Weinglossar

Franken

Das 6.100 Hektar große Anbaugebiet Franken hat eine 1.200-jährige Weinbautradition, die mit Schenkungen Karls des Großen im Hammelburger Raum begann, und befindet sich gänzlich in Bayern – am Nordrand des Freistaates an 100 km entlang des Mains.

Bereiche und Böden

Franken ist unterteilt in die Bereiche Maindreieck, Mainviereck und Steigerwald. Diese Bereiche unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Bodenbeschaffenheit:

Im Maindreieck (Sulzfeld, Escherndorf, Volkach) herrscht Muschkalkboden vor. Auf den Nährstoffreichen und tiefgründigen Böden ergeben sich mineralische Weine, mit feinem Säurenerv, sowie viel Extrakt. Insbesondere Silvaner gedeiht hier, sowie Riesling (allerdings nur in Spitzenlagen).

Im Mainviereck (Bürgstadt, Klingenberg) liegt warmer Buntsandstein, auf dem sich insbesondere Spätburgunder wohl fühlt.

Im Steigerwald (Iphofen, Castell) liegt schwerer Gipskeuper, der für stoffige Silvaner und Rieslinge sorgt.

Klima

Franken liegt nördlicher als der Rheingau, weshalb die Jahrgangsunterschiede hier (ähnlich wie an der Loire) aufgrund wechselnder Wetterverhältnisse größer sind als weiter südlich. Grundsätzlich ist das Klima hier überwiegend kontinental mit trockenen Sommern und (sehr) kalten Wintern, weshalb sich alle Weinberge an südwärts gerichteten Hängen befinden. Die klimatischen Bedingungen führen zu einer frostfreien Vegetationszeit von 160-190 Tagen (allerdings sind Spätfroste ein stetes Risiko), 1.600 bis 1.750 Sonnenstunden und durchschnittlich 8,5 bis 9 Grad Celsius sowie 500-600 mm Niederschlag.

Rebsorten

Aufgrund des kühlen Klimas ist Franken, mit Ausnahme des Mainvierecks, Weißweinland – über 80 % der Rebfläche sind mit Weissweinsorten bestockt. Aber nicht Riesling steht hier ganz vorne, sondern Silvaner, auch wenn flächenmäßig der Müller-Thurgau die Hauptrolle spielt. Daneben kommt der regionalen Spezialität Bacchus Bedeutung zu.

Bacchus wurde in den 1930er-Jahren von Peter Morio und Prof. Dr. Husfeld an der Bundesanstalt für Rebenzüchtung in Siebeldingen aus den Rebsorten (Silvaner x Riesling) x Müller-Thurgau gezüchtet. Diese Rebsorte erinnert mit ihrem blumigen Muskatton an die Scheurebe, man findet sie aber oft nur mit Restsüße im Prädikatsbereich. Bacchus boomte wie die Scheurebe in den 1970er-Jahren und erlebte ihren Höhepunkt Anfang der 1990er-Jahre, seitdem geht die Rebfläche jedoch kontinuierlich zurück. 2010 waren noch knapp 2.000 ha mit Bacchus bestockt, wobei der größte Teil in Rheinhessen und Franken steht. Seine Popularität verdankt er dem Umstand, dass er – anders als Riesling – eine frühreifende Rebsorte ist, die sehr hohe Reifegrade erreicht und deshalb auch in Lagen angebaut werden kann, die für den Riesling weitgehend ungeeignet sind. Der Bacchus stellt mittlere Ansprüche an die Lage und bevorzugt tiefgründige, frische, ausreichend nährstoffhaltige Böden. Die Sorte ist fruchbar und bringt im Durchschnitt Erträge, die knapp unter denen der Sorte Müller-Thurgau liegen. Die Weine sind extraktreich, fruchtig und blumig (Muskatton). Mit seiner feinwürzigen Aromatik (Orangen und Kümmel) passt er gut zur asiatischen Küche.

Eine weitere urfränkische Sorte findet sich im Steigerwald: der Tauberschwarzer. Er wurde seit dem 16. Jhd. Als Teil des Huntsch angebaut, eines Weines, der als „gemischter Satz“ angebaut wurde und nicht dem Zehnt unterlag. Erstmals wurde als „Tauber schwarze Weinbergsfexer“ in einem Dekret des Hochstifts Würzburg aus dem Jahr 1726 erwähnt. Durch Rebflurumlegungen in den 1950er-Jahren ist sie fast ausgestorben (Mischsatzanlagen wurden gerodet), zuletzt während eines frostkalten Winters im Taubertal in den 1980er-Jahren. Nur in einer Parzelle überlebte ein kleiner Bestand. Seit 1994 ist sie wieder in die Liste der zum Anbau zugelassenen Rebsorten aufgenommen. Heute sind 12 ha im Taubertal damit bestockt. Tauberschwarz wächst im fränkischen Teil des Taubertals auf Muschelkalkboden, der mit weissen Quarzadern, dem sogenannten Feuerstein (Flint), durchzogen ist.

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