Weinglossar

Nahe

Das 4.200 Hektar große Anbaugebiet Nahe liegt zwischen Mosel und Rhein(hessen) und wurde erst mit dem Weingesetz von 1971 eigenständig. Namensgebend für das Anbaugebiet ist der 116 Kilometer langen Fluss Nahe, der im Saarland entspringt und bei Bingen in den Rhein mündet. Die Rebflächen liegen auf den letzten sechzig Flußkilometern verteilt zu beiden Seiten der Nahe, aber auch seiner Nebenflüsse Alsenz und Glan sowie Gräfenbach, Guldenbach und Trollbach.

Klima

Die Nahe liegt im milden Südwesten Deutschlands und im Schutz vor kalten Winden durch die Höhen des Hunsrück. Insofern herrschen relativ warme Temperaturen – die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt etwa zehn Grad – und es ist einigermaßen regen- und frostarm (nur etwa 600 Millimeter Niederschläge pro Jahr). Die Reben an der Nahe ´werden mit etwa 1.750 Sonnenstunden jährlich verwöhnt. Das sorgt dafür, dass hier Pflanzen wachsen, die ansonsten nur in südlicheren Regionen mit Steppenklima überlegen würden (Berg-Steinkraut, Gold-Aster und viele andere haben sich hier nach dem Ende der Eiszeit ausgebreitet und die Zeiten im Nahetal überdauert).

Rebsorten

Riesling macht an der Nahe über 25 Prozent der Rebflächen aus. Am besten gedeiht er an den steilen Südhängen, wo er zur Sonne exponiert ist. Stilistisch liegt er etwa in der Mitte zwischen den schlanken Moselweinen und den körperreichen Rheingewächsen: „Große Gewächse“ gibt es an der Nahe nur von ihm – und sie zeigen auch eine ähnlich ausgeprägte Säure („mineralisch-stahlig“) wie von der Mosel, doch eben auch eine etwas reifere Fruchtigkeit.

Abgesehen von Riesling sind an der Nahe insgesamt drei Viertel der angebauten Rebsorten Weissweine: viel Weiß- und Grauburgunder (nicht so stoffig wie in Baden, sondern geschmeidiger) und Müller-Thurgau, aber auch viel andere Sorten, was nicht zuletzt an der großen, variierenden Bodenvielfalt liegt.

Boden

Die Nahe hat deutschlandweit die größte Bodenvielfalt und die engräumigsten Wechsel vorzuweisen. Das liegt daran, dass ander Nahe das rheinische Schiefergebierge an das Hügelland Saar-Nahe und das Mainzer Becken (Rheinhessen) grenzt, was vor etwa 260 Millionen Jahren zu einer regen Vulkantätigkeit führte. Mehr als 200 Bodenvarianten, so wird vermutet, sind damals entstanden, darunter Devonschiefer, Rotliegendes, Prophyr sowie – an der unteren Nahe – Quarzit, Ton und Schiefer. Um Bad Kreuznach findet sich zudem tiefgründiger Sandsteinverwitterungsboden mit Löss– und Lehmanteil sowie Basalt und Buntsandstein. Die vielfältigen Bodenarten finden sich manchmal so engräumig, dass sich auf einem Weingut fünfzig verschiedene Bodenarten ausmachen lassen. Entsprechend vielfältig ist auch der Rebsortenspiegel an der Nahe.

Nahe_Weinanbaugebiete

Anbaugebiete

Auch wenn die Nahe offiziell nur aus einem einzigen Bereich, dem Nahetal, besteht, wird das Anbaugebiet inoffiziell doch in drei Regionen unterteilt:

  • Untere Nahe: von der Mündung bis Bad Kreuznach
  • Mittlere Nahe: von dort bis Schlossböckelheim
  • Obere Nahe: von Schlossböckelheim bis Martinstein

Im Bereich Untere Nahe herrscht Bundsandstein und sandig-lehmiger Löss vor (wie im Rheingau gegenüber). Die Landschaft hier wirkt etwas sanfter als an der mittleren- und oberen Nahe. Zwischen Bad Kreuznach und Bingen (Nahemündung) gedeihen Burgundersorten und klimatisch anspruchsvolle rote Sorten besonders gut, mit hohen Mostgewichten und einer moderaten Säurestruktur.

Im Bereich der Mittleren Nahe liegt kleinschotteriger, schwarzer-grauer Schiefer mit Vulkangestein. Das Gebiet zeichnet sich durch eindrucksvolle Felsformationen aus, die teilweise mitten in den Rebbergen zutage treten – wie beispielsweise der purpurfarbenen Porphyr am nur 1,3 Hektar großen Roten Fels. Der Rote Fels ist mit 200 Meter Höhe die höchste Fels- beziehungsweise Steilwand nördlich der Alpen und bietet einen hohen Wärmespeichereffekt (bis zu sechzig Grad kann die Temperatur hier im Sommer erreichen), weshalb die Reben hier etwas früher austreiben. Überhaupt entstehen hier im Vergleich etwas vollere, würzigere Weine. Der Name der Lage „Traiser Bastei“ am Roten Fels leitet sich von einem Aussichtspunkt ab. Auch er ist – wie „Königsfels“, „Felsenberg“, „Felsensteyer“ und andere – ein Indiz für die vielen Steillagen an der Nahe: etwa ein Viertel aller Rebflächen hier sind Steillagen.

An der Oberen Nahe ab Schlossböckelheim, dem dritten Bereich der Nahe, ist es etwas kühler und die Reife der Trauben erfolgt etwas später, weshalb auch die Erträge nur zwischen etwa 35 und 40 Hektoliter pro Hektar und damit relativ niedrig liegen. An der Oberen nahe herrscht Vulkanboden mit Verwitterungsauflage vor, aber auch Quarzit und Schiefer gibt es. Gemeinsam mit mit den kühleren Temperaturen ist das besonders vorteilhaft für das Aroma und die Säurestruktur des Rieslings, der sich hier wieder wohler fühlt als an der Mittleren Nahe.

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