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Rioja

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Als Anbaugebiet kann Rioja auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die ersten gewerblichen Bodegas des modernen Weinzeitalters wurden um 1860 von Marqués de Riscal und dem Marqués de Murrieta gegründet. Sie orientierten sich am Chateau-System von Bordeaux mit Weinbergen um das Weingut und füllten in Flaschen ab. Da zu dieser Zeit in Bordeaux die Reblaus wütet, wird Rioja zum Massenanbaugebiet – und erlebt seine wirtschaftliche Blütezeit. Zentrum des Weinbaus in Rioja war 1870 Haro: Von hier aus führt die neu gebaute Eisenbahn zum Hafen von Bilbao und von dort aus nach Frankreich. (In Haro ist es auch, wo Gustav Eifel erstmals einen freitragenden Dachstuhl – ohne Stützen – für das Fasslager von CVNE konstruiert.)

Als erstes Anbaugebiet Spaniens wurde Rioja 1926 gesetzlich eingegrenzt und erhielt 1991 als einzige Region in Spanien neben dem Priorat den DOCa-Status als höchstmögliche Klassifizierung ihrer Weine.

Das charakteristische Merkmal traditioneller Riojas ist der lange Ausbau im Barrique: 95 % der Weine werden so ausgebaut. Mit ca. 1,3 Millionen Barriques findet sich in Rioja die höchste Dichte der Welt. Verwendet wurde traditionell amerikanische Eiche (die für die intensiven, süßeren Kokos- und Vanillenoten im Rioja verantwortlich ist), inzwischen wird aber auch viel französisches Holz benutzt (das etwas feinere Würzaromen in den Wein bringt, Nelke beispielsweise), wenn auch vornehmlich von spanischen Küfern in Logrono verarbeitet. Die Kategorien „Reserva“ und „Gran Reserva“ wurden speziell zur Honorierung der Eichenreifung eingeführt – auch wenn immer mehr Erzeuger inzwischen mehr nach Intensität statt nach Alter streben. Deshalb wird länger eingemaischt und früher abgefüllt. Typisch für „Crianzas“ hingegen ist die sogenannte Maceration Carbonique mit ganzen Trauben.

Wein wird in Rioja während der Reifezeit traditionell mit Sauerstoff in Kontakt gebracht, indem man sie – ähnlich wie in einem Solera-System – von einem Barriqefass ins andere umfüllt, wobei die Sedimente im alten Fass verbleiben. Die Weine sind dadurch nicht trübe.

Karte des Riojagebietes

Karte: © decantalo.com

Die DOCa Rioja erstreckt sich über 120 Kilometer entlang des oberen Ebro und gliedert sich in drei Unterzonen, die sich um die Hauptstadt Logrono gruppieren:

  • Rioja Alavese im baskischen Nordosten , Nahe der Sierra de Cantabria, das alle Wolken von Alavese fern hält, mit kalkhaltigen Böden
  • Rioja Alta im Nordwesten, aber südlich des Ebro
  • Rioja Baja im Süden (auch „Oriental“ genannt), entspricht mit seinem Kieselboden der südlichen Rhône, ist aber kühler

Ohne die massive Felswand der Sierra de Cantabria hätten die Reben keine Chance gegen die heftigen Atlantikwinde. Das gilt insbesondere für Rioja Alavese und Rioja Alta, die beide unter atlantischem Einfluß stehen. In Rioja Baja ist das Klima weniger atlantisch-maritim, deshalb kann Garnacha hier ausreifen, während man in Rioja Alta und Rioja Alavese hauptsächlich auf Tempranillo setzt. Das Klima ingesamt ist geprägt von heißen Sommern und strengen Winter: 2017 sind fast 50 % der Ernte in Rioja wegen Frostschäden ausgefallen. Der jährliche Niederschlag ist gering, weshalb Trockenheit ein ernstzunehmendes Thema für die Winzer ist.

Die höchste Region des Rioja ist das Rioja Alta mit Logrono als Zentrum und Haro als weitere bedeutende Stadt. Etwa 1/3 der Rebfläche von insgesamt 63.500 Hektar stehen hier. Die Weinberge liegen auf einer Höhe von 500-800 m (in Ribera del Duero zum Vergleich, wo ebenfalls überwiegend Tempranillo angebaut wird, sind es ebenso 700-800 m).

Die Böden in Rioja Alta befinden sich am Südufer des Ebro und bestehen aus rotem, eishaltem Ton, sowie Schwemmlandböden von den 7 Zuflüssen des Ebro. Das Klima hier ist etwas kühler – es gibt etwa eine Differenz von 2 Wochen bei der Erntezeit verglichen zum südlicheren Rioja Baja.

Am Nordufer, in Rioja Alavese, gibt es mehr Südhänge und einheitlichere Ton- und ärmere Kalkböden: Die Böden werden hier heller („cremiger“). Zusammen mit der Exposition Richtung Sonne bestehen so optimale Reifebedingungen. (Viele kleine Toperzeuger finden sich hier.) Etwa 11.500 Hektar sind bepflanzt.

In Rioja Baja sind 18.000 Hektar bepflanzt. Der Boden besteht aus Schluff und Ton, die Hauptrebsorte ist Garnacha und Reben sind praktisch die einzige Nutzpflanze. Hier herrscht eher mediterranes Klima, entsprechend kann die die Garnacha-Rebe (Grenache) gut ausreifen. Die Lese dauert bis Mitte November. Wie im katalonischen Priorat hilft auch hier eine Nord-Ost-Ausrichtung für elegantere Weine. Die Landschaft ist ein Flickenteppich aus kleinen Parzellen mit niedrigen Buschreben (traditionell hatte früher jede Familie eine eigene Parzelle, deshalb ist heute die Region sehr zersplittert). Rioja Baja ist aufgrund des Windes „cierzo“ und des geringen Niederschlages trocken.

Im gesamten Rioja gibt es bislang keine Bodenklassifizierung nach burgundischem Vorbild. Diese wurde erst 2019 eingeführt: Über dem Bereichswein steht seither der Ortswein („municipio“) und darüber der Einzellagenwein („vineto singular“). Wie bspw. Telmo Rodriguez versucht auch Alvaro Palacios den Terroirgedanken des Burgund (oder auch des Verbands der Prädikatweingüter (VdP) in Deutschland) in Rioja zu etablieren (und darüber hinaus in ganz Spanien). Auf seine Initiative wird das neue Bezeichnungssystem eingeführt.

Bislang stand bei den insgesamt nur 600 Erzeugern in Rioja der Stil im Vordergrund, nicht das Terroir. Auch deshalb sind hier nur 10 Prozent der Reben älter als 40 Jahre und nur 1 % über 100-jährige Reben. Rioja war eine klassische „blending area“ mit Weinen mit wenig Extraktion, langer Reifezeit im Barrique, die immer klassifziert waren. Dem steht ein Verständnis gegenüber von Tempranillos, die reinsortig gemacht werden, mit mehr Extraktion und kürzerem Ausbau (keine strammen Tanninpakete).

Die dominierende Rebsorte in den meisten Blends ist Tempranillo, die auf insgesamt 51.000 Hektar (von 65.000) angebaut wird. Tempranillo heißt übersetzt: das „Frühchen“, d.h. er hat einen kurzen Wachstumszyklus und gedeiht in kühleren Bereichen mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht am Besten, da er von Natur aus wenig Säure hat. In wärmeren Gegenden wie dem Rioja Baja fehlt den Weinen aus der dickschaligen Tempranillo-Traube mitunter die nötige Säure. Ansonsten hat Tempranillo Aromen von roter Kirsche, Brombeere und Pflaume. Er ist tanninreich und hat ein hohes Lagerpotential. Tempranillo profitiert von Körper, Alkohol und Duft der Garnacha, die in Rioja Baja am Besten gedeiht. Weniger verbreitet sind Mazuelo (= Carinena), die farbintensive, säure- und tanninreiche Weine liefert („der grobe Klotz“), sowie Graciano, mit kraftvollen Aromen dunkler Früchte, Säure und Tannin, außerdem Maturana tinta für Schwarzbeerigkeit.

Etwa 1/7 der in Rioja gepflanzten Reben liefert Weißwein. Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um die säuerliche Viura (= Macabeo) – es gibt aber noch 7 weitere zugelassene Sorten wie bspw. Malvasia. Viele Bodegas verzichten inzwischen auf langjährige Fassreifung und erzeugen ihre Weißweine durch lange, langsame Gärung mit sofortiger Abfüllung um die primären Traubenaromen einzufangen sowie ihre Frische. Etwa 15 % der Produktion besteht aus blassen Rosados.

An der Farbe des Rückenetiketts erkennt man das Alter der gereiften Weine:

  • hellgrün: Generico beziehungsweise Joven
  • hellrot: Crianza
  • dunkelrot: Reserva
  • blau: Gran Reserva

Ein Joven wird ohne Eichenausbau abgefüllt, ein Vino de Crianza muss mindestens 12 Monate in „barricas“ verbracht habe, eine Reserva 3 Jahre gereift sein, davon ebenfalls 12 Monate im Eichenfass und eine Gran Reserva muß 5 Jahre alt sein und davon 2 Jahre im Barrique verbracht haben. Anders als im Bordelais mit seinem Subskiptionssystem und der anschließenden Reifung in der Flasche im Keller des Käufers, kommen die Weine aus Rioja also schon trinkfertig auf den Markt.

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