Weinglossar

Österreich

Die Weinanbaugebiete Österreichs liegen im Osten des Landes und erstrecken sich über 46.500 Hektar. Hier, in der Gegend um Wien, fallen die Alpen zur Pannonischen Tiefebene ab, die weit nach Ungarn hineinreicht. So ergeben sich wechselhafte Bodenbedingungen in den Anbaugebieten: Kristalline Steinterrassen oder massive Löss-Schichten (für Fülle und Cremigkeit) in Niederösterreich, kalkhaltige Böden in Nordburgendland und in der Südsteiermark oder etwa vulkanische Böden im Kamptal und in der südöstlichen Steiermark (Mineralik).

Österreich_Weinanbaugebiete

Klima

Österreich liegt zwar auf etwa demselben Breitengrad wie Burgund (zwischen dem 47. und 48.), aber viel weiter im Zentrum Europas. Daher fällt es in den Übergangsbereich vom feucht-milden atlantischen zum trockenen kontinental-pannonischen Klima mit seinen großen Temperaturunterschieden.

Warme, sonnige Sommer- und Herbsttage mit Einflüssen eines kontinental-pannonischen Klimas aus den ungarischen Tiefebenen sowie illyrisch-mediterranes Klima von der Adria, verbunden mit kühlen Nächten aufgrund der Einflüsse kühler Winde aus dem Norden beziehungsweise des gemäßigt atlantischen Klimas aus dem Westen tragen – neben dem Boden – wesentlich zur Entwicklung von frischen, aromatischen Weinen mit gutem Körper und feinem Charakter bei. Das und die recht bescheidenen Erträge sorgen für etwas kräftigere Weine als in Deutschland.

Rebsorten

Das kontinentale, das pannonische und auch das mediterrane (illyrische) Klima, sowie das Zusammentreffen der nördlichen mit der südlichen Anbauzone Europas ermöglichen die Produktion von Spitzenqualitäten, wobei das Verhältnis von Weißwein zu Rotwein bei etwa 70 zu 30 liegt. Insgesamt sind 36 Rebsorten für Qualitätsweinbau zugelassen (22 Weißwein- und 14 Rotweinsorten):

Die am häufigsten angebaute Rebsorte in Österreich ist die autochthone Weissweinrebe Grüner Veltliner, die mit etwa 15.000 Hektar (von 18.000 weltweit) mehr als ein Drittel der Anbaufläche ausmacht. Seine wichtigsten liegen in Niederösterreich, vom Donauraum bis ins Weinviertel.

Grüner Veltliner ist ein frisch-fruchtiger Wein mit reichlich Säure und pikanter, pfeffriger Würze und Aromen zwischen Steinobst, Grapefruit und Dill. Er gerät bisweilen körperreich (beim Ausbau in alter Eiche), manchmal reift er auch in neuen Barriques.

Die am zweithäufigsten angebaute Weisswein-Rebsorte ist der Welschriesling, der aber trotz des Namens nichts mit Riesling zu tun hat: Als nächster Verwandter des „Riesling Italico“, wie er auch genannt wird, da er aus Friaul stammen könnte, gilt der Elbling.

Welschriesling ist ein Weisswein mit lebendiger, kräftiger Säure und Aromen von grünem Apfel und Zitrus, etwas Heublumen. Er dient oft als Sektgrundwein (im Weinviertel), kann aufgrund seiner Anfälligkeit für Botrytis aber auch hochklassige Dessertweine erbringen. Er wird auf etwa 3.300 Hektar angebaut.

Riesling ist mit nur 2.000 Hektar etwas weniger verbreitet, die besten Exemplare kommen aus der Wachau, dem Kamp- und Kremstal. Daneben gibt es noch einige Raritäten unter den Weisswein-Sorten in Österreich wie: Neuburger (500 Hektar), Roter Veltliner (200 Hektar), Rotgipfler (120 Hektar), Zierfandler (80 Hektar) oder der Gemischte Satz (670 Hektar).

Mit Zweigelt und Blaufränkisch hat Österreich zwei autochthone Rotweinrebsorten „kühler Art“, mit animierender Säure, wobei der Blaue Zweigelt die rote Nummer eins in Sachen Anbaufläche ist: Er ist bei den Rotwein-Rebsorten mit 6.500 Hektar die meistangebaute Traube. Sie wurde 1922 von Prof. Fritz Zweigelt aus Blaufränkisch und St. Laurent gekreuzt und ist ab 1950 an der ältesten Weinbauschule der Welt, in Klosterneuburg (seit 1860), angebaut worden. Seine Markteinführung erfuhr der Zweigelt aber erst 1975. Der Züchter selbst nannte sie nämlich „Rotburger“ – wegen ihrer Farbe und ihres Geburtsortes Klosterneuburg.

Zweigelt ist wenig anfällig für Winterfröste und stellt nur geringe Bodenansprüche. Allerdings muss er wegen seines starken Wuchses im Ertrag reguliert werden und erfordert viel Laubarbeit vom Winzer.

Zweigelt ist nicht so subtil wie Blaufränkisch und wird auch nie sein Terroir so gut abbilden können (deshalb gibt es in Österreich auch keine Lagendiskussion bei Zweigelt). Er liefert tiefdunkelrote Weine mit weichen Tanninen und Brombeeraromen beziehungsweise Kirsche in der fruchtig-österreichischen Variante (internationaler Stil zeigt eher Weichsel-Beeren, Fruchttiefe und mehr Tannin). Man kann auch zwischen einem vollfruchig-würzigen (Sauerkirsche) „modernen Stil“ und einem „traditionellen Stil“ mit kerniger Struktur und pikanter Frische (kühle Erdigkeit) sprechen.

Dominiert Zweigelt bei der Anbaufläche, führt im Hinblick auf die Qualität kein Weg am Blaufränkisch vorbei. Etwa zwanzig Prozent der österreichischen Rotweinfläche sind mit Blaufränkisch bestockt, was etwa 3.200 Hektar entspricht. Tonangebend ist die Rebsorte dabei vor allem im Burgenland, speziell im Mittelburgenland, am Leithaberg und am Eisenberg, wird aber auch am Spitzerberg im niederösterreichischen Carnuntum hoch gehalten.

Blaufränkisch gilt in Österreich als höchstgeschätzte Rotwein-Sorte – wohl wegen der Eleganz und des geschmacksprägenden Einflusses des Terroirs: Anders als Zweigelt reagiert Blaufränkisch sensibel auf die Bodenbeschaffenheit und spiegelt diese bisweilen deutlicher im Geschmack wieder. Nicht zuletzt deshalb wird sie auch gerne als „burgundische“ Rebsorte beschrieben. Jedenfalls wird Blaufränkisch heutzutage nicht mehr opulent vinifiziert, sondern ihre Eleganz steht im Vordergrund, ihre Säure und das Tanningerüst sind die entscheidenden Faktoren.

Wenn es insgesamt darum geht, das Terroir herauszuarbeiten, wird auch der Boden wichtig. Dass Blaufränkisch auf den Boden reagiert, auf dem er steht, wird zum Beispiel deutlich, wenn man die Weine von zwei burgenländischen Appellationen miteinander vergleicht: In der Eisenberg DAC („Districtus Austriae Controllatus“), ganz im Süden Burgenlands, stehen engzeilige, kleine Parzellen in 280 bis 450 Meter Höhe. Im Spätsommer ist es hier heiß, aber nachts kühlt es ab und von bewaldeten Hügeln weht auch tagsüber ein frisches Lüftchen. Die feingliedrige, präzise Frucht der Blaufränkisch stammt hier mit Sicherheit auch von den eisenhaltigen Böden. Im Unterschied dazu stehen die Weine aus der Leithaberg DAC am Neusiedlersee im Norden Burgenlands, wo österreichweit sicherlich mit am striktester und stärksten aufs Terroir geachtet wird: Blaufränkisch profitiert hier vom pannonischen Klima und dem positiven Einfluss des Steppensees, insbesondere aber auch vom Leithagebirge, dessen Boden aus Schiefer und Kalk besteht, der für weniger fruchtige, dafür aber für ausgesprochen mineralisch-kreidige Weine sorgt.

Grundsätzlich ist Blaufränkisch relativ anspruchslos was den Boden angeht. Sie gedeiht auf tiefgründigen, lehmigen Böden genauso wie auf solchen mit einem hohen Kalkanteil. Um aber ihre Qualitäten herausarbeiten zu können, sollte man sie eher auf nährstoffarmen, kargen Böden pflanzen, um ihr natürliches Wachstum etwas einzugrenzen beziehungsweise sie im Ertrag etwas zu mindern. Sie neigt sonst dazu, ihre Intensität zu verlieren.

Um gut auszureifen sollte die früh austreibende und spät reifende Rebsorte in warmen, windgeschützen Lagen mit südlicher Ausrichtung gepflanzt werden, da sie ansonsten von Spätfrosten bedroht ist. Auch wenn sie ansonsten doch eher unempfindlich und wuchskräftig ist, so neigt sie bei zu kalten Temperaturen während der Blühphase doch zur Verrieselung (gewöhnlich findet immer im Mai die Blüte und der Fruchtansatz bei der Rebe statt, wo aus jeder Blüte im Laufe des Sommers eine Traube wird, wenn sie befruchtet beziehungsweise bestäubt wurde und Hagel oder Regen das nicht verhindern. Klappt die Befruchtung jedoch nicht, spricht man von „Verrieselung“, bei der die Traubenbildung ausbleibt, was natürlich mit einer Ertragsreduktion verbunden ist). Außerdem ist Blaufränkisch anfällig für Pilzerkrankungen – und stellt so insgesamt doch recht hohe Ansprüche an die klimatischen Bedingungen seines Standorts.

Kann Blaufränkisch aber voll ausreifen, zeichnet sie sich durch intensive Aromen von dunklen Beeren, schwarzen Kirschen und eine pfeffrige Würze sowie durch eine präsente, kräftige Säure aus. Wegen seiner dicken Schale besitzen die Weine von Blaufränkisch durchweg einen hohen Gerbstoffgehalt, wodurch sie aber auch lange lagerfähig werden. (Bei lange in der Flasche weiter gereiften Weinen können sich die Tannine mit den Farbstoffen des Weins verbinden, ausfallen und sich als Depot am Flaschenboden absetzen. Der Blaufränkisch sollte dann dekantiert werden.) Bisweilen versucht man, die deutlich wahrnehmbaren Tannine durch den Ausbau des Weines im Barrique harmonisch einzubinden. Insgesamt entstehen so kraftvolle, komplexe, aber dennoch elegante Weine – nicht umsonst wird Blaufränkisch dabei manchmal auch mit einer kräftigen Beaujolais-Crus verglichen.

Nach dem Blauen Portugieser mit 1.300 Hektar nimmt der St. Laurent mit 730 Hektar den vierten Platz ein. Er ähnelt im Charakter dem Pinot Noir – ist im Ertrag sparsam und im Weinberg schwierig. Ihm widmet man sich insbesondere in der Thermenregion, wo er auch Cuvées das „gewisse Extra“ verleiht.

St. Laurent ist fruchtbetont, mit einer leichten Bitternote und Aromen von Beeren, Weichseln, und Zwetschken. Die feine Herbe gepaart mit samtigen Tanninen machen ihn zu einem idealen Begleiter von Schmorgerichten vom Rind und vom Wild.

Eine österreichische Rarität ist der Blaue Wildbacher (450 Hektar), der als roséfarbener „Schilcher“ ein Gebietsklassiker ist: Seit 2018 firmiert er als „Schilcherland DAC“ in der Steiermark. Andere Raritäten sind autochthone Sorten wie Frühroter Veltliner (eine Kreuzung aus Roter Veltliner und Silvaner, der in etwa dem Malvasier entspricht und auf circa 370 Hektar im Weinwiertel und Wagram angebaut wird), Neuburger (auf 500 Hektar in der Wachau angepflanzt), Roter Veltliner (125 Hektar in Niederösterreich), Rotgipfler (aus Traminer und Roter Veltliner, auf circa 125 Hektar in der Thermenregion angebaut) sowie Zierfandler (ebenfalls in der Thermenregion auf achtzig Hektar).

Betriebliche Struktur

Etwa 20.000 Weinbaubetriebe, davon etwa 30 Prozent im Vollerwerb geführt (durchschnittlich etwa 3,2 Hektar groß, nur 17 Betriebe produzieren über eine Million Liter), erwirtschaften mit Wein einen Verkaufswert von circa 650 Millionen Euro. Der Großteil des verkauften Weines wird im Inland getrunken (pro Kopf jährlich etwa 30 Liter). Zwei Drittel der österreichischen Weine sind Qualitätsweine, ein relativ hoher Anteil im weltweiten Vergleich.

Außergewöhnlich häufig wird nach Richtlinien des biologischen Weinbaus angebaut: Mit 13 Prozent besitzt Österreich einen hohen Anteil an biologisch geführten Weingärten (der Höchstertrag ist hier mit 67,5 Hektoliter pro Hektar festgeschrieben) – so, wie die Massenproduktion insgesamt nicht im Vordergrund steht: Fast drei Viertel der Produktion der DAC-Weine (siehe unten) wird in Österreich getrunken, nur etwa 50 bis 70 Millionen Liter von 250 Millionen gehen in ausländische Märkte (35 Millionen Liter davon nach Deutschland, der Rest nach Schweiz, die USA und die Niederlande). (Im Vergleich dazu liegt dieser Wert in Deutschland bei nur 45 Prozent.) Insgesamt werden in Österreich jährlich etwa 2 bis 2,5 Million Hektoliter produziert.

Aufgrund der familiären Strukturen im österreichischen Weinbau sowie durch die hohe Arbeitsintensität und die strikte Ertragsbegrenzung kann das Weinland Österreich nur bedingt in den Preis-Einstiegsklassen präsent sein, bietet aber im mittleren Preissegment außerordentliche Qualität – über 30 Jahre nach dem Glykolskandal von 1987.

Klassifizierung

Seit der Gründung des Vereins Österreichischer Traditionsweingüter (ÖTW) 1992 ist der Versuch einer Klassifizierung der besten Lagen (Rieden) auf Grundlage des Terroirs versucht worden. 2010 wurde denn erstmals das Resultat der Arbeit vorgelegt: 53 Rieden waren klassifiziert, 2016 waren es dann schon 59 Rieden. In diesem Jahr auch wird die Angabe „Ried“ obligatorisch. Im Jahr 2018 erfolgte eine neuerliche Klassifikation, weshalb es inzwischen 72 Rieden gibt, die als ÖTW.Erste Lage ausgezeichnet werden. Davon sind 60 in der Donauregion (Kamptal, Kremstal, Traisental und Wagram), sowie 12 in Wien (Carnuntum wird seit Ende 2019 klassifiziert). Im ÖTW selbst sind 36 Winzer aus der Donauregion, 6 aus Wien sowie 20 aus Carnuntum organisiert.

Gearbeitet wird bereits an der Abgrenzung grosser Lagen, geplant sind ein Anteil von 15 Prozent Erster Lagen und 5 Prozent Grosser Lagen. Dabei umfaßt das Einzugsgebiet des ÖTW etwa 22 Prozent der österreichischen Gesamtrebfläche beziehungsweise. 9.800 Hektar. Am größten ist das Kamptal mit 3.900 Hektar. Hier liegen 18 Erste Lagen. Im Kremstal sind es 30 und im kleinen Traisental 4 Erste Lagen. Am Wagram mit seinen mächtigen Lössböden gibt es 6 Erste Lagen und auch die Weingüter der Steiermark haben sich dieser Klassifizierung nach burgundischem Vorbild angeschlossen (dort hand die Klassifikation nach Lage ihren Ursprung).

Zwar ist die Klassifikation der ÖTW noch nicht im österreichischen Weingesetz verankert, doch könnte sie nahtlos auf der gesetzlich festgelegten dreistufigen Qualitätspyramide der kontrollierten Ursprungsgebiete Districtus Austriae Controllatus (DAC) aufbauen. Denn die Gliederung in Gebiets-, Orts-, und Riedenweine ist übersichtlich. (DAC ist seit 2002 eine österreichische kontollierte Herkunftsbezeichnung, ähnlich dem AOP-System in Frankreich. DACs sind Qualitätsweine mit bestimmter Rebsorte und typischem Geschmacksprofil. Ein nationales Komittee verbindet die regionalen.)

Durch die Weingesetznovellen 1999, 2002 und 2007 wurden überdies neue Gebietsregelungen durch Einbeziehung größerer Weinbaugebiete unter Beibehaltung der kleineren getroffen. Grundsätzlich unterscheidet das österreichische Weingesetz folgende Kategorien:

  • Qualitäts- und Prädikatsweine mit geschützer Ursprungsbezeichnung (g.U.): Es gibt generische Gebiete (die den Bundesländern entsprechen) und spezifische Gebiete, das sind die 13 DACs sowie Wachau, Wagram, Thermenregion und Carnuntum.
  • Landwein mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.): Weinland (Niederösterreich, Burgenland und Wien mit insgesamt 41.500 Hektar), Steirerland (4.200 Hektar) und Bergland (alle anderen Regionen mit circa 150 Hektar insgesamt).
  • Wein aus Österreich ohne geografische Angabe.

Das System der Prädikatsweine, das heißt Qualitätsweine mit besonderer Reife und/oder Lesart, ist eine Spezialtät des österrreichischen und deutschen Weinrechts. Die Trauben werden meist nach der Lese eingebracht, das heißt die Unterscheidung von Weinen erfolgt nach höherem Zuckergehalt, der in Österreich mithilfe der Klosterneuburger Mostwaage (KMW) errechnet wird.

Die KMW misst den natürlichen Frucht- und Traubenzuckergehalt vor der Gärung, das sogenannte Mostgewicht. Dabei gilt folgende Formel:

  • 10ºKMW = 1 kg natürlicher Traubenzucker in 100 kg Most bei 20ºC

In Deutschland wird das Mostgewicht in Oechslegraden (ºOe) angegeben, wobei der Umrechnungsfaktor etwa bei 5 liegt (exakt 4,86ºOe), das heißt: 1ºKMW ~ 5ºOe.

Folgende Prädikatsweinstufen werden unterschieden:

  • Kabinett (Qualitätswein Kabinett oder Kabinettwein muß mindestens 17ºKMW aufweisen und darf nicht angereichert werden. Maximal 9 Gramm Restzucker und 13 Volumenprozent Alkohol)
  • Spätlese (vollreife Trauben mit 19ºKMW)
  • Auslese (21ºKMW)
  • Beerenauslese (Trauben mit Botrytis cinerea mit 25ºKMW)
  • Eiswein (bei – 7 Grad gelesen mit mindestens 25ºKMW)
  • Strohwein / Schilfwein (vollreife Trauben, die – ähnlich wie bei beim passito-Verfahren bei Recioto – drei Monate auf Stroh oder Schilf getrocknet werden und mindestens 25ºKMW oder 30ºKMW nach zwei Monaten aufweisen müssen)
  • Ausbruch (rosinierte, edelfaule Trauben mit mindestens 27ºKMW)
  • Trockenbeerenauslese (ab 30ºKMW)

Anbauregionen

Neben der Katalogisierung nach dem Zuckergehalt, dienen auch die neuen Gebietsregelungen durch Einbeziehung größerer Gebiete und unter Beibehaltung der kleineren einen besseren Übersichtlichkeit. So liegt der Vorteil darin, das nun für die Produktion von Landwein große Gebiete zur Verfügung stehen (Weinland, Steirerland, Bergland). Diese drei Weinbauregionen differenzieren sich wiederum in folgende generische beziehungsweise spezifische (Unter-)Gebiete:

  • Weinland (41.500 Hektar)
  • Niederösterreich (27.000 Hektar)
    • Wachau
    • Kremstal DAC
    • Kamptal DAC
    • Traisental DAC
    • Wagram
    • Weinviertel DAC
    • Carnuntum
    • Thermenregion
  • Burgenland (13.800 Hektar)
    • Neusiedlersee DAC
    • Leithaberg DAC
    • Mittelburgenland DAC
    • Eisenberg DAC
    • Rosalia DAC
  • Wien (610 Hektar)
    • Wiener Gemischter Satz DAC
  • Steirerland (4.200 Hektar)
    • Steiermark
      • Vulkanland DAC
      • Schilcherland DAC
      • Südsteiermark DAC
  • Bergland (circa 150 Hektar, alles andere)

Weinland

Niederösterreich

Niederösterreich ist mit insgesamt 27.100 Hektar das größte Weinanbaugebiet in Österreich. Weinbau wird hier größtenteils am Donauufer und weiter nördlich Richtung der Grenze zur Slowakei betrieben. Von den acht Unterregionen besitzt die Wachau den besten Ruf, obwohl sich die Winzer dort nicht dem DAC angeschlossen haben.

Wachau

Die Wachau ist Österreichs berühmtestes Weinanbaugebiet, selbst wenn sie mit 1.350 Hektar lediglich drei Prozent der Gesamtanbaufläche einnimmt. Sie liegt etwa 65 Kilometer westlich von Wien, am westlichen Rand des Weinlandes, wo die Donau eine Kette aus bis zu 500 Meter hohen Bergen durchbricht. Hier ist ihr zerklüftetes Nordufer, steil wie die Hänge an der Mosel oder Côte Rôtie, überzogen von einem Flickenteppich aus Weinbergen entlang schmaler Wege, die vom Fluss zu den bewaldeten Höhen hinaufführen.

Wachau_Weinanbaugebiete

Die Geografie verleiht den fast ausnahmslos trockenen Grünen Veltliner und vor allem Rieslingen ihr unverwechselbares Profil: Das heißt, das pannonische Klima erreicht hier seinen westlichsten Einflußbereich. Es heizt das Donautal flussaufwärts bis zum östlichen Ende der Wachau auf, während insbesondere der „Spitzer Graben“ im Westen von kühlenden Einflüssen und Niederschlägen aus dem nördlichen Waldviertel und südlichen Dunkelsteiner Wald beeinflußt ist (zum Einfluß des Waldes auf den Wein siehe auch den Essay unter bäumen). Nachts werden die Hänge darüber hinaus von frischer Luft aus Wäldern darüber gekühlt, während nicht zuletzt auch die Donau als Wärmespeicher hilft, die Temperaturen auszugleichen und als Klimaregulator zu fungieren beziehungsweise den Weinen einen besonderen Charakter, eine volle Dichte und eine schöne Säure zu verleihen.

Weinbau findet in der Wachau im Uferbereich der Donau auf Löss und Sand statt, wo insbesondere der Grüne Veltliner gut gedeiht. Die Traditionstraube der Wachau liefert hier lebendige Weine, grün getönt, alkoholreich und fast pfeffrig. Die besten können so lange reifen wie feine Weissburgunder. Grüner Veltliner findet hier ideale Bedingungen – insbesondere Richtung Kremstal im Osten, wo sich die Donau öffnet und anstelle des Gneissbodens vermehrt Löss auftritt. Er ist ein besserer Wasserspeicher und bringt fülligere, cremigere Weine.

Während die flacheren Lagen also für den Grünen Veltliner reserviert sind, verwenden die Winzer die höchsten und steilsten Lagen, die bis zu 200 Meter über der Donau aufragen, für die Rieslingproduktion. Der wird hier auf Urgesteinsterrassen aus Granit, Schiefer und insbesondere Gneis angebaut, wo die Rebe tief wurzeln muss um ans Wasser zu kommen. Im Hochsommer müssen die steilen, nach Süden ausgerichteten Terrassen mitunter sogar bewässert werden (Tröpfchenberieselung), denn die für den Rebbau erforderliche Mindestmenge von 500 Millimeter Niederschlag jährlich wird nicht erreicht. Doch die kühlen Nächte mildern die Folgen der Trockenheit, und die Donau reguliert die Wärme. Insofern vereinen die Spitzenrieslinge aus der Wachau den stahligen Einschlag eines Weines von der Saar mit der vollmundigen Struktur eines Elsässer Grand Cru.

Die Winzer der Wachau hatten bis 2020 ein eigenes, vom DAC unabhängiges Klassifikationssystem zum Schutz und zur Förderung der Wachauer Weine entwickelt, mit dem sie nicht die Reife und den Zuckergehalt zum Maßstab machen, sondern die Bereitung des Weins mit seinem Terroir: Ausschlaggebend ist die Kombination aus Trauben, Jahrgang und Lage – denn auf dem 20 Kilometer langen Streifen sind rund 900 Einzellagen, hier Rieden genannt, klassifiziert (darunter auch die berühmte Riede Achleiten nordöstlich von Weißenkirchen, wo Schiefer und Gneis den Weinen mineralische Struktur verleiht). Dieses Klassifikationssystem, das vom Regionalzusammenschluß Vinea Wachau Nobilis Cistrictus geschützt wird, ist älter als die DAC Bezeichnung und unterscheidet drei Weinkategorien:

  • Steinfeder (das ist das unter Naturschutz stehende Gras „stipa pinnata“, das getrocknet den Hut der Wachauer Tracht ziert) für leichte, spritzige Weine mit maximal 11,5 Prozent Alkohol
  • Federspiel (bezieht sich auf die herrschaftliche Jagd mit Falken: Jener Gegenstand, den man in die Luft wirft, um den Beizvogel zurückzuholen) für elegante, klassische Weine bis 12,5 Volumenprozent
  • Smaragd (Smaragd-Eidechsen sind das Symbol für die wertvollsten Weine der Wachau – sie kommen nur in sehr warmen Regionen vor) entspricht einer Spätlese und steht für hochreife, sehr kraftvolle Weine ab 12,5 Volumenprozent

Als eine von nur fünf Weinbauregionen weltweit wurde die Wachau im Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe: In der Begründung dazu heißt es unter anderem, dass es sich bei dem Abschnitt des Donautals in Niederösterreich „um eine herausragende Kulturlandschaft zwischen Melk und Krems handelt, um eine von Bergen umgebene Flusslandschaft, in der greifbare Zeugnisse einer langen historischen Entwiclung bemerkenswert gut erhalten sind. Die Achitektur, die Siedlungen und die Landwirtschaft in der Wachau illustrieren auf lebhafte Weise eine im Grunde mittleralterliche Landschaft, die sich im Laufe der Zeit organisch und harmonisch entwickelt hat. Die Abholzung der natürlichen Walddecke durch den Menschen begann im Neolithikium, zu radikalen Veränderungen der Landschaft kam es jedoch erst um 800, als die bayrischen und Salzburger Klöster begannen, die Hänge der Wachau zu kultivieren und das heutige landschaftliche Muster aus Weinterrassen anzulegen. Mehrere beeindruckende Schlösser dominieren die Städte und das Donautal; darüberhinaus gibt es überall in den Städten und auf dem Land eine Vielzahl architektonisch und künstlerisch bedeutende Sakralbauten.“

Wichtige Weingüter von Ost nach West sind: Hirtzberger (Spitz), Rudi Pichler (Wösendorf), Prager-Bodenstein (Weissenkirchen), Domäne Wachau und F. X. Pichler (Dürnstein), Leo Alzinger und Emmerich Knoll (Unterloiben)

Kremstal DAC

Das 2.240 Hektar große Kremstal liegt am östlichen Ende der Wachau und markiert gewissermassen den Übergangsbereich zwischen dem klaren Profil der Wachau und der Vielfalt des Kamptals. Weinbau wird hier nördlich und südlich der Donau (im Kremstal im Norden, in der Stadt Krems und im Göttweiger Berg südlich) betrieben, zum Großteil auf eigenartig weichem Löss, halb Boden, halb Gestein, die Ebenen aus Sand und Schotter, sowie etwas Urgestein wie etwa in der nach Süden gerichteten bekannten Lage beziehungsweise Riede Pfaffenberg, die fast schon in der Wachau liegt (wie auch die Riede Steiner Hund), an der Grenze von Stein zu Dürnstein.

Auf dem Lössboden reifen einige der berühmtesten Grünen Veltliner heran – die von fruchtigem Bukett genauso geprägt sind wie von Frische. Denn im Kremstal herrscht großteils ein mildes Klima, das auf das Zusmmentreffen des milderen pannonischen mit dem eher rauen Klima des Waldviertels zurückzuführen ist. Es gibt größere Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, da das weitläufige Kremser Becken – im Gegensatz zur Enge der Wachau – weniger Schutz vor Nachabkühlung bietet. (Trotz der Weite des Beckens gibt es auch hier Weinberge, die so steil sind, daß sie wie in der Wachau terrassiert werden müssen.)

Wichtige Weingüter sind: Josef Nigl (Senftenberg-Priel), Gerald und Wilma Malaf (Furth-Palf), Lenz Moser (Rohrendorf)

Kamptal DAC

Das 3.800 Hektar große Kamptal liegt zwischen dem Kremstal und dem Weinviertel und ist etwas produktiver als sein südlicher Nachbar. Bei der Bodenbeschaffenheit herrschen Lehm und Löss vor, im hügeligen Teil des Tales gibt es aber auch Urgestein. Die vor kalten Nordströmungen geschützten Südhänge profitieren vom selben Klima wie das Kremstal und die Wachau weiter westlich, allerdings ist es im Kamptal durchschnittlich etwa ein Grad wärmer als in der Wachau, da es tiefer liegt. Die bekannteste Lage des Anbaugebietes ist der Heiligenstein, im Mittelalter „Höllenstein“ genannt, was auf viel Sonnenschein auf den wunderschön gelegenen Terrassen schließen läßt. Hier zwischen Zöbing und Kammern gibt es vulkanische Böden, den stärksten Einfluß auf den Anbaubereich übt aber der Fluß Kamp aus, der nachts für niedrige Temperaturen sorgt.

Viele wichtige Winzer leben hier, zum Beispiel Willi Bründlmayer und Sonnhof Jurtschitsch (Langenlois), Fred Loimer (Langenlois), Johannes Hirsch (Kammern) und Schloss Gobelsburg

Traisental DAC

Die 790 Hektar des Traisental liegen südlich der Donau, die Hauptsadt von Niederösterreich, St. Pölten, gehört dazu. Hier ist das Klima vorwiegend mild und der Einfluß des kontinentalen Klimas ist zu spüren, der der Donau hingegen ist nicht mehr so groß. Die Böden bestehen größtenteils auf Löss, Lehm und Schotter. Nur im Westen sind noch die Ausläufer des Wachauer Urgesteinsboden zu erkennen. Entsprechend gedeiht hier auch der Grüne Veltliner am Besten, aber auch der Riesling ist DAC-Klassifiziert.

Wagram

Die 2.450 Hektar Reben des Wagram erstrecken sich nördlich der Donau vom Weinbaugebiet Kamptal nach Osten. Zum Weinbaugebiet Wagram, aber am Rand von Wien gelegen, liegt der einflußreiche Weinbauort Klosterneuburg mit seiner Weinbauschule.

Einst „Donauland“ genannt, wurde es im Jahr 2007 mit der Begründung von zu großen Unterschieden im Terroir und folglich auch im Weintyp in Wagram umbenannt. Herrscht auf Wagram noch der Löss vor, geht dieser südlich der Donau in kalkhaltige Böden über. Die Weine vor allem der Grüne Veltliner, sind daher auch nicht vergleichbar. Im milden Klima mit kühlen Nächten machen sich pannonische und kontinentale Einflüsse bemerkbar. Eine ausgesprochene Rarität sind vor allem die Eisweine.

Ein bekannter Winzer der Region ist zum Beispiel Franz Leth (aus Fels/Wagram).

Weinviertel DAC

Das Weinviertel ist mit 13.360 Hektar das größte Weinanbaugebiet Österreichs und liegt ganz im Nordosten des Landes, zwischen Donau und der Grenze zur Slowakei. Den Weinbau betreffend spricht man auch von einem westlichen Weinviertel, einem östlichen und einem südlichen. Das Klima ist größtenteils kontinental (heiße Sommer, kalte Winter), mit Ausnahme des Südens (Gänserndorf). Hier macht sich der pannonische Einfluß bemerkbar. Auch die Böden sind verschieden: Von etwa Urgestein im Westen gehen sie über in Lössböden mit Schwarzerde, Lehm und Kalkböden. Dementsprechend vielfältig sind daher die Weine. Nicht zuletzt können aus dem Weinviertel auch sehr viele Grundweine (Grüner Veltliner, Welschriesling) für eine Versektung. Denn das Weinviertel wird von den Hügeln der Slowakei überwiegend vor wärmenden Einflüssen der südöstlich liegenden Pannonischen Ebene geschützt – entsprechend sind die Weine auch die leichtesten und frischesten in Österreich. Das gilt insbesondere für die Weine der Klassik-Linie: Das Weinviertel war 2008 das erste Anbaugebiet, das seinen Grünen Veltliner DAC-klassifiziert hat und in diesenm Zusammenhang zwei Stufen für ihre DAC-Weine eingeführt hat: Klassik-Weine (leicht, frisch-fruchtig) und Reserve-Weine (höherer Mindestalkohol und Eichenausbau: 3 statt 12 Prozent).

Wichtige Winzer des Weinviertel sind: Roman Pfaffl (Stetten), Weingut Setzer (Hohenwarten), Schlossweingut Graf Hardegg (Selfeld-Kadolz), Ingrid Grois (Hollabrunn)

Carnuntum

Die 910 Hektar des Carnuntum erstrecken sich südlich der Donau un der Machfeldebene im Süden des Weinviertels von Wien bis zur Grenze zur Slowakei. Die besten Lagen liegen in Göttlesbrunn und Höflein, der bekannte Spitzerberg bei Hainburg. Hier dominiert Kalkstein – als idealer Untergrund für Blaufränkisch -, ansonsten ist das Carnuntum für seine Rotweine aus Zweigelt bekannt (zum Beispiel Rubin Carnuntum), die auf Böden gedeihen, die mit denen des Wagram vergleichbar sind. Es herrscht das pannonische Klima vor, was man schon an der frühen Reife der Trauben erkennt. Die Spezialtät des Carnuntum sind süffige Rotweine.

Wichtige Produzenten: Muhr-van der Nieport (Spitzerberg), Gerhard Markowitsch und Franz Netzl (Göttlesbrunn)

Thermenregion

Die 2.200 Hektar der Thermenregion liegen am Rande des Wiener Waldes im Norden, südwestlich von Wien, und erstrecken sich Richtung Semmering. Klimatisch ist es durch den Wienerwald und die Ausläufer der Alpen gegen allzu kalte Einflüsse geschützt. Dennoch gedeihen hier Weißweine wie Chardonnay besser als im Südosten, an der Grenze zu Leithaberg, wo St. Laurent im Vordergrund steht. Im Norden sind die Böden kalkhaltig und bestens geeignet für kräftige Weißweine, deren Spezialitäten der Zierfandler und der Rotgipfler sind. Der Süden hingegen mit seinen vielen Thermalquellen ist der wärmste Teil Niederösterreichs, er ist – wie auch das Burgenland, weit offen für den Einfluß der Pannonischen Tiefebene.

Wien

Einzige DAC Wiens ist der Wiener Gemischte Satz DAC: „Gemischter Satz“ ist ein Wein, der aus dem Traubenmaterial verschiedener Rebsorten gekeltert wurde, die aus einem Weingarten stammen und gemeinsam verarbeitet wurden. Grund dafür war früher der witterungs- oder krankheitsbedingte Ausfall einer Rebsorte: Durch den Anbau verschiedener Sorten unter gleichen Bedingungen wollte man die Chancen erhöhen, bei ungünstigen Witterungsverhältnissen wie zum Beispiel Frost oder dem Befall mit einer Pilzkrankheit nicht die komplette Ernte zu verlieren. Die gemeinsame Anpflanzung unterschiedlicher, jeweils mehr oder weniger aromatischer, krankheitsresistenter oder ertragssicherer Rebsorten erhöhte die Chancen, dass zumindest manche von ihnen ausreifen und der Wein dadurch eine gewisse Mindestqualität hatte, auch wenn das Ergebnis geschmacklich jedes Jahr anders ausfallen konnte. Es verringerte jedenfalls das Risiko eines Gesamtausfalls.

Gewöhnlich wurden deshalb bis zu sieben Rebsorten mit unterschiedlichen Reifezeitpunkten (früh- bis spätreifend) oder auch unterschiedlichem Säuregrad gemischt angepflanzt, wobei diese je nach Anbaugebiet variierten. Unabhängig davon aber war das Ergebnis dann überall meistens ein hellroter Wein, da auch zwischen weißen und roten Sorten nicht unterschieden wurde.

Innerhalb der Europäischen Union ist die Verwendung des Begriffs „Gemischter Satz“ verboten, das heißt, Österreich hat sich den Begriff 2009 schützen lassen. Seit dieser Zeit ist der Begriff innerhalb der Europäischen Union ausschließlich für Weine aus der „Alpenrepublik“ zugelassen, wo der „Gemischte Satz“ etwa drei Prozent der Gesamtrebfläche ausmacht, was etwa 1.400 Hektar entspricht. Neben Gebieten in der Steiermark sowie im Carnuntum und im Wagram sticht dabei insbesondere Wien hervor, wo der „Wiener Gemischter Satz“ seit 2013 sogar eine eigene Appellation ist.

Der „Wiener Gemischte Satz“ ist die einzige DAC in Wien, zeigt aber gleichwohl die Bedeutung des Weins in der österreichischen Metropole an: Wohl keine andere Hauptstadt der Welt ist dem Wein so verbunden wie Wien – sie gilt als einzige Hauptstadt mit Weinbau. Es gibt hier 610 Hektar Weinberge, allein 180 Hektar davon entfallen auf den „Gemischten Satz“. Nicht zuletzt dürfte dazu Kaiser Joseph II. beigetragen haben, indem er 1784 mit der sogenannten Zirkularverordnung die Voraussetzungen für den bis heute geschätzten Heurigen schuf: Es erlaubte jedermann, seinen selbsterzeugten Wein „zu verkaufen und auszuschenken“. Und der typische, traditionell bei einem Heurigen ausgeschenkte Wein ist nun einmal der „Gemischte Satz“.

Die Wiener Weinberge überziehen die umliegenden Hügel der Stadt bis hinauf zum Wienerwald. Wien mit seinen Großlagen Bisamberg, Kahlenberg, Nussberg und Georgenberg (zu den besten Einzellagen zählen sicherlich der Nussberg am Südufer der Donau und der Bisamberg am Nordufer), liegt dabei im Einfluss des pannonischen Klimas und auch die Donau trägt in ihrer Funktion als Klimaregulator ihren Teil zu den guten klimatischen Verhältnissen bei. Der Boden besteht aus Löss, Schiefer und Kalk. Hier wächst der „Wiener Gemischte Satz DAC“, für den es – anders als für den anderen bekannten „Gemischten Satz“ in Österreich: den „Steirischen Mischsatz“ – bestimmte, genau definierte weinrechtliche Vorgaben gibt. Das heißt, laut DAC-Regularien muss der „Wiener Gemischte Satz“ aus mindestens drei, aus einem gleichen Weingarten stammenden Rebsorten bestehen, wobei die Hauptrebsorte maximal 50 Prozent, die Dritte mindestens 10 Prozent haben muss. Weiters ist vorgeschrieben, dass der Wein ein Verschnitt aus verschiedenen Weißwein- und bis maximal 15 Prozent Rotweinsorten sein darf.

Der „Wiener Gemischte Satz“, der auch der traditionelle „Wiener Heurige[nwein]“ ist, zeichnet sich insbesondere durch seine Komplexität und vielfältige Aromen aus. Zu den besten Lagen zählen Nussberg am Südufer der Donau und Bisamberg am Nordufer. Bekannter Produzenten sind Fritz Wieninger in Stammersdorf und Johann Kattus in Döbling.

Burgenland

Die seichten und oft sandigen Ufer des Neusiedlersees, einem sumpfigen See mit 32 Kilometer Länge, aber nur einem Meter Tiefe, sind heute die Quelle für bekannte Rotweine und weiße Süssweine. Um ihn herum liegt ein Großteil der insgesamt 13.800 Hektar Rebfläche des östlichsten Bundeslands Österreichs. Klimatisch ist aber das gesamte Burgenland durch den pannonischen Einfluß bevorzugt. Durch die hohe Anzahl an Jahresonnenstunden wird der Reifeprozeß der Trauben beschleunigt. Diesem Umstand verdanken die Prädikatsweine ihren weltweiten Ruf. Daneben trägt der Neusiedlersee als Klimaregulator sowie die Vielfalt an Sand-, Schotter-, Kalk- und Lehmböden dazu bei: Diese viier Bodenarten verteilen sich auf die 150Kilometer von Norden nach Süden, wobei Sand und Lehm am Leithagebirge und im Mittelburgenland dominieren und kraftvolle und dichte Blaufränkisch ermöglicht – eine Rebsorte die 7 Prozent der Gesamtrebfläche ausmacht, doppelt so viel ist mit Zweigelt bestockt.

Im Rotwein-Bereich hat sich im Burgenland der größte Wandel vollzogen, insbesondere im Mittelburgenland, das dem Médoc nicht unähnlich ist. Hier ist der Einfluß des pannonischen Klimas am höchsten, die Trauben reifen zuverlässig aus, wobei Frühnebel ihre Säure zähmt.

Neusiedlersee DAC

In der Neusiedlersee DAC produzieren 91 Winzer eine Millionen Flaschen jährlich. Es ist mit 7.650 Hektar das größte Gebiet mit geschütztem Ursprung im Burgenland und erstreckt sich östlich des Sees, am Rand der Permdorfer Platte bis zur Grenze zu Ungarn. Das Land ist hier sehr flach und der See mit hüfthohem Schilf umstanden, daß man selten einen Blick aufs Wasser erheischt.

Eine kleine Erhebung mit 25 Meter gilt hier schon als Berg – und es überrascht, dass hier so große Weine wachsen. Aber das Geheimnis des „Seewinkels“, wie die Region auch genannt wird, ist der See: Den langen, warmen Herbst hindurch hüllt er sich oft in Nebel und fördert so Botrytis cinerea. Ansonsten reguliert er das vorherrschende pannonische Klima (Wärmeausgleich, Luftfeuchtigkeit). Und auch die Bodenverhältnisse (Löss, Kalk und Sand), sind wie geschaffen für grossartige Süssweine. Aber auch der Rotwein hat beachtliches Format: im sandigen Boden versickert beziehungsweise verdunstet das Wasser und es bilden sich Salzkrusten am Boden, die eine spürbare Salzigkeit im Wein hinterlassen, vor allem bei Blaufränkisch. Die besten Rotweine vom Neusiedlersee wachsen aber meist leicht erhöht in einiger Entfernung zum See, wie am Nord-West-Ufer, auf den wesentlich höher gelegenen Kalkstein- und Schieferböden der Leithaberge.

Wichtige Produzenten sind: Hans und Anita sowie Martin Nittnaus, Gernot Heinrich, Paul Achs, Weingut Pittnauer (alle in Gols), Josef Umathum (Frauenkirchen), Leo Hillinger (Jois), Willi Opitz und Weinlaubenhof Kracher (beide Illmitz)

Leithaberg DAC

Die 3.000 Hektar des Gebiets erstrecken sich von den Süd- und Osthängen des Leithagebirges südwärts entlang der westlichen Seite des Neusiedlersees. Leithaberg ist mit Abstand Österreichs striktester und am stärksten auf Terroir bedachter Bereich.

Wenn es insgesamt darum geht, das Terroir herauszuarbeiten, wird auch der Boden wichtig – das wird insbesondere bei Blaufränkisch deutlich, der hier einerseits vom pannonischen Klima und dem positiven Einfluss des Neusiedlersees profitiert, insbesondere aber auch vom Leithagebirge, dessen Boden aus Schiefer und Kalk besteht, der für weniger fruchtige, dafür aber für ausgesprochen mineralisch-kreidige Weine sorgt.

Die Rotweine der DAC gehören sicherlich zu den bemerkenswertesten Tropfen des Landes. Dabei eignet sich der Schiefer- und Kalkboden des Leithagebirges (weiter Südwärts findet man dann Löss und Lehm) nicht nur für mineralische Blaufränkisch, sondern ist auch für gute Weißweine bekannt. Die beiden wohl bekanntesten Winzervereinigungen hier in den Ausläufer der Alpen (auf 250 Meter Höhe) produzieren aber Süsswein: der „Cercle Ruster Ausbruch“ und die „Vereinigung Leithaberg“.

Der „Ruster Ausbruch“ (Botrytiswein ähnlich wie Tokajer Aszu mit mindesten 30 KMW beziehungsweise 150 Oechslegraden) ist dabei wohl der historisch berühmteste Wein des Burgenlandes. Er wurde früher mit Tokajer verglichen, hat aber weniger Säure, mehr Alkohol und liegt von der Süße eher zwischen Beerenauslese und TBA. Das Dorf, das aus der DAC Burgenland ausgestiegen ist, produziert aber auch feine Rotweine und Weissweine.

Bekannte Süsswein-Produzenten sind Ernst Triebaumer, Feiler-Artinger, Heidi Schröck (alle Rust). Die Weinberge weiter vom See entfernt sind weniger von Edelfäule betroffen, auch hier wachsen beträchtliche Mengen von Blaufränkisch. Andi Kollwentz vom Weingut Römerhof (Großhöflein) und Leo Hillinger (Jois) gehören zu den bekanntesten Produzenten, Martin Nittnaus hat hier in Jois auch die Reben für seinen Grünen Veltliner „Elektra“ stehen.

Mittelburgenland DAC

Die 2.120 Hektar des „Blaufränkisch-Land“ liegen direkt südlich des Neusiedlersees. Jede zweite Rebe ist Blaufränkisch, die hier ihr volles Potenzial offenbart. Auch herrscht pannonisches Klima vor und sandige bis schwere Lehmböden. Insbesondere die Reserve-Weine besitzen großes Reifepotential.

Bekannte Winzer sind: Arachon T, FX. T (beide Horitschon), Albert Gesellmann, Johann Heinrich (beide Deutschkreutz)

Eisenberg DAC

Auch die 500 Hektar des weitläufigeren Anbaugebiets Eisenberg im Südburgenland unterliegen dem pannonischen Klima. Hier, ein gutes Stück südlich des Sees fallen die Weine, die auf Schiefer und Lehm gedeihen, deutlich leichter aus als weiter nördlich. Ihre kräftigen Mineraltöne und ihre Würze spiegeln den hohen Eisengehalt des Bodens. Etwa ein Drittel der Reben stehen dabei in Ungarn – und leiden oft unter Frost und Hagel.

Eisenberg ist ein gutes Beispiel, um den Einfluss des Terroirs auf Blaufränkisch aufzuzeigen: hier im Süden Burgenlands, stehen engzeilige, kleine Parzellen in 280 bis 450 Meter Höhe. Im Spätsommer ist es heiß, aber nachts kühlt es ab und von bewaldeten Hügeln weht auch tagsüber ein frisches Lüftchen, was sich gut auf die Säureentwicklung in den Beeren auswirkt. Die feingliedrige, präzise Frucht der Blaufränkisch aus Eisenberg stammt aber mit Sicherheit auch von den eisenhaltigen Böden. Die Weine von hier sind deutlich weniger mineralisch-kreidig als beispielsweise jene weiter nördlich am Leithaberg mit seinen Schiefer- und Kalkböden.

Blaufränkisch hat hier in den letzten Jahren deutlich an Profil gewonnen – die autochthone Sorte wird nicht mehr opulent und marmeladig vinifiziert, sondern Säure und das dazugehörende Tanningerüst sind heute wichtige Faktoren. Nicht mehr Alkohol und Extrakt, sondern Finesse und Eleganz werden immer wichtiger.

Eine Besonderheit in Eisenberg ist ansonsten der „Uhudler“, ein laut Gesetz als Obst-Wein zu bezeichnendes Getränk. Er gilt als Rarität.

Wichtige Produzenten sind: Familie Krutzler (Deutschschützen), Uwe Schiefer (Welgendorf)

Rosalia DAC

Im jüngsten Weinanbaugebiet des Burgenlandes bieten pannonisches Klima und schwere Böden perfekte Voraussetzungen für Blaufränkisch und Zweigelt. Auf 297 Hektar entstehen sowohl kräftig-würzige Rotweine als auch fruchtig-finessenreiche Rosé-Weine.

Steiermark

Mit 4.200Hektar mag die Steiermark zwar nur sieben Prozent der Gesamtrebfläche stellen, die weit verstreut liegen, aber ihr Ruf für Weißwein ist in Österreich unangefochten (Sauvignon Blanc, Chardonnay/Morillon, Welschriesling).

Die Steiermark ist wegen ihrer geologischen Voraussetzungen – sie ist hügelig mit steinigen Lagen (wie zum Beispiel Willi Sattlers Sernerberg) – großteils eine sogenannte Bergweinzone und unterscheidet sich insofern vom restlichen Österreich (mindestens 26 Prozent Hangneigung). Sogar Lagen mit 60 Prozent Neigung sind hier zu finden. Die Bearbeitung ist dementsprechend schwierig und aufwendig. Es herrscht illyrisches Klima mit weitaus mehr Niederschlag als pannonisches: In der Steiermark hat sich der Niederschlag von 500 auf 1.000 Millimeter verdoppelt, weshalb Öko-Weinbau eher schwierig ist. Bei den Böden findet man Vulkangestein, Schiefer, Sand und Löss.

Vulkanland Steiermark DAC

1.900 Winzer in 33 Gemeinden produzieren auf 1.400 Hektar in der Südoststeiermark Wein. Die DAC umfaßt Gebiete entlang des linke Mur-Ufers. Der Großteil ist eine Hügellandschaft mit teilweise steilen Hanglagen. Das Gebiet wird vom trockenen ungarischen Landklima einerseits und von einem feucht-warmen Mittelmeereinfluß andererseits beeinflußt. Die Bodenverhältnisse sind bestimmt durch Sand mit Lehm. Auch Böden vulkanischen Ursprungs sind vorhanden. Die Weine, meist Welschriesling, haben regionale Bedeutung für Buschenschanken und der Traminer gilt als Leitsorte rund um Klöch. Viele kleine Mikroklimata – kleine Wein-Inseln an den Flanken erloschener Vulkane (namensgebend) – sorgen für viele unterschiedliche Stile und Ausprägungen.

Schilcherland DAC (Weststeiermark)

Die 500 Hektar um Graz werden zur Produktion von Schilcherwein verwendet: Der Blaue Wildbacher ist mit circa 80 Prozent die Hauptrebsorte (mit sehr viel Säure!), die die vorhandenen Gneisböden liebt. Auch hier macht sich das Mittelmeerklima bemerkbar.

Schilcher ist eine roséfarbene Rarität mit „rescher“ Säure – und gibts auch in prickelnden Varianten. Das weiße Pferd dient als Symbol des Vereins zum Schutze und zur Förderung des Klassischen weststeirischen Schilchers.

Südsteiermark DAC

Auf den 2.340 Hektar an der Grenze zu Slowenien produzieren die meisten namhaften Winzer der Steiermark. Sie weist ein illyrisches Klima auf und ist mit ihren landschaftlichen Reizen das bekannteste Gebiet mit den steilsten Weinbergen. Die Bearbeitung dieser steilen, großteils aus Schiefer bestehenden Böden ist mühsam. Die an den Südhängen wachsenden Reben Chardonnay, Sauvignon Blanc, Muskateller und Traminer liefern erstklassige Weine (auch auf Muschelkalk).

Eine Besonderheit ist der Schiefer im Sausal. Es liegt höher und nördlicher, ist die höchste Region in Österreich mit hoher Kontinentalität. Hier entstehen elegante Weißweine – wie alle ausschließlich trocken.

Das Sausal unterscheidet sich vor allem geologisch vom Rest der Südsteiermark. Hier gibt es Schiefer – und die Steillagen sind vor 300 Millionen Jahren im Paläozoikum entstanden, ihre Böden bestehen aus phyllitischem Schiefer. Die Höhenlage der Sausaler Weingärten zwischen 430-600 Meter mit ihrer Kühle bringt einen langen und langsamen Vegetationsverlauf mit sich, das heißt die Trauben brauchen entsprechend länger bis zur physiologischen Reife und bewahren sich auch bei sehr hohen Reifegraden eine feine, ausgleichende Säure. So büßt beispielsweise die dünnhäutige Chardonnay-Traube bei ausbleibendem Regen oder zu viel Wärme oft den Säuregehalt ein. Im Sausal aber mit seinem illyrischen Klima, zwischen meditteran und alpin, herrschen perfekte Bedingungen für gute Säure bei voller Reife. Darüber hinaus läßt der Schiefer die Säure schmeckbar erscheinen, denn er ist Speicherarm und schenkt der Rebe, insbesondere der frühreifenden wie eben Chardonnay, ausreichend Trockenphasen. So bleiben die Weine aufgrund ihrer Frische und Mineralität schlank.

Bekannte Winzer: Wilhelm „Willi“ Sattler (Gamlitz), Manfred Tement (Berghausen), Erwin Sabathi (Leutschach), Stefan und Bernhard Schauer (Kitzeck: auf 564 m Höhe, Steillagen: Rauchigkeit, mineralische Würze, beste Lage: Gaisriegel)

Bergland

Von den restlichen Bundesländern hat sicher Vorarlberg, an die Schweiz und Deutschland grenzend, die längste Weinbautradition. 1997 schloss sich der Verein der Weinbautreibenden Vorarlbergs zusammen. Der Weinbau erstreckt sich von Bregenz über Röthis bis nach Feldkirch. Die Böden und der „Föhn“ (ein Südwind, der durch das Rheintal weht) sowie die Speicherwärme des Bodensees sind für die Weine aus Vorarlberg bestimmend.

Top

Standard