Weinglossar

Italien

Weinbau hat in Italien eine 2.500 Jahre lange Tradition, zuerst vermutlich auf den Inseln Sardinien und Sizilien. Bereits die Griechen bezeichneten Italien als Oenotria („Weinland“), allerdings geht das Weinbauwissen mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches verloren und erst der Klerus entdeckt den Weinbau im Mittelalter wieder (mit Karl dem Großen). Später wird Florenz und die Toskana zum Weinbauzentrum, d.h. bereits 1761 legten die Medici (Cosimo III.) das Chianti-Classico-Gebiet fest, das damit zum ersten definierten Weinanbaugebiet wurde, bevor Ministerpräsident Bettino Ricasoli 1872 bestimmte, dass Chianti zu 4/5 aus Sangiovese („Blut des Jupiters“) bestehen soll (bis dahin spielte der Anbau einer klar definierter Rebsorten in einem dafür vorgesehenen Gebiet eigentlich keine Rolle).

Was hier zuerst in der Toskana über die Herkunftsbezeichnung erlassen wurde, fand allerdings erst wesentlich später, nämlich 1963 Eingang in eine nationale Gesetzgebung: War Weinbau bis dahin in erster Linie eine insgesamt sehr unübersichtliche Privatangelegenheit, wurde nun ein Auszeichnungssystem (nicht zwingend ein neues Weingesetz) eingeführt, dass ähnlich wie das französische AOP-System erkennbar macht, wer Wein wann, wo und wie hergestellt hat.

Das DOC-System von 1963 schreibt erstmals Grenzen, Ertragsobergrenzen, spezielle Rebsorten und Bereitungsmethoden in ganz Italien fest. Auch den Ausbau (gewünschte Farbe und Geschmack) sowie den durchschnittlichen Anteil der Rebsorten bei Verschnitten. Als weiterer Schritt zur Regulierung mancher DOCs wurde die zusätzliche Kategorie DOCG (Denominazione d`Origine Controllata Garantita) seit den 1980er-Jahren eingeführt. Diese Kategorie steht an der Spitze, was die Kontrolle des Ursprungs betrifft.

Das DOC-System zementiert gewissermaßen eine Tradition, d.h. einen bestimmten Typ Wein zu einem bestimmten Zeitpunkt, unabhängig vom technischen Stand und damit verbundener kellertechnischer Möglichkeiten. Innovation wird so schwierig – und deshalb verabschiedeten sich viele Winzer insbesondere in der Toskana bald (seit Ende der 1970er-Jahre) aus den DOC-Systemen, um ihre eigene Stilistik auf den Markt zu bringen (z.B. Colombaia in Chianti). Oft verzichteten sie auf den Anbau vorgeschriebener, autochthoner Rebsorten, und stiegen auf Sorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon um, weil diese bisweilen robuster sind und Wetterkapriolen (wie sie z.B. in der Toskana vorkommen können) besser aushalten. Diese Winzer hatten Erfolg: Ihre Weine erhielten zwar kein DOC-Prädikat, wurden aber dennoch bald „Supertoskaner“ genannt. Und so wurde schließlich 1992 aufgrund des Erfolgs dieser „Supertuscans“ eine Neufassung des Klassifikationssystems für ganz Italien verabschiedet: Damit diese Winzer ihre Weine nicht mehr – wie zum Hohn des Systems – als „Vino da Tavola“ verkaufen müssen, wurde die neue Kategorie IGT (Indicazione Geografica Proteta) eingeführt, insbesondere für nicht-traditionellen Rebsorten.

Seither werden die geografischen Herkunftsangaben Vino da Tavola, IGT, DOC und DOCG in allen Weinbauregionen Italiens – die in etwa den 21 politischen Regionen gleichen – verwendet; Entsprechend seit der EU-Regelung 2009:

  • DOP (Denominazione d`Origine Protetta): bisher 73 DOCGs und 330 DOCs, die etwa 33,5 % der Gesamtproduktion ausgemacht haben
  • IGP (Indicazione Geografica Protetta): bisher 118 IGTs, die 66,5 % der Gesamtproduktion ausmachten
  • Vino (d`Italia)n.

Neben den Vorgaben für DOC muß Wein der Kategorie DOCG vom Erzeuger abgefüllt sein und Naturkork haben, eine staatliche Banderole sowie eine genauere Bezeichnung bzw. Garantie der Herkunft. Angegeben werden können:

  • Unterzone: sottozona
  • Gemeinde: commune
  • Ortsteil: frazione
  • Klima: microzona
  • Parzelle: vigna oder vignats

Ausserdem gibts noch die Etikettenangaben „Classico“ (aus historischer Ursprungszone), und „Riserva“ (gereift) sowie „Superiore“ (diese Weinen haben einen um 1 Vol. % höheren Alkoholgehalt als vergleichbare Weine).

Schon aufgrund seiner Geografie ist Italien prädestiniert, unterschiedliche und vielfältige Weine hervorzubringen: Dominieren im Norden die Alpen und ein eher kühles, kontinentales Klima (was die Fruchtreife verlangsamt und den Aufbau einer stabileren Säure ermöglicht) herrscht im Süden ein klassisch mediterranes Klima. Dazwischen erstreckt sich ein langer Gebirgsrücken (Apennin), der gewissermaßen als Wetterscheide fungiert bzw. die Produktion der (Premium-)Weine entscheidend beeinflußt: herrscht an den Küsten eher warmes, maritimes Klima, reicht die Produktion von Spitzenweinen bis in den Apennin auf eine Höhe von 700 Meter und mehr (bspw. Pomino in der Toskana auf 700 m, das den Fescobaldis gehört, die hier Chardonnay und Pinot Noir produzieren) hinein. So ergibt sich eine durchschnittliche Temperatur von 12-16 Grad und es erklärt sich, dass praktisch jede nur erdenkliche Kombination aus Höhenlage, Breitengrad und Ausrichtung möglich ist – natürlich ein Segen in Zeiten des Klimawandels.

Neben diesen Möglichkeiten gibt es in Italien außerdem etwa auch noch 2.000 autochthone Rebsorten (von denen allerdings „nur“ 497 offiziell zugelassen sind). An der Spitze stehen:

  • Sangiovese (71.500 ha – 11,4 %)
  • Trebbiano (55.000 ha – 8,7 %)
  • Montepulciano (5,6 %)
  • (…)
  • Barbera (20.500 ha – 3,3 %)
  • Glera (18.000 ha – 2,9 %)
  • Pinot Grigio (17.000 – 2,6 %)
  • Nero d`Avola (17.000 – 2,6 %)

Weinbau war in Italien lange eine Privatangelegenheit und noch bis vor zwei Generationen wurde dennoch nur ein Bruchteil der Weine vom Erzeuger selbst abgefüllt: Insgesamt gibt es zwar 385.000 Traubenerzeuger im Land, die durchschnittlich 1,6 ha bewirtschaften, aber nur 45.000 Abfüller! Das heißt, es gibt einen hohen Genossenschaftsanteil: 625 Genossenschaften mit 190.000 Mitgliedern, die insgesamt 28 Millionen Hektar Wein produzieren.

Insgesamt werden in Italien auf 620.000 Hektar ca. 45 Mio. Hektoliter Wein erzeugt, in etwa so viel wie in Frankreich, womit die beiden weltweit an der Spitze liegen. Die Tendenz allerdings ist rückläufig, auch weil die Inlandsnachfrage in Italien in den letzten Jahren um etwa 40 % gesunken ist.

Der Klimawandel hat zwar nicht unmittelbar Einfluß auf den Rückgang der Rebfläche, möglicherweise aber doch auf den wachsenden Anteil an der Bioweinproduktion, der jetzt schon bei 12 % liegt. Auch der italienische Weinbau muss auf den Klimawandel reagieren, „sonst haben bald alle Weine 15 Vol. % Alkohol“ (Jürgen Hammer).

Mit gut 20 % Anteil ist Deutschland neben der USA der wichtigste Markt für italienische Premiumweine. Diese werden, anders als in anderen Ländern, praktisch überall in Italien erzeugt, auch auf den Inseln im Mittelmeer.

Die 21 Weinbauregionen Italiens umfassen das gesamte Land und gleichen den politischen Regionen:

Weinanbaugebiete in Italien

© wein-plus.de

Süditalien, d.h. der sogenannte „Mezzogiorno“, beginnt etwa ab dem Latium. „Mezzogiorno“ ist das italienische Wort für „Mittag“ und ist abgeleitet vom Stand der Sonne um die Mittagszeit (ähnlich wie das französiche „Le Midi„). Generell ist mit „Mezzogiorno“ also der italienische Süden bezeichnet.

navipfeil nach oben
Standard