Weinglossar

Rhône

Im Rhônetal (Vallée du Rhône) werden etwa neun Prozent der Gesamtmenge des Weins in Frankreich erzeugt. Volumenmäßig nimmt es damit unter den französischen AOP-Gebieten hinter Bordeaux den zweiten Platz. Etwa 70.000 Hektar sind hier mit Rebstöcken bepflanzt, wobei sich das Weinanbaugebiet in die Nördliche und die Südliche Rhône unterteilen läßt – auch wenn von der Nördlichen Rhône nur fünf Prozent des Weins von der Rhône stammt, allein die AOP Châteauneuf-du-Pape im Süden ist größer.

Rhone_Weinanbaugebiete

Nördliche Rhône

Weinbau

Die Rhône fließt über das Wallis in der Schweiz durch den Genfer See ins Mittelmeer. In Frankreich fließt sie in einer ursprünglichen Grabensenke zwischen dem Zentralmassiv und den Alpen, in die vor Urzeiten das Mittelmeer einfloß. Weinbau erstreckt sich hier an ihren Ufern auf etwa 250 Kilometern (mit etwa 250 Gemeinden) zwischen Vienne (beziehungsweise Lyon) im Norden bis nach Avignon im Süden.

Im nördlichen Teil zwischen Vienne und Valence ist das Rhônetal vergleichsweise eng und steil. Entsprechend liegen die meisten Weinberge nah am Fluß. Am Besten sind die nach Süden ausgerichteten Steillagen, oft in den Tälern von Nebenflüssen, denn sie können den Sonnenschein am Besten einfangen.

Die vor 300 Millionen Jahren einsetzenden vulkanischen Aktivitäten führten im Norden des Zentralmassivs zur Bildung von Granitgestein, der an der nördlichen Rhône allerdings doch ziemlich bröselig ist. Um Erosion vorzubeugen – und wegen der Steilheit – wurden deshalb Terrassen angelegt, das heißt die Rebstöcke balancieren hier auf terrassierten Klippen aus bröseligem Granit.

Gleichwohl bieten die engen Nebentäler der Rhône aber auch Schutz vor dem kalten Wind Mistral, einem starken Nordwind, der die Reben schädigen kann – weshalb die Reben hier einzeln an Pfähle oder an ein Stangengerüst gebunden werden, was wiederum auch nur Handlese erlaubt.

Klima

Der Nordteil der Rhône hat klimatisch und geologisch viel mit der Nachbarregion Burgund gemeinsam: das Klima ist gemäßigt-kontinental und ähnelt dem des Beaujolais. Die Temperaturen aber sind deutlich niedriger als an der südlichen Rhône. Das liegt auch am Mistral: der verzögert durch seine Kälte die Reifung im Norden. Ausserdem sorgt er im Frühjahr für eine Beschädigung der Pflanze und führt zum „Verrieseln“ („coulure“): der Mistral verhindert die Befruchtung, das heißt Pollen aus dem männlichen Teil der Rebblüte werden nicht auf den weiblichen übertragen.

Positiv wirkt sich der Mistral hingegen dadurch aus, daß im Norden kaum Luftfeuchtigkeit herrscht, das Pilzrisiko deshalb verringert ist. Denn anders als im Süden liegt die durchschnittliche Niederschlagsmenge im grünen Norden bei hohen 900 Millimeter pro Jahr, wodurch Pilzkrankheiten eine hohe Gefährdung darstellen, während im Süden Trockenheit das Problem ist.

Rebsorten

Ein Großteil der Produktion der nördlichen Rhône, etwa 95 Prozent, stammt von Syrah, daneben werden noch die Weissweinsorten Viognier, Marsanne und Roussanne angebaut. Allerdings ist hier am nördlichen Rand der Klimazone die Südexpostion für die Reife von Syrah entscheidend, denn in einem zu kühlen Klima reift er nicht aus und entwickelt dann auch unangenehme kräuterige Noten.

Der Stil des Syrah hängt sehr vom Klima ab, in dem er heranreift: An der nördlichen Rhône ist insbesondere die Nachtkälte verantwortlich dafür, dass überwiegend Syrah angebaut wird, denn sie wirkt sich positiv auf seine Säureentwicklung aus. Der Syrah von hier ist deshalb auch überhaupt nicht mit einem Shiraz aus dem australischen Barossa Valley zu vergleichen ist, wo es viel wärmer ist, weshalb der Wein von dort auch alkoholhaltiger, körperreicher und „marmeladig“ ist. Demgegenüber ist ein Syrah von der Rhône gut strukturiert, elegant, und hat bisweilen ein gutes Säurespiel.

Grundsätzlich ist Syrah – wie Cabernet Sauvignon – eine kleine, dicke und dunkle Traube mit reichlich Körper und mittlerer Säure. Entsprechend sind die Weine aus Syrah in der Regel dunkelrot, sehr tanninreich und zeigen Aromen von schwarzen Früchten, manchmal auch schwarzem Pfeffer oder florale Noten (Veilchen). Südhänge wie beispielsweise Côte Rotie oder Hermitage liefern Weine mit vollem Körper, Pfefferaromen, Beeren und gereiftem Fleisch, sowie Ledernoten und Eiche.

Viele Syrah-Weine werden im Holzfass ausgebaut, denn größere Fässer ermöglichen elegantere Weine. Eine feine Tanninstruktur kann man durch eine verlängerte Mazeration nach der Gärung erreichen. In einigen Crus wurde Syrah zusammen mit Viognier vergoren, um die Farbe zu stabilisieren (auch für zusätzliche aromatische Intensität wird Viognier beigemengt), doch heute wird diese Technik kaum noch angewandt.

Im Languedoc dient Syrah als Verschnittpartner für Grenache, Mourvèdre, Carignan und Cinsault. Er wird dort gewöhnlich am Drahtrahmen erzogen – jedenfalls braucht er Unterstützungssysteme, wie an der Nördlichen Rhône eben oft noch einzelne Pfähle.

In Europa ist die nördliche Rhône das bekannteste Anbaugebiet für Syrah. Darüber hinaus wird Shiraz weltweit angebaut: in Südafrika genauso wie in Kalifornien, Washington, Neuseeland (in Hawke`s Bay auf der Nordinsel) und Chile (San Antonio). In heißen Regionen in Australien (Hunter Valley, McLaren Vale oder Barossa Valley) wird Shiraz in amerikanischer Eiche gereift und hat schokoladige Noten, sowie erdige, würzige Aromen. Er gerät hier körperreich mit viel Alkohol, was damit zu tun hat, dass man mit dem Tresterhut arbeitet, um viel Extraktion zu erreichen. Andererseits kann viel Alkohol auch durch eine frühe Lese vermieden werden.

Viognier ist körper- und alkoholreich, säurearm, hat eine ölige Textur und ist hocharomatisch, bringt aber geringen Ertrag, ist aber krankheitsanfällig. Noch 1968 gab es nur 14 Hektar, seit Anfang der 1980er Jahre wird er an der Rhône und im Languedoc vermehrt gepflanzt. Viognier liefert also körperreiche Weißweine mit duftenden Aromen von Blüten und Aprikosen, sowie Steinobst. Eher säurearme Weine, aber alkoholstark, da die Trauben ihre charakteristische Aromatik erst sehr spät bei schon sehr hohen Zuckerwerten entwickeln. Holz kann eingesetzt worden sein. Marsanne sorgt für Fülle in Cuvées, Roussanne für Säure.

Appellationen

Die meisten der Weine der Nördlichen Rhône kommen aus einer der acht Cru-Appellationen mit Premium-Vinifizierung, auch wenn theoretisch generischer „AOP Côte du Rhône“ erzeugt werden kann, die das komplette Anbaugebiet umfaßt. Die meisten AOPs sind dabei sehr klein, nur Saint-Joseph und Crozes-Hermitage erstrecken sich über ein größeres Gebiet.

Die wichtigsten Appellationen der Nördlichen Rhône von Norden nach Süden sind:

  • Côte Rotie
  • Condrieu
  • Saint-Joseph
  • Hermitage
  • Crozes Hermitage
  • Cornas
Côte Rotie

Auf etwa 264 Hektar wird hier Wein angebaut. „Côte Rotie“ heißt übersetzt „gerösteter Hang“, denn hier wird es im Sommer sehr heiß: bis zu sechzig Grad ist es hier steil, an manchen Stellen müssen sogar Flaschenzüge und Monorackbahnen eingesetzt werden (wie an der Mosel). Dadurch jedoch ist der Weinberg perfekt zur Sonne hin ausgerichtet: viele der nach Südosten exponierten, oft nur 500 Meter breiten Lagen werden ganztägig von der Sonne beschienen, der Hang eben „geröstet“. Das harte Gestein (im Norden Schiefer) speichert noch dazu jedes Grad Wärme. Deshalb reifen neuere Pflanzungen nie so stark aus. Unterschieden wird zwischen zwei Hängen oberhalb von Ampuis: der Côte Blonde (Granit), wo weichere Weine entstehen, und der Côte Brune (Schiefer), wo der „tiefere“ Syrah-Weine produziert werden.

Traditionell darf Syrah mit bis zu zwanzig Prozent Viognier verschnitten werden (das sorgt für ein komplexeres Bouquet), tatsächlich aber wird oft weniger verwendet oder gar nichts verschnitten. Die Syrahs von Côte Rotie sind dunkelrot, körperreich und würzig. Die Besten legen eine aromatische, florale Frische und Eleganz der Textur an den Tag, die sie von den körperreichen, stämmigen Hermitage-Weinen unterscheidet.

Condrieu

Hier wird auf insgesamt 164 Hektar zu 100 Prozent Viognier angebaut – idealerweise von ertragsarmen, älteren Reben. Château-Grillet ist eine Appellation mit einem vier Hektar großen „Amphitheater“ innerhalb von der AOP Condrieu und im Besitz von Francois Pinault, dem auch Château Latour in Pauillac gehört (sie ist neben der AOP Romanée-Conti die kleinste und einzige nach ihr benannte AOP). Viogniers von hier kosten etwa 300 Euro pro Flasche.

Die dritte Weißwein-Appellation neben Condrieu und Château-Grillet ist die AOP Saint Péray.

Saint-Joseph

Die Appellation Saint-Joseph ist ein schmales Anbaugebiet am rechten Ufer der Rhône mit etwa fünfzig Kilometer Länge. Zur AOP wurden die insgesamt 26 Dörfer von Saint-Joseph erst 1956, aber Mönche eines Jesuitenklosters machten die Region zwischen Tournon und Mauves, vier Kilometer nördlich von Tournon, bereits im 17. Jahrhundert mit ihren „Vins de Mauves“ genannten Weinen bekannt, die sie bis an den russischen Zarenhof exportierten.

Saint-Joseph zeichnet sich durch seine Böden aus, die bisweilen aus verwittertem Granit bestehen, und seine extremen Steillagen mit kargen Terrassen über der Rhône, die süd- und südöstlich ausgerichtet sind. Etwa 1.200 Hektar stehen hier unter Reben. Angebaut werden zwar auch Marsanne und Roussanne, der Großteil ist aber Syrah, dem Hermitage vergleichbar in Geschmacksintensität und Struktur. Dennoch werden aber auch schlanke Weine produziert, insbesondere durch Kohlensäuremaischung (zum Beispiel von der Domaine Coursodon).

Hermitage

Zwar waren die Hermitage-Weine bereits im 17. Jahrhundert bekannt, lange jedoch wurden sie nur als Verschnittpartner für Bordeaux-Châteaux genutzt. Erst seit etwa 1890 entwickelte sich Hermitage zu einer der berühmtesten Grand Crus Frankreichs. Schon die Römer bestockten den Hügel an der Nördlichen Rhône mit Reben, und bereits im Jahr 1224 ließ sich hier ein Kreuzritter als Eremit nieder, der dem Hügel seinen Namen gab. Heute sind auf dem steilen Südhang hinter der Stadt Tain L`Hermitage etwa 136 Hektar mit Reben bepflanzt.

Für die Nördliche Rhône einzigartig, liegen die Hänge des Hermitage am linken, östlichen Flussufer, westlich oder gerade nach Süden ausgerichtet, zum Schutz vor dem Mistral, und in Teilen terrassiert, wegen der Erosionsgefahr.

Das Klima ist einheitlich, die Geologie aber nicht. Während der Eiszeit durchbrach an dieser Stelle die Rhône einen Ausläufer des Zentralmassivs, wodurch eine große geologische Vielfalt an der Oberfläche entstand: im Westen verschwindet der Granit unter Schiefer, im Osten dominieren Schwemmlandterrassen, die mit Löss (einem porösen Kalk) bedeckt sind. Zentrale Lagen haben Kalkböden.

Der Weinberg ist in eine Anzahl von „lieux-dits“ (Einzellagen) aufgeteilt, die allerdings nicht als eigene Appellation genannt werden. Der Hermitage-Hügel ist also kein „Climat“ nach burgundischem Vorbild, sondern eine Grosslage („Grand Cru“) – eine Gemeindeappellation, deren Einzellagen („Crus“) im Verlauf der Geschichte nicht weiter klassifiziert und hierarchisiert wurden. Dennoch unterscheidet man die Lagen untereinander, insbesondere auch aufgrund der Bodenverhältnisse: als beste Lagen gelten „Les Bessards“ (mit Granitboden) und „Le Méal“ (hier wurden Tonerden von den Gletschern gegen den Granit geschoben). Andere Einzellagen sind „Péleat“, „Rocoules“, „L´Ermite“, „Maison Blanche“ et cetera, aber in keiner davon herrscht Granit als Unterlage vor.

Der Hermitage wird zwar von insgesamt dreißig Winzern bewirtschaftet, aber nur wenige besitzen Reben in mehr als einer Einzellage: Nur etwa zehn Prozenten besitzen zusammen 95 Prozent der Rebflächen, und die meisten Winzer besitzen entsprechend nur kleine Flächen und produziert entsprechend auch Weine, die nur aus dieser Einzelage stammen. Die Mehrheit der Hermitage-Weine ist aber traditonell keine „Sélection parcellaire“, sondern eine Assemblage aus verschiedenen Einzellagen, sieht man von den Spitzenlagen „Les Bessards“ und „Le Méal“ ab, die mit Château Lafite und Romanée-Conti als beste Rotweinlage der Welt genannt wird und nicht verschnitten wird, wie traditionelle Hermitage-Weine, sondern eben einzeln auf den Markt kommen.

Für rote Hermitage-Weine aus Syrah sind bis zu 15 Prozent Roussanne- und Marsanne-Anteil erlaubt, das wird aber selten gemacht. Stattdessen werden daraus eigenständige Weine produziert – ein Fünftel der Produktion der Appellation ist Weißwein. Rotweine haben eine lange Maischestandzeit, werden zwei Jahre im Holz ausgebaut (auch Côte-Rôtie und Cornas) und sollten zehn bis zwanzig Jahre reifen.

Hermitage ist gewöhnlich körper- und tanninreich und scheidet starkt Depot ab, weshalb er dekantiert werden sollte. Außerdem sollte er etwas Reifezeit hinter sich haben (zumindest fünf Jahre). Auch weißer Hermitage ist selten leicht und schlank.

Crozes Hermitage

Mit 1.500 Hektar die mengenmäßig bedeutendste Appellation der Nördlichen Rhône, die sich im Umkreis von 16 Kilometer um den Berg Hermitage und die Stadt Tain erstreckt. Im flachen südlichen Teil wachsen leichte Weine von Syrah mit maximal 15 Prozent Roussanne oder Marsanne, im steileren Norden sind sie tanninreicher (hier wird Holz eingesetzt).

Cornas

Mit Abstand die wärmste Appellation mit vielen Seitentälern , die die Sonnenhitze fangen. Hier werden zu 100 Prozent Syrah-Reben angebaut.

Südliche Rhône

Die Südliche Rhône beginnt nach Valence, wo sich das Rhône-Tal verbreitert. Viele, nicht alle, Appellationen, haben sehr steinige Böden und die Reben wachsen in viel flacherem Gelände als im Norden. Typisch für das flache Gebiet sind die „Galets“ (Flußkiesel aus dem ehemaligen Bett der Rhône), insgesamt aber ist der Boden sehr vielfältig. „Galets“ fangen die Sonnehitze auf und wärmen den Weinberg von unten, was die Traubenreife fördert.

Klima

Auch das Klima ändert sich von kontinental zu mediterran, sodaß die Winter milder und die Sommer heißer sind (das Problem ist Trockenheit). Außerdem gewinnt der Mistral hier an Schärfe und kann beträchtlichen Schaden anrichten. Schutz bieten keine Anhöhen, sondern gepflanzte Hecken und Bäume. Ausserdem sind die hier hauptsächlich angebauten Grenache-Reben niedrig in Buschform erzogen, was Schutz vor Wind bietet und sie profitieren so auch von der Wärme des Bodens. Grenache ist widerstandsfähig gegen Wind und Dürre, Spitzenweine sind ertragsreduziert produziert.

Rebsorten

An der Südlichen Rhône wird das Tal breiter und die steilen Hänge verlieren sich. Die Rebflächen erstrecken sich weit vom Fluss entfernt über große, steinige Ebenen. Es ist heißer und trockener als im Norden, weshalb hier überwiegend Rotwein angebaut wird. Besonders wohl fühlt sich Grenache.

Neben Grenache spielen auch Syrah, Mourvèdre und Cinsault eine unterstützende Rolle, mit denen sie häufig verschnitten wird: Syrah bringt Farbe und Tannin, Mourvèdre Tannin, Aromen schwarzer Früchte und Wild- und fleischige Noten (für Mourvèdre ist die südliche Rhône die nördliche Randklimazone, in der sie gerade noch auswächst). Auch Cinsault bringt Fruchtaromen und florale Noten ein. Carignan hat viel Säure. Der klassische Rhône-Blend besteht aus Grenache, Syrah und Mourvèdre (in Spanien auch Monastrell genannt).

Hinsichtlich der Rotweinbereitung variieren die Methoden: Um trotz potentiell hohem Tannin und Alkohol ausgewogene Weine zu produzieren, versuchen manche kalt einzumaischen, offen zu vergären oder reifen ihre Weine in großen Eichenfässern.

Weißweine machen gerade einmal vier Prozent der Produktion aus an der Südlichen Rhône. Zu den bekannten Rebsorten der Nördlichen Rhône kommen noch Clairette, Grenache Blanc (in Luberon) und Bourboulenc.

Grenache

Grenache ist spätreifend und muß in warmen oder heißen Klimata angebaut werden. Er ist dafür widerstandsfähig gegen Trockenheit. Grenachebeeren sind groß und dünnschalig, haben einen hohen Zuckergehalt und sind entsprechend alkoholreich mit wenig Säure. Ansonsten ist Grenache gewöhnlich körperreich mit weichen Tanninen und Aromen von roten Früchten sowie mit würzigen Noten wie weißer Pfeffer und Lakritz.

Bei Grenache ist Mazeration vor der Gärung üblich, um Geschmacks- und Farbstoffe zu extrahieren, bevor der Alkoholgehalt durch Gärung ansteigt. Auch hier können ganze Trauben zugefügt werden wie bei Pinot Noir. Für Premiumwein von Grenache benutzt man offene Gärbehälter, vollzieht eine sanfte Pigeage der Maische und versucht die Tanninstruktur durch die Mazeration nach der Gärung zu stärken. Grenache reift in großen Gebinden und bisweilen unter Holzeinfluß.

In heißen Gegenden fällt Grenache mitunter marmeladig und alkoholbetonter aus. Er kann dann mit Carignan und Mourvèdre verschnitten werden, die mit Hitze besser klar kommen und frische Fruchtaromen beisteuern können. Aufgrund der geringen Säure wird er oft auch mit Syrah verschnitten, der mehr Farbe, Tannin, Säure und Aromen schwarzer Früchte hat. In Australien zum Beispiel verschneidet man Grenache häufig mit Shiraz (wie Syrah dort genannt wird). So entsteht häufig ein körperreicher, fruchtiger Rotwein mit sehr weichen Tanninen, der am besten leicht gekühlt getrunken wird. Gerne wird auch noch Mourvèdre (Mataro) hinzugefügt – man nennt solche Verschnitte dann auch salopp „GSMs“.

Reinsortig wird Grenache in Sardinien erzeugt, wo die Rebsorte Cannonau genannt wird. An der Südlichen Rhône (aber auch in der Provence und in Spanien) erzeugt man viel Roséwein aus Grenache. Dabei werden einige auch in Eiche ausgebaut, was ihnen einen orangen Farbton verleiht und die Fruchtigkeit abschwächen kann, aber würzige Komplexität hinzufügt. Im Languedoc werden viele Weine auf Basis von Grenache (sowie Syrah) bereitet, wie beispielsweise in der Appellation Minervois. Verschnitten wird sie hier ausserdem noch mit Carignan. In Spanien ist Garnacha die am häufigsten angebaute Rebsorte. In Rioja kann Garnacha im Verschnitt auftauchen (mit Tempranillo und anderen Sorten), doch in den besten Weinen von dort ist sie eher selten. Am ausdrucksstärksten zeigt sie sich in den dunklen, kraftvollen, körperreichen Weinen des Priorat, wo sie in der Regel den wichtigsten Bestandteil eines Verschnitts darstellt.

Appellationen

Die überregionale Weinbauregion der südlichen Rhône nennt sich „AOP Côtes du Rhône“ und bemißt 56.400 Hektar. Knapp die Hälfte der Produktion deer südlichen Rhône beläuft sich auf „AOP Côte du Rhône“-Weine (als generische Appellation). Mindestens vierzig Prozent aller Rotweine werden dabei aus Grenache bereitet.

Die 7.800 Hektar große Appellation Côte-du-Rhône-Villages produziert 13 Prozent der Gesamtmenge und steht qualitativ etwas höher. Von den 95 Gemeinden im Süden (keine im Norden) dürfen 17 zur Bezeichnung „Village“ noch ihren Namen hinzufügen. Sie sind etwas körperreicher, haben mehr Struktur und etwas mehr würzige Aromen roter Früchte.

Cru-Appellationen an der Südlichen Rhône gibt es ingesamt neun, die zusammen elf Prozent der Gesamtproduktion erbringen. Einige davon sind hochangesehen, die berühmteste ist vielleicht Châteauneuf-du-Pape. Ansonsten sind wichtige Appellationen an der Südlichen Rhône:

Châteauneuf-du-Pape

Châteauneuf-du-Pape ist die allererste AOP Frankreichs (seit 1933) und befindet sich unweit von Avignon, das in der Zeit von 1309 bis 1377 Sitz von insgesamt sieben französischen Exil-Päpsten war (danach, bis 1408, Sitz zweier Gegenpäpste). Dazu kam es, weil Frankreich nach dem Tod des Stauferkaisers Friedrich II. zunehmend versuchte, seinen weltlichen Einfluss gegen den universalen Machtanspruch des Papsttums durchzusetzen, was 1305 auch gelang, als Clemens V. aus Bordeaux zum Papst gewählt wurde: Clemens V. verzichtete auf den Amtssitz in der Heiligen Stadt, ließ sich stattdessen in Lyon krönen und dauerhaft in Avignon nieder, wo er völlig in Abhängigkeit von Frankreich geriet.

Einer seiner Nachfolger war der im Cahors, im Südwesten Frankreichs, geborene Papst Johannes XII. (1244-1334), der sich als Sommerresidenz das Schloss Châteauneuf unweit von Avignon wählte, das er ausbauen ließ. Von hier aus gab er der Region mit der Einführung des Weinbaus und der Umwandlung in eine Kulturlandschaft wichige Impulse: er ließ Winzer aus dem Cahors kommen, die schon im 13. Jahrhundert ihren Wein nach England exportierten und dort für ihren kräftigen „Black wine“ bekannt waren (im Gegensatz zu den hellen „Clarets“ aus dem Bordeaux). Sie begründeten den Weinbau an der Südlichen Rhône und produzierten einen Rotwein namens „Vin d`Avignon“, der dem ab dem 19. Jahrhundert bekannten „Châteauneuf-du-Pape“ voranging.

Châteauneuf-du-Pape bezeichnet heute eine Appellation, die rund 3.200 Hektar Rebfläche auf einem Mosaik karger Böden von Kalk, Lehm, Kies und Sand umfasst, und ist mit Abstand die berühmteste (und alkoholreichste) Cru der Südlichen Côtes du Rhône. Der Wein selbst darf dabei in vier weiteren Gemeinden erzeugt werden: außer Châteauneuf selbst (es liegt auf 120 Meter Höhe), Bédarrides, Sorgues, Courtheson und Orange, die gemeinsam sieben bis acht Millionen Flaschen jährlich produzieren.

Der Wein zeichnet sich seit jeher durch den mit 12,5 Volumenprozent höchsten Mindestalkoholgehalt Frankreichs aus (oft haben die Weine aber bis zu 16 Volumenprozent Alkohol). Über neunzig Prozent der Produktion ist Rotwein: eine Cuvée aus 18, ehemals 13, zugelassenen Rebsorten, die bisweilen körperreich, üppig texturiert und würzig, fleischig und stark ist. Erlaubt ist nur ein geringer Ertrag von 35 Hektoliter pro Hektar.

Côtes du Ventoux

Eine weitere Appellation, die ebenfalls in der Zeit der Päpste in Avignon entstand, ist die nach dem über dem Rhônetal thronenden, 1.912 Meter hohen Mont Ventoux benannte Appellation, ursprünglich Côtes du Ventoux, wo auf einer Fläche von 7.700 Hektar Reben stehen. Die Region gehört schon zur Provence, das Weinanbaugebiet aber wird zur Südlichen Rhône gezählt.

Tavel und Lirac

Beide Appellationen sind für ihre Rosé-Produktion bekannt, die sehr körperreich und geschmacksintensiv sind und insbesondere aus Grenache und Cinsault produziert und Flaschengereift sind.

Gigondas

Ist seit 1971 eine AOP. Dank der Höhenlage und kalkhaltiger Böden (Ablagerungen des ursprünglichen Mittelmeeres) ist ein Gigondas etwas aromatischer und sanfter als ein Châteauneuf, trotzdem körperreich und würzig (durch den Holzeinsatz). Hauptbestandteil ist Grenache.

Vacqueyras

Vacqueyras ist seit 1990 eine AOP, mit sandigerem Terrain und etwas schweren Weinen als Gigondas, da die Trauben hier früher reifen.

Vergleich

Nördliche und Südliche Rhône unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht:

  • Nur fünf Prozent der Anbaufläche der Rhône sind im Norden, 95 Prozent im Süden.
  • Während im Norden ein kühleres kontinentales Klima herrscht, macht sich im Süden der warme Einfluß des Mittelmeeres bemerkbar.
  • Insgesamt ist es im Süden trockener und die Bodenvarianten sind vielfältiger.
  • Im Norden, in Flußnähe, stehen die Reben auf terrassierten, steilen Hängen und die Rebstöcke werden an Pfählen erzogen, während der Süden überwiegend flach und deshalb dem Mistral schutzlos ausgeliefert ist, der hier entsprechend heftiger weht.
  • Die Reben werden im Süden deshalb überwiegend in Buschform erzogen
  • Während die Weine im Norden praktisch fast nur reinsortig erzeugt werden sind die Weine im Süden meistens Cuvées.
  • Im Süden werden viele Massenweine produziert, während im Norden entsprechend hauptsächlich Premiumwein vinifiziert wird.
  • Außerdem ist der Genossenschaftsanteil wesentlich höher im Süden, während im Norden sogenannte Négociants, Händler, agieren.
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