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Riesling

Riesling ist eine aromatische Sorte mit eher fruchtigem und floralem als kräuterwürzigem Charakter wie etwa Sauvignon Blanc. Er ist widerstandsfähig gegen Kälte, treibt erst spät aus – so entgeht er Frühlingsfrösten in Regionen mit „cool climate“ – und reift auch eher spät. Riesling stellt höchste Ansprüche an die Lage, dafür aber geringe an den Boden.

Optimale Bedingungen in Deutschland bieten wärmespeichernde steinige Steillagen, denn die Weinanbaugebiete hier liegen um den 50. Breitengrad, wo stets Gefahr von Frühjahrs- und Herbstfrösten droht, was für spätreifende Sorten ungünstig ist. Andererseits ist Riesling prädestiniert für die nördlichen Anbaugebiete, wo er in der späten Herbstsonne langsam ausreifen (Riesling hat eine lange Wachstumsphase) und sich seine natürliche Säure bewahren kann.

Riesling ist die Leitrebsorte in Deutschland und macht etwa 35 % der Produktion und 22 % der Fläche aus, insgesamt 22.600 ha – die größte Rieslingrebfläche weltweit. Die größten Anbaugebiete in Deutschland sind:

  • Pfalz: Rieslinge von hier schmecken tendenziell deftig und saftig
  • Mosel: verspielt und leicht
  • Rheinhessen: mineralisch und elegant
  • Rheingau: hier nimmt der Riesling mit 2.400 ha fast 80 % der dort verfügbaren Rebfläche in Anspruch
  • Württemberg
  • Baden: fein und duftig

In Deutschland fand Riesling auch die weltweit erste urkundliche Erwähnung: In einer Rechnung der Stadt Rüsselsheim aus dem Jahr 1435. Der älteste zusammenhängende Riesling-Weinberg wurde im Jahr 1720 mit 294.000 Rebstöcke von der Benediktinerabtei in Johannisberg im Rheingau gepflanzt. Im Jahr 1744 verkündete der Bischof von Speyer, daß „kein Alben“ (Elbling), sondern edlere Sorten wie eben der Riesling in und um Deidesheim gepflanzt werden sollen und im Jahr 1787 entschied der Bischof von Trier, daß alle Reben durch Riesling ersetzt werden sollen.

Läßt man Riesling lange am Stock hängen, reichert sich der Zuckergehalt an, ohne dass er seine Säure verliert. Deshalb gibt es in Deutschland viele Rieslinge mit Restsüsse.

Riesling hat viel Säure und intensive Frucht, was ideal für Botrytis cinerea ist. Er zeigt Aromen von grünen Früchten (Apfel, Traube) und Zitrusnoten, in gemäßigteren Zonen kommen Steinfruchtnoten und bei später Lese auch tropische Aromen dazu (er ist dann insgesamt fülliger). Riesling kann bisweilen Jahrzehnte in der Flasche reifen und entwickelt dabei Noten von Honig und Toast sowie Petrol.

In Neuseeland wird Riesling (wie Sauvignon Blanc) meist in Edelstahl vergoren um die fruchtigen Aromen zu erhalten, während er im Elsass manchmal in großen Foudres vergoren wird (Oxidation). Im heißen Australien – im Clare- und Eden-Valley (sowie auch in Washington) – wird der biologische Säureabbau (BSA) unterdrückt, um die Säure zu bewahren und weil sich buttrige Aromen ungünstig auf die reinen Fruchtnoten auswirken würden.

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