 3 der 4 historischen Anbaugebieten noch immer Wein gemacht (nur 2.700 ha sind DOP-klassifiziert, insgesamt gibt es 9 DOPs, verwendet wird aber oftmals nur das VR-Siegel): Die DOP Bucelas ist für 200 ha Weißwein reserviert (Arinto), DOP Carcavelos ist auf die Lage „Quinta dos pesos“ geschrumpft (mit Surferstrand) und die DOP Colaras, wo die Rebstöcke in den nördlich von Lissabon gelegenen Sanddünen an der Atlantikküste wachsen (Colares Ramisco) und ungewöhnlich tintige, adstringierende Weine ergibt.

Der traditionsreichste Wein auf der Halbinsel Setubal ist der rote Moscatel (gespritter Muscat d`Alexandrie), der hier neben Castelao entsteht (mind. 67 % bei Cuvées).

Unabhängig von den 4 DOPs wird der Wein im Süden unter dem Sigel VR Algarve verkauft.

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