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Mosel

Die Mosel verbindet Luxemburg, Frankreich und Deutschland. Das Anbaugebiet Mosel gilt als die älteste Weinregion Deutschlands, Neumagen als ältester Weinort. Rund 5.000 Winzer in 125 Weinorten entlang der Mosel und den zwei Seitentälern Saar und Ruwer bewirtschaften etwa 9.000 ha Weinbergsfläche.

Steilterrassen-Weinbau

Besonders der Riesling hat zum Ruf der Region begetragen und zu Recht verstehen sich die hiesigen Winzer als Riesling-Spezialisten. Dabei befindet sich die Mosel um den 50. Breitengrad, wo es für spätreifende Sorte eigentlich wenig zuträglich ist. Dass Riesling hier dennoch gedeiht, liegt daran, dass die Mosel mit ihrer geschützten Tallage eine der wärmsten Regionen in Deutschland ist. Das liegt insbesondere an den steilen Schieferterrassen über den Flüssen (ähnlich wie im portugiesischen Douro-Tal), die tagsüber die Sonnenwärme speichern und sie in den kälteren Nächten wieder abgeben können.

Rund die Hälfte der Rebfläche an der Mosel befindet sich in Steil- und Terrassenlagen mit über 30 Grad Hangneigung und Südexposition, damit sie die meiste Sonnenstrahlung einfangen können. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Steillagenweinberge als hier (so ist z.B. der Bremmer Calmont mit über 65 Grad Hangneigung der steilste Weinberg Europas: Calmund ist keltisch und und setzt sich zusammen aus cal = kahl/schroff, und mund = Abhang). In die extrem steilen Hänge mussten an vielen Stellen Monorack-Bahnen montiert werden, um den Weinanbau hier überhaupt zu ermöglichen. Deshalb findet man auch oft Kopferziehung, wobei die Rebstöcke an je einem Pfahl befestigt werden und die Triebe oben am Pfahl zusammengebunden werden, um möglichst viel Licht und Luftzirkulation für die Trauben zu gewährleisten.

Klima und Wetter

Hinzu kommt, dass diese Steilhänge einen guten Wasserabluß gewährleisten: Die Hauptmenge des Niederschlags in Deutschland ist während des Beerenwachstums im Sommer – sie nimmt mit der Traubenreife ab –, anders als im Süden, wo zur Reife Wassermangel herrscht und zur Erntezeit der Regen wieder ansteigt. Aufgrund des kontinentalen Klimas mit seinen ganzjährigen Niederschlägen ist die Fähigkeit der Wasserspeicherung der Böden in Deutschland nicht so wichtig wie im mediterranen Klima. Dafür rückt hier die Drainagefähigkeit, der Wasserabfluß, in den Fokus.

Abgesehen von den steilen Schieferhängen sorgen auch geringe Temperaturschwankungen zwischen kälteren Wintern und warmen Sommern, sowie die späte Herbstsonne für ein warmes Mikroklima mit durchschnittlich 10 Grad Celsius und einer extrem langen Vegetationsperiode von April bis Oktober. Durch diese lange Vegetationsperiode können die Riesling-Trauben langsam heranreifen und sich so ihre fruchtige Säure bewahren und natürlichen Zucker entwickeln. Der herbstliche Wechsel warmer Tage und kühler Nächte verleiht ihnen ein weltweit einzigartiges Aroma. Hinzu kommt, daß die Wurzeln der Reben metertief in den Boden eindringen, um sich mit Wasser und Mineralien zu versorgen, was den Weinen eine mineralische Ader verleiht.

Rebsorten

Die Mosel ist bekannt für Riesling. Mit Moselriesling verbindet sich die Vorstellung eines leichten, filigranen Weisswein, dessen Qualität nicht auf Fülle oder Wucht, sondern auf Feinheit beruht.

Allerdings war die Mosel mit ihren 5.000 Winzern noch bis in die 1980er-Jahre berühmt für liebliche Spätlesen – Weine die mit Zuckerwasser und hoch geschwefeltem Most gesüßt wurden. Das ist längst passé, heute spricht man eher vom trockenen Mosel-Kabinett-Stil, der sich durch eine feine Säure, zarte Fruchtaromen und eben einen relativ niedrigen Alkoholgehalt auszeichnet. Insgesamt aber liegt der Anteil trockener Weine an der Mosel nur bei etwa 18 % – so niedrig wie in keinem anderen deutschen Anbaugebiet –, man findet sie am häufigsten im Gutsweinbereich.

Einige der besten Winzer sind sogar der Überzeugung, daß der trockene Weintypus an der Mosel deplaziert ist. So verzichten z.B. Egon Müller und J.J. Prüm auf trockene Weine und damit auch auf „Große Gewächse“, die laut VDP auch an der Mosel 10g RZ/l nicht überschreiten sollen, um das „trockene Erscheinungsbild“ zu gewährleisten. Ansonsten müssen sie als „Erste Lage“ klassifiziert werden, auch wenn Restsüße in dieser Größenordnung bei Moselweinen kaum schmeckbar ist, da die Säuren allgemein hoch liegen.

Eine entsprechendeSpezialität, wie sie es sonst nirgendwo auf der Welt gibt, sind die edelsüßen Weine, die überall an der Mosel regelmäßig und in höchster Qualität geerntet werden: Auslesen, Beerenauslesen (BA), Trockenbeerenauslesen (TBA) und Eisweine. Diese Weine von schwerer Süße laufen dennoch leicht und spielerisch über die Zunge, weil sie von einer sehr hohen Säure geädert sind. Sie weisen nur 9 Vol.% (TBAs und Eisweine sogar nur 7,5 Vol.%) Alkohol auf – im Gegensatz zu den Sauternes aus Frankreich, die doppelt so alkoholreich sind.

Neben Riesling komplettieren weitere Rebsorten das Angebot: Der Rivaner bleibt die zweitwichtigste Rebsorte. An der Obermosel ist mit dem Elbling eine alte Rebsorte heimisch, die möglicherweise schon vor 2.000 Jahren von den Römern hier angebaut wurde. Daraus werden frische, fruchtige und unkomplizierte trockene Weine gekeltert und ebensolche Winzersekte. Zunehmend werden auch Weißer und Grauer Burgunder sowie Auxerrois und Chardonnay gepflanzt, die auf den Muschelkalbböden hervorragende Weine erbringen. Auch Rotweine – allen voran Spätburgunder und Dornfelder – gibt es seit Ende der 1980er-Jahre wieder an Mosel, Saar und Ruwer auf insgesamt 10 % (bis 1987 herrschte an der Mosel ein von Clemens Wenzeslaus von Sachsen ausgesprochenes Verbot des Rotweinanbaus).

Bereiche

Das 243 km lange Anbaugebiet ist in 6 Bereiche unterteilt: Burg Cochem (Terrassenmosel), Bernkastel (Mittelmosel), Obermosel, Moseltor (im Saarland), Saar und Ruwertal.

Das Herzstück der Mosel ist die Mittelmosel, wo man den berühmten grau-blau schimmernden Schiefer, der 400 Millionen Jahre alt ist und aus dem Devon stammt. Er dominiert hier die Weinbergslagen – und bei ihm gedeiht auch Riesling am Besten.

Eine der bekanntesten Weinorte an der Mittelmosel ist Traben-Trarbach, wo es ca. 5 Kilometer unterirdische Keller und Wege gibt, in denen Tausende Fässer Wein lagerten, bevor man sie in alle Welt verschifft hat. Hier waren auch die sogenannten „Schröter“ tätig, die die Zentner schweren Fässer aus den Weinkellern gehievt haben. Mit einer ganz speziellen Technik. Solange bis die Weinpumpe erfunden war und später der Wein nicht mehr in Fässern , sondern Flaschen verkauft wurde.

Den kalkarmen Devonschiefer der Mittelmosel findet man auch an Ruwer und Saar, zwei Nebenflüssen und Weingebiete der Mosel, die geografisch höher gelegen und somit kühler als die Mittelmosel sind. Die Ruwer-Weine fall oftmals noch rassiger aus und können noch filigraner sein. Auch die Saar-Weine haben eine stramme Säure. Aus dem Umstand, dass die Weinberge dort regelmäßig von Frühjahrfrösten heimgesucht werden, haben die Winzer eine Tugend gemacht: Sie lassen einen Teil ihrer Trauben bis in den November oder Dezember hinein hängen und bekommen, wenn das Thermometer unter minus 7 Grad Celsius fällt, grandiose Eisweine.

Auch an der Obermosel wird Wein angebaut, allerdings hauptsächlich Elbling. Man vermutet, dass die Römer die Traubensorte mit nach Deutschland gebracht haben (wie übrigens auch den an der Mosel wieder vermehrt angebauten Weinbergspfirsich, der von China aus über Persien und eben die Römer hierher kam), als sie unter Cäsar in den gallischen Kriegen im 1. Jahrhundert nach Christus, also vor über 2000 Jahren, immer weiter vorrückten, und schließlich auch die Moselregion besetzten und das eroberte Gebiet in die römische Provinz Gallia Belgica eingliederten. Die Mosel, deren Name bis dahin keltisch „Mosea“ war, latinisierten sie und machten daraus „Mosella“.

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts stieg Trier sogar zu einer der Hauptstädte der Tetrarchchie auf und wurde als „zweites Rom“ bekannt. Das ursprüngliche Zentrum der Kolonialstadt entstand in der Regierungszeit von Claudius (41-54 nach Christus). Um die Mitte des 2. Jahrhunderts musste die stark gewachsene Stadt durc h eine Mauer gesichert werden und nach 306 nach Christus ließt Konstantin der Große die Stadt umgestalten. In diesem Zusammenhang erneuerte er auch das ursprüngliche Amphitheater, das neben anderen Bauwerken der römischen Epoche heute zum Weltkulturerbe gehört.

Die untere Mosel ist dagegen wieder „Rieslingland“. Hier sind die Lagen nicht flurbereinigt, was dazu geführt hat, daß viele Winzer den Weinbau aus Rentabilitätsgründen aufgegeben haben. Geologisch unterscheidet sich dieser Bereich, die Terrassenmosel, von der Mittelmosel, denn hier findet sich mehr quarzitischer Sandstein als Schiefer, wodurch die Weine etwas kräftiger und körperreicher ausfallen. Sie schmecken besonders mineralisch, oft sogar richtig salzig.

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