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Spätburgunder (Pinot Noir)

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Die Heimat des Spätburgunders liegt sicher im Burgund, wo der Anbau der Sorte seit dem 4. Jahrhundert dokumentiert ist. Pinot Noir hat dünne Schalen, wenig Tannin und Farbe, aber viel Säure. Sein Leitaroma ist Sauerkirsche. Er ist früh austreibend und reifend und braucht eine lange Reife- bzw. Vegetationsphase, ist insofern gut geeignet für „cool climate“-Regionen wie beispielsweise Vosne-Romanée im Burgund. Es muß sogar kalt sein, damit er wenig Säure verliert und Aromen roter Früchte ausbildet. Andernfalls entstehen ungewollte Marmeladentöne.

Am Beispiel des von kalten Meeresströmungen beeinflußten Oregon westlich der Cascade Mountains und Washington mit seiner wüstenartigen Region östlich der Cascade Mountains läßt sich gut der Unterschied zwischen kaltem und warmen Klima und sein Einfluß auf Pinot Noir beobachten. (In Willamette Valley in Oregon herrscht mildes Klima mit ähnlichen Wetterkapriolen wie im Burgund: mildere Winter als in Washington, aber kühlere Sommer als in Kalifornien. Kühlung erfolgt vom Pazifik mit feuchten Herbsten, Cabernet Sauvignon würde hier nicht ausreifen.)

Premiumwein von Pinot Noir wird vor der Gärung gewöhnlich entrappt und auch eine Mazeration findet dann schon statt. Um die Aromen von roten Früchten und floralen Noten zu verstärken, werden mitunter ganze Trauben mit in den Gärtank gegeben und über 30ºC vergoren um eine bessere Extraktion zu erreichen. Die Reifung erfolgt häufig in Eiche (12-14 Monate), aber nicht zu lange bzw. in bereits gebrauchten Fässern. Während der Flaschenreifung entwickelt Pinot Noir pflanzliche und animalische Nuancen (Waldboden, Pilze, Wildbret).

Auf Basisniveau sind Pinot-Noir-Weine oft sehr leicht und fruchtig mit markanter Säure und einem Hauch Eiche. Weine aus der Côte d`Or im Burgund hingegen sind komplexer, würzig, erdig und tanninbetont. Hier jedoch besteht die Gefahr, dass Pinot Noir nicht ausreift: Nur 1 von 3 Ernten ist hier ein Erfolg! Deshalb haben 4 von 5 Burgunder ungewollte Aromen von Kohl und nassen Blättern, d.h. der Jahrgang ist wichtig.

Die sehr alte Sorte (möglicherweise wurde sie schon lange vorher im Niltal angebaut) verlangt viel Sorgfalt und stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. Am besten gedeiht sie in Deutschland in sogenannten Rieslinglagen. Dennoch sind hier etwa 11.300 ha mit Spätburgunder bestockt (11 % der Gesamtrebfläche), weshalb es nach Frankreich und den USA an dritter Stelle weltweit steht. Spätburgunder wird hier insbesondere in Baden (5.750 ha) und der Pfalz (1.600 ha) angebaut. Das Klima ist dort vergleichsweise kühl, was einen typischen Stil von ausgeprägt aromatischer roter Beerenfrucht und schlankem Körper hervorbringt. Die Weine entstehen aus hochreifen Trauben, haben ein fruchtiges Aroma, sind gleichzeitig aber leicht gerbstoffbetont.

Pinot Noirs aus Neuseeland (z.B. aus Central Otago oder in Marlborough) sind generell körperreicher, säureärmer und von intensiverer Frucht als Burgunder. In Australien sind die meisten Regionen für Pinot Noir zu heiß, nur in Lagen, die vom kühlenden Einfluß der Küste oder der Höhenlage profitieren, werden einige Weine von hoher Qualität erzeugt, wie in den Regionen Yarra Valley und Mornington Peninsula in Victoria. Auch die meisten Regionen Kaliforniens sind zu warm, mit Ausnahme von Carneros und kühleren Teilen der Countys Sonoma und Santa Barbara, wo Pinots aber zu Körperreichtum und Vollfruchtigkeit neigen. Ein passenderes gemäßigtes Klima findet sich, wie bereits oben erwähnt, in Oregon.

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