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Rheinhessen

Rheinhessen erstreckt sich nördlich der Pfalz am linken Ufer des Rheinknies zwischen Alzey, Worms, Mainz und Bingen. Im Osten wird das Weinanbaugebiet vom Rhein begrenzt, dessen Nebenflüsse wie Appelbach Wiesbach, Selz und Pfrimm die Region durchziehen.

Mit 26.500 Hektar Rebfläche ist Rheinhessen das flächenmäßig größte deutsche Anbaugebiet für Qualitätswein. Etwa die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche wird hier dem Weinbau gewidmet. Diese Anbaubaudichte bedeutet, dass beinahe ein Viertel der gesamten deutschen Weinproduktion aus den 133 Weinorten in Rheinhessen stammt.

Rheinhessen_Weinanbaugebiete

Klima

Rheinhessen zählt mit 1.700 Sonnenstunden jährlich zu den wärmsten und trockensten Anbaugebieten in Mitteleuropa. Gleichwohl wird die Region von mehreren Höhenzügen umschlossen: Im Schutz von Odenwald (rechts vom Rhein), Taunus (im Norden), Hunsrück (Nord-Westen) und Nordpfälzer Bergland (im Westen) gibt es wenig Niederschlag und milde elf Grad Celsius Durchschnittstemperatur.

Boden

Wo sich seit dem Wiener Kongress 1815 das Weinanbaugebiet Rheinhessen befindet, war im Erdzeitalter des Tertiär (vor 65 bis 2,6 Millionen Jahren) ein Meer, das sogenannte „Mainzer Becken„. Als das Becken vor etwa fünfzig Millionen Jahren einstürzte entstand hier der Oberrheingraben und mit ihm der „Rote Hang“ mit seinen Steillagen im Bereich Nierstein. (Mit dem Tertiär beginnt die sogenannte „Erdneuzeit“ beziehungsweise das Känozoikum. Davor war die „Erdmittelzeit“, das Mesozoikum, in der zum Beispiel das „Pariser Becken“ der Champagne entstanden ist. Das Mesozoikum gliedert sich in die Kreidezeit vor 66 bis 145 Millionen Jahren, das Jura vor 145 bis 201 Millionen Jahren und das Trias vor 201 bis 252 Millionen Jahren.)

Zur Entstehung der Rheinlandschaft siehe auch den Essay rheinmythen.

Der Rote Hang im Bereich Nierstein hat seinen Namen von einer Bodenformation, die älter als die Kalkablagerungen des Urmeeres ist: dem Rotliegenden, einem etwa 280 Millionen Jahre alten, toten, eisenhaltigen Gestein (und damit aus dem Paläozoikum), das sich im Tertiär rot färbte und zum Namensgeber für den linksrheinischen Roten Hang wurde. Über diesem Rotliegenden liegt heute gut durchlüfteter, schiefriger Sandstein mit reichlich Nährstoffen, der aber ein schlechter Wasserspeicher ist, das heißt die Reben müssen im insgesamt doch recht niederschlagsarmen Rheinhessen tief wurzeln, um an die Nährstoffe in den uralten Sedimenten zu gelangen.

Ansonsten herrscht Kalk und Löss vor, ein relativ tiefgründiger Boden mit relativ wenig Wasser-Beeinflussung, was gut für frühreifende Sorten wie Müller-Thurgau oder Grau- und Weißburgunder ist. Lössböden finden sich insbesondere am nördlichen Rand des rheinhessischen Plateaus zwischen Mainz und Ingelheim. Im Bereich Bingen findet sich auch Quarzit, Schiefer, Vulkangestein – und Porphyr.

Bereiche

Trotz der Größe ist Rheinhessen in nur drei Bereiche aufgeteilt: Nierstein, Bingen und dem Wonnegau.

Rheinhessen ist eigentlich ein eher flaches beziehungsweise sanft hügeliges Land, es wird auch als „Land der tausend Hügel“ bezeichnet (auf den Hügeln sind – als eine kleine Besonderheit Rheinhessens – etwa 30-40 weiße Trulli aus dem 18. Jahrhundert verteilt: kleine, bunkerartige weiße Häusschen mit Runddach, wie sie aus dem italienischen Städtchen Alberobello in Apulien bekannt sind, wo ganze Wohnhäuser so gebaut sind).

Der gute Ruf des rheinhessischen Weines gründet sich aber auf die einzige Ausnahme davon: die Steillagen des Roten Hanges am Westufer des Rheins im Bereich Nierstein, wo einige der körperreichsten Rieslinge Deutschlands entstehen. Dieses als „Rheinterrasse“ bekannte Gebiet von Nackenheim über Nierstein bis Oppenheim bietet mit seiner mineralischen Hanglage aus Rotliegendem ideale Bedingungen für körperreichen Riesling – insbesondere in den Einzellagen „Niersteiner Roter Hang“ oder „Niersteiner Pettenthal“ (die Grand Cru-Lagen stehen konträr zu der im Jahr 1971 mit der Einführung des deutschen Weingesetzes entstanden Massenweinbezeichnung „Niersteiner Gutes Domtal“, die von 16 Gemeinden bewirtschaftet wird). Hier liegt auch die älteste urkundlich erwähnte Einzellage Deutschlands: Niersteiner Glöck, die im Jahr 742 erstmals genannt wird.

Im Bereich Bingen liegt viel warmer, roter Schieferverwitterungsboden, der finessenreiche Silvaner und Rieslinge hervorbringt. Ausserdem findet man hier auch Quarzitböden, die den Weinen eine deutlich mineralische Note verleiht. Eine Besonderheit im Bereich Bingen ist der von der Nahe bekannte purpurfarbene Porphyrboden im Siefersheimer Heerkretz – der größten deutschen Porphyr-Lage (die nur etwa zehn Kilometer vom Rotenfels an der Nahe entfernt liegt). Porphyr ist vulkanischen Ursprungs und sehr quarzreich und sauer (der ph-Wert liegt bei etwa 3,5-4, während normales Ackerland einen Wert von 6-6,5 aufweist). Er ähnelt damit Granit- und Schiefer-Weintypen. Die Weinberge um Ingelheim sind bekannt für hervorragende Spätburgunder.

Der Bereich Wonnegau ist eine der wärmsten und trockensten Gegenden in Deutschland. Es herrschen kleinschotterige bis steinige Böden vor, die von Löss, schwerem Lehm und Kalk geprägt sind – Überbleibsel des Urmeers vor etwa vierzig Millionen Jahren.

Rebsorten

Vielleicht aufgrund des warmen Klimas gehört Rheinhessen zu den großen Rotweinanbietern (vor allem aus Ingelheim im Bereich Bingen), obwohl das Verhältnis von Weiß- zu Rotwein etwa siebzig zu dreißig Prozent beträgt. Vorne liegt dabei Dornfelder, er wird auf einem Drittel der Rebfläche angebaut.

Bei Weißwein liegt nicht Riesling vorne, sondern die frostresistente, zuckerreiche und säurearme Müller-Thurgau mit 4.300 Hektar. Aber Rheinhessen besitzt auch die weltweit größte Fläche für Scheurebe (die ja in Alzey gezüchtet wurde und heute noch auf 900 Hektar steht). Dasselbe gilt auch für Silvaner, allerdings geht die Anbaufläche für Silvaner kontinuierlich zurück, trotz der Einführung der geschützten Ursprungsbezeichnung „RS“ für „Rheinhessen-Silvaner“: Wurde dieser noch in den 1950er Jahren auf fast drei Viertel der Rebflächen angebaut, steht er heute nur noch auf etwa neun Prozent.

Weine, die unter der Vermarktungsbezeichnung „Selection Rheinhessen“ auf den Markt kommen wollen, müssen strengen Qualitätskriterien entsprechen: Sie müssen aus mindestens 15 Jahre alten Rebstöcken der klassischen Sorten gekeltert und zuvor von Hand gelesen worden sein, wobei maximal 55 Hektoliter pro Hektar produziert werden dürfen und die Trauben bei der Lese mindestens neunzig Oechslegrad aufweisen müssen.

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