Weinglossar

Rhône

Das Anbaugebiet Rhônetal (Vallée du Rhône) macht 9 % der gesamten Weinanbaufläche Frankreichs aus. Volumenmäßig nimmt es unter den französischen AOP-Gebieten hinter Bordeaux den 2. Platz mit etwa 70.000 Hektar ein. Von der nördlichen Rhône stammt jedoch nur 5 % des gesamten Rhônetals (allein die AOP Chateauneuf-du-Pape im Süden ist größer).

Die Rhône selbst fließt über das Wallis in der Schweiz durch den Genfer See ins Mittelmeer. In Frankreich fließt sie in einer ursprünglichen Grabensenke zwischen dem Zentralmassiv und den Alpen, in die vor Urzeiten das Mittelmeer einfloß. Auf 250 Kilometer (mit etwa 250 Gemeinden) zwischen Vienne im Norden (bzw. Lyon) bis nach Avignon im Süden erstreckt sich an ihren Ufern der Weinbau.

Im nördlichen Teil zwischen Vienne und Valence ist das Rhônetal vergleichsweise eng und steil. Die meisten Weinberge liegen nah am Fluß, am Besten sind die nach Süden ausgerichteten Steillagen, oft in den Tälern von Nebenflüssen, die auch Schutz vor dem kalten Mistral bieten, einem starken Nordwind, der die Reben schädigen kann. Aus diesem Grund werden die Reben hier einzeln an Pfähle oder an ein Stangengerüst gebunden, was auch nur Handlese erlaubt. Wegen der Steilheit und um Erosion vorzubeugen wurden hier Terrassen angelegt.

Der Nordteil der Rhône hat klimatisch und geologisch viel mit der Nachbarregion Burgund gemeinsam: Das Klima ist gemäßigt-kontinental und ähnelt dem des Beaujolais. Die Temperaturen aber sind deutlich niedriger als an der südlichen Rhône. Das liegt auch am kalten Mistral: Der verzögert durch seine Kälte die Reifung im Norden. Ausserdem sorgt er im Frühjahr für eine Beschädigung der Pflanze und führt zum „Verrieseln“ („coulure“): der Mistral verhindert die Befruchtung, d.h. Pollen aus dem männlichen Teil der Rebblüte werden nicht auf den weiblichen übertragen. Positiv wirkt sich der Mistral hingegen dadurch aus, daß im Norden kaum Luftfeuchtigkeit herrscht, das Pilzrisiko deshalb verringert ist. Auch wirkt sich die Nachtkälte positiv auf die Säureentwicklung des Syrah aus (der hier vornehmlich angebaut wird und deshalb auch überhaupt nicht mit einem Shiraz aus dem australischen Barossa Valley zu vergleichen ist, wo es viel wärmer ist, weshalb der Wein von dort auch alkoholhaltiger ist und mehr Körper hat, „marmeladig“ ist).

Anders als im Süden liegt die durchschnittliche Niederschlagsmenge im grünen Norden bei hohen 900 Milimeter pro Jahr, wodurch Pilzkrankheiten eine hohe Gefährdung darstellen, während im Süden Trockenheit das Problem ist.

Im Norden balancieren die Stöcke auf terrassierten Klippen aus bröseligem Granit, die den Sonnenschein aber doch am Besten einfangen können. Die vor 300 Millionen Jahren einsetzenden vulkanischen Aktivitäten führten im Norden des Zentralmassivs zur Bildung von Granitgestein, der die Weine gut strukturiert und zu intensiver Farbe, Feinheit und einem guten Säurespiel führt. Insbesondere die Syrah-Rebe fühlt sich hier wohl, allerdings ist hier am nördlichen Rand der Klimazone die Südexpostion für die Reife entscheidend.

Ein Großteil der Produktion im Norden stammt von Syrah (der Rotweinanteil an der Rhône beträgt insgesamt 95 %), aber auch Viognier, Marsanne und Roussanne werden angebaut. Syrah ist – wie Cabernet Sauvignon – eine kleine, dicke und dunkle Traube mit reichlich Körper und mittlerer Säure. Er wird an Drahtrahmen erzogen (Syrah braucht Unterstützungssysteme), sein Stil hängt sehr vom Klima ab, in dem er heranreift: In kühlem Klima reift Syrah nicht aus und entwickelt dann auch kräuterige Noten. Syrah-Weine sind in der Regel dunkelrot, sehr tanninreich und zeigen Aromen von schwarzen Früchten, manchmal auch schwarzem Pfeffer oder florale Noten (Veilchen). Südhänge wie bspw. Côte Rotie oder Hermitage liefern Weine mit vollem Körper, Pfefferaromen, Beeren und gereiftem Fleisch, sowie Ledernoten und Eiche. Viele Syrah-Weine werden im Holzfass ausgebaut, denn größere Fässer ermöglichen elegantere Weine. Eine feine Tanninstruktur kann man durch eine verlängerte Mazeration nach der Gärung erreichen. In einigen Crus wurde Syrah zusammen mit Viognier vergoren, um die Farbe zu stabilisieren (auch für zusätzliche aromatische Intensität), doch heute wird diese Technik kaum noch angewandt. (Im Languedoc dient Syrah als Verschnittpartner für Grenache, Mourvèdre, Carignan und Cinsault.)

In Europa ist die nördliche Rhône das bekannteste Anbaugebiet für Syrah. Darüber hinaus wird Shiraz weltweit angebaut: in Südafrika genauso wie in Kalifornien, Washington, Neuseeland (in Hawke`s Bay auf der Nordinsel) und Chile (San Antonio). In heißen Regionen in Australien (Hunter Valley, McLaren Vale oder Barossa Valley) wird Shiraz in amerikanischer Eiche gereift und hat schokoladige Noten, sowie erdige, würzige Aromen. Er gerät hier körperreich mit viel Alkohol, was damit zu tun hat, dass man mit dem Tresterhut arbeitet, um viel Extraktion zu erreichen. Andererseits kann viel Alkohol auch durch eine frühe Lese vermieden werden.

Viognier ist körper- und alkoholreich, säurearm, hat eine ölige Textur und ist hocharomatisch, bringt aber geringen Ertrag, ist aber krankheitsanfällig. Noch 1968 gab es nur 14 Hektar, seit Anfang der 1980er-Jahre wird er an der Rhône und im Languedoc vermehrt gepflanzt. Viognier liefert also körperreiche Weißweine mit duftenden Aromen von Blüten und Aprikosen, sowie Steinobst. Eher säurearme Weine, aber alkoholstark, da die Trauben ihre charakteristische Aromatik erst sehr spät bei schon sehr hohen Zuckerwerten entwickeln. Holz kann eingesetzt worden sein. Marsanne sorgt für Fülle in Cuvées, Roussanne für Säure.

Die meisten der Weine der nördlichen Rhône kommen aus einer der 8 Cru-Appellationen mit Premium-Vinifizierung, auch wenn theoretisch generischer Côte du Rhône erzeugt werden kann. Die meisten AOPs sind dabei sehr klein, nur Saint-Joseph und Crozes-Hermitage erstrecken sich über ein größeres Gebiet.

Die wichtigsten Appellationen der nördlichen Rhône von Norden nach Süden sind:

Côte-Rôtie

Côte-Rôtie heißt übersetzt „gerösteter Hang“. Auf etwa 264 Hektar wird hier Wein angebaut. Bis zu 60 Grad kann es hier steil sein, an manchen Stellen müssen sogar Flaschenzüge und Monorackbahnen eingesetzt werden (wie an der Mosel). Viele der nach Südosten exponierten, oft nur 500 Meter breiten Lagen werden ganztägig von der Sonne beschienen, der Hang eben „geröstet“. Das harte Gestein (im Norden Schiefer) speichert jedes Grad Wärme. Deshalb reifen neuere Pflanzugnen nie so stark aus. Unterschieden wird zwischen zwei Hängen oberhalb von Ampuis: der Côte Blonde (Granit): weichere Weine, und der Côte Brune (Schiefer): „tiefere“ Weine.

Traditionell darf Syrah mit bis zu 20 % Viognier verschnitten werden (sorgt für komplexeres Bouquet), tatsächlich aber wird oft weniger oder nichts verschnitten. Weine sind dunkelrot, körperreich und würzig, die Besten legen eine aromatische, florale Frische und Eleganz der Textur an den Tag, die sie von den körperreichen, stämmigen Hermitage-Weinen unterscheidet.

Condrieu

Hier wird zu 100 % Viognier angebaut, idealerweise von ertragsarmen, älteren Reben, insgesamt auf 164 Hektar. Château-Grillet ist eine Appellation mit einem 4 Hektar großen „Amphitheater“ innerhalb von der AOP Condrieu und ist im Besitz von Francois Pinault, dem auch Château Latour in Pauillac gehört (sie ist neben der AOP Romanée-Conti die kleinste und einzige nach ihr benannte AOP). Viogniers von hier kosten etwa 300 Euro pro Flasche.

Die dritte Weißwein-Appellation neben Condrieu und Château-Grillet ist die AOP Saint Péray.

Saint-Joseph

Die Appellation Saint-Joseph ist ein schmales Anbaugebiet am rechten Ufer der Rhône mit etwa 50 Kilometer Länge. Zur AOP wurden die insgesamt 26 Dörfer von Saint-Joseph erst 1956, aber Mönche eines Jesuitenklosters machten die Region zwischen Tournon und Mauves bereits im 17. Jahrhundert mit ihren „Vins de Mauves“ genannten Weinen bekannt, die sie bis an den russischen Zarenhof exportierten.

Saint-Joseph zeichnet sich durch seine Böden aus, die bisweilen aus verwittertem Granit bestehen, und seine extremen Steillagen mit kargen Terrassen über der Rhône, die süd- und südöstlich ausgerichtet sind. Etwa 1.200 Hektar stehen hier unter Reben. Angebaut werden zwar auch Marsanne und Roussanne, der Großteil ist aber Syrah, dem Hermitage vergleichbar in Geschmacksintensität und Struktur. Dennoch werden aber auch schlanke Weine produziert, insbesondere durch Kohlensäuremaischung (z.B. Domaine Coursodon).

Hermitage

Zwar waren die Hermitage-Weine bereits im 17. Jahrhundert bekannt, lange jedoch wurden sie nur als Verschnittpartner für Bordeaux-Châteaux genutzt. Erst seit etwa 1890 entwickelte sich Hermitage zu einer der berühmtesten Grand Crus Frankreichs. Schon die Römer bestockten den Hügel an der nördlichen Rhône mit Reben, und bereits im Jahr 1224 ließ sich hier ein Kreuzritter als Eremit nieder, der ihm seinen Namen gab. Heute sind auf dem steilen Südhang hinter der Stadt Tain l`Hermitage etwa 136 Hektar mit Reben bepflanzt.

Für die nördliche Rhône einzigartig, liegen die Hänge des Hermitage am linken, östlichen Flussufer, westlich oder gerade nach Süden ausgerichtet, zum Schutz vor dem Mistral, und in Teilen terrassiert, wegen der Erosionsgefahr.

Das Klima ist einheitlich, die Geologie aber nicht. Während der Eiszeit durchbrach an dieser Stelle die Rhône einen Ausläufer des Zentralmassivs, wodurch eine große geologische Vielfalt an der Oberfläche entstand: Im Westen verschwindet der Granit unter Schiefer, im Osten dominieren Schwemmlandterrassen, die mit Löss (einem porösen Kalk) bedeckt sind. Zentrale Lagen haben Kalkböden.

Der Weinberg ist in eine Anzahl von „lieux-dits“ (Einzellagen) aufgeteilt, die allerdings nicht als eigene Appellation genannt werden. Der Hermitage-Hügel ist also kein „Climat“ nach burgundischem Vorbild, sondern eine Grosslage („Grand Cru“), eine Gemeindeappellation, deren Einzellagen („Crus“) im Verlauf der Geschichte nicht weiter klassifiziert und hierarchisiert wurde. Dennoch unterscheidet man die Lagen untereinander, insbesondere auch aufgrund der Bodenverhältnisse: Als beste Lagen gelten „Les Bessards“ (mit Granitboden) und „Le Méal“ (hier wurden Tonerden von den Gletschern gegen den Granit geschoben), die . Andere Einzellagen sind „Péleat“, „Rocoules“, „L´Ermite“, „Maison Blanche“ et ceterea, aber in keiner davon herrscht Granit als Unterlage vor.

Der Hermitage wird zwar von insgesamt 30 Winzern bewirtschaftet, aber nur wenige besitzen Reben in mehr als einer einzigen Einzellage: Nur etwa 10 Prozenten besitzen zusammen 95 Prozent der Rebflächen, und die meisten Winzer besitzen entsprechend nur kleine Flächen und produziert entsprechend auch Weine, die nur aus dieser Einzelage stammen. Die Mehrheit der Hermitage-Weine ist aber traditonell keine „Sélection parcellaire“, sondern eine Assemblage aus verschiedenen Einzellagen, sieht man von den Spitzenlagen „Les Bessards“ und „Le Méal“ ab, die mit Château Lafite und Romanée-Conti als beste Rotweinlagen der Welt genannt werden und nicht verschnitten werden, wie traditionelle Hermitage-Weine, sondern einzeln auf den Markt kommen.

Für rote Hermitage-Weine aus Syrah sind bis zu 15 % Roussanne- und Marsanne-Anteil erlaubt, das wird aber selten gemacht. Stattdessen werden daraus eigenständige Weine produziert – ein Fünftel der Produktion der Appellation ist Weißwein. Rotweine haben eine lange Maischestandzeit und werden 2 Jahre im Holz ausgebaut (auch Côte-Rôtie und Cornas) und sollten 10-20 Jahre reifen.

Hermitage ist gewöhnlich körper- und tanninreich und scheidet starkt Depot ab, weshalb er dekantiert werden sollte. Außerdem sollte er etwas Reifezeit hinter sich haben (zumindest 5 Jahre). Auch weißer Hermitage ist selten leicht und schlank.

Crozes Hermitage

Mit 1.500 Hektar die mengenmäßig bedeutendste Appellation der nördlichen Rhône, die sich im Umkreis von 16 Kilometer um den Berg Hermitage und die Stadt Tain erstreckt. Im flachen südlichen Teil wachsen leichte Weine von Syrah mit maximal 15 % Roussanne oder Marsanne, im steileren Norden sind sie tanninreichen (Holzeinsatz).

Cornas

Mit Abstand die wärmste Appellation mit vielen Seitentälern , die die Sonnenhitze fangen. Hier werden zu 100 % Syrah-Reben angebaut.

Die südliche Rhône beginnt nach Valence, wo sich das Rhône-Tal verbreitert. Viele, nicht alle Appellationen, haben sehr steinige Böden und die Reben wachsen in viel ebenerem Gelände als im Norden. Die „Galets“ genannten Steine fangen die Sonnehitze auf und wärmen den Weinberg von unten, was die Traubenreife fördert.

Auch das Klima ändert sich von kontinental zu mediterran, sodaß die Winter milder und die Sommer heißer sind (Problem: Trockenheit). Außerdem gewinnt der Mistral hier an Schärfe und kann beträchtlichen Schaden anrichten. Schutz bieten keine Anhöhen, sondern gepflanzte Hecken und Bäume. Ausserdem sind die hier hauptsächlich angebauten Grenache-Reben niedrig in Buschform erzogen, was Schutz vor Wind bietet und sie profitieren so auch von der Wärme des Bodens. Grenache ist widerstandsfähig gegen Wind und Dürre, Spitzenweine sind ertragsreduziert produziert.

Grenache ist spätreifend und muß in warmen oder heißen Klimata angebaut werden. Er ist dafür widerstandsfähig gegen Trockenheit. Grenachebeeren sind groß und dünnschalig, haben einen hohen Zuckergehalt und sind entsprechend alkoholreich mit wenig Säure. Er ist körperreich mit weichen Tanninen und Aromen von roten Früchten und mit würzigen Noten wie weisser Pfeffer und Lakritz. Bei Grenache ist Mazeration vor der Gärung üblich, um Geschmacks- und Farbstoffe zu extrahieren, bevor der Alkoholgehalt durch Gärung ansteigt. Auch hier können ganze Trauben zugefügt werden wie bei Pinot Noir. Für Premiumwein von Grenache benutzt man offene Gärbehälter, vollzieht eine sanfte Pigeage und versucht die Tanninstruktur zu stärken durch die Mazeration nach der Gärung. Grenache reift in großen Gebinden und Holzeinfluß.

In heißen Gegenden fällt Grenache mitunter marmeladig und alkoholbetonter aus. Er kann dann mit Carignan und Mourvèdre verschnitten werden, die mit Hitze besser klar kommen und frische Fruchtaromen beisteuern können. Aufgrund der geringen Säure wird er oft auch mit Syrah verschnitten, die mehr Farbe, Tannin, Säure und Aromen schwarzer Früchte hat. In Australien ist ein Verschnitt von Shiraz (wie Syrah dort genannt wird) und Grenache häufig ein körperreicher, fruchtiger Rotwein mit sehr weichen Tanninen, der am besten leicht gekühlt getrunken wird. Gerne wird auch noch Mourvèdre (Mataro) hinzugefügt – man nennt solche Verschnitte dann salopp auch „GSMs“.

An der südlichen Rhône, in der Provence und in Spanien erzeugt man viel Roséwein aus Grenache. Dabei werden einige auch in Eiche ausgebaut, was ihnen einen orangen Farbton verleihen und die Fruchtigkeit abschwächen kann, aber würzige Komplexität hinzufügt. Im Languedoc werden viele Weine auf Basis von Grenache (sowie Syrah) bereitet, wie bspw. In der Appellation Minervois. Verschnitten wird sie hier ausserdem noch mit Carignan. In Spanien ist Garnacha die am häufigsten angebaute Rebsorte. In Rioja kann Garnacha im Verschnitt auftauchen (mit Tempranillo und anderen Sorten), doch in den besten Weinen von dort ist sie eher selten. Am ausdrucksstärksten zeigt sie sich in den dunklen, kraftvollen, körperreichen Weinen des Priorat, wo sie in der Regel den wichtigsten Bestandteil eines Verschnitts darstellt.

An der südlichen Rhône wird das Tal breiter als an der nördlichen Rhône und die steilen Hänge verlieren sich. Die Rebflächen erstrecken sich weit vom Fluss entfernt über große, steinige Ebenen. Es ist heißer und trockener als im Norden, weshalb sich hier Grenache wohler fühlt. Allerdings wird er hier häufig mit Syrah, Mourvèdre und Cinsault verschnitten. Es gibt einige hochangesehene Appelationen an der südlichen Rhône, dereren berühmteste vielleicht Châteauneuf-du-Pape ist.

Die überregionale Weinbauregion der südlichen Rhône nennt sich Côtes du Rhône und bemißt 56.400 Hektar. Mindestens 40 % aller roten Côtes du Rhône werden derzeit aus Grenache bereitet. Neben Grenache spielen auch Syrah und Mourvèdre eine unterstützende Rolle: Syrah bringt Farbe und Tannin, Mourvèdre Tannin, Aromen schwarzer Früchte und Wild- und fleischige Noten (Mourvèdre wächst hier am nördlichen Rand der Klimazone!). Auch Cinsault bringt Fruchtaromen und florale Noten ein. Carignan hat viel Säure. Der klassische Rhône-Blend besteht aus Grenache, Syrah und Mourvèdre (in Spanien auch Monastrell genannt).

Weißweine machen gerade einmal 4 Prozent der Produktion aus. Zu den bekannten Trauben der nördlichen Rhône kommen noch Clairette, Grenache Blanc (in Luberon) und Bourboulenc.

Knapp die Hälfte der Produktion beläuft sich auf Côte du Rhône-Wieine (als generische Appellation). Die 7.800 Hektar große Appellation Côte-du-Rhône-Villages produziert 13 % und steht qualitativ etwas höher. Von den 95 Gemeinden im Süden (keine im Norden) dürfen 17 zur Bezeichnung „Village“ noch ihren Namen hinzufügen. Sie sind etwas körperreicher, haben mehr Struktur und etwas mehr würzige Aromen roter Früchte.

Nicht nur die Reben variieren stark, auch die Methoden der Weinbereitung: Um trotz potentiell hohem Tannin und Alkohol ausgewogene Weine zu produzieren versuchen manche kalt einzumaischen, offen zu vergären oder in großen Eichenfässern zu reifen.

Cru-Appellationen an der südlichen Rhône gibt es ingesamt 9, die zusammen 11 % der Gesamtproduktion erbringen. Die wichtigsten sind:

Châteauneuf-du-Pape

Ist mit Abstand die allererste AOP (seit 1933). Ein 3.100 Hektar großes Mosaik karger Böden von Kalk, Lehm, Kies und Sand, das sich über 4 Gemeinden erstreckt: Châteauneuf selber (auf 120 Meter Höhe), Bédarrides, Sorgues, Courtheson und Orange. 7-8 Millionen Flaschen jährlich. Der Wein zeichnet sich seit jeher durch den 12,5 % höchsten Mindestalkoholgehalt Frankreichs aus (hat bis zu 16 Vol. %). Über 90 % der Produktion ist Rotwein: Eine Cuvée aus 18, ehemals 13 zugelassenen Rebsorten und bisweilen körperreich, üppig texturiert und würzig, fleischig und stark. Erlaubt sind 35 Hektoliter/Hektar.

Typisch für das flache Gebiet ist der Galet (Flußkiesel), insgesamt aber ist der Boden sehr vielfältig.

Tavel und Lirac

Beide Appellationen sind für ihre Rosé-Produktion bekannt, die sehr körperreich und geschmacksintensiv sind und insbesondere aus Grenache und Cinsault produziert und Flaschengereift sind.

Gigondas

Ist seit 1971 eine AOP. Dank der Höhenlage und kalkhaltiger Böden (Ablagerungen des ursprünglichen Mittelmeeres) ist ein Gigondas etwas aromatischer und sanfter als ein Châteauneuf, trotzdem körperreich und würzig (Holzeinsatz). Hauptbestandteil ist Grenache.

Vacquerras

Seit 1990 AOP, mit sandigerem Terrain, etwas schweren Weinen als Gigondas, da frühere Reife.

Nördliche und südliche Rhône unterscheiden sich in vielerelei Hinsicht: Nur 5 % der Anbaufläche der Rhône sind im Norden, 95 % im Süden, wo viele Massenweine produziert werden, während im Norden entsprechend hauptsächlich Premiumwein vinifiziert wird. Im Norden herrscht kühleres kontinentales Klime, im Süden macht sich der warme Einfluß des Mittelmeeres bemerkbar. Im Norden, in Flußnähe, stehen die Reben auf terrassierten, steilen Hängen, während der Süden überwiegend flach ist. Auch der Mistral weht im Süden heftiger – insgesamt ist es hier trockener und die Bodenvarianten vielfältiger. Die Reben werden überwiegend in Buschform erzogen und die Weine sind meistens Cuvées. Außerdem ist der Genossenschaftsanteil wesentlich höher im Süden, während im Norden sogenannte Négociants, Händler agieren.

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